*** Antoine A. ("Tony") Degrémont ***

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Etienne Aldebert Victor (Etienne)

Degrémont

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Germaine

Degrémont-Basquin

... Eltern von ...

Antoine A. ("Tony")

Degrémont

* Sa, 1938-10-15
† Di, 2025-04-22

... verheiratet mit ...

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Martine

Degrémont-Armand

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Christa Margaretha (Christa)

Degrémont-Stieger

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Anne-Carole Clauss-Degrémont

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«B. D.»

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Michaël Degrémont

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Nicolas Degrémont


*** Report ***


Personalien

Name

Antoine A. ("Tony") Degrémont

Bürger von

Le Cateau-Cambrésis, Nord, France

Geboren am

1938-10-15

Gestorben am

2025-04-22 in Podere Formelli, Formelli 16, Commune di Trequanda, Petroio, Italia
Begräbnis: Podere Formelli, Formelli 16, Commune di Trequanda, Petroio, Italia

Titel

professeur

Beruf(e)

directeur de l'Institur suisse des Tropiques (1986, 1987, 1988, 1993, 1994, 1997)

Wohnort(e)

5, Rue de la Liberté in Stetten bei Sierentz; Podere Formelli, Formelli 16, Commune di Trequanda, Petroio, Italia (2003-2025)


Eltern

Vater

Etienne Aldebert Victor (Etienne) Degrémont (1903-03-08 bis 1977-07-05)

Mutter

Germaine Degrémont-Basquin (1912-02-23 bis 1997-02-20)


Partner

Ehefrau

Martine Degrémont-Armand (1936-11-25)

Ehefrau

Christa Margaretha (Christa) Degrémont-Stieger (1950-06-15)


Kinder

Tochter

Anne-Carole Clauss-Degrémont (~1962 bis 2014-10)

Tochter

Anne-Carole Doublet-Degrémont (~1962 bis 2014-10)

Sohn

B. D.

Sohn

Michaël Degrémont (~1966 bis 2013-09-21)

Sohn

Nicolas Degrémont ()


Hatte in erster Ehe 4 Kinder. Im Oktober 1987 wurde Toni vom Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt zum ausserordentlichen Professor ernannt (Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nummer 239, 15. Oktober 1987). Am 1. Juli 1997 löste Professor Marcel Tanner Toni als Leiter des Schweizerischen Tropeninstituts ab.

Verstorben am 22. April 2015 an einem Herzinfarkt.

 

Todesanzeige

Antoine Degrémont (1938-2025)

Quelle: Basler Zeitung

 

Nachruf 1

Abschied von Antoine Degrémont: Der ehemalige Direktor des «Tropeli» war ein Abenteurer und engagiert für die Menschen

Am 22. April ist Antoine Degrémont mit 87 Jahren verstorben. Degrémont war von 1987 bis 1997 Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH).

Marcel Tanner

Der junge Antoine (Tony) stand auf dem staubigen Tennisplatz in Le Cateau-Cambrésis, einer Kleinstadt im Nordosten Frankreichs. Wie aus dem Nichts fiel ein Skarabäus (Scarabaeus sacer) vom Himmel in den roten Sand des Courts. Behutsam nahm Antoine das Insekt in seine Hände und betrachtete den bläulich schimmernden Panzer von allen Seiten. «Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mein Leben der Biologie widmen möchte», erzählte Degrémont.

Nach Abschluss seines Medizinstudiums klang die Ausschreibung für eine Arztstelle im Iran wie eine Verheissung. Gesucht wurde ein Mediziner, der sich um die 700 französischen Arbeiter kümmerte, die im Land des Schahs eine neue Eisenbahnlinie verlegten. 1961 zog er für knapp ein Jahr in einen Eisenbahnwaggon und verarztete dort die Arbeiterschaft.

Für die Spitalversorgung schoss er Büffel

Der Drang, wegzufahren, lag in seinem Naturell. Nach seinem Iran-Aufenthalt und dem Militärdienst ging es für Degrémont ins Spital in Mossaka, Kongo-Brazzaville. Er war Tag und Nacht gefordert, operierte, ging auf Visite, bildete lokales Personal aus. Zusätzlich reiste er auf Pirogen durch die Gegend, behandelte Malaria und Lungenentzündungen, traf sich mit den Notablen oder den Fischern. Dem Spital fehlte es an einer Küche, um die Patientinnen und Patienten ernähren zu können. Dafür sorgte die Bevölkerung oder Degrémont selbst, der zusammen mit der Lokalbevölkerung an den Wochenenden Büffel schoss.

1965 ging er zurück nach Paris, erwarb sich ein Diplom in Biologie und eröffnete eine tropenmedizinische Praxis, die sich vor allem auch um die Gesundheit von Migrantinnen und Migranten kümmerte. Doch ganz wohl war es ihm in der französischen Hauptstadt nie.

Dritter Direktor des Swiss TPH

1987 wurde Degrémont zum dritten Direktor des Swiss TPH und zum ausserordentlichen Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Basel ernannt. In der Ausbildung von Gesundheitsfachleuten setzte er neue Ausbildungsziele auf nationaler und internationaler Ebene.

Nach seiner Pensionierung 2003 wurde sein Gutshof Formelli in Petroio, Toskana, den er und seine Frau Christine schon ab 1988 vollständig renoviert hatten, zum Lebensmittelpunkt. «Ich bin ein Bauer, ein Abenteurer und ein Bastler», pflegte er lachend zu sagen. Degrémont hat stets gewusst, woher er kam, aber hat nie in der Vergangenheit gelebt, und er hat andere dadurch stimuliert und weit getragen. Am Nachmittag des 22. April 2025, inmitten der Arbeiten in seinem Formelli, ist ein reiches Leben zu Ende gegangen.

Antoine Degrémont (1938-2025)

Quelle: Nachruf von Marcel Tanner; Bild (Antoine Degrémont in seinem Büro in Mossaka, Kongo-Brazzaville) aus https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/ (Quelle: zvg)

 

Nachruf 2

Prof. Dr. Antoine A. Degrémont (15.10.1938 - 22.04.2025)

28.04.2025

Am 22. April 2025 ist Antoine Degrémont mit 87 Jahren verstorben. Degrémont war Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) von 1987 bis 1997. Mit ihm verlieren wir einen weitsichtigen und sozial engagierten Menschen und einen geachteten Kollegen und lieben Freund.

Schon in jungen Jahren stand für Antoine Degrémont fest, dass er sein Leben der Biologie widmen wollte. (Foto: R. Duerr, Swiss TPH)

Antoine (Tony) Degrémont sind die Biologie und Ökologie sprichwörtlich vor die Füsse gefallen. Der junge Antoine stand auf dem staubigen Tennisplatz in Le Cateau-Cambrésis, einer Kleinstadt im Nordosten Frankreichs und schlug die Bälle über das Netz. Wie aus dem Nichts fiel ein Skarabäus (Scarabaeus sacer) vom Himmel in den roten Sand des Courts. Behutsam nahm Antoine das Insekt in seine Hände und betrachtete den bläulich schimmernden Panzer von allen Seiten. «Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mein Leben der Biologie widmen möchte», erzählte Degrémont.

Der heilige Skarabäus ernährt sich vom Kot von Weidetieren. Er schneidet grosse Portionen aus frischen Dunghaufen, formt sie - im Vergleich zu seiner Körpergrösse - zu riesigen Kugeln und rollt sie mühsam über den Boden. Für Degrémont stand der Skarabäus sinnbildlich für sein eigenes Leben: «Il faut vraiment pousser pour arriver à quelque chose», sagte er.

Mit 16 Jahren hatte Degrémont die Matura in der Tasche. Der Sohn eines Ingenieurs wollte aus der bürgerlichen Enge seiner Familie ausbrechen und sich für ein Biologiestudium in Paris einschreiben. Doch ein Bekannter seiner Eltern riet zu einem akademischen Umweg: Ohne Medizinstudium sei kein guter Biologe zu machen, meinte dieser. Wohl fühlte sich Degrémont nicht: «Alles war auf Konkurrenz und nicht auf Zusammenarbeit getrimmt», erinnerte er sich. Nach Abschluss klang die Ausschreibung für eine Arzt-Stelle im Iran wie eine Verheissung. Gesucht wurde ein Mediziner, der sich um die 700 französischen Arbeiter kümmerte, die im Land des Schahs eine neue Eisenbahnlinie verlegten. 1961 zog er für knapp ein Jahr in einen Eisenbahnwaggon, richtete eine Praxis ein und verarztete die Arbeiterschaft. Dabei sah er auch die grossen sozialen Unterschiede. Er erlebte, dass die Gesundheit nicht nur abhängig von tödlichen oder lästigen Keimen ist, sondern vor allem auch durch soziale Herkunft, ökonomische Ungleichheit und politischer Entscheide geprägt wird. So hat er Gesundheit und Krankheit immer als Systeme zu verstanden.

Der Militärdienst in Frankreich nach seinem Iran-Aufenthalt war nur eine kurze Episode in seinem Leben. Der Drang wegzufahren lag in seinem Naturell. Es ging ins Spital in Mossaka, Kongo-Brazzaville. Die Präfektur, die Degrémont betreute, war so gross wie die Schweiz. Die Arbeit im Spital war anstrengend, die Stationen heillos überfüllt. Degrémont war Tag und Nacht gefordert, operierte, ging auf Visite, bildete lokales Personal aus. Zusätzlich betreute er die Präfektur und reiste auf Pirogen kreuz und quer durch die Gegend, behandelte Malaria und Lungenentzündungen, traf sich mit den Notablen oder den Fischern. «Ich genoss die Freundschaft und den gegenseitigen Respekt mit der lokalen Bevölkerung, eine Freundschaft, die nie forderte, dass ich mein Wesen hätte ändern müssen». Oft fehlte es dem Spital an nötigen Medikamenten, auch fehlte es an einer Küche, um die Patientinnen und Patienten ernähren zu können. Dafür sorgte die Bevölkerung, die im Umkreis des Spitals lebte, oder Degrémont selbst, der zusammen mit der Lokalbevölkerung an den Wochenenden Büffel schoss. Der Abschied vom Kongo fiel Degrémont schwer. 1965 ging er zurück nach Paris, erwarb sich ein Diplom in Biologie (Immunologie, Parasitologie und Bakteriologie), und eröffnete eine tropenmedizinische Praxis, die sich vor allem auch um die Gesundheit von Migrantinnen und Migranten kümmerte. Doch ganz wohl war es ihm in der französischen Hauptstadt nie.

Ein Glück, dass Claude Lambert, Entwickler von Ambilhar, Degrémont als Projektleiter des Mangoky-Projekts (1966-1971) in Madagaskar vorschlug. Das Projekt unternahm einen grossen klinischen Versuch in einem Hockrisikogebiet für Bilharziose in Bas-Mangoky. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) war bereit, das Unterfangen zu finanzieren. Dem Swiss TPH unter seinem damaligen Direktor Rudolf Geigy, wurde die Durchführung des Projekts übertragen.

1972 holte Rudolf Geigy Antoine Degrémont ans Swiss TPH, zuerst als medizinischer Forschungs-Chef, dann als Leiter der Departements Medizin. Unter ihm wuchs das Angebot an verschiedenen Dienstleistungen in der Diagnostik, Reiseberatung und Projektevaluation rasch an. Vor allem aber zeigte er seinen Kolleginnen und Kollegen die Bedeutung eines Strategiewechsels von der reinen biomedizinischen Forschung in Richtung Public Health und globale Gesundheit auf.

Degrémonts Ideal war stets ein umfassender, systemischer Ansatz: Dazu gehörten die Zusammenarbeit mit der lokalen, betroffenen Bevölkerung, die Ausbildung von Fachpersonal auf allen Ebenen und interdisziplinäre Forschung. 1987 wurde er zum dritten Direktor des Swiss TPH und ausserordentlichen Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Basel ernannt. Degrémont förderte flache Hierarchien. In der Ausbildung von Gesundheitsfachleuten setzte er neue Ausbildungsziele auf nationaler und internationaler Ebene und damit auch für den Aufbau und die Weiterentwicklung von Forschungs-, Ausbildungs- und Umsetzungsinstitutionen in Afrika, wie zum Beispiel in Ifakara, Tansania, und in N’Djaména, Tschad.

1997 überliess Degrémont seinen Direktionsposten und die Weiterentwicklung des Swiss TPH seinem Nachfolger Marcel Tanner und wurde enthusiastischer Direktor des neu gegründeten «Institut de la Francophonie pour la Médecine Tropicale» (IFMT) in Vientiane, Laos. Das IFMT war eine einzigartige Ausbildungsstätte in einem Land, in dem es an lokalen Gesundheitsexpertinnen und Experten mangelte. Jedes Jahr wurde 15-20 Studierende aus Laos, Vietnam, Kambodscha und Südchina in das Masterprogramm «Tropical Health» aufgenommen und ausgebildet. Sie waren nach der Ausbildung in der Lage, einen Distrikt ihres Landes medizinisch zu betreuen. Am IFMT führte Degrémont als einer der ersten in der Globalen Gesundheit neue, digitale Unterrichtsmethoden ein.

Nach seiner Pensionierung im 2003 wurde sein Gutshof Formelli in Petroio, Toskana, mit 30 ha Land und Wald, den er und seine Frau Christine schon ab 1988 vollständig renovierten, zum Lebensmittelpunkt. Sie bestellten das trockene Land, pflanzten Oliven- und Nussbäume und forsteten auf. «Ich bin ein Bauer, ein Abenteurer und ein Bastler», pflegte er lachend zu sagen. Formelli Petroio war wie die langersehnte Rückkehr zu seinen Wurzeln. Degrémont hat stets gewusst, woher er kommt, aber hat nie in der Vergangenheit gelebt, sondern in der Gegenwart und Zukunft und hat uns alle dadurch stimuliert und weit getragen. So wird Antoine Degrémont immer mit und in uns weiterleben.

Am Nachmittag des 22. April 2025 inmitten der Arbeiten in seinem Formelli ist ein reiches Leben zu Ende gegangen.

Marcel Tanner

Antoine Degrémont (1938-2025)

Quelle: Nachruf von Marcel Tanner; eigenes Bild

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Aktualisierung: 24.11.2025)
Letzte Änderung der Daten: 2025-04-30
Quellen: Niklaus Stieger; Nachruf
 
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