AuswandererAuswanderungAuswanderung oder Emigration ist das Verlassen eines Heimatlandes auf Dauer. Auswanderer verlassen ihre Heimat aus wirtschaftlichen, religiösen, politischen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Auf die Auswanderung aus einem Land folgt die Einwanderung (Immigration) in ein anderes. Die Auswanderung von Einzelpersonen aus der Schweiz fand bereits vor dem 19. Jahrhundert statt. Waren es in dieser Zeit vor allem Männer, welche sich als Söldner in fremden Diensten anheuern liessen, wurde die Auswanderung im Verlaufe des 19. Jahrhunderts erstmals zu einem Massenphänomen. In der Schweiz war insbesondere die ländliche Bevölkerung von der Massenauswanderung betroffen. Die starke Bevölkerungszunahme – zwischen 1837 bis 1880 nahm die Einwohnerzahl im Kanton St. Gallen trotz der Auswanderung um rund einen Drittel zu – verschlimmerte die Lebens- und Arbeitszustände zunehmend. Ebenso führte das Realteilungssystem im Erbrecht zu einer Aufsplittung des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens und auch der Bürgernutzen (die Allmend) der Gemeinden musste auf immer mehr Köpfe verteilt werden. Zahlen zur Überseeauswanderung wurden im Kanton St. Gallen erst ab 1844 erhoben. Da sich diese Angaben auf die ausgestellten Reisepässe stützten, sind diese unvollständig (nicht jede Person, welche nach Amerika auswanderte hatte damals einen Reisepass). Quelle: Allgemeiner Anzeiger vom 14. Juli 1855, No. 2. Johann Heinrich (* 19. September 1829 in Wolfhalden - † 28. Dezember 1900 in Rohnerville) ist der Sohn des Johannes Rohner und der Elsbetha Züst von Lutzenberg. Sein Vater (* 1777 in Lutzenberg - † 1855 in Thal) war Söldner in sardinischen und neapolitanischen Diensten und Sklave in Tunis. Heinrich folgte 1849 seinem drei Jahre zuvor ausgewanderten Bruder Johannes in die USA und versuchte sich als Goldgräber in Kalifornien. Nach Heinrich ("Henry") wurde die kalifornische Gemeinde Rohnerville benannt (siehe auch Fortuna). Quelle Bild 3: Find a Grave. Mit Hilfe von Zeitungsannoncen konnten sich interessierte Auswanderer mit der Zeit existierenden Kolonien anschliessen. Bild 1: Allgemeiner Anzeiger vom 4. September 1858, No. 36. Hier wird die neue Kolonie 'Neu Basel' in der Nähe der bereits existierenden Schweizer Kolonie 'Esperanza' beworben. Diese Kolonie (spanisch: 'Nueva Basilea') wurde nie unter diesem Namen dauerhaft besiedelt. Die im argentinischen Santa Fe geplante Siedlung wurde kurz vor ihrer Gründung umbenannt und heisst heute 'San Carlos'. Der Kollaps der Weltmarktpreise für Agrarprodukte um 1880 herum (und die beginnende Verlagerung vom Ackerbau hin zur Viehwirtschaft) führte zur Freisetzung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte. Einige Gemeinden betrieben dabei (im Gegensatz zum Kanton) eine aktive Auswanderungspolitik (arme und randständige Familien wurden bei der Auswanderung unterstützt). In Einzelfällen konnten im Kanton auch "eigentliche Abschiebungen" angetroffen werden. Dies nicht nur von Bedürftigen, sondern auch andere "randständige" Menschen wie hochverschuldete Personen, Mütter unehelicher Kinder, noch nicht erwischte Straffällige, entlassene oder begnadigte Strafgefangene, vereinzelt sogar Kranke und Behinderte (letztere hatten auch in Amerika keine guten Aussichten). Die drei grossen Schweizer Auswanderungswellen fanden um 1817, anfangs der 1850er-Jahre und um 1883 herum statt. Die erste grosse Spitze ist dem Ausbruch des Vulkans Tambora zu "verdanken" («Jahr ohne Sommer»). 1845 ereilte das "Amerikafieber" 810 St. Galler. Die Fahrt zum Einschiffungshafen (meist Le Havre) erfolgte in den ersten Jahren noch per Pferdefuhrwerk (erst ab 1860 gab es eine durchgehende Bahnverbindung). Mit dem Segelschiff dauerte die Überfahrt zwischen 30 und 40 Tage (mit dem sich ab 1860 durchsetzenden Dampfschiff verkürzte sich die Reisezeit auf knapp eine Woche). Die grosse Mehrheit der Reisenden reiste im Zwischendeck (einem sich auf Wasserhöhe befindlichen niedrigen Raum mit zweistöckigen Betten). Oftmals waren die hygienischen Umstände katastrophal. Die Weiterreise ins Landesinnere geschah anfänglich von New Orleans ausgehend mit dem Mississippi-Dampfer. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde jedoch New York (Ellis Island) zum bedeutendsten Einwanderungshafen. Dem zweiten grossen Ausschlag in den Statistiken von 1851-1855 liegen aufeinanderfolgende Missernten zu Beginn der 1850er Jahre zugrunde. 1865 wurde wiederum ein Spitzenwert erreicht, was die Auswanderungen nach Amerika anbelangt. Im selben Zeitraum fand in den Vereinigten Staaten ein Konjunkturaufschwung statt. Da sich gegen Ende der 1870er Jahre in Nordamerika zum ersten Mal nach Ende des Sezessionskrieges (1861-65) eine Erholung der Wirtschaftslage abzeichnete, welche in den 1880er Jahren in eine Hochkonjunktur mündete, während sich zeitgleich die Wirtschaftssituation in der Schweiz gegenteilig entwickelte, entschlossen sich viele Schweizer, ihr Glück ab 1881 in Übersee zu suchen (1881 verzeichneten die Auswanderungsstatistiken nach Amerika wiederum einen Spitzenwert). Agenturen Auswanderungsagenten unterstützten Auswanderungswillige bei deren Vorhaben. Anfänglich (17. und 18. Jh.) wurden viele Auswanderer mit dem 'Redemptioner-System' geködert, zumal viele von ihnen bereits bei der Ankunft im Einschiffungshafen mittellos ankamen oder es spätestens da wurden. Um die Reise nach Amerika dennoch antreten zu können, verdingten sich die Emigranten als sogenannte 'Redemptioner' (d.h. sie mussten, nach ihrer Ankunft in Amerika mehrere Jahre ihre Schuld abarbeiten). Besonders arglistig war eine Klausel, die besagte, dass jene Auswanderer, die lebendig in Amerika ankommen, sich verpflichten, auch für die Reisekosten jener aufzukommen, die die Überfahrt nicht überleben sollten. Initial wurden die Passagen- und Auswanderungsagenturen oft von Reedereien und Schiffsmaklern, sowie von gewieften Kaufleuten gegründet, welche die Gewinnmöglichkeiten mit den Auswanderern erkannten. Erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wandelten sich viele Agenturen allmählich zu behördlich konzessionierten Vermittlern und Organisationen. Nicht viel änderte sich am Umstand, dass die Agenturen und ihre überall im Lande positionierten Agenten Auswanderungswillige anwarben und köderten (auch mit Zeitungsinseraten). Für die Schweiz war Basel ein 'hot spot' - dort hatte es bis zu zehn konzessionierte Agenturen. Auf dem Platz Basel waren seit den 1840er-Jahren insbesondere die Agenturen von A. Zwilchenbart – die "Schweizerische AG für Auswanderung" – und die "Schweizerische Auswanderungs-Anstalt Beck & Herzog" aktiv. Diese Agenten bereiteten zunehmend Schwierigkeiten. 1854 strandete eine Gruppe von 40 Werdenbergern in Le Havre infolge Konkurses ihres Agenten. Im selben Jahr wurde ein kantonales Gesetz zur Regelung des Agenturwesens erlassen. Bild 1: Allgemeiner Anzeiger vom 11. August 1855, No. 7. Oberlehrer Keel in Rebstein und das konzessionierte Bureau des Kumpels A. Mannhard lotsen Auswanderer nach Brasilien und versprechen den Gemeinden ihr Geld zurück. Bild 2: Allgemeiner Anzeiger vom 3. September 1864, No. 36. Die "Seriosität" der Agentur 'Bion-Glück' ist in einem kleinen Bericht beschrieben. Bild 3: Allgemeiner Anzeiger vom 17. August 1867, No. 33. Diesmal mit dem Schiff 'Arago'. Am 24. Dezember 1880 wurde das 'Bundesgesetz betreffend den Geschäftsbetrieb von Auswandereragenturen' erlassen. In diesem wurde unter anderem von den Agenturen verlangt, ein Patent zu lösen und eine Kaution von 40'000 Franken zu deponieren. Artikel 13 § 1 forderte: «Die Beförderung auf Eisenbahnen hat in gut geschlossenen Waggons zu geschehen, worin nur so viele Personen untergebracht werden dürfen, als Sitzplätze vorhanden sind.» Bei der Teilrevision des Gesetzes im Jahr 1888 wurden die oft noch rudimentären Bestimmungen verschärft. Neu mussten die Agenturen auch für jeden für die Agentur tätigen Unteragenten 3000 Franken an Sicherheit hinterlegen. Um den Bestimmungen des Bundesgesetzes Nachdruck zu verleihen, schuf der Bundesrat im September 1888 ein Schweizerisches Auswanderungsbüro, um die Agenten, Unteragenten und Passagebillett-Verkäufer besser beaufsichtigen zu können. Kaum war das neue Bundesamt operativ tätig, mussten sich die Beamten wehren, nicht ständig von den Auswanderungsagenturen behindert und instrumentalisiert zu werden. Die beiden führenden Basler Agenturen A. Zwilchenbart und Ph. Rommel beschwerten sich immer wieder beim Auswanderungsbüro über den jeweils anderen. 1888 hatte es in Basel die folgenden Agenturen (teils mit vielen Unteragenturen):
Die älteste Agentur (gegründet um 1834) auf dem Platz Basel war die Auswanderungsagentur von Andreas Zwilchenbart (1786-1866). Nach dessen Tod übernahm zuerst dessen Schwiegersohn Johann Emanuel Landerer und dann als letzte der Familie Zwilchenbart die Witwe Maria Emma (1825-1901) die Firma. Ab 1874 stieg Carl Johann Im Obersteg in den Betrieb ein und kaufte den Betrieb 1881 ("Zwilchenbart Schweiz AG für Auswanderung"). 1890 wandelte die Familie Obersteg die Firma in eine Aktiengesellschaft um, die nach dem 1. Weltkrieg, als das Auswanderungsgeschäft zum Erliegen kam, auch in der Reisebranche tätig wurde (1952 wurde das Reisegeschäft verkauft). Die "General-Agentur für Auswanderung" von Ph. Rommel vergrösserte sich anno 1871, indem der Zwilchenbart-Prokurist Johannes Bolliger abgeworben und zum Teilhaber ernannt wurde. Otto Stoer gründete 1865 seine eigene Agentur, nachdem er lange bei Zwilchenbart gearbeitet hatte. Die mittelgrosse Agentur M. Goldsmith (samt einem Dutzend Unteragenten) ging 1884 an die Herren J.M. Bauer und Ad. Müller. Bild 1 Agentur Ph. Rommel: Luzerner Tagblatt, No. 27, 28. Januar 1867, Bild 2 Agentur Ph. Rommel: Der Rheintaler vom 10. Juni 1880, No. 25, Bild 3 Agentur Ph. Rommel: eLiechtensteinensia, 1882, Bild 4 Agentur A. Zwilchenbart: Hinkende Bot, Bern, 1883, p. 59. Personen und Familien, welche ausgewandert sindDie unten stehende Liste ist nicht vollständig, da sie erst spät erstellt wurde. D.h., in der Genealogie-Datenbank sind noch weitere Auswandererfamilien erwähnt. Die Liste wird jedoch fortlaufend erweitert. Söldner werden nicht als "Auswanderer" betrachtet, da ihr Auslandaufenthalt befristet war (sofern sie nicht in der Fremde umkamen).
Auswanderungen mit unbekanntem Reisedatum
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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 19. Juni 2026)