*** Maria Elisabetha (Elisabeth) Lottersberger-Thurnherr ***

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Johann Kaspar (Kaspar, "Müllers", "Müllerskaspers")

Thurnherr

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Maria Elisabetha (Elisabetha)

Thurnherr-Törig

... Eltern von ...

Maria Elisabetha (Elisabeth)

Lottersberger-Thurnherr

* Fr, 1852-07-30

... verheiratet mit ...

...

 

Sa, 1883-10-27

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Sebastian

Lottersberger

...


*** Report ***


Personalien

Name

Maria Elisabetha (Elisabeth) Lottersberger-Thurnherr

Bürgerin von

Oberriet, SG

Geboren am

1852-07-30 in Oberriet, SG

Beruf(e)

Hausiererin (1875)

Wohnort(e)

Oberriet, SG (1852)


Eltern

Vater

Johann Kaspar (Kaspar, "Müllers", "Müllerskaspers") Thurnherr (1819-01 bis 1893-08-24)

Mutter

Maria Elisabetha (Elisabetha) Thurnherr-Törig (1823-01-24 bis 1884-10-19)


Partner

Ehemann

Sebastian Lottersberger (1848-01-30)
Hochzeit am 1883-10-27 in Oberriet, SG

 

Karte

 

Das Lotterleben der Elisabetha Thurnherr

Elisabetha hausierte seit sie 13 Jahre alt war mit Ellenwaren.

In Chur wurde sie beim Diebstahl erwischt und musste für 9 Monate ins Gefängnis.

Am 25. Juli abends brannte in Oberriet das (Doppel-) Haus von Kaspar Thurnherr (Vater der Angeklagten) und von Johannes Kühnis, Michels Jakobs, nachdem es am selben Tag bereits in einen Torfhaufen unter der Schöpfli-Stiege gebrannt hatte (dieser Brand konnte jedoch rechtzeitig gelöscht werden).

Am 14. November meldet das Grossherzoglich-Badische Gendarmerie-Corps (Konstanz / Messkirch) gehorsamst einen Diebstahl durch Einbruch ("mittelst eintrückens einer Fensterscheibe und öffnen des Fensters") zum Nachteil des Kaufmanns Anton Gitschier von Engelswies. Gestohlen wurde 3 fl 30 kr an Bargeld (ein 35 kr Stück, zwei halbe Franken, einige Sechser, Groschen, 10, 5, und 2 Pfennigstücken), eine Frauenstuhkhacke ("hinten mit schwarzen Franzen besetzt") - Wert: 3 fl, ein grosser Herren-Zugstiefel (frisch gesohlt und gefleckt) - Wert: 4 fl, zwei schwarze "seitene" Haarnetze à 27 kr und verschiedene Weisswaren (Taschentücher und Brusteinsätze für Hemden). Der Verdacht ruhte auf einer frommen Person, welche sich am 12. über Mittag in Engelswies aufhielt, etwa 20 Jahre alt, mittelgross, halbblond, blass, blkleidet mit dunkelgrünem Rock und dunkler Tuchjacke- Auf dem Kopf trug die Person einen weissen und um den Hals einen weissblauen Schlips. Die Person sprach schweizer Dialekt. Am 13. um 7 Uhr wurde die Person in der Wirtschaft 'zum Zoller' in Vilsingen von der Ehefrau des Jakob Emele "zum Zoller" mit dem Diebesgut gesehen. Die Person hatte dort einen Kaffee getrunken und sich danach entfernt.

Am 22. November 1874 löste Elisabetha ein Bahnbillett von Maienfeld nach Oberriet. Da sie in Oberriet bereits einen Diebstahl begangen hatte, wurde nach ihr gefahndet. Die Anklageschrift vom 28. November bezichtigte sie der Brandstiftung und des Diebstahls. Die Brandstiftung scheint infolge einer Feindschaft gegen Kühnis stattgefunden zu haben und um dem väterlichen Hause zu entfliehen. Diese Motive wurden jedoch angezweifelt.

Verhöre:

Kaspar Thurnherr, Müllerskaspers (Vater von Elisabeth) war am Abend des Brandes noch in Montlingen und kam von dort gegen 21 Uhr zurück. Es brannte noch Licht in der Küche und die Laterne stand vor dem "Schöpfle". Er blieb noch- im Sinne einer Brandwache, da es ja an diesem Tag bereits einmal gebrannt hatte - bis etwa 12 Uhr auf und wollte zu Bett gehen. Aber da stand bereits das "Schöpfle" in Brand. Seine Frau war bei der Flucht aus dem Haus ganz entblösst, seine Tochter konnte in der Eile noch einige Kleider im Kasten zusammenraffen. Sonst konnte nicht gerettet werden. Im unteren Schopf hatte es etwa 5 Fuder an Schollen im oberen Schopf hatte es einigen "Schaiten" und Feldgeräte. Das Verhältnis zum Nachbar Kühnis war getrübt, aber wirkliche Streitigkeiten gab es nie. Kaspar erwähnte, dass er einmal mit seinem Sohn Johannes, Johannes Kühnis und dessen Vater im Riet waren und auf den Brandfall im Schäfle in Montlingen zu sprechen kamen. Sie bezichtigten des Schäflewirt der Brandstiftung, worauf Johannes Wüst gesagt haben soll, dass er es in einer solchen Situation genauso machen würde. Nachdem die Tochter Elisabeth gestanden hatte, dass sie ihrem Bruder Johannes 120 Franken entwendet hatte wurde Kaspar gefragt, ob seine Tochter dafür bestraft werden solle, was er verneinte. Maria Elisabetha Thurnherr geb. Dörig hatte am Brandtag in Eichberg und "Umgegend" hausiert. Als der Abend-Eisenbahnzug aufwärts fuhr (etwa um 20 Uhr) fefand sie sich auf dem Heimweg im Loh, noch einige Minuten vom Dorfe entfernt. Ihr Mann kam ihr entgegen und sagte, dass er nach Muntlingen gehe. Da er aber keinen gehörigen "Tschoppen" anhatte, veranlasste sie ihn mit ihr nochmals zum Haus zurückzukehren. Maria [Elisabetha] sagte ihr, dass sie ihr den Kaffee ins Ofenrohr (Rohr, das von der Kunst verwärmt wird) getan habe. Die Mitter begnügte sich mit diesem Kaffee als Nachtessen. Danach zählte sie das Geld aus der (Hausierer-) Tasche. Die Tochter hatte die Haustüre geschlossen, aber den Schlüssel noch nicht gelegt. Als diese noch den Schlüssel legen wollte, kam ihr Rauch entgegen und sie rief "Herr Jesus, Maria o Joseph!". Die Mutter rief den Nachbarn Johannes Kühnis. Auf den dritten Ruf kam dieser. Bis dahin hatte die Mutter mit einem Kessel voll Wasser in die Laube geschüttet. Johannes Kühnis löschte danach den Brand unter der Stiege und sorgte dafür, dass das Brandgut entfernt wurde. Die Mutter wollt anfangs noch bei Gemeinderat Dux Anzeige erstatten, wovon sie Johannes Kühnis abbrachte. Um 21:30 Uhr kam ihr Mann nach Hause. Zur Tochter meinte sie, dass diese nach dem Diebstahl in Chur nicht mehr zuhause bleiben wollte. Am Vortag des Gebhardsfestes (der hl. Gebhard ist der Patron der Diözese Feldkirch, dieses Amt teilt er sich mit dem hl. Fidelis; zu seinem Todestag am 27. August wird dem Bregenzer Heiligen gedacht) gingen sie auf den Gebhardsberg bei Bregenz (Kapelle am Gebhardsberg). Dort entwischte die Tochter und nahm ein Werktagskleid und ein Sonntagskleid und ein Körbchen mit.

Urteil: 6½ Jahre Zuchthaus.

Elisabetha Thurnherr

Quelle: Die Ostschweiz, 9. Februar 1875

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Aktualisierung: 24.11.2025)
Letzte Änderung der Daten: 2014-09-29
Quellen: Oberriet, Bürgerregister (No. 1244) - Kind
 
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