Stieger Heraldry

Wappen von Oberriet Blasonierung
Geteilt von Gold mit schreitendem schwarzem goldbewehrten Löwen und von Schwarz mit goldenem Tatzenkreuz, zum Teil auch seitlich überhöht von zwei sechsstrahligen goldenen Sternen.

Beleg
Gemeindewappen seit 1936: Übername des Wappens des Allgemeinen Hofes (Ortsgemeinde), das sich an das Siegel des Kriessener Hofammanns Caspar Mattli aus dem 17. Jh. anlehnte. Farben der Abtei St. Gallen.
Bestätigung durch Gemeinderatbeschluss vom 28. Juni 1945 und vom 15. August 1986.

Quelle
[SW1991]
Oberriet

Geschichte

Ausser auf dem Montlingerberg wurden auch in Oberriet prähistorische Funde gemacht: Ziernadel und Dolch aus Bronze auf dem Blattenberg, Lanzenspitze, Messer, Lappenaxt aus Bronze, sowie römische Kupfermünzen unweit dem Dorf [HBLS-05].

Um 719 gründet der Alemanne Otmar (am rätischen Bischofssitz in Chur ausgebildet und geweiht) das Kloster St. Gallen. Er wurde vom Arboner Tribun Waltram zum Vorsteher der Gallus-Zelle eingesetzt und mit der Einführung eines regulären Klosterlebens beauftragt.

Im 8. Jahrhundert entstand der königliche Reichshof Criesserrun mit dem königlichen Verwaltungshof zu Kriessern. Alle Höfe, welche nicht urbarisiert waren, wie auch das vom Rhein immer wieder überschwemmte und verwüstete Oberriet, gehörten den deutschen Königen oder Kaisern.

Mit dem Bau einer Kirche in Montlingen im 9. Jahrhundert bildeten sich zwei Zentren im Hof: Kriessern mit der weltlichen Verwaltung und Montlingen als kirchlicher Mittelpunkt. Dennoch waren die Montlinger bis 1155 nach Rankweil pfarrgenössig und gehörten somit zum Bistum Chur. Nach der Loslösung um 1155 wurde es eine eigene Pfarrei und galt dann als Grenzort des Bistums: "... per alpes ad fines Raetiae curiensis ad villam Montigells".

Am 18. August 1229 vermachte der deutsche König Heinrich den Reichshof Kriessern Abt Konrad (Kloster St. Gallen). Quelle: St. Gallen, Chartularium Sangallense III (1004-1277); Signatur: Nr. 1166, p. 173-174. Abt Berchtold von Falkenstein liess von 1244 bis 1277 die Burg Blatten zur Verteidigung seines Besitzes in Fronarbeit erbauen.

Die drei Fähren Kriessern-Mäder, Montlingen-Koblach und Oberriet-Meiningen gehörten zuerst den Edlen von Ramswag, später dem Abt von St. Gallen. Seit 1302 bildeten die Fahrrechte ein Reichslehen. Zu fahren war nur berechtigt, der vom Abt von St. Gallen oder vom Vogt auf Schloss Blatten dazu ermächtigt wurde. Die Strecken der einzelnen Fahrgerechtigkeiten am Rhein waren urkundlich festgelegt. Für den Hof Kriessern galt folgende Ordnung: « Des Fahrs Gerechtigkeit hat seinen Anfang hinab gegen Embs, allwo es sich bei einem gewüssen grossen Alber-Baum gegen das gräfliche Fahr, zum Bauren genannt, scheiden soll. » Alljährlich, am Michaelstag, leisteten die Fährleute von Blatten, Montlingen und Kriessern auf Schloss Blatten den Fähren-Eid Mit erhobenen Fingern mussten sie vor Gott und seinen Heiligen u.a. folgendes Versprechen ablegen: « dass jede Woche einer der zwei Fährer von Ave Maria Morgens bis wieder Ave Maria Abends bestendig bei dem Fahr verbleibe und niemals davon gehe; sollen sie weder Frembde noch Heimsche nit höher staigeren als was der gemachte Lohn ist; sollen sie wuchentlich dem Vogt den gemachten Lohn fleissig inzichen und ohne allen Aufschlag liferen und hierin kein Befreundte, Bekannte oder Andere nicht ansechen, sondern von dem Reichen als von den Armen den Lohn einziehen; sollen sie keine sondersiechen, lame oder krumme Bettler, auch sonst verdächtige Leute in das Land führen; sollen die Fährer die Leut nit lang stehen lassen, sondern sie so möglich ist führen und fercken; den Fahrseckel wochentlich am Sambstag zue Abend uf das Schloss lieferen, an Johanns Markt, am Michaels-Markt und an St. Thomas Markt, item an Bludenzer Märkten sollen sie allezeit zue Abend selbig übergeben werden ». .

Die Grafen von Montfort waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht (es erlosch 1787). Sie trugen ihren Namen nach dem Stammschloss Montfort bei Weiler im heutigen Vorarlberg. Albrecht I. (Seitenzweig 'Werdenberg-Heiligenberg') war 1327 Reichslandvogt um den Bodensee, 1331 auch der Länder Uri, Schwyz und Unterwalden. Er fügte dem Besitz die Reichsvogtei über Altstätten und das Rheintal sowie Wartau hinzu.

1347 erreichte die Pest, aus Asien herkommend, Europa und 1349 die Schweiz. Im Mai 1349 berührte sie das Rheintal. Die Seuche raffte ⅓ der Einwohner weg.

Die vier Enkel Albrechts I. teilten sich 1377/78 und 1387 das Erbe und begründeten vier Nebenlinien. Heinrich III. (Nebenlinie 'Rheineck') erhielt Rheineck, die Vogtei Rheintal, Hohentrins und die Vogtei über Disentis. Dessen Sohn, Rudolf II., wurde um 1395 in eine größere Auseinandersetzung um das Erbe der von Hugo IV. begründeten Seitenlinie hineingezogen, während der er praktisch seinen gesamten Besitz (einschliesslich die Vogtei Rheintal) an Habsburg verlor.

Albrecht I. war in eine Fehde mit Graf Rudolf III. von Montfort-Feldkirch verwickelt, welche den Niedergang des Geschlechts einläutete und den Habsburgern ermöglichte, im Vorarlberg Fuss zu fassen. 1402 verpfändeten die Werdenberger die Grafschaft Werdenberg an die Grafen von Montfort-Tettnang. Durch Pfändung und sonstige Veräusserungen gelangte der Hof Oberriet in die Hände des ostschweizerischen Adels, wie an die von Ramschwag / Ramswag (Burkhard und Eberhard Ramschwag, sowie Heinrich Walter) und an die von Rosenberg.

Um 1403 belagern die Appenzeller mit den verbündeten St. Gallern die österreichische Landstadt Altstätten. Nach dem Sieg der Appenzeller 1405 (Schlacht am Stoss) schliesst Altstätten mit den Appenzellern und den St. Gallern ein Bündnis auf 10 Jahre.

1424 übernimmt der Graf von Toggenburg die Landesherrscheft im Rheintal.

1426 erfolgte die Trennung des Hofes Kriessern in eine untere und obere Hälfte des Hofes und die halbe Fähre zu Blatten. Die Feste Blatten fiel der jüngeren Linie der Ramswager zu.

Die Herrschaft Rheintal wird ab 1444 dem Ort Zürich untertan.

Erst 1448 wird Oberriet erstmals urkundlich erwähnt [HBLS-05]. In diesem Jahr schreibt der Chronist: "Die Niederlassung Oberriet, wenige hundert Schritt oberhalb Eichenwies, in einem fruchtbaren, geschützten Gelände am wichtigen Rheinübergang."

1458 kamen Burg und Burgäss Blatten, die untere Hälfte des Hofes Kriessern und Wichenstein an den Konstanzer Patrizier Jakob Mangold und seine Frau Adelheid von Ramswag. Die mit viel Schulden belastete Herrschaft kostete sie 300 Gulden. Nach dem Tode Mangolds verkaufte seine Frau die Güter für 1500 Gulden an Abt Ulrich Rösch von St. Gallen.

1462 streiten sich die Höfe und die Grundbesitzer um das Recht zu 'tratten' (Erlaubnis, dass das Vieh nach der Getreide- oder Grasernte fremde Felder zum Weiden benutzen darf). Der Auftrieb der Tiere zum Tratten ("Trieb / Tritt und Tratt") setzt das Recht voraus das Vieh über fremde Felder führen zu dürfen. Die Auflösung der "Allmenden" setzt sich noch bis ins 18. Jh. fort (siehe 1771 Auflösung des Eisenrieds).

In diese Zeit (evtl. schon früher) geht auch das Recht des Hofes Ehaften / Ehehaftinen zu erteilen. Ehafte sind Gewerbebetriebe, welche für das Gemeinwesen unentbehrlich sind (Mühlen / Müller, Schmieden / Schmied, Tavernen / Wirt, Bäckereien / Bäcker, Bad / Bader, etc.).

Anm.: Der Begriff "Ehehaft" leitet sich in seiner inhaltlichen Ausrichtung ab vom westgermanischen 'ewa', 'eo', das auf bindende Ordnungszusammenhänge verweist und in Wörtern wie 'Ehehalt' (→ siehe Berufe), 'ewig' und 'Ehe' weiterlebt.

1474 gab es einen weiteren Pestzug im Rheintal.

Ammann Hans Vogler der Ältere von Altstätten berichtet vom (Pest-) Seuchenzug1482. Alleine in Altstätten starben etwa 400 Personen an der Pest.

Abt Ulrich (Rösch) von St. Gallen erwarb 1486 den Hof Oberriet von den Erben Ulrich von Ramswags. Um die Gefälle einzuziehen und seine Rechte als Herr zu wahren, liess der Abt auf der Burg Blatten bei Oberriet (äbtische) Vögte einsetzen, die bis zum Zeitalter der Helvetik (1798) dort walteten. Neben dem Zehnten erhielt der Abt auch das Fährengeld der Färe bei Blatten. Jeden Samstagabend brachte es der Fährmann aufs Schloss und erhielt ein Glas Wein und ein Stück Brot. Neben freien Leuten gab es damals eine grosse Zahl, die im Laufe der Zeit zu Leibeigenen geworden waren.

Alle Untertanen hatten jährlich auch dem neuen Herrn (Abt von St. Gallen) insgesamt 32 Pfund Pfennige zu zahlen. Fünf Pfunde machten 1486 den Wert eines Rosses aus. Die Leibeigenen oder Eigenleute hatten jährlich zudem noch eine Fastnachtshenne und einen Tagwan (d.h. ein Tagwerk) zu zahlen und nach ihrem Tode den Totenfall oder 'Lass' zu entrichten (d.h. das beste Haupt Vieh oder das beste Gewand).

Der Abt wählte durch den Vogt den Hofammann und diese miteinander die 12 Richter. Das Amt eines Hofammanns blieb in den Händen weniger Familien, wie z.B. der Lüchinger von Eichenwies, oder der Wüst und Zäch von Oberriet. Das Gericht mit dem Hofammann vertrat namens des Abtes die Interessen des Hofes nach aussen und sorgte für Ordnung im Innern der Gemeinde durch Handhabung der Offnung oder Gemeindesatzung, wo die Hofleute noch ein bedeutendes Mitspracherecht ausübten.

Der Abt von St. Gallen war jedoch nur der niedrige Gerichtsherr. Die hohe Gerichtsbarkeit, wie das Recht schwere Vergehen zu bestrafen und über Leben und Tod zu richten, übten seit 1490 die Eidgenossen ("Gemeine Herrschaft" der sieben Orte) aus. D.h., von 1490 bis 1798 war der Hof Kriessern ein Untertanenland der Eidgenossen.

Nach der Eroberung durch die Eidgenossen wird die Herrschaft Rheintal ab 1490 den acht Orten Zug, Glarus, Schwyz, Uri, Unterwalden, Luzern, Zürich und Appenzell gemeinsam untertan (Quelle zur Referenz: Schilderung der Gebirgsvölker der Schweiz, Johann Gottfried Ebel, Leipzig, 1802, p. 93). Diese Orte schicken alle zwei Jahre im Turnus einen Landvogt ins Rheintal (Schloss Rheineck). In dieser Zeit bestand die Eidgenossenschaft aus 13 souveränen Ständen, 14 zugewandte Orte und etwa 22 Untertanengebiete. Zur letzteren Kategorie gehörte auch das Rheintal.

1502 sprach der äbtische Vogt in Rorschach ein Drittel des Eisenrieds mit Gericht, Zwang und Bann den Höfen Marbach und Altstätten zu. Das gemeinsame Trieb- und Trattrecht im verbleibenden Teil wurde im gütlichen Spruchbrief vom 9. Juli 1518 (abgedruckt im Hof Kriessern) ausdrücklich auch den Höfen Widnau / Haslach, dem diesseitigen Gebiet des Hofes Lustenau, zuerkannt (jedoch ohne das Recht bei der Verwaltung mitzubestimmen).

Nach der Eroberung durch die Eidgenossen fiel - durch den Frieden von Basel - die Vogtei wieder an Ulrich von Ramswag. Am 13. Oktober 1511 verkaufte Ulrich von Ramswag den Hof wieder an Abt Franz von St. Gallen für 1000 Gulden.

Während der Hofammann im Namen des Abtes fungierte, so wirkte der Landvogtammann in der Gemeinde als Stellvertreter des Landvogts, für den er die Gefälle und Bussen einzog.

Grund und Boden des Hofes waren zum Teil Privateigentum, zum Teil gemeinsamer Besitz oder 'Allmende'. Letztere schwand immer mehr dahin, da der Hof in Geldnöten oft gemeinsamen Besitz an Private verkaufte. Vom grundherrschaftlichen Standpunkt aus waren die Liegenschaften und in ihnen die einzelnen Grundstücke zum Teil frei, zum Teil als Lehen einem Grundherrn unterworfen. Solche Grundherren waren im Hofe der Abt von St. Gallen, die Edlen Tumb von Neuburg und die Herren von Ems. Sie waren jedoch bloss Obereigentümer über das von ihnen an die Oberrieter ausgelehnte Land. Denn praktisch verfügten die Inhaber der Lehen über diese, wie über ihren eigenen, freien Besitz. Sobald jedoch ein neuer Abt gewählt wurde oder ein Familienvater (als Lehenmann oder Inhaber von Lehen) starb, musste das Lehen von neuem vom Abt oder dessen Stellvertreter empfangen werden. Dies wurde in den Lehensbüchern dokumentiert (diese enthalten nur die Lehen und dokumentieren nicht den gesamten Besitz einer Person).

Bis anfangs 16. Jh. lag die politische Verwaltung der Region bei Kriessern. Danach ging diese Verantwortung an Oberriet über. Dies lag vor allem an der günstigeren Lage Oberriets.

1523 beginnt in der Schweiz die Reformation. Sie erfasst auch das St. Galler Rheintal.

Vom Pestjahr 1530/31 ist bekannt, dass im Rheintal 500 Menschen als Opfer der Seuche ihr Leben lassen mussten. Nur in der am alten Glauben festhaltenden Kirchgemeinde Montlingen machte die Seuche halt. Viele "Nüwglobigen" (Evangelische) flohen nach Montlingen.

Die Oberrieter beklagen sich am 8. November 1532 vor der Tagsatzung in Frauenfeld, dass ihnen ihre Kapelle geräumt, die Bilder und andere Gotteszierden verbrannt worden seien. Sie beschliessen am 18. Oktober 1565, mit dem jährlich üblichen Kreuzgange nach Rotenkirchen (Salez) und Sennwald fortzufahren, worauf der Herr von Sax seinen Ammann zum Vogt von Blatten schickte, damit derselbe die von Oberriet anhalte, ihn in seiner Kirche ruhig zu lassen.

1539 wurde südlich der Pfarrkirche die 'Burg' gebaut. Sie diente als äbtisches Zoll- und Zehntenhaus. Seit 1965 steht die Burg unter Denkmalschutz.

1564 war ebenfalls ein Pestjahr.

Anno 1581 klagte Oberriedt: « Es habe der Ryen, jetz lange Jar herr, den armen Lütten an dem Oberried, dermassen an iren gütern so grossen Schaden gethan, das innen vast der Halbtail ires bestehenden Ackerfelds hinweg komen, vnd das vbrig auch gwüsslich verflözt, vnd sy an den lutheren Bettelstab gewisen wurden, wann sy das iren nit schirmen dörfften. »

Quelle: Josef Landtwing - Chronik vom Hof Thal.

Oberriet baute daraufhin einige Wuhren, worauf die gegenüber wohnenden Meininger sich beschwerten. "Doch gmacht war gmacht."

1585 starb in Marbach "das volck über das halbtheil" an der Pest. ACHt Jahre danach griff die Pestilenz wohl "an vielen Orten an, doch that sie nienen gar grossen Schaden",
jedoch "zu Rineg im Rhintal sturbend etliche hüsser us".

Am 30. März 1592 wurde in einer Konferenz im Rathaus Oberriet die genauere Bestimmung zur Nutzung des Eisenrieds festgesetzt. Es waren die Gemeinden Oberriet, Altstätten, Marbach, Balgach und Berneck vertreten. Sie trafen Abmachungen Das Isenriet soll alljährlich am 3. Mai eingehegt, d.h. geschlossen, und am 26. Mai wieder geöffnet werden. Vor dem 3. September darf man auf dem Riet keine Streue mähen. An diesem Tag soll auf dem Untersee die Trommel geschlagen werden zum Zeichen, dass jeder mähen dürfe. Nach Verfluss der nächsten 4 Jahre soll man aber 4 Jahre lang dieses Zeichen nicht mehr mit der Trommel, sondern mit der grossen Glocke von Marbach geben.

Das Streuemähen nach dem 18. September ist untersagt. Keiner soll vorher wissen, wo aufrechtes Gras zu finden ist.

Das Schneiden von Holz und Band zum Gebrauch durch die Rebleute ist verboten. Wer einen Gatter öffnet, soll ihn wieder schliessen.
für die folgenden 12 Jahre.

1594 starben im Hof Thal (inkl. Rheineck) "an der Pestilenz (...) baidter Religion 3526 Glaübige" und im evangelischen Pfarrregister liest man "Anno 1594 wass ein grosser sterbend (...) starbend 330 Personen", darunter der allgemein beliebte Pfarrer Josef Petry.

1604 wird zum ersten mal ein Schulhaus von Oberriet erwähnt, welches zugleich als Rathaus benützt wurde.

Die Pest-Epidemie 1610/11 ging im ganzen heutigen Kanton St. Gallen wegen ihrer Schwere als "grosser Tod" in die Annalen ein. In der Vogteil Rheintal verzeichnete man zeitweise täglich 30 bis 40 Todesopfer.

Vor 1620 fanden die Taufen in den oberen Weilern in Rüthi oder in Rankweil (jenseits des Rheins) statt. In der Mutterkirche Montlingen wurden jeweils dann nur die Taufnamen eingetragen.

1612 stellten die Oberrieter das Gesuch um Abhaltung eines Wochenmarkts. Dies wurde abgewiesen, da dies dem Hof Kriessern hätte schaden können. Hofammann Ulrich Lüchinger und Landvogtsammann* Johann Dietschi reichten danach ein neues Gesuch ein. Am 16. April 1623 gewährte dann Abt Bernhard von St. Gallen dem Reichshof Kriessern und Oberriet die Bewilligung einen Wochenmarkt und drei Jahrmärkte abzuhalten.

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*Landvogtsammann wurde - im Unterschied zum Hofammann - jener Ammann genannt, der vom eidgenössischen Landvogt zu Rheineck zur Wahrung der Interessen der acht regierenden Orte gewählt wurde.

1626 fand in Appenzell Ausserhoden eine Landvogteireform statt. Der Untersuch der Landvogteiverwaltung bescheinigt der Landvogtei- und Güterverwaltung ordnungsgerechtes Funktionieren, kritisiert aber die kostspieligen "Fressereyen und Mähler" bei jeder Gelegenheit und verlangen Remedur.

Militärisch war das Rheintal seit 1628 in 4 Quartiere (Oberriet, Altstätten, Berneck und Rheineck) eingeteilt. Diese gründete auf eine allgemeine schweizerische Schirmordnung aus der Zeit der Bündnerunruhen 1628 und der schwedischen Belagerung von Bregenz und Lindau 1657. Der Auszug bestand von 1697 an aus 4 Kompagnien zu 300 Mann [HBLS-05]. Hochwachten gab es beim steinigen Tisch, beim Wachthüttlein bei St. Margrethen und auf Blatten.

Bereits anfangs des Jahres 1629 kursierten Gerüchte vom Herannahen der Pest. Der äbtische Vogt auf Blatten hatte zwar noch am 19. Februar 1629 an den Rat zu Feldkirch geschrieben, dass er niemanden im Rheintal kenne, der an dieser Sucht darniederliege. Dagegen habe die Seuche sich an zwei oder drei Orten im Vorarlberg eingerissen. Erst im August 1629 überzog die Pestwelle das Rheintal. Die Aebtische Regierung setzte - wie überall - auch in Oberriet eine Pestordnung fest. Die "Ordnung, wie es in sterbensleüften gehalten werden solle" sah es vor, dass sich von der Pest infizierte Personen "bey hoher Straff" vier Wochen in den Häusern aufzuhalten hatten. Nach der Vogtrechnung (Kriessern) starben im Hofgebiet 110 Menschen (dabei dürften noch zahlreiche Todesfälle verheimlicht worden sein um den 'Fall' nicht entrichten zu müssen). Insbesondere der Vogt 'Johannes Dietschi' und sein Sohn 'Hans Dietschi' hatten den Abt in grösserem Stile betrogen. In Zeiten der Pest wurden grössere und kleinere Vergabungen für kirchliche Zwecke in ausserordentlicher Zahl gemacht.

Im Volksmund der Oberrieter kursiert folgende Geschichte: «Im Flecken Grubach hat nur eine einzige Frau die Pest überlebt. Auf die Frage, wie es in Grubach stehe, habe diese geantwortet: "Gut genug - wenn's nur nicht mehr ärger wird."»

1622 und 1640 wurden die Kapelle von Kriessern und Oberriet ausgebaut. 1640 besassen beide Orte einen Tabernakel. Seitdem durfte in Oberriet zweimal wöchentlich (in Kriessern einmal) die heilige Messe gelesen werden.

Der Pestzug von 1635 war vermutlich der letzte, von welchem das Rheintal heimgesicht wurde.

1643 wurde der Beschluss gefällt, ein neues Rathaus zu bauen (vermutlich um das alte Gebäude vollständig für die 'Schuol' zu verwenden). Beim neuen Gebäude handelte es sich vermutlich um das spätere Gasthaus zum Adler, welches 1981 niederbrannte. Siehe dazu Schulgeschichte Seite 12/13. Die Kosten waren so hoch, dass die Kriessener sich zuerst weigerten ihren Teil daran zu bezahlen. Das alte Rathaus sollte danach als Schulhaus verwendet werden. Das Rathaus war dann 1647 bezugsbereit. Hans Mattli war 1647 der erste "Ratshauswirt". Es folgten Jakob Wüst, 1650 Joseph Dietschi, 1651-1657 jung Jakob Dietschi, etc. Siehe Schulgeschichte (Seite 12). Das Rathaus wurde 100 Jahre später für 800 Gulden an 'Johannes Stiger von Kobelwald' verkauft.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde im Rheintal bereits Mais ("Törgga", "Türken") angebaut.

Quelle: Oesch-Maggion, Otto: Der Hof Balgach. Altstätten 1930.

Dazu kamen in dieser Zeit Fenkh und Erbsen (aber noch keine Kartoffeln, obwohl diese bereits im 16. Jh. von Südamerika nach Europa gebracht wurden).

'Fenkh' wird auch 'Heidenkorn' genannt und ist heute als Buchweizen bekannt.

Die Tagebücher von Abt Gallus II berichten von grossartigen Feierlichkeiten bei seiner Huldigung in Oberriet am 15. Januar 1655. Bei diesem Anlass erschienen sämtliche Bürger des Hofes vor dem Rathaus zu Oberriet und erwarteten dort den Abt, der mit seinem zahlreichen Gefolge (dem Kanzler Dr. Harder, dem Landeshofmeister Ringle von Baldenstein, den Vögten von Rosenberg und Oberberg, dem Landvogt von Rheinegg: Muheim von Uri, und dem Landschreiber Tanner von Rheinegg) um 11 Uhr dort erschien. Dort hielt der Kanzler Harder eine Ansprache an die Untertanen, in der er dieselben an ihre Pflilchten erinnerte und ihnen den zu schwörenden Eid vorlas. Ihm erwiderte dann (im Namen der Hofleute) der Hofammann Ambrosius Wüst. Am Schluss schwor die Menge (420 Mann): "Wir schwören unserem gnädigen Herrn, dem Abt Gallus von St. Gallen, Treu und Wahrheit zu leisten, des vorgenannten Gottshauses Nutzen zu fördern und vor Schaden zu bewahren, den Amtsleuten und den Gerichten gehorsam zu sein, des Gotteshauses Rechte zu tun und für das Recht zu sorgen, wenn wir von den Amtsleuten dazu aufgefordert werden."

Aufteilung der Alpen 'Schwämme' und 'Strüssler' auf die Oberrieter Rhoden. Am 6. Juni 1669 fand eine Verhandlung auf dem Kirchplatz Hofverwaltung 1669
Hofammann Jakob Wüst, Sekelmeister Konrad Hasler, Johann Thurnherr, Wirt Jakob Zäch, Jakob Graber, Uli Büchel, Hans Stiger "Rudis", Brosi Albrecht, Hans Lüchinger (Ammanns Sohn), Johannes Schegg, Magnus Weder, Rhodmeister Jakob Kuster und Förster Uli Weder.
in Montlingn statt. Das Los ergab: Der oberste Gaden kam an Diepoldsau und Kriessern, der darunterliegende an Eichenwies und Montlingen. Der obere Strüssler and die Holzrhode, der untere an Oberriet. Diese Alpen durften nur von Kühen bestossen werden. Ochsen und Pferde durften keine aufgetrieben werden.

1680 stifteten Jakob Mattle und dessen Ehefrau Anna Enis (siehe Familienliste von 1680 #2), Eltern des Konventualen P. Dyonysius Mattle im Kloster St. Gallen, zum Dank dafür, dass durch ihren geistlichen Vetter, Diepold Hutter das Kirchenspiel Montlingen im alten Glauben erhalten wurde, ein Kapital von 1300 fl. zu einem Stipendium, dessen Zinsen einem Jüngling, zunächst aus der Verwandtschaft, der "fromm und mit gutem Ingenius begabt ist", zum Zwecke des Studiums zukommen soll. Im Jahre 1977 war der Fonds auf 42'000 Fr. angewachsen und es wurden an 16 Gesuchssteller der Totalbetrag von 1600 Fr. ausbezahlt.

Eine Visitation von 1722 nennt zwei grössere Bildstöcke in Oberriet. Einer befindet sich beim Rathaus, und der andere ausserhalb von Eichenwies. Letzterer wurde später in eine kleine Kapelle umgewandelt. (Die Überlieferung besagt, dass die Hochwasser die Felder jeweils bis an diese Stelle überfluteten.) In der Chronik von Pfarrer Oberholzer wurde sie noch 'Heiligkreuz-Kapelle' oder 'der Bildstock zum grossen Herrgott' genannt (der Bildstock wurde erst im Jahre 1893, als das Pfarramt das Grundstück für die Kirchgemeinde erwarb, zur heutigen Kapelle erweitert). Die Kapelle wird auch 'St. Judas-Thaddäus' genannt.

1731 wird der Vorläufer des modernen Rathauses am aktuellen Standort gebaut. Er diente bis 1874 als Schul- und Rathaus. Im Untergeschoss wurde Käse- und Butterhandel betrieben und eine Art Wochenmarkt abgehalten.

1739 wurden Vorsichtsmassnahmen erlassen infolge der in Osteuropa ausgebrochenen Pest.

1762 verursachte eine Rheinüberschwemmung eine grosse Verheerung.

Zwischen 1763 und 1771 gab es eine Kältperiode. Insbesondere die Missernten 1770 und 1771 führten zu einer grossen Hungersnot. Eine Fruchtsperre durch Deutschland brachte eine grosse Teuerung mit sich. Um zu überleben essen die Leute Rinde, Gras und abgestandene Tiere. Eine Folge waren Hunger- und Infektionskrankheiten. An "Hungertyphus" (Fleckfieber" starben viele Leute. Vermutlich wurden nach dieser Zeit intensiviert Kartoffeln angepflanzt (bereits um 1720 herum wurden sie angepflanzt, aber die Bevölkerung hatte Vorurteile). Die Obrigkeit begrüsste zwar die Verbesserung der Eigenversorgung, befürchtete aber einen Rückgang der Getreidezehnten und Getreidepreise. Die Kartoffeln wurden daher ebenfalls dem (grossen) Zehnten unterstellt.

1771 wird unter dem Landvogt Simon Franz Wurstemberger die Allmend 'Eisenried' an die Rheintaler Höfe verteilt.

Siehe bei den Oberrieter Personen unter '1768-1770 Hans Heinrich Grob'.

Das "Isenriet" war von alters her ein gemeinschatliches Gut, eine Allmend. Dennoch gab es immer wieder Streit wegen dem 'Trieb und Tratt' (einzig zur Zeit des Banns vom 3. bis am 26. Mai war das Betreten dies Riets verboten). Die Missjahre um 1770 / 1771 und die folgende Teuerung führte zur Überzeugung, dass private Nutzung zu Mehranbau und Intensivierung führte. Dies führte aber dazu, dass Böden, welche zuvor mit grosszehntpflichtigen Gewächsen bepflanzt worden waren, immer mehr mit Wies- und Obstwachs bepflanzt wurde (was dem kleinen Zehnten zuzurechnen war).

Am 23. Februar 1771 erhielt die Kapelle St. Wolfgang die Befugnis einen Kreuzweg zu errichten.

1774 Bau der neuen rheintalischen Verkehrsstrasse. Damit wurde Oberriets' günstigere Verkehrslage gegenüber Kriessern gefestigt.

1776 werden - aufgrund der Lebensmittelknappheit (Getreideeinfuhrsperre) - Mais und Kartoffeln in grossen Mengen angepflanzt. 1794, nachdem die Preise für Lebensmittel immer höher (Fruchtsperre Oesterreichs gegen die Schweiz) und der Verdienst immer geringer wurde, beschliesst Altstätten, dass jeder "rietträttige" Bürger einen grossen und einen kleinen Teil Riet zugeteilt erhalte (um die Selbstversorgung anzustreben).

Das Rheinthal 1784

Die Höfe im Rheintal um 1784. Die Höfe Altstätten, Marbach, Balgach und Berneck gehörten - wie Oberriet / Kriessern auch - zum Oberrheintal.

Quelle: Sammlung der Rhyner-Karten Bern UB Münstergasse, Magazin. Sign.: MUE Ryh 3215:31. Martin Bernigeroth (* 1670 in Rammelburg; † 6. Juni 1733 in Leipzig) war ein deutscher Kupferstecher.

Beim Ausbruch der Laki-Krater auf Island (8. Juni 1783 - März 1784) produzierten etwa 130 Krater etwa 12 bis 15 km³ Lava. Hinzu kamen Schwefeldioxid- und Aschewolken. Im gesamten europäischen Raum war der Winter daher aussergewöhnlich kalt und schneereich. Für Oberriet wurde im Weinbüchlein erst für 1785 vermerkt: « 1785 den 12. bis 14. Merz fiel ein so ungeheurer Schnee, wie sich niemand zu gedenken erinnerte, der erst gegen Pfingsten ganz wegschmelzte, allen Früchten und dem Weinstok ungemein nachtheilig war, der ganze Sommer und Herbst waren naß und kühl, es gab daher wenig und einen sauren Wein. »

1789 löste sich die Ortsgemeinde Diepoldsau vom Allgemeinen Hof.

1792 wurde der Grossteil der Güter unter die Ortsgemeinden Kriessern, Montlingen, Eichenwies, Oberriet, Holzrhode und Diepoldsau verteilt. (Die Verhandlungen zur Hofteilung begannen 1792 und waren im Jahre 1793 zur Hauptsache abgeschlossen.) Oberriet erhielt damals (durch Losentscheid) die Alpen Kienberg und Strüssler zugeteilt (die Alp Strüssler wurde Oberriet bereits 1669 per Losentscheid zugeteilt). Die Neuenalp gelangte erst 1873 durch Ersteigerung in den Besitz von Oberriet. Der ungeteilt gebliebene Besitz bildet heute das Eigentum des Allgemeinen Hofes Oberriet.

Mit der französischen Revolution (1798) erhielten die Rheintaler von der eidgenössischen Tagsatzung die volle Unabhängigkeit. Doch nur für kurze Zeit gehörte der Hof zur Republik Rheintal. 1798 bis 1801 war das Rheintal Teil des Kantons Sargans, 1801 bis 1802 dann Teil des Kantons Säntis, dessen Grenze gegen den Kanton Linth über den Blattenberg verlief. Im September 1798 verweigerten die Oberrieter zunächst den Bürgereid (helvetische Truppen erzwangen jedoch diesen daraufhin).

1799 wurde das Schloss Blatten von den Oesterreichern im Kampf gegen die Franzosen zerstört. Die Oberrieter verwendeten die Burg in der Folge als Steinbruch für ihren Kirchenbau.

Das Rheintal leidet, denn die Truppen verlangen Verpflegung und Pferde. Frauen und Töchter wurden belästigt. Da 1799 ein Missjahr war, wurden die Lebensmittel knapp.

Mit den letzten Tagen von Schloss Blatten (1799) wechselte auch der Besitzer der Fähre. Mehr als 300 Jahre lang hatten äbtische Vögte auf dem Burgfried residiert und auch über die Fähre Oberriet-Meiningen regiert. Seit dem Jahr 1800 gehörte der Hof Kriessern als Teil des Distriktes Oberrheintal zum neugegründeten Kanton Säntis.

1800 wurden an der Hauptschule (nur im Winter!) 160 bis 200 Kinder unterrichtet (davon etwa 10 bis 15 Knaben mehr als Mädchen).

Der Kanton St. Gallen wurde 1803 auf Antrag des helvetischen Abgeordneten Karl Müller-Friedberg von Napoleon Bonaparte geschaffen. Das Gebiet des Kantons entstand aus der Verschmelzung der helvetischen Kantone Linth und Säntis abzüglich der wiederhergestellten Kantone Glarus und Appenzell. Der Kanton übernahm nicht nur die Ruine Blatten sondern auch den Fährenbetrieb. Letzterer wurde dann in der Folgezeit bis 1870 an verschiedene Fährleute verpachtet; diese wurden eine Art Verkehrsbeamte. Sie hatten den Dienst regelmässig und zuverlässig auszuüben; anstelle des Fähren-Eides trat der Pachtvertrag « Der Schifflohn-Tarif soll auf einer Tafel zu jedermanns Kenntnis bey dem Fahr an einem aufgerichteten Pfahl angeschlagen werden; die Schiffsleute haben dafür zu haften, dass er unzerstört und immer lesbar unterhalten werde ». Die Pächter waren z.B. anno 1824 befugt, bei gewöhnlichem Wasserstand u.a. folgenden Lohn für eine Ueberfahrt zu verlangen: eine Person 2 Kreuzer, ein Pferd 3 Kr., eine Kuh 2 Kr., ein Schwein 1 Kr., eine Kutsche mit 2 Pferden 23 Kr., ein Schlitten mit 1 Pferd 21 Kr. . Sie genossen Ansehen im Dorf und wurden an Festtagen ins Pfarrhaus zum Essen eingeladen.

Ebenfalls 1803 entstand mit dem Kanton St. Gallen aus dem freien Reichshof Kriessern die politische Gemeinde Oberriet. Innerhalb der Gemeindegrenzen entwickelten sich die fünf heutigen Dörfer und erhielten schliesslich auch jedes eine eigene Kirche. Bei der Gründung des Kantons wurden - wie in anderen Kantonen in den von Napoleon besetzten Staatsgebieten - alle Kantonseinwohner zu Bürgern ihrer jeweiligen Wohnorte. Frühere Ortsbürgerrechte waren eher Miteigentumsrechte an lokalen Genossenschaften (Allmenden, Wald, Kirchengüter, etc.).

Der Kanton ist in Militärbezirke und diese wiederum in Quartiere eingeteilt. Oberriet, Balgach, Diepoldsau, Marbach und Rebstein gehören zum 6. Militärbezirk, 2. Quartier. Der Versammlungsort für die Milizen ist in Balgach (Musterplatz). Wehrpflichtige Männer zwischen 18 und 30 Jahren gehören in das Elitecorps, die älteren bis 45 ins Reservecorps. Napoleon bot am 13. Januar 1807 (bis zum 1. Mai) 4 Schweizer Regimenter mit total 16'000 Mann auf für seine Feldzüge. Am 28. März 1812 wurde das Kontingent auf 12'000 Mann reduziert. Effektiv waren es noch viel weniger Soldaten, was Napoleon zur folgenden Aussage verleitete: "So viel Wert ich auf die Schweizer lege, so wenig Wert lege ich auf die ganze Kanaille, die sie zusammenlesen".

Das 1. Schweizerregiment wurde von Oberst André Raguettly (* 11. Januar 1756 in Flims; † 10. Dezember 1812 in Vilnius) aus Flims kommandiert, das 2. von Oberst Nicolas Antoine Xavier de Castella (* 23. Mai 1767 in Fribourg; † 17. Juni 1830 in Paris) aus Fribourg, das 3. von Oberst Rudolf Beat Ludwig von May (* 3. Juni 1764 in Bern; † 25. Mai 1833 in Thonon) aus Bern und das 4. von Oberst Karl von Affry (* 7. April 1772 in Fribourg; † 9. August 1818 in Fribourg) aus Fribourg.

Überall wurden Werbebüros eröffnet und auf Plakaten wurde jungen Leuten verlockende Angebote gemacht. Zudem wurden die Orte im Rheintal dazu verpflichtet ein minimales Angebot an Soldaten zu stellen.

1804 wurde denjenigen Kirchgenossen, welche durch freiwillige Beiträge eine Stiftung für die Errichtung einer Pfarreri gründeten, vom bischöflichen Ordinariat die Bewilligung zur Aufstellung eines Taufsteins und Erweiterung der Kapelle erteilt und zur Abhaltung eines regelmässigen Gottestdienstes ein Priester abgestellt. Bald darauf (1806) wurde die bisherige Filiale zu einer eigenen Pfarrei erhoben, deren Patronat den Stiftern zustand.

Am 21. Mai 1808 wurde Oberriet mit Moos und Rehag vom Bischof zu Konstanz von der Mutterkirche zu Montlingen losgetrennt und zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben. Am 16. April dieses Jahres wird im Kantonsblatt (No. 9) verkündet, dass in Oberriet jeweils mittwochs ein Viehmarkt abgehalten werden soll. Am 20. Juni des gleichen Jahres hatte der kleine Rat von St. Gallen zu dieser Verselbständigung seine Zustimmung gegeben. 1809 wurde der Bau eines neuen Gotteshauses nahe der Stelle der alten St. Wolfgangs Kapelle begonnen (und 1810 vollendet).

1810 kostete die Mass (1.5 Liter) Weisswein im Wirtshaus 16 und Rotwein 24 Kreuzer. Das Pfund Kuhfleisch kostete 10 und Kalbfleisch 12 Kreuzer, ein Pfund Weissbrot 5 Kreuzer und 1 Denar (siehe Text). Nach einer Missernte im Jahre 1816 stiegen die Preise im Frühjahr 1817 in schwindelerregende Höhe. So galt im Mai das Malter (etwa 224 Kilogramm) Korn über 100 Gulden, der Zentner Kartoffeln zwischen 10 und 11 Gulden, und der Laib Brot bis 1 Gulden 52 Kreuzer.

Nachdem der französische Krieg seit 25 Jahren ganz Europa im Banne hielt, fand er 1815 endlich sein Ende.

Die Jahre 1813 bis 1820 brachten eine grosse Hungersnot ins Rheintal. In den Jahren 1813 und 1816 regnete es im Sommer grosse Mengen (Bericht von Pfarrer Breu).

Am 10. April 1815 brach der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa aus. Die Folgen der Aschewolke waren verheerend. Das Jahr 1816 ging als das «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein. Gemäss Universität Bern lagen die Temperaturen in den Sommermonaten in der Schweiz 2.3 bis 4.6 Grad unter dem langjährigen Mittel. In der Schweiz regnete es 1816 praktisch kontinuierlich von Mai bis September, in den Sommermonaten fiel gar Schnee bis auf 700 Meter. Vor allem die Nordostschweiz wurde sehr hart von der Hungersnot getroffen, die Getreidepreise stiegen um das 6-fache. Jeder Kanton schaute für sich («sie sperrten einander das Getreide»). Viele Menschen assen aus Verzweiflung Gras. Es gab zudem eine Übersterblichkeit und massive Geburtenausfälle, weil die Fruchtbarkeit der Frauen vorübergehend aussetzte.

Über 1816 heisst es: "Durch den unaufhörlichen Regenanhalt wuchs die Traube langsam, blühte erst um Jakobi und am Gallustag war sie noch an Beeren klein und steinhart; auch der Mais stand an Kernen leer da, welche beide noch durch einen frühen Reiffrost verbrannt wurden. An mehreren Orten traten die Flüsse aus den Ufern und versengten die Erdäpfel völlig.". Andere Quellen vermeldeten: In allen Monaten fiel Schnee. Der Brotpreis stieg in der Ostschweiz auf das Acht- bis Zwölffache des normalen.

Im Jahr 1817 regnete es - nach einem guten Sommeranfang - in den Sommermonaten beinahe unaufhörlich, was der Ernte schadete. Selbst die Kartoffelernte scheiterte als dann nach den Regennächten vom 13. auf den 14. Juni, am 2. Juli und danach nochmals vom 27. auf den 28. August an mehreren Orten der Rhein und die Bäche über die Ufer traten (der Föhn löste gleichzeitig die noch mächtigen Schneemassen im Gebirge). Zehn Schuh hoch stand das Wasser auf dem flachen Land. Nur die Kronen der Bäume standen aus dem Wassser. Im August waren 14 Wuhrbrüche und Schäden beidseits des Rheins zwischen Ragaz und dem See zu verzeichnen (siehe 'Specialcharte' unten). Nur noch die Kronen der Bäume, Dächer und Kirchtürme ragten aus den Fluten. Als Folge waren die Lebensmittel sehr knapp und die Preise kletterten in die Höhe. 1817 vwediente ein Handspinner in einer Woche nicht genug um ein Pfund Brot zu kaufen. Einzig das Fleisch war einigermassen erschwinglich, denn wegen der Futterknappheit musste das Vieh abgetan werden. Von den 23'635 Einwohnern des Tals starben im Jahr 1817 allein 1141 (an Unterernährung, sowie am sich ausbreitenden Faul- und Nervenfieber), währenddem nur 313 Kinder zur Welt kamen. In Montlingen wurde ein Armenfonds errichtet, so dass niemand an Hunger sterben musste. Die Gefängnisse waren überfüllt mit Menschen, welche sich an fremden Gütern vergriffen hatten.

Wenn sich in jener Zeit Menschen begrüssten, dann lautete die Frage immer: "Hast Du heute schon gegessen?". Auch heute noch existiert die Begrüssung "Gäassa?" (aber nur noch nach dem Mittagessen).

Specialcharte des Rheinthals von Johann Feer von Zürich

Specialcharte des Rheinthals von Johann Feer von Zürich 1795/96

1795 beauftragte der Altstätter Handelskaufmann Jacob Laurenz Custer (* 16. März 1755 in Altstätten - 24. Januar 1828 in Rheineck) den Zürcher Ingenieur Johannes Feer (1763-1823) die erste umfassende Karte des Rheintals herauszugeben. Als Grundlage verwendete Johannes Feer des Ingenieurhauptmanns Johann Conrad Römers (1724-1779) Karte 'Der Rheinlauff durch das ganze Rheintal' von 1769. Auf Feers eigenen Vermessungen basieren die Zeichnungen der Berghänge, Verkehrswege, Grenzen und aller bergnahen Signaturen. In der 'Specialcharte' ist das Überschwemmungsgebiet vom 28. August 1817 eingezeichnet. Die Kosten für die Karte übernahm Heinrich Lips (Kupferstecher) von Kloten (1756-1817).

Zwischen November 1824 und März 1825 starben viele Kinder und einige ältere Personen an 'Blattern' (d.h. an den Pocken).

1825 bis 1828 wurde der östlich der Bauten verlaufende Talweg durch die westlich davon geführte Staatsstrasse ersetzt. Erst jetzt verdichtete sich das Ortsbild zum Prototyp eines Strassen- und Zeilendorfs.

Gesetz über die Bildung von Ortsgemeinden

Das Gesetz über die Einteilung des Kantons in Ortsgemeinden trat am 7. Februar 1833 in Kraft. Bei der definitiven Scheidung von der Ortsbürgergemeinde und der politischen Gemeinde am 30. Januar 1834 wurden Oberriet, Holzrhode, Eichenwies, Montlingen und Kriessern zu eigenen Ortsgemeinden gemacht.

Im Dezember 1837 wird die Hirschensprungstrasse verschüttet. Dabei musste ein "Notweg" am Schloss Blatten vorbei geschaffen werden.

Einsturz Hirschensprung Einsturz Hirschensprung

Quellen: Augsburger Tagblatt No. 335, vom 6. Dezember 1837 und St. Galler Zeitung vom 29. November 1837.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1840 starben viele Kinder an der weissen und der roten Ruhr. Vermutlich handelte es sich um die Bakterienruhr. Diese tritt meistens in Gebieten mit mangelnder hygienischer Versorgung auf, mit schwereren Verlaufsformen bei einer geschwächten Immunabwehr oder bei Mangelernährung.

Am 27. September 1840 trennten sich die Schulkreise Montlingen und Eichenwies von Oberriet und bildeten seither eine eigene Schulgenossenschaft. In diese Zeit fällt auch die Einführung der Arbeitsschule. 1841 wurde für diese das erste Spinnrädchen angeschafft (zu dem später ein zweites kam). Siehe Schulgeschichte (Seite 47).

In die Zeit von Ende 1847 bis Anfang 1848 fällt die Gründung des Musikvereins 'Harmonie'. Ein wichtiges Datum war der 18. Juni 1848, an welchem folgendes beschlossen wurde: « Es sollen die Musikanten ersucht werden, dass sie die Prozession vom Fronleichnamsfest mit Musik begleiten möchten, dafür soll ihnen 5 fl. gegeben werden. ».

Mitte 1849 trat der Rhein nach heftigen Gewittern über die Ufer (Quelle: Der Erzähler, 19. Juni 1849).

1850 wurden Gulden, Batzen und Kreuzer durch Franken und Rappen abgelöst.

Vor dem Bau der Eisenbahn durch das Rheintal 1855 gelangte der Gemeinderat von Oberriet an den kleinen Rat des Kantons mit einer Petition, welche verlangte, dass die Bahnlinie in gerader Linie von Oberriet nach Au zu führen sei. Im Januar 1854 erhielt eine Deputation von zwei Gemeinderäten bei einem Mitglied des grossen Eisenbahnkomitees den Bescheid, "dass Oberriet ohne Zweifel eine Station II. Kl. - gleich wie Altstätten erhalte". Dies stellte sich später als falsch heraus. Der Bau der Eisenbahnlinie wurde als Anlass zur "Entsumpfung" von Au genommen. Am 30. Juni 1858 fährt die erste Eisenbahn bei schönstem Wetter durch das Rheintal. Damit zur Begrüssung der Bahn einige Dekorationen angebracht werden konnten, wurde ein Betrag von 20 bis 30 Franken aus der Polizeikasse bewilligt.

Der Rhein suchte die Talschaft oft mit schweren Überschwemmungen heim. In den Jahren 1855, 1868, 1871 und 1890 war das Ausmass der Katastrophe besonders gross.

Die Rheinkorrektion wurde 1865 in Angriff genommen (im 15. Jh. gab es eine Überschwemmung, im 17. Jh. 5, im 18. Jh. 17 und im 19. Jh. deren 16; gleichzeitig nahm auch die Intensität zu).

1868 testete der Direktor der Buntweberei Altstätten auf der Strecke Altstätten-Oberriet seine von ihm erbaute Strassenlokomotive auf ihre Tauglichkeit. Das schnaubende und pustende Vehikel tankte jeweils am Dorbrunnen in Oberriet Wasser. Allgemein waren die Leute in Oberriet und Altstätten der Ansicht, dass man mit solchen Ungetümen seines Lebens nicht mehr sicher sei, und dass dieses die Pferde scheu machen würde. Die Strassenlokomotive wurde letztlich einem Alteisenhändler in Zürich verkauft.

Gesamtansicht Montlingen 1868

Montlingen Tänneli 1868

1868 ereigneten sich drei grosse Rheineinbrüche: oberhalb Ragaz, zwischen Wartau und Sevelen und zwischen Oberriet und Montlingen. Am 28. September des Jahres 1868 durchbrach der Rhein den Damm sowohl in Montlingen als auch in Oberriet. Die Leute trieben ihr Vieh auf den Montlingerberg, der wie eine kleine Insel aus dem Wasser ragte. Am 4. Oktober kam es dann aber noch schlimmer! Beladene Schifflein fuhren durch das Dorf um den eingesperrten Leuten Lebensmittel zu überbringen. Nach dieser Überschwemmung lief eine internationale Hilfsaktion an. Allein an Bargeld kam die stolze Summe von 47'000 Franken zusammen; zudem gingen viele Kleider- und Lebensmittelspenden ein. Vom 4. Oktober bis zum 27. Dezember wurde beim Pfarrhaus eine eigens eingerichtete "Suppenanstalt" unterhalten.

Siehe auch 'Gemeinde-Zeitung unabhängiges politisches Journal' vom 11. Oktober 1868.

Fähre von Oberriet um 1870

Die Fähre von Oberriet (Stich von Tombleson um 1850) - aus Unser Rheintal (1970) p. 79

Der Bau der Holzbrücke nach Meiningen 1870/71 machte die Fähre überflüssig (bereits im Herbst 1867 sprach man vom Projekt [Quelle: Feldkircher Zeitung 19. Oktober 1867]). (Am 24. Oktober 1863 machten die Schulen einen Ausflug nach Feldkirch, bei welchem der Schifferlohn für die Fähren 3 Franken betrug.) Die Holzbrücke wurde 1873 fertiggestellt. Allerdings stand sie zu tief im Wasser, sodass bei Hochwasser nicht genügend Raum unter der Brücke blieb. In den 1960er-Jahren entschied man sich deshalb, die Holzkonstruktion durch einen Neubau zu ersetzen. Die Holzbrücke wurde 1962 abgebrochen, und die heutige zweispurige Betonbrücke wurde 1963 fertiggestellt.

1871 durchbrach der Rhein fünfmal seine Uferdämme und verheerte die Felder (Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 21. Juni 1871). Der Schaden belief sich auf eine Million Franken. Innerhalb weniger Woche wurde Hilfe im Umfang von 428'000 Franken gefunden. Frankreich steuerte über 200'000 Franken bei.

1870 bis 1873 gab es miserable Obst- und Weinernten.

Die Oberstufenschule nahm ihren Anfang im Jahre 1875. Eine Bürgerschaft der politischen Gemeinde Oberriet sprach sich sonntags, den 10. Oktober 1875 im Rössli in Oberriet für die Schaffung einer zweistufigen Realschule aus und beauftragte ein provisorisches Realschulcomité, die einleitenden Schritte zu tun. Das Comité wurde aus folgenden Herren bestellt:

  • Alt Vermittler C. Sartory, Präsident des Comités in Oberriet
  • Gemeindeammann J. Lüchinger, in Oberriet
  • Ingenieur C[arl] Saylern, in Oberriet
  • Lehrer Johann Jakob Eugster, in Kobelwald
  • Bauführer Emil Stieger, in Oberriet
  • Präsident Loher, in Montlingen
  • Kantonsrat Lüchinger in Montlingen

Bau des neuen Schulhauses März 1876 bis 28. Dezember 1876.

Schulhaus Oberriet 1876-1936

Die Genossenversammlung vom 23. August 1874 beschloss den Bau des neuen Schulhauses (auf dem Platz des alten Gebäudes; d.h. dieses wurde abgerissen). Der Plan wurde vom Baumeister Joh. E. Gächter in Oberriet erstellt. Das Gebäude wies vier Schulzimmer und drei Lehrerwohnungen auf. Das vierte Zimmer war für die neu gegründete Realschule bestimmt. Siehe Schulgeschichte (Seite 48ff).

Bau der Holzbrücke von Montlingen nach Koblach 1876. Diese Holzbrücke wurde am 12. Mai 1967 durch die Einweihung einer neuen Brücke ersetzt (die alte Brücke hätte angehoben werden müssen, da ein Durchflussprofil vom 3100 m³/sek verlangt war).

1881 folgte die Erweiterung der Oberschule zur Dreivierteljahrschule.

Im Juli 1883 gab es ein schreckliches Gewitter mit Hagel, welches an der Ernte und an Häusern einen grossen Schaden anrichtete (Quelle: St. Galler Volksblatt, 18. Juli 1883).

Anfangs Januar 1886 notierte Pfarrer Gämperle anlässlich des Todes des Jünglings Johann Mattle im Totenbuch: "Im Frühling dieses Jahres gab es sehr viele Sterbefälle, war überhaupt ein ganzes …feld. Es war ein erst besonders kalter aber langer Winter. Die Influenza herrschte fast epidemisch.".

1887 blühte in Oberriet der Schmuggel (Quelle: Die Ostschweiz, 8. März 1887). Im selben Jahe brannte beinahe die Brücke zwischen Oberriet und Meiningen ab (Quelle: St. Galler Volksblatt, 11. Juni 1887).

Im Juni 1889 muss es bereits einen grösseren Brand in Oberriet gegeben haben. Sammlungsaufrufe in den Zeitungen (z.B. 'Die Ostschweiz' vom 15. Juni 1889) zeugen davon.

Im grössten Brand, den der Kanton St. Gallen erlebte, verbrannten dann aber am 21. September 1890 in Rüthi 227 Firsten, wobei das Feuer im Föhnsturm über den Hirschensprung hinübergetragen wurde und in Moos noch weitere 71 Firsten verzehrte [HBLS-05]. Zeitungsartikel: Die Ostschweiz, 23. Oktober 1890, Die Ostschweiz, 26. Oktober 1890. Das Feuer brach ursprünglich in Rüthi in einem Schopf des Kantonsrats Valentin Büchel aus.

Oberriet Moos vor dem Brand 1890 Oberriet Moos nach dem Brand 1890

Das Bild links zeigt Moos, wies es vor dem Brand aussah. Das Bild zeigt Moos nach dem Wiederaufbau. Quelle der Bilder: Unser Rheintal (1957) p. 72/73.

1890 gab es in Rüthi ein erstes grösseres Eisenbahnunglück (Die Ostschweiz, 3. Juni 1890). Der Zugführer konnte glücklicherweise vor dem Zusammenstoss mit einem anderen Zug 'Contredampf' geben. Die Oberrieter Frauen waren derart entsetzt, dass sie danach zu Fuss nach Hause gingen.

Die Einfuhr von Vieh aus dem Vorarlbergischen wurde von der Sanitätskommission peinlichst überwacht (Quelle: 'Die Ostschweiz').

In den 1850er-Jahren wurden verschiedenste Strassenbauprojekte teils von der Kantonsregierung, teils von einzelnen Bezirken verfolgt. Die fehlende Gesetzesgrundlage liess jedoch solche Vorhaben immer wieder scheitern. So wurde zwar ein teures Projekt für eine Strasse von Appenzell über Eggerstanden nach Oberriet ins Auge gefasst (und deswegen andere Verbindungen hintangestellt), dann aber erst nach 1904 ausgeführt. 1892 wurde ein neuer Anlauf genommen (Quelle: 'Die Ostschweiz').

Im Mai 1893 fand in Oberriet der Maien-Markt statt (grosser Pferde-, Vieh- und Krämermarkt) - Quelle: 'Die Ostschweiz'.

Im November 1894 fand in Oberriet ein grosser Jahrmarkt statt (Pferde-, Vieh- und Krämermarkt) - Quelle: 'Die Ostschweiz'.

1895 wurde in Oberriet eine Telefonstation eingeführt. Auf der Post wurde manuell gestöpselt: wenn ein Abonnent anrief fiel eine Klappe und die bedienede Person fragte dann nach der Nummer, welche dann mittels Stöpsel verbunden wurde. Sobald das Gespräch beendet war fiel wieder eine Klappe und die Verbindung wurde manuell unterbrochen. Herr Waker hielt die Anlage instand.

Viehveredlungsvereine waren die Vorläufer der Zuchtgenossenschaften. In Oberriet gatte es einen Viehveredlungsverein (Quelle: 'Die Ostschweiz' vom 15. Oktober 1897). (Rinder gelten übrigens als "geschaufelt", sobald die zwei vorderen Zählen ausgefallen sind und die neuen Zähne stossen.)

1902 wurden die (harten) Rhein- und Kanalsteuern eingeführt, welche die (noch härteren) Rhein- und Wuhrsteuern ablösten.

Ab etwa 1902 wurde in Oberriet das elektrische Licht eingeführt.

Im Frühling 1903 wurde das neue Wasserversorgungswerk Oberriet-Eichenwies gegründet. Das Reservoir auf den St. Annaberglein fasste 300'000 Liter Wasser. Die Quellen befanden sich im Gebiet von Freienbach. Bei den Ausschachtungen wurden vier verschiedene Mauerzüge entdeckt, sowie Grundmauern eines grösseren Rundbaus - vermutlich eine römische Burg.

1923 eröffnete die Firma in Oberriet einen Betrieb zur Herstellung von Röhren.

Bis ins Jahr 1926 funktionierte das Armenwesen nach dem 'Heimatprinzip'. Jede Ortsgemeinde hatte für ihre Bürger "in armen Tagen" zu sorgen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Unterstätzungsbedürftigen innerhalb oder ausserhalb des Gemeindegebietes wohnten. Das neue Armenrecht setzte nun zumindest teilweise an Stelle des Heimatprinzips das Wohnprinzip
(die Wohngemeinden mussten vorerst die Hälfte an die Kosten beitragen).

1798 bis 1930 wurde der Allgemeine Hof von der Politischen Gemeinde Oberriet verwaltet. Mit der Trennung des Hofes von der Politischen Gemeinde werden Hofvermögen und Besitz durch die eigene Hofverwaltung betreut.

Die rückläufige Nachfrage nach Stickereien in den 1920er Jahren traf die Rheintaler Sticker hart. Sie mussten zusehen, wie die billiger produzierenden Vorarlberger immer mehr Aufträge erhielten. Mit Lastwagen wurde die bestellte Ware in die Schweiz gefahren. Die Brückenbesetzungen vom 7. Oktober 1932 sollten die Ausfuhr der Stickereiware verhindern. Der anhaltende Verkehr über die Grenze führte am 15. Juni 1934 erneut zu Besetzungen der Rheinbrücken.

Die Gemeinde Oberriet besitzt kein geschichtlich gewordenes eigenes Wappen. Der Oberrieter Bürger Dr. Styger in Wil machte den Vorschlag, das Wappen gemäss der Stiftsämterscheibe von 1581 für den Reichshof Kriessern zu wählen. Dieses stellte einen Löwen unter einem Baum dar. Auch die Ramschwager, die einst das Schloss Blatten bewohnt hatten, führten einen Löwen im Wappen. Schon zuvor gatte der 'Allgemeine Hof' ein derartiges Wappen gewählt. Es war aus dem Siegel des ehemaligen Hofammans Mattle hervorgegangen, wobei man das seinerzeit angebrachte Hakenkreuz durch das eingenössische Kreuz ersetzte. Am 2. Februar 1944 beschloss der Gemeinderat, dieses Wappen insküftig auch für die Gemeinde offiziell zu erklären. Die Wappenkommission stimmte zu, und es erfolgte am 28. Juni 1945 der Anerkennungsbeschluss.

Zwischen 1946 und 1947 wurden die 4stelligen Telefonnummern durch 5stellige ersetzt (die erste Ziffer war neu eine 7, von der alten Nummer wurden die letzten beiden Ziffern übernommen). Beispiele: Gebrüder Kolb Tel.: 3059 → 78159; Jansen & Co. Tel.: 3044 → 78244; Sparkassa Tel.: 3050 → 78150; Kaspar Kühnis & Söhne Tel.: 3037 → 78137.

Das Postbüro Oberriet wurde am 21. April 1969 eröffnet. In früherer Zeit wurden Boten auf definierten Strecken eingesetzt (z.B. Eichenwies - Büchel; Quelle: Der Wahrheitsfreund, 10. April 1840 oder Altstätten - Kobelwies; Quelle: St. Galler Zeitung, 27. November 1841). Beim Übergang zur eidgenössischen Post am 1. Januar 1849 war die kantonale Postablage unter Karl Heinrich Sartory im Hotel 'Rössli' untergebracht. Damals war Oberriet eine wichtige Station des Pferdekurses St. Gallen - Rorschach - Chur. Als Oberriet 1858 die Bahnlinie eröffnet wurde, wurden Postwagenkurse nach Feldkirch eingeführt (die Kutsche musste jeweils mit der Fähre übersetzt werden). Schon zur Zeit der Kantonalpost waren für die Zustellung zwei Briefträger angestellt, der eine bediente Oberriet und Montlingen, der andere Rüthi (bis 1865). Der Amtsnachfolger von Karl Heinrich waren seine Söhne Heinrich Friedrich und Heinrich Emil. 1887 wurde Karl Sartory, der auch als Vermittler tätig war, zum Posthalter gewählt. Er richtete das Postlokal im heutigen Wohnhaus von Frau und Fräulein Müller ein. 1889, nach seinem Tode, übernahm seine Witwe für kurze Zeit die Stelle. Ihre Tochter Karolina (später Frau Müller), welche auf dem Postbüro Altstätten ausgebildet worden war, wurde schon 1890 Posthalterin und übte dieses Amt 40 Jahre lang gewissenhaft aus, bis ihr Sohn Karl Müller 1930 die Nachfolge antrat. 1937 zog die Post vom Wohnhaus ins danebenstehende, ebenfalls dem Posthalter gehörende Gebäude um, wo sich bereits die Telefonzentrale befand. Ab 1967 amtete Rudolf Loher als Posthalter. Als zwei Jahre später das Postbüro der neuen Telefonzentrale weichen musste, zog die Post näher ins Dorf.

Geographie

Das Bild links stellt den Ausschnitt einer Karte von G. Walser dar. Es zeigt das St. Galler Rheintal um 1766. Das Bild rechts stammt aus 'Ambühl, Geschichte des Rheintals, 1805'.

Rheintal um 1766 Rheintal um 1805

In Oberriet selbst gibt es eine Ortsbezeichnung 'Stieg'. Der Weiler Stieg gehört zur Holzrhode.

Die Ortsgemeinde Holzrhode ist eine der fünf Ortsgemeinden im Einzugsgebiet des Allgemeinen Hofes Oberriet, auf dem Gebiet der Politischen Gemeinde Oberriet. Im Gegensatz zu anderen Ortsgemeinden handelt es sich hier nicht um ein eigentliches Dorf, sondern um ein Gebiet.

Dieses erstreckt sich im Süden vom Hirschensprung (Grenze zur Gemeinde Rüthi) über das ganze Berggebiet bis an die Grenze zur Gemeinde Eichberg im Norden, und im Westen bis zur Grenze des Kantons Appenzell Innerrhoden. Auf dem Gebiet der Holzrhode gibt es viele Weiler und das Dorf Kobelwald. Dieses dürfte schon vor 1000 Jahren besiedelt gewesen sein.

Die Holzrhode hat rund 700 Ortsbürgerinnen und Ortsbürger - "Holzbura" genannt - die aber auch noch Bürger des Allgemeinen Hofes Oberriet sind.

Wie man lebte

In der Ostschweiz wurde der älteste Sohn (Stammhalter) jeweils als 'Bub' / 'Bueb' bezeichnet. Dies widerspiegelte sich auch oft in den Übernamen: 'Johannes Rudisbubes Kluser' oder 'Anton Klinesbubes Kluser' (versus 'Jakob Klines Kluser' für den jüngeren Bruder).

Geld

  • 1402: 1 Pfund Pfennige = 2 Pfund Heller.
  • 1682: Der Allgemeine Hof verwaltet das Mattle'sche Stipendium. Diese Stiftung wurde im Jahre 1682 von Jakob Mattle mit 1300 Gulden errichtet. Nach dem Willen des Stifters sollen die Zinsen als jährliche Stipendien Hofbürgerinnen und Hofbürgern, die sich durch ein Studium oder eine Lehre auf einen Beruf vorbereiten, ausgerichtet werden. Das Vermögen beträgt heute 42'000 Franken.
  • 1700: Der Batzen wurde ursprünglich in Silber, ab dem 17. Jahrhundert aber in Billon geprägt. Der Wert des Batzens differierte im Laufe der Zeit je nach Prägungsort. Im frühen 18. Jahrhundert stand der ganze Batzen bei fünf Kreuzern (1/12 Reichsgulden), der reguläre Batzen bei vier Kreuzern, der Basler und Zürcher Batzen war bei 1/18 Gulden angelangt, der St. Galler Batzen bei 1/17 Gulden.
  • 1733: Schilling (12 Pfennige), Kreuzer (4 Pfennige), Pfennig (Wert eines Pferds oder einer Kuh: 20 bis 25 Schillling).
  • 1837: Die Arbeit des Ortspräsidenten wurde pro Jahr mit 10 Gulden 48 Kreuzer entschädigt. Jedem Verwaltungsmitglied zahlte man 8 Gulden 6 Kreuzer aus. Die Bürgerversammlung wählte immer auch den Nachtwächter, welcher durch den Ortssäckelmeister zu entschädigen war. Ihm wurden im Jahre 1837 50 Gulden bezahlt. Ausserordentliche Anschaffungen für den Nachtwächter, zum Beispiel die Anschaffung eines Nachtwächtermantels, übernahm jeweils die Ortsgemeinde.

Bürgerrecht

Wenn ein Bürger "armengenössig" wurde, dann musste früher die Bürgergemeinde für seinen Aufenthalt aufkommen. Aus diesem Grund musste man sich auch ins Bürgerrecht "einkaufen". Bis 2012 erwarb eine Frau durch Heirat "automatisch" das Bürgerrecht des Ehemannes (bis 1988 verlor sie dabei das ererbte eigene Bürgerrecht).

Als der moderne Bundesstaat 1848 entstand, leitete sich die Schweizer Staatsbürgerschaft noch aus dem Kantons- und dem Gemeindebürgerrecht ab. Kantone und Gemeinden bestimmten faktisch also in eigener Kompetenz, wem das Bürgerrecht zugestanden wurde. Die neue Bundesverfassung 1874 übertrug dem Bund die Kompetenz, Bedingungen für die Einbürgerung festzulegen. Im Bürgerrechtsgesetz 1876 wurde für den Erwerb des Bürgerrechts ein festes Domizil in der Schweiz vorausgesetzt.

Personenfreizügigkeit

Die alte Eidgenossenschaft bis 1798 war ein loses Bündnis von Städten und Kantonen. Das Niederlassungsrecht in einer Gemeinde wurde vererbt (oder man musste sich "einkaufen"). Viele zog es zwar in die Städte (keine feudalen Verpflichtungen und Marktrecht), doch im 17. und 18. Jh schränkten die Städte die Aufnahme neuer Bürger ein (da sie den Wohlstand nicht teilen wollten).

Die Städte lösten das Problem, indem sie zwei Klassen von Bewohnern schufen: die Bürger und die sogenannten Hintersassen. Hintersassen durften keine Ausbildungen absolvieren, lukrative Branchen blieben ihnen verschlossen (oft verrichteten sie harte, körperliche Arbeiten). Von der Armenfürsorge wurden sie ausgeschlossen.

Wenn also jemand vom Land in eine Stadt wechseln wollte, hatte er oder sie kaum eine Chance das entsprechende Bürgerrecht zu erhalten. Personen erhielten in der Regel eine Arbeit, mussten sich aber regelmässig um eine neue Bewilligung bemühen (Beispiel aus dem Jahr 1871).

Die erste uneingeschränkte Schweizer Personenfreizügigkeit hielt kaum fünf Jahre (1798 bis 1803). Danach eroberten die Kantone ihre Macht zurück und beendeten die Helvetische Republik. Die Verfassung des 1848 gegründeten Bundesstaates garantierte Schweizer Bürgern zum zweiten Mal die Niederlassungsfreiheit (mit der Ausnahme für Juden und arme Leute). Oft trennten sich reiche Bürgergemeinden von den politischen Gemeinden. So verloren die Alteingesessenen zwar ihre politischen Privilegien, aber den vererbten Besitz brachten sie so vor den Neuzuzügern in Sicherheit. Die Niederlassungsfreiheit wurde erst 1975 in einer Abstimmung (mit einer klaren Mehrheit vom 76% zu 24%) durchgesetzt. Der Vertrag von Amsterdam setzte 1999 die Personenfreizügigkeit in Europa vollständig durch. 2002 trat die Schweiz bei.

Eine noch schlechtere Stellung als die Hintersassen hatte übrigens das Gesinde (Mägde, Knechte, Gesellen, Wäscherinnen oder Hauslehrerinnen). Der Aufenthalt des Hausgesindes wurde im Voraus zeitlich begrenzt. Zusätzlich unterstand es (eine Art "Vormundschaft") der direkten Aufsicht der Familie, bei der es diente.

Orte in Oberriet

Adler

Der 1643 (kurz nach der 'Burg') erbaute 'Alte Adler' diente als Gasthaus, Herberge und – wie es die Chronik erzählt – als Rathaus. Dem alten Adler angegliedert war eine Sust (siehe dort). Südlich grenzte an die Burg ein Speicher als Stall für das Vieh. Der Burgbauernhof diente dem Verwalter zur Versorgung seiner Familie. In einer Föhnnacht 1898 fiel er ebenso wie zwei daneben stehende Häuser einem Brand zum Opfer. Mit dem Wasser aus dem nahe fliessenden Dorfbach konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Burg verhindert werden.

Das neue Gasthaus Adler in Oberriet befindet sich im Zentrum von Oberriet.

Restaurant Adler M. Kühnis Adler und Burg Adler und Burg Oberriet Adler

Erstes Bild (rechts oben) der alte Adler gehörte offenbar einmal der Familie Kühnis. Drittes Bild: Links der (neue) Adler, rechts die "Burg" (Riegelbau). Quelle: Jasmin Stöckli (Aufnahme vom 27. Januar 2016).

Am 6. Herbstmonat 1813 erhielt Franz Xaver Weder vom Gemeinderat die Bewilligung zur Führung des Adlers (siehe Schulgeschichte Seite 43). Der alte Adler gehörte einem Willi Mattle-Zeller (Bäckerei Zeller in Rüthi) und später dem 2007 verstorbenen Willi Mattle-Drexel ("Adlerwirts Willi").

Der 1981 abgebrannte Bau bildete mit der 1929 abgebrochenen Sust, dem äbtischen Zehntenhaus ("Burg") und einem weiteren abgegangenen Bauernhaus eine architektonische Einheit. Assekuranznummer 2054.

Siehe Karte.

Armenanstalt / Feldhof

Am 8. Mai 1864 ermächtigte die erste Genossenversammlung der Ortsgemeinde Oberriet den Ortsverwaltungsrat mit dem Gemeinderat Unterhandlungen zu führen, mit dem Ziel die Armen besser, geregelter und mit mehr Aussicht auf guten Erfolg, in einem oder mehreren Armenhäusern zu unterbringen und zu verpflegen. Es folgte auch bald der Bau des ersten Armenhauses (östlich des Binnenkanals).

Armenhaus Oberriet (alte Gebäude vom Feldhof)

Armenhaus Oberriet (alte Gebäude vom Feldhof)

Armenhaus Oberriet (Betriebsgebäude)

Armenhaus Oberriet (Knechtenhaus)

Bild 3 zeigt das heute noch stehende Betriebsbegäude (Hofaktivitäten), Bild 4 das Knechtenhaus. Das eigentliche alte Armenhaus wurde wegen Baufälligkeit 1972 abgerissen.

Zur Senkung der Kosten verfügte der Gemeinderat die Anstellung von Ordensschwestern. In der Chronik ist unter dem Datum 14. November 1871 zu lesen: "Entlassung der Armenmutter, Barbara Kühnis, von Oberriet und Anstellung zweier Schwestern aus dem Kloster Ingenbohl: Sr. Ottilia Bosshard, von Luzern, als Oberin und Sr. Maura Gemperle, von Flawil, als Köchin".

Armenhaus Oberriet (1946)

Armenhaus Oberriet (overlay)

Armenhaus Oberriet (2020)

Bilder oben: 1946 vs. 2020.

1875 standen die ersten Verputzarbeiten an (Anzeige in 'Die Ostschweiz' vom 19. März 1975).

Das ursprüngliche Armenhaus versah seine Dienste bis zu dessen Abbruch etwa im Jahre 1972. An seine Stelle trat der Neubau (1962, linkes Bild unten) westlich des Binnenkanals (Flurbezeichnung 'Feldhof', Vermessungspunkt 421), welchem in den Jahren 1975 und 1987 Erweiterungen angegliedert wurden. Die Heimschwestern wurden auch im Landwirtschaftsbetrieb, welcher dem Heim angegliedert war, eingesetzt.

Neues Bürgerheim Oberriet (1962)

Altes und neues Bürgerheim Oberriet (Aufnahme von 1969/70)

Armenhaus (alte Gebäude vom Feldhof)

Beim Aus- und Neubau im Jahre 1991 hat sich die Gemeinde Rüthi (1995) mit einem Bauinvestitionsbeitrag vorerst das Anrecht für fünf Heimplätze erkauft. Auf Ende April 1992 wurde die Oberin in das Mutterhaus zurückgerufen. Auf den 1. Juni wurde eine weltliche Heimleiterin angestellt. Am 30. März 1992 war der Baubeginn des Erweiterungsbaus für das Altersheim Feldhof. Ende 1993 konnte der Neubau bezogen und mit der Umbauphase für den Altbau begonnen werden.

Am 4. Mai 1995 wurde das Altersheim Feldhof festlich eingeweiht. Heute bietet das Altersheim Feldhof Oberriet 69 Heimplätze in zwei Häusern an.

Geschichte und s/w Bilder von Guido Fritz (Heimleiter).

Bahnhof

Die Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) eröffneten am 25. August 1857 den Teilstück von Rorschach bis Rheineck und am 1. Juli 1858 den Streckenabschnitt von Rheineck bis Chur. Am 30. Juni 1858 fährt die erste Eisenbahn bei schönstem Wetter durch das Rheintal. Damit zur Begrüssung der Bahn einige Dekorationen angebracht werden konnten, wurde in Oberriet ein Betrag von 20 bis 30 Franken aus der Polizeikasse bewilligt.

Am 1. Juli 1902 wurde die VSB verstaatlicht und gehörte fortan zu den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Der Betrieb der VSB geschah jedoch bereits ab dem 1. Januar 1901 auf Rechnung des Bundes.

Oberriet Bahnhof und Sonne 1907 Oberriet Bahnhof Oberriet Bahnhof Oberriet Bahnhof

Oberriet Bahnhof

Das erste Bild zeigt den Bahnhof und das Restaurant Sonne um 1907. Das vierte Bild stammt von einer Postkarte, welche unter der Creative Commons 2.0 Lizenz bereitgestellt wurde. Das fünfte Bild stammt aus dem Rheintaler Tagblatt vom 4. November 2017. Dort wurde das Projekt der Politischen Gemeinde Oberriet vorgestellt, welches das Bahnhofgebäude zur Quartierschule umnutzen wollte.

Mangels Regios hielt zwischen 2000 bis Ende 2013 fast kein Zug mehr im Bahnhof. Stattdessen wurde Oberriet durch eine Buslinie zwischen Altstätten und Buchs SG verbunden. Auf den Dezember 2013 hin fand ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Kanton St. Gallen statt, welcher vor allem eine Ring-S-Bahn um den ganzen Kanton umfasste. Der Bahnhof Oberriet wurde im Zuge dieses Ausbaus wieder reaktiviert, und heute hält pro Stunde ein Zug in jede Richtung im Bahnhof.

Bildstöckli / Kapelle St. Judas-Thaddäus

Das 1840 gebaute Bildstöckli etwas ausserhalb von Eichenwies wurde 1893 in eine kleine Kapelle umgewandelt. Die Kapelle wurde 1971 renoviert. In der Chronik von Pfarrer Oberholzer wurde sie noch 'Heiligkreuz-Kapelle' oder 'der Bildstock zum grossen Herrgott' genannt. Die Kapelle wird auch 'St. Judas-Thaddäus' genannt.

Das rechteckige Gebäude mit Satteldach und Vorzeichen beherbergt ein Kruzifix (vermutlich aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts).

Oberriet Bildstöckli

Oberriet Bildstöckli

Oberriet Bildstöckli

Quelle Bild 1: Web Site von Oberriet (Fotoalbum: Natur rund um Oberriet). Sie stand im Jahre 2011 noch zwischen zwei mächtigen Bäumen. Die Bilder 2 und 3 wurden um Juni 2019 aufgenommen.

Blatten (Schloss, heute Ruine)

1170 und 1229 werden Burkhard und Ulrich "von Blatten" erwähnt. Gemäss Christian Kuchimeister (14. Jh.) soll Abt Berchthold von Falkenstein (Amtszeit 1244-1272) die Burg Blatten gegen die Grafen von Montfort errichtet haben. 1277 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung, als sie durch Abt Rumo von Ramstein an Ulrich von Ramschwag verliehen wurde. Mit dem 1279 durch König Rudolf von Habsburg vergebenen Reichshof Kriessern bildeten die Ramschwager eine Herrscheft. 1486 und 1511 veräusserten sie ihre Rechte an das Kloster St. Gallen. Von 1489 bis 1798 diente die Burg als äbtischer Vogteisitz. 1637 liess Abt Pius Reher (an der Stelle der heutigen Festwirtschaft) ein grosszügiges Gebäude erstellen (welches einen älteren Bau ersetzte). Die 1882 errichtete erste Festwirtschaft brannte 1892 ab (siehe Karl Sartory Erben und Feldkircher Anzeiger vom 31. Mai 1892). Siehe Karte.

Oberriet, Schloss Blatten

Oberriet, Schloss Blatten

Oberriet, Schloss Blatten

Am Blattenberg gab es früher Weinreben. Wein vom Blattenberg wurde bei der Eröffnung der Pintenwirtschaft zum Schäfle aufgetischt.

Burg

Obwohl Pfarrer A. Hürlimann in seiner Broschüre 'Schulgeschichtliches aus Oberriet und aus dem ehemaligen Hof Kriessern' erwähnt die Jahreszahl 1315 im 1. Stock des Gebäudes gefunden zu haben: Fürstabt Diethelm Blarer von Wartensee baute 1539 die Burg südlich der Pfarrkirche (Adlerstrasse 3). Diese Jahreszahl ist in der Balkendecke in der oberen Stube zu sehen. Auf Schloss Blatten residierte damals Alt-Vogt Diepold Kolb. Bis zur Gründung des Kantons St. Gallen diente sie als äbtisches Zoll-, Zehnt- und Verwaltungshaus. Das Gebäude weist einen Gewölbekeller auf. Ein weiterer gewölbter Raum soll einst als Hauskapelle eingerichtet gewesen sein. Südlich grenzte an die Burg ein Speicher als Stall für das Vieh. Der Burgbauernhof diente dem Verwalter zur Versorgung seiner Familie. 1898 fiel er ebenso wie zwei daneben stehende Häuser einem Brand zum Opfer. Mit dem Wasser aus dem nahe fliessenden Dorfbach konnte in jener Föhnnacht ein Übergreifen der Flammen auf die Burg verhindert werden. 1964 wurde das Gebäude umfassend renoviert. Seit 1965 steht der Riegelbau unter Denkmalschutz.

Oberriet Haus zur Burg

Oberriet Haus zur Burg

Oberriet Haus zur Burg

Oberriet Haus zur Burg

Oberriet Haus zur Burg

Im ersten Bild ist noch der hässliche Anbau zu sehen, welcher die gedeckte Treppe zum Hauseingang umfasst. Dieser Anbau und die über 400 Jahre alten Fensterpfosten aus Sandstein zählten 1964 zu den wichtigsten Renovationsvorhaben. Bild 2 dürfte aus den späten 1970er-Jahren stammen [WL1979].

Die Gemeinde erwarb das Gebäude 2015 von der Gärtnerei Stieger (diese besass das Gebäude seit Ende des 2. Weltkriegs).

Chrömerlihuus / Haus Kluser

Erwähnt im Vortrag von Georg Dietschi im Zusammenhang mit Ammann Hans Dietschi (auf Seite 27). Ammann Hans Dietschi (enthauptet 1644) wohnte im Chrömerlihuus. Nach mündlicher Überlieferung wurde in diesem Haus um 1850 eine Wirtschaft geführt. Im Oktober 1930 gehörten Wohnhaus (No. 2142) und Scheune (No. 2143) August Kluser "Krämerlis".

Gemäss Manuela Zwicker war das Haus nie eine Bäckerei. Es gehörte jedoch eine Sust dazu (in welcher Pferde gewechselt wurden). Das Chrömerlihuus ist eines der ältesten Häuser in Oberriet und dürfte in der Zeit zwischen 1620 und 1640 erbaut worden sein. Siehe Karte.

Chrömerlihuus

Chrömerlihuus

Quelle Bild 1: Jasmin Stöckli.

Chrömerlihuus

Chrömerlihuus

Chrömerlihuus

Prunkstück im Inneren ist die Stube mit einer reichprofilierten Felderdecke des 17. Jahrhunders und einem Ofen mit klssizistischen Malereien (Anfang 19. Jahrhundert).

Dorfbrunnen

Die Wasserversorgung für Oberriet wurde 1903 beschlossen. Ursprünglich waren entlang der Hauptstrasse zwölf Dorfbrunnen installiert. An diesen konnten alle Wasser beziehen; zudem waren sie oft Treffpunkt der Bevölkerung.

Dorfbrunnen im Buck

Der letzte Dorfbrunnen (aus dem Jahre 1894) stand im Buck. Das Bild stammt aus [WL1979].

Eichau

Flurbezeichnung. Siehe Karte.

Eintracht

Oberrieter Gasthaus im Ortsteil 'Buck'. Das Haus zur Eintracht wurde 1614 durch den Baumeister Johannes Saxer erbaut. Das Gebäude wurde im Volksmund 'Gaasi' genannt (vermutlich wegen der früheren Mostlager im Keller des Hauses). Der fünfgeschossige Strickbau mit zum Teil historischer Innenausstattung wird in den Katastern erst ab 1874 als 'Wirtschaft' bezeichnet.

Renovationen erfolgten 1825, 1857, 1969 und 1984.

Oberriet Eintracht (Gaasi) Oberriet Eintracht (Gaasi) Oberriet Eintracht (Gaasi) Oberriet Eintracht - Frischknecht

Das Haus gehörte 1929 der Marie Wüst-Wüst. Assekuranznummer 2166-2168. Siehe Karte.

Das Wohnhaus mit der Wirtschaft hatte damals einen Assekuranzwert (Gebäudeversicherungswert) von 42'000 Franken, die Scheune von 14'000 Franken und der Schweinestall von 6'000 Franken. Der Schopf war bereits abgerissen.

Oberriet Eintracht (Gaasi) - Karte Oberriet Eintracht (Gaasi) - Assekuranz Kataster, Revision 1929

Das Haus wurde dann im Sommer 2005 einem Totalumbau unterzogen. Zwischen 2005 und Ende 2017 wirteten Esther und Hansruedi Frischknecht in der Eintracht. Sie brachten die Eintracht auf ein 14 Gault Millau Punkte Gasthaus. Am 13. Juli 2020 befand sich die 'Haus zur Eintracht GmbH' (Handelsregister-Nr.: CH-320.4.049.467-0) in Liquidation. Die Web Site (mit penetrantem Datenschutz-Popup) nannte im Januar 2021 keine Wirtenamen mehr.

Fäneren / Fänerenspitz

Dem Kamor nördlich vorgelagert (aber nicht von derselben geologischen Formation). Siehe Karte.

Forster-Mühle

Im Mühltobel gelegen. Das Hauptgebäude wurde vom Dorfbrand von 1890 verschont. Siehe Karte. Assekuranznummer 595.

Forstseeli

Naturteich am Ostabhang der Fäneren. Siehe Karte.

Frohsinn

Oberrieter Gasthaus. Johann Gottlieb Zäch übernahm 1903 von seinem Vetter, dem Tierarzt Josef Anton Zäch, den 'alten Frohsinn'. Im Herbst begann er daneben mit einem Neubau, in welchen er die Wirtschaft zum 'Frohsinn' verlegte. Maria Anna Zäch arbeitete hier ab 1904 als erste Kellnerin. Siehe Karte.

Oberriet Frohsinn, Emma Kolb

Oberriet Frohsinn, Emma Kolb

Oberriet altes Pfarrhause und Frohsinn (1933)

Oberriet Frohsinn

Oberriet Frohsinn

Oberriet Frohsinn

Oberriet Frohsinn

Der "alte" Frohsinn (Assekuranznummer 2028) stand quer zur Strassenachse und wurde nach einem Brand 1987 neu aufgebaut. Der "neue" Frohsinn (Assekuranznummer 2030) wurde 1903/04 im Jugendstil errichtet. Er diente auch als Büro der Ziegelei Zäch.

Grosse Fabrik

Die Grosse (Stickerei-) Fabrik wurde 1870 von der Ortsgemeinde errichtet und von Theodor Lüchinger betrieben.

Es ist nicht klar, ob die Ausschreibung aus dem Jahre 1875 auch zu dieser Fabrik gehörte (Quelle: Die Ostschweiz). Jedenfalls muss 1875 ebenfalls eine grössere Stickerei eröffnet worden sein (Quelle: Neue Zuger Zeitung, Band 30, Nummer 19, 6. März 1875).

Oberriet Stickerei Lüchinger

Quelle des Bildes (zwischen 1895 und 1900): Staatsarchiv St. Gallen ZMH_53_007. Druck: Marty & Amstein, Herisau und St.Gallen, Verleger: Bion & Tschumper, St.Gallen.

Heute befindet sich dort das Institut Karl Borromäus. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet worden. Sie lehnt verschiedene Erneuerungen in der katholischen Kirche ab, die das zweite vatikanische Konzil brachte. So wird die Messe nach wie vor in Latein gelesen. In Oberriet ist die Priesterbruderschaft seit 1978 ansässig. Bis zum Bau der Kirche diente ein Saal im Hauptgebäude als Kapelle. Weil das Gebäude zuvor eine Stickerei, dann ein Stahlröhrenwerk und später eine Gummifabrik war, wurde das Priorat im Volksmund zur "Gummikirche".

Siehe Karte. Assekuranznummer 1755.

Haus Langenegger

1747 erbauter, fünfstöckiger Strickbau an der Nordstrasse (Bauernhaus). Das Gebäude mit seinem Hausspruch wurde 1947 und 1981 renoviert. Die Zugladentäfer der Dachgeschosse sind mit reich geschweiften und durchbrochenen Seitenbrettern versehen.

Leider ist zu diesem Bau kein Bild vorhanden.

Hylpert / Hilpert

Lehm für die Ziegelherstellung wurde in den Lehmgruben 'Hilpert' abgebaut. Die Oberrieter Ziegelei (an der Staatsstrasse im Hilpert) bestand von 1836 bis 1970 unter verschiedenen Firmennamen wie z.B. 'Dampfziegelei & Kalk-Fabrik Gebr. Zäch & Cie., Oberriet'.

Am 16. November brannte die Ziegelei (damals den Herren Locher gehörend) beinahe vollständig ab (Quelle: St. Galler Volksblatt, 21. November 1891). Im Februar 1892 zahlte die kantonale Brandversicherungsanstalt 19'350 Franken zur Regelung des Schadens. Die Dampfziegelei Hilpert (Klingler & Merkle) beherbergte ein interessantes Halblokomobil, welches ab 1899 als Dampfmaschine diente. Siehe Zeitschrift 'Dampf-Info', Ausgabe 2014/15 auf Seite 14. Die Zusammensetzung des verwendeten Lehms (Ton) wurde Ende 1900 von Prof. Louis Rollier (1859-1931) untersucht (Quelle: ETH Bibliothek, Hs 322:3057). Im 1. Weltkrieg (1916) musste die Ziegelei dann mangels Aufträgen stillgelegt werden. Stattdessen wurde die Anlage als Obsttrocknerei verwendet. 1920 öffnete die Ziegelei nochmals, doch das Geschäft zog nach dem Krieg nicht wieder an wie erhofft und ging daraufhin bald wieder ein.

Siehe Karte. Die Gebiete wurden in den 1970er Jahren von der Gemeinde erworben und Anfang der Achtzigerjahre unter Schutz gestellt (Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung).

Dampfziegelei Hylpert

Die Torfstreu AG (gegründet durch Johann Zäch) hatte im 1. Weltkrieg gute Geschäfte gemacht. Nach dem Tod von Gottlieb Zäch im Jahre 1921 wurden Ziegelei und Torfstreufabrik ihres kaufmännischen Leiters beraubt. Seine Frau führte die Büros danach bestmöglichst weiter. Karl Zäch wurde 1921 technischer Leiter dieser Firma.

Bis dahin war die Torfstreufabrik südlich gegenüber dem Gasthaus zur Sonne (Wirt Büchel) beim Bahnhof. Danach zog die Torfstreufabrik in die leere Ziegelei im Hilpert (diese lag direkt an der Staatsstrasse). Die erste Torfballe rollte am 21. Mai 1922 aus der Presse.

Torfstreufabrik beim Bahnhof Torfstreufabrik beim Bahnhof Torfstreufabrik im Hilpert Torfstreufabrik im Hilpert Torfstreufabrik im Hilpert

Das erste Bild zeigt eine Werbung vom 29. Juli 1894 (Quelle: "Die Ostschweiz"). Das zweite Bild zeigt die Torfstreufabrik 1914 am alten Standort beim Bahnhof. Das dritte Bild das Ökonomiegebäude am neuen Standort im Hilpert. Beide Bilder aus [KZ1972]. Quelle für das letzte Bild ("das alte Gebäude der Faba"): Unser Rheintal 1981, p. 114.

Im Rheintal gab es einst riesige Eschenwälder. Im Rheintal kommen von den verschiedenen Torfarten (Schilf, Rietgras, Heide, Wollgras und Holztorf) nur Rietgras und Holztorf vor. Schlecht zersetzte Turben / "Schollen" sind weniger vorteilhaft als Heizmittel als Torf, bei dem man die pflanzlichen Rückstände kaum mehr sieht. Im Ried zwischen Kriessern und Montlingen und zwischen Kriessern und Burst-Altstätten wurden die ausgestochenen Schollen nach dem stechen zu "Hüsli" aufgeschichtet (kreuzbeigeweise 6 bis 7 Lagen zu je 3 bis 4 Schollen).

Jansen & Co. AG

Die Firma Jansen & Co. AG, Stahlröhren und Sauerstoffwerke, war ist ist einer der grossen Arbeitgeber im Rheintal. Im Jahre 1923 schuf Josef Jansen (* 1894 - † 1984) aus einem sehr bescheidenen Unternehmen die Firma «Panzerröhrenfabrik + Sauerstoffwerke Jansen & Co.». Die Firma hatte anfangs 6 Mitarbeiter. Bereits 1946 waren es 120, 1955 220 und 1990 670 Mitarbeiter.

Josef Jansen (1923) Jansen & CO AG Jansen & CO AG

Quelle 1. Bild: Web Seite der Firma Jansen. Josef Jansen ist dabei (im Jahr 1923) vor dem Restaurant Sonne zu sehen. Quelle 2. Bild: Unser Rheintal 1956, Seite 45. Quelle 3. Bild: aufgenommen 2019 vom Bildstöckli her.

Walter Jansen wurds am 10. Juli 1980 in den Vorstand des Handels- und Industrievereins des Kantons St. Gallen gewählt.

Josefskirche

Beschreibung: siehe 'Eichenwies' (unten). Das alte Kirchlein wurde 1952 durch einen Neubau ersetzt.

Josefskirche (alt) Josefskirche (neu) Josefskirche (neu) Glocke von Leonhard Ernst und Peter Ernst 1685

Leonhard Ernst III (* 1634 – † 1686) hatte eine Giessergemeinschaft mit seinem Vetter Peter (* 1627 - dagger; etwa 1700, Sohn des Johann Baptista Ernst I * 1588). Leonhard Ernst II (* 1593 – † 1670) war der Bruder von Leonhard III's Vaters Theodosius Ernst (* 1603) - auf in Lindau gegossenen Glocken nachweisbar von 1638 bis 1673. Leonhard Ernst I war Rotschmied aus Nürnberg, seit 1586 in Lindau tätig, Begründer der Lindauer Giesshütte (bedeutendstes erhaltenes Werk ist das Geläut der Lindauer Stephanskirche).

Siehe Karte.

Als 1952 das neue Pfarrhaus eingeführt wurde, erwarb die Sparkassaverwaltung das damals bereits über 100-jährige alte Pfarrhaus. Dieses befand sich unmittelbar neben dem Restaurant Frohsinn (Bilder siehe dort). Das baufällige alte Haus musste in ein solides Bankinstitut umgebaut werden. Bilder: Schalterraum und Tresoranlage (Quelle der Bilder: Unser Rheintal 1954, p. 111-112).

Sparkasse Schalterraum Sparkasse Tresoranlage Sparkasse Werbung 1954

Siehe Karte.

Kaffe[e]halle und Handlung A. Proppo-Preglinger

Kaffehalle und Handlung A. Proppo-Preglinger Caffee u. Speisehalle von A. Stroscha

Erstes Bild: Im Staatsarchiv St. Gallen indexiert unter 'Oberriet: Partie im Oberdorf, Handlung, Café und Speisehalle von A. Proppo-Preglinger (Restaurant)' (ZMA 18/03.10-03). Entstehungszeitpunkt nach 1907. Zweites Bild (oben links): 'Caffee u. Speisehalle von A. Stroscha [!]'.

Kalberweid

Teil der Alp Sämtis, unterhalb der Dreifaltigkeitstürme gelegen (am Aufstieg zur Widderalp). Siehe Karte.

Kamor

Der Kamor ist ein Berg zwischen dem St. Galler Rheintal und Appenzell Innerrhoden und liegt auf einer Höhe von 1751 m.ü.M. Siehe Karte.

Kapf

Der Kamor ist ein Hügel nördlich des Weilers Moos. Siehe Karte.

Kellen

Die Kellen (Ortsteil) ist ein ehemaliger Standort der Ziegeleien und Kalkbrennereien Lüchinger (-Kühnis) und Zäch / Schmidheiny. Die Ziegelei Zäch war zwischen 1836 und 1974 tätig. Die Ziegelei wurde in den 1880er Jahren erstellt und brannte zweimal aus und wurde 1904 wieder aufgebaut. Sie befand sich bis 1926 im Besitz der Gebrüder Zäch, bis sie durch Jacob Schmidheiny jun. (* 21. Juni 1875 in Heerbrugg - † 8. Januar 1955, Sohn des Jacob Schmidheiny * 25. Juni 1838 in Balgach - † 18. Februar 1905 in St. Gallen) übernommen wurde. Die Anlagen wurden immer wieder verbessert, zuletzt noch 1972 (dennoch entsprachen sie nie den Anforderungen an einen modernen Betrieb).

Ziegelei Lüchinger (1947) Ziegelei Lüchinger (1947) Ziegelei Lüchinger Ziegelei Lüchinger Ziegelei Zäch / Schmidheiny Ziegelei Zäch / Schmidheiny ehemalige Zürcher Ziegelei

Quelle für die ersten beiden Bilder: Bildarchiv der ETH Bibliothek (Dia_247-15022_76532 und Dia_247-15021_76531). Die Bilder stammt von Leo Wehrli (aus der Sammlung von und koloriert durch Margrit Wehrli-Frey) aus dem Jahre 1947.
Quelle für die Bilder 5 und 6: Unser Rheintal 1975, p. 109. Quelle für das letzte Bild ("ehemalige Zürcher Ziegelei"): Unser Rheintal 1981, p. 114.

In Oberriet fehlten die Lehmreserven, so dass sich eine grösseren Investition in den 1970er Jahren nicht mehr lohnte. Nach der Stilllegung per ende September 1974 wurde die Fabrik ("Hütte" genannt) anfangs der 80er Jahre als militärische Übungskulisse verwendet, bevor sie durch Luftschutztruppen abgebrochen wurde. Die Hütte beschäftigte zuletzt noch 29 Mitarbeiter, welchen nach Möglichkeit ein anderer Arbeitsplatz in den Zürcher Ziegeleien (der damaligen Besitzerin der Hütte) angeboten wurde. Noch heute sind jedoch antlang des Seeleins die alten Bahngeleise sichtbar.

Zürcher Ziegeleien: Währenddem Jacob Schmidheiny in seiner Firma schon Mitte der 1910er Jahre mit der Öl und Fett produzierenden Società Anomima Italo-Svizzera in Horn am Bodensee erste branchenfremde Experimente machte und diese über die Jahrzehnte mit dem Safir-Automobil-Werk, einem Personen-Transportunternehmen, einem Unternehmen für Feinmechanik und Optik und 1936 mit der Mehrheitsübernahme beim Maschinen- und Anlagebauer Escher Wyss AG fortsetzte, wagte man den definitiven Einstieg in fremde Branchen erst in den 1980er Jahren mit der Übernahme der Fritz Nauer Gruppe (Schaumstoff). In rascher Folge kommen weitere Branchen hinzu: 1987 Farben, 1992 Immobilien, 1993 Skiwachs und Pflegeprodukte, 1994 Maschinen- und Anlagenbau, 2003 Verpackungen und Schuhe, 2006 Automationen. Eine dafür notwendige Holdingstruktur wurde 1992 gegründet, der Ausstieg aus dem Ziegeleigeschäft begann 1999 und 2012 erfolgte dann die Umbenennung der Gruppe in 'Conzzeta'.

Siehe Karte. Das Stammhaus der Familie Zäch ("Kleas") stammt - laut Annahme der Denkmalpflege - aus dem Mittelalter. Es befand sich am Bergfuss, südlich des ehemaligen Ziegeleiareals. Siehe Karte. Assekuranznummern 1795 und 1796.

Kreuz

Oberrieter Gasthaus, an der ehemaligen Strassenverzweigung nach Rüthi und Feldkirch gelegen. Johann Kaspar Stieger war hier zumindest von 1819 bis 1840 Kreuzwirt. Zwischen 1896 und 1912 war Jakob Zäch 'Kreuzwirt' in Oberriet. Auch im Jahre 1939 wartete eine Familie Zäch im Kreuz mit dem 'Echo vom Toggenburg' auf (Quelle: Feldkircher Anzeiger 14. Februar 1939). Das alte Gasthaus (Abbruch 1956 zur Verkehrssanierung) enthielt vor dem Neubau einen imposanten Saal. Siehe Karte. Assekuranznummer 3022.

Gathaus Kreuz Gathaus Kreuz Restaurant Kreuz mit Saal, Abbruch 1956 zur Verkehrssanierung Oberriet Kreuz Oberriet Kreuz Oberriet Kreuz

In Kobelwald muss es auch ein Gasthaus mit Namen 'Kreuz' gegeben haben. In diesem wirtete Joseph Anton ("Beckes") Stieger zumindest zwischen 1825 und 1832.

Krone

Oberrieter Gasthaus. Jakob Stieger war hier zumindest von 1851 bis 1864, wahrscheinlich bis 1868 Kronenwirt. Karl Hasler übernahm die Krone 1868, doch sie fiel kurz darauf einer Feuersbrunst zum Opfer. Karl liess daraufhin die Krone in ihrer heutigen Form wieder aufbauen. Siehe Karte.

Oberriet Krone Oberriet Krone Oberriet Krone Oberriet Krone Oberriet Krone Oberriet Krone

Das erste und das dritte Bild stammen aus dem Staatsarchiv (W_238_03.10-04 und W 283/1-02219). Das erste Bild aus dem Jahr 1903 ist nur ein Ausschnitt aus einer Postkarte mit mehreren Ansichten. Das zweite Bild ist um 1915 entstanden. Das dritte Bild stammt aus dem Jahre 1933 (nicht 1903 wie in [RD2018] angegeben). Das Vierte Bild zeigt im Gegensatz zu Bild 3 zwei neue Geschäfte: Sanitäre Anlagen und eine Schlosserei.

Im Jahre 1954 übernahm Georg "Gieri" Blumental (24. Juni 1906 - 18. Juni 1879) die Krone. Danach übernahmen Trudi Ammann und Benno Blumenthal († 2009) die Kone bis im Frühjahr 2015 (Benno Blumenthal und Mario Blumenthal gaben ihre Unterschriftsrechte 1990 resp 1991 ab). Sie verkaufte im März 2013 die Krone an den Ringer Urs Bürgler (unter der Bedingung dass die Krone als Hotel-Restaurant weitergeführt wird).

In Freienbach gibt es ebenfalls ein 'Haus zur Krone' (2008 renoviert), ebenso in Montlingen.

Löwen

Oberrieter Gasthaus, an der Staatsstrase 171.

Oberriet Löwen

Das Restaurant wurde im Jahre 1964 von Josy und Martin Vogt gegründet. Der Wintergarten wurde im Februar 1998 eröffnet. Im Jahre 2001 haben Sie das Restaurant Ihrem Erstgeborenen Leo übergeben. Dieser leitet das Restaurant mit seiner Frau Maria.

Plattenbödeli

Gasthaus nördlich des Sämtisersees, am Einstieg zum Brüeltobel. Siehe Karte. Standort: Vermessungspunkt 1279.

Post

Büro und ehemals Telefonzentrale im ältesten der Lüchinger'schen Häuser (siehe Johannes Lüchinger), auf der Westseite der Staatsstrasse, gegenüber dem Hotel Rössli in Eichenwies. Siehe Karte. Assekuranznummer 1891.

Oberriet Alte Post

Oberriet Alte Post

Oberriet Alte Post

Postplatz

Bis 1975 hatte Oberriet einen umschlossenen und repräsentativen Platz, den sogenannten Postplatz mit seinen klassizistischen Gebäuden wie das Gasthaus 'Rössli', die Konkordia, die Post und einige weitere Wohnhäuser. Die Post (Assekuranznummer 1891) beherbergte ein Büro und die Telefonzentrale. Sie war das älteste der Lüchinger'schen Häuser gegenüber dem Rössli. Etwaiger Standort siehe Karte.

Oberriet Konkordia (Mitte), Gasthaus Rössli (rechts)

Oberriet Postplatz

Oberriet Alte Post (links), Konkordia (Mitte), Gasthaus Rössli (rechts)

Oberriet Postplatz

Dieser Platz spielte bei den alten Strassenlinien (u.a. Arlberg-Schweiz) eine wichtige Rolle beim Verlad von Gütern, bei Übernachtungen und bei Anlässen der Bevölkerung. Direkt hinter dem Postplatz befand sich die alte Gemeindekanzlei im heutigen 'Rothus'. Die Bedeutung des ehemaligen Postplatzes kommt darin zum Ausdruck, dass im 19. Jahrhundert der neue Bahnhof nicht in der Nähe der Kirche, sondern in der Nähe des Postplatzes angelegt wurde.

1915 wurde die Filiale der Konsumgenossenschaft 'Konkordia' gegründet, welche sich in der Folge einer wachsenden Prosperität erfreuen konnte.

Oberriet Postplatz, Assekuranznummer 1892

Oberriet Postplatz, Assekuranznummer 1892

Zum Postplatz gehörte auch die Assekuranznummer 1892 (Staatsstrasse 159).

Quelle der Bilder: Bernhard Anderes, 4. September 1976. Auf dem 2. Bild ist die Post in der Mitte, ganz links das Rössli.

Rathaus

1731 wurde der Vorläufer des modernen Rathauses am aktuellen Standort gebaut. Er diente bis 1874 als Schul- und Rathaus. Im Untergeschoss wurde Käse- und Butterhandel betrieben und eine Art Wochenmarkt abgehalten.

Das heutige Rathaus wurde 1876 vom Oberrieter Baumeister Johannes E. Gächter als Schulhaus erbaut (siehe auch Schulgeschichte). Der klassizistische Bau trägt ein Walmdach mit zentral aufgesetzter Laterne. Die Dachuntersichten sind mit Würfel- und Konsolenfriesen versehen. Siehe Karte.

Oberriet Rathaus

Oberriet Rathaus

Oberriet Rathaus

Oberriet Rathaus

Das Rathaus wurde 1974 stilgerecht restauriert.

Rietli

Flurname für das Gebiet westlich des Oberrieter Oberdorfs.

Oberriet Rietli

Das Bild stammt etwa von 1910. Es zeigt links unten den Rietlibach / Aubach. Die markante Kreuzung dürfte die Kreuzung Aueliweg / Rietlibachstrasse / Rietlilooweg sein.

Siehe Karte.

Rietli

Haus der Familie Zäch ("Kleas"), Ziegelei am Rietlilooweg. Siehe Karte. Assekuranznummer 1712.

Rössli / Rössle

Gasthaus und Hotel, erbaut um 1800 als klassizistischer Profanbau mit Walmdach. Eines der Lüchinger'schen Häuser (siehe Johann Jakob Lüchinger), zu denen das Rothus, der Konsum Konkordia, das Dr. Dux'sche Haus samt Sust und die alte Post als ältestes Gebäude der Gruppe gehörten und die um den Postplatz eine geschlossene Baugruppe bildeten. Staatsstrasse 168, Assekuranznummer 1089.

Im (resp. beim) Rössli wurden ende des 19. Jh. jeweils die periodischen militärischen (Waffen-) Inspektionen durchgeführt.

Oberriet Gasthaus Rössli

Oberriet Gasthaus Rössli (um 1934)

Oberriet Gasthaus Rössli (um 1934)

Oberriet Gasthaus Rössli (um 1976)

Oberriet Gasthaus Rössli (um 1976)

Quelle für die ersten beiden Bilder oben: Staatsarchiv St. Gallen (W 283/1-03316 und W 283/1-02840). Viertes und fünftes Bild: Foto Bernhard Anderes vom 4. September 1976 (letztere Aufnahme vom Rothus her gesehen).

Am 25. Mai 1865 genehmigten die Bürger den Betrag von 35'000 Franken an den Kauf des Rest. Rössli. Mit den Ortsgemeinden Eichenwies und Holzrhode sollte dort ein Armenhaus errichtet werden. (Ein erster Antrag zur Errichtung eines Armenhauses lag dem Gemeinderat bereits 1840 vor.) Das Vorhaben wurde jedoch nie realisiert.

1875 sollte zur "Milderung des herrschenden Verdienstmangels" im Rössli, welches im Besitze der Ortsgemeinden war, durch einen Herrn Signer aus Appenzell eine 'Schusterfabrikation' eingericht werden. Die Ortsgemeinden Montlingen, Eichenwies und Oberriet sprechen die notwendigen Hypothekarbriefe. (Ursprünglich war aber ein Stickereibetrieb vorgesehen.)

1893 war Valentin Büchel (Pferdehändler) Wirt zum Rössle. Er intrigierte unter dem Motto "Freunde der Selbständigkeit" gegen Altstätten, weil er glaubte, dass Altstätten gegen das Oberrieter Marktrecht war.

Quelle: Die Ostschweiz, Dienstag, den 7. Februar 1893.

Bis 2003 blieb im Inneren von der alten Ausstattung ein Biedermeiertäfer sowie ein Täfer mit einfachen Jugenstilmotiven von 1907 erhalten. Doch am 9. Dezember 2003 verliert Oberriet bei einem Brand das geschichtsträchtige Haus. Die örtliche Feuerwehr (Kommandant Urs Wüst) rückte um 2:53 Uhr aus. Mit einem Feuersprung hat sich der Brand ausgeweitet, und so hat auch der Nachbarliegenschaft von Sport-Loher ein grosses Augenmerk gegolten, um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Um 5:10 Uhr hatten die Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Das ebenfalls schützenswerte Gemeindemuseum Rothus war zu keiner Zeit gefährdet. Siehe Karte.

Rothus

Alte Gemeindekanzlei, heute Gemeindemuseum im Besitz der Gemeinde Oberriet.

Das Rothus wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 16. Jh. erbaut. Er gehörte später zu einem kleinen Ensemble von vier Häusern (Lüchinger'sche Häuser): Das Rothus, Rössli, Alte Post und das Kaufhaus der Konkordia Konsumgesellschaft. Mit dem Bau der heutigen Strasse in den 1970er Jahren wurde das Kaufhaus abgerissen. Im 19. Jahrhundert wurde das Rothus getrennt und es entstanden zwei vertikal getrennte Wohnungen.

Das Gebäude wurde als Mehrzweckbau errichtet: als Sust (Warenumschlagsplatz) diente das Erdgeschoss mit Gewölbekeller, später aber auch als Schmiede, Seilerei, Kolonialwarenladen und Bäckerei. Darüber gab es verschiedene Zimmer, die als Ratstube, Schulzimmer und Wohnungen dienten. Rothus hiess es vielleicht also nicht nur wegen der Farbe, sondern auch wegen seiner Funktion als Rathaus.

Kaspar Zäch wohnte ab etwa 1862 eine Zeit lang im Rothus. Er war der Bruder des Anton "Roses" Zäch, der Urgrossvater mütterlicherseits von Linus Stieger. Heute ist das Rothus auch als 'Stiegerhaus' bekannt (vermutlich seit 1873 ist es im Familienbesitz der Stieger).

Nach dem Brand am 2. Februar 1973 wurde das Haus von Linus Stieger renoviert. Bis dahin war im Gebäude, da wo heute das Ladenlokal ist, eine Gaststätte untergebracht. 1975 konnte im nördlichen Teil das Gemeindemuseum einziehen.

Im oberen Stockwerk ist heute das Gemeindemuseum untergebracht und im Erdgeschoss die Bäckerei Stieger AG (Adolf Stieger). Heute (2020) ist Sandra Stieger die Geschäftsführerin und ihr Ehemann Adolf Stieger ist (in 5. Generation) verantwortlich für die Backstube. Benito Boari verfasste in 'Unser Rheintal, 1977, p. 73-74' einen zweiseitigen Artikel: Das «Rote Haus» in Oberriet.

Siehe Karte. Assekuranznummern 1083 und 1085. Riegelbau an der Staatsstrasse 176.

Oberriet Rothus nach dem Brand 1973

Oberriet Rothus nach dem Brand 1973

Oberriet Rothus um 1979

Oberriet Rothus

Oberriet Rothus Café

Oberriet Rothus Museum

Oberriet Rothus Briefkasten

Das erste Bild (nach dem Brand von 1973) stammt von der Web Seite des Museums Rothus, das zweite Bild aus gleicher Zeit aus 'Unser Rheintal', 1977, p. 74. Das dritte Bild enstand in den späten 1970er-Jahren [WL1979]. Das letzte Bild wurde 2016 aufgenommen.

Sämtis

Der Appenzeller Sämtis schliesst sich nordöstlich an den Rheintaler Sämtis an. Siehe Sämtis zwischen dem Fälensee (unten links) und dem Sämtisersee (oben rechts). Siehe auch Hikr-Tourenkarte.

Die Alp 'Rheintaler Sämtis' im Kanton Appenzell Innerrhoden gehört seit jeher (sicherlich seit 1495) dem Allgemeinen Hof Oberriet (Appenzeller Urkundenbuch Band I, p. 650, Urk. Nr. 1421). Die Appenzeller versuchten immer wieder die Alp an sich zu nehmen, jedoch stets ohne Erfolg. Noch im Jahre 1969 wollte die Standeskommission des Kantons Appenzell Innerrhoden die Alp Sämtis zu "einem guten Preis" kaufen, was der damalige Hofverwaltungsrat aber ablehnte.

Sauerstoffwerk Gebrüder Kolb

Gelände, welches sich südlich der Stickereifabrik Lüthi und Wiederkehr befindet. Heute in die Firma Jansen AG integriert.

Schiessstand

Urkundlich wurde das Schiesswesen in Oberriet erstmals 1620 in einem Bericht des Vogtes auf Schloss Blatten an die Fürstabtei in St. Gallen erwähnt. Im Jahre 1870 erfolgte die offizielle Gründung des Militärschützenvereins Oberriet. 1905 wurde der Schützenstand 'Möösli bezogen, welcher den Blattenberg als natürlichen Kugelfang benutzte. In den 1980er-Jahren erfolgte noch eine Sanierung und der Einbau einer elektronischen Trefferanzeige. Neue Herausforderungen in Form von verschäften Lärmschutzvorschriften führten jedoch im Dezember 2000 zur Schliessung des Schiesstandes 'Möösli'.

Oberriet Schiessstand Möösli

Oberriet Schiessstand Möösli

Seit dem Frühjahr 2001 existiert die neue Gemeinschaftsanlage 'Blatten' unterhalb des Zollamts.

Sonne

Joseph Dux lebte 1861 in diesem Haus. 1883 betrieb ein Herr Benz (Jakob Benz oder sein gleichnamiger Sohn) dort eine Pferdezucht (Quelle: 'Die Ostschweiz'). Später, um die Jahrhundertwende (die Bilder unten entstanden um 1903), betrieb Johann Büchel (Pferdehändler) dort eine Fuhrhalterei. Im Jahre 2017 führte Christof Wüst den Betrieb des Restaurants Sonne. Doch bereits Ende Februar 2018 kam das Aus (Grund dafür waren Lärmklagen der Nachbarschaft). Christoph Wüst blieb Besitzer und schmiedete bereits Pläne für eine künftige Nutzung des Baulandes.

Am 8. Oktober 2018 kurz nach 03.20 Uhr in der Nacht brannte das Haus vollständig aus. Das Feuer ging von der oberen Etage aus. Ein Bewohner konnte das Haus selbständig verlassen. Dem anderen kam die Feuerwehr zu Hilfe. Die beiden neuen Pächter Roy Schachtler und Roger Eugster waren gerade an der Dorfchilbi als der Brand ausbrach. Gegen 08.00 Uhr wurden zwei Personen im Innern des Gebäudes tot aufgefunden.

Das letzte Bild stammt von der Kapo St. Gallen.

Siehe Karte.

Oberriet, Gasthaus zur Sonne Oberriet, Gasthaus zur Sonne, Johann Büchel Oberriet, Gasthaus zur Sonne, Johann Büchel Oberriet, Gasthaus zur Sonne, Brand

Sternen

Joseph Anton Kolb lebte 1882 in diesem Haus. 1896 lebte Joseph Anton Kobler im Sternen.

Siehe Karte.

Oberriet, Restaurant Sternen

St. Fridolin (Kapelle)

Die Kapelle ist wahrscheinlich etwa gleichzeitig mit dem Schloss Blatten entstanden (also zwischen 1267 und 1270), mit dem Zweck, den religiösen Bedürfnissen der Schlossbewohner, des Gesindes, sowie der umliegenden Höfe von Blatten zu dienen. Sie gehörte also zum Schloss. Am 20. August 1742 besuchte Cölestinus von St. Gallen, in Begleitung von P. Egydius Hartmann (Superior) und P. Pirminus Widle von Altstädten über "das hohe Riedt" kommend, die "Kapellen als bei St. Fridolin, St. Wolfgang, St. Joseph und St. Anna". Höchstwahrscheinlich war das Kloster St. Gallen Besitzerin der Kapelle (in den Hofprotokollen ist nichts bekannt bezüglich Unterhalt der Kapelle). In der heutigen Pfarrkirche hängt eine kleine Glocke, welche im Volksmund "Fridolinsglöckchen" hiess.

Die Kapelle wurde entweder zusammen mit dem Schloss um 1799 zerstört, oder aber sie wurde nach der Vertreibung der Vögte, d.h. nach Aufhören der äbtischen Herrschaft, einfach nicht mehr unterhalten. Sie wurde um 1806 abgebrochen. Die Kapelle befand sich am östlichen Abhang des Schlosshügels auf den südlichen Abhängen (ehemaliges Rebgelände), vermutlch etwas erhöht, etwa auf den ersten Felsen (die später als Steinbruch für das Werk der Rheinkorrektion benützt wurden und heute abgetragen sind). Etwaiger Standort, siehe Karte.

St. Margaritha (katholische Kirche)

Der Beschluss zum Neubau einer katholischen Kirche wurde erst im November 1808 beschlossen (nachdem die Kapelle St. Wolfgang 1804 nochmals erweitert wurde und 1806 eine Vikariatswohnung erstellt wurde). Die katholische Kirche St. Margaretha wurde von Johann Ulrich Haltiner erbaut und 1810 fertiggestellt. Siehe Karte.

Oberriet katholische Kirche St. Margaretha Oberriet katholische Kirche St. Margaretha Oberriet katholische Kirche St. Margaretha Oberriet katholische Kirche St. Margaretha

Quelle 1. Bild: Die Ostschweiz, Donnerstag, den 16. Mai 1878.

Die Kirche wurde 1878 innen etwas aufgefrischt und 1906/08 renoviert (durch Adolf Gaudy neubarock umgestaltet). Das Kirchengeläut mit seinen sechs Glocken weist die Töne H° dis' fis' gis' ais' dis'' auf.

Oberriet erster Friedhof Oberriet erster Friedhof Oberriet erster Friedhof

Der alte Friedhof befand sich zwischen der Kirche und der Staatsstrasse. Heute (Bild rechts) ist die Strasse stark verbreitert und anstelle des Friedhofs ist nun der Vorplatz zur Kirche.

1977/78 wurde die Kirche restauriert.

Stickereifabrick Lüthi und Wiederkehr

Heute am Standort der Jansen AG (an der Bahnlinie). Siehe Karte.

St. Josefskirche in Eichenwies

Die dem Heiligen Josef geweihte Kapelle aus dem 17. Jh. (der Bau wurde 1661 von Abt Gallus gefördert) wurde um 1951/2 durch Hans Burkhard neu gebaut und damit zur St. Josefskirche. Die heutige St. Josefskirche erhielt einen neuen, günstigeren Standort. Die alte Kapelle wurde 1952 abgebrochen.

Rechteckiger Bau mit Chorturm. Das Innere ist mit einer polygonalen Holzdecke überwölbt, der Chor mit Tonnengewölbe.

Eichenwies St. Josefskirche Eichenwies St. Josefskirche

Bis zur Einweihung der St. Josefskirche in Eichenwies im Jahre 1952 gingen die Gläubigen zu den Sonntagsgottesdiensten in die Pfarrkirche nach Montlingen.

Sust

Die mächtige Sust nordwestlich des Restaurants 'Adler', die aus dem Spätmittelalter stammte, war unter den Fuhrleuten und Herdetreibern als Rastplatz und Unterkunft weitum bekannt. Fuhrwerke mit bis zu 4 oder 5 Pferden bespannt konnten hier ein- und ausfahren. Weil sie baufällig war, wurde sie 1929 abgebrochen. Der geräumige Vorplatz war eine Haltestelle für Postkutschen nach Feldkirch und in Richtung Chur.

Oberriet, Sust beim Adler

Die Sust umfasste zudem einen Viehstall für ganze Herden. Diese wurden im Herbst aus dem Montafon auf den Markt in Altstätten getrieben. Bis zur Fertigstellung des Schulhauses im Jahre 1875 diente der grosse Saal der Sust als Schulzimmer. Nach dem Brand in Rüthi 1890 wurde das Mobiliar an das abgebrannte "Schäfle" vermietet, so dass dieses als Speiselokal weitergeführt werden konnte.

Im Buck Oberriet stand zumindest 1972 noch eine kleine Sust, damals neben dem Haus von Albert Kluser. Dieser aus dem Jahre 1650 stammende Bau gehörte ursprünglich dem Landvogtsammann Hans Dietsche. Siehe unter 'Chrömerlihuus'.

Watt

Streusiedlung südöstlich des Weilers Hard. Siehe Karte.

Wichenstein (Grottenburg)

Mit «Dietric miles de Wichinstain» taucht das Rittergeschlecht derer von Wichenstein in einer Urkunde von 1270 erstmals auf. Ob er die Grottenburg erbaut hat, ist nicht bekannt. Mit Burkart von Wichenstein wird 1284 ein weiterer Vertreter der Familie erwähnt. Der Name geht auf das althochdeutsche Wort "wîh" zurück, was 'heilig' bedeutet. Möglicherweise befand sich hier ein alter Kultplatz, oder es wurde in der Burg ein geweihter Gegenstand aufbewahrt. Jedenfalls ranken sich viele Geschichten um das ehemalige Schloss.

Da Wichenstein in Urkunden immer im Zusammenhang mit der benachbarten Burg Blatten erwähnt wird, dürfte es sich um ein Lehen des Klosters St. Gallen gehandelt haben. 1386 wurde auf der Burg noch eine Urkunde ausgestellt, doch bereits 1405 sollen die aufständischen Appenzeller nach ihrem Sieg in der Schlacht am Stoss die Anlage zerstört haben. 1457 übernahm Ulrich Rösch, eingeheiratet in die Familie der Ritter von Ramschwag zu Blatten, von diesen die Herrschaft Kriessern mit den Burgen Blatten und dem "burgsëß Wichenstain". Ob die Burg damals noch bewohnbar war, muss offen bleiben. Beim Rückkauf von Burg und Herrschaft Blatten durch die Abtei St. Gallen wird Wichenstein 1486 nur noch als "Burgstock" bezeichnet.

Von der Grottenburg ist die vierstöckige Frontmauer noch recht gut erhalten. Dahinter erstreckt sich eine geräumige, rund 15 Meter tiefe Höhle, die durch eine kleine Mauerlücke betreten werden kann.

Siehe Karte.

Ruine Wichenstein 2011

Quelle: Bild von Schofför (Pseudonym) vom 23. September 2011. Ruine Wichenstein, innen, Gesamtansicht, links unten der heutige Eingang zur Höhlenburg, Blick gegen Nordosten (aussen). Das Bild ist unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 2.5 freigegeben.

Die Höhlenburg wurde im Jahre 1976 restauriert.

Der Wichensteinsee liegt in der Gemeinde Oberriet am östlichen Fuss des Semelenberges. Auf der Fläche des heutigen Sees wurde von 1830 bis 1972 eine Lehmgrube betrieben. Der See hat eine maximale Tiefe etwa 5.5 Metern. 1976 wurde das Gebiet von der Gemeinde Oberriet erworben und 1982 unter Naturschutz gestellt. Östlich des Sees liegt die «Grube Loo» – ebenfalls eine ehemalige Lehmgrube – welche zusammen mit dem Wichensteinsee ein Flachmoor von regionaler Bedeutung und ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ist.

Karte Wichensteinsee von 1796

Wichensteinsee von Viktor Hasler 1972

Wichensteinsee 2021

Wichensteinsee 2021

Quellen: Auf der Specialcharte des Rheinthals von 1796 ist der Wichensteinsee noch nicht verzeichnet. Zweites Bild: Ölgemälde vom Wichensee aus dem Jahre 1972 von Viktor Hasler. Die beiden letzteren Bilder wurden im (regnerischen) Juli 2021 gemacht.

Widderalp

Siehe Karte.

Wolfgangskapelle

Die aus dem frühen Mittelalter (vermutlich um 1448, als die Niederlassung Oberriet erstmals Erwähnung fand) stammende St. Wolfgangskapelle hatte 1532 den Bildersturm erlebt. 1607 war St. Wolfgang eine Messpfründe - mittwochs und samstags las hier der Montlinger Kaplan der Messe. Sie wurde während dem Bau der neuen Pfarrkirche 1809 abgebrochen (das Abbruchmaterial der Wolfgangskapelle wurde für den Kirchenneubau verwendet). In einem 1907 der Kirchenspitze entnommenen Dokument heisst es u.a. « ist die Kapelle als Filiale allhier an dem Fussweg gestanden, die zu Jahrhunderten auf Montlingen der Pfarrei gehörig gewesen ». Leider existiert kein Bild der Kapelle. Aber es muss ich nach mündlicher Überlieferung um ein Kirchlein mit Schindeldach und mit einem Türmchen gehandelt haben.

Wolfgangskapelle

Der genaue Standort ist unbekannt (im westlichen Teil der Anlage südlich des heutigen Rathauses). Siehe Karte.

Ansichten von Oberriet

Oberriet Oberriet 1922 Haus zur Burg - Erbaut 1539 Oberriet - Zum billigen Warenhaus

Bild 2 (Flugaufnahme aus dem Jahre 1922 von Walter Mittelholzer, Sammlung ETH Bibliothek): Im Vordergrund der heutige Friedhof. Das grosse zentrale Gebäude ist die Grosse (Stickerei-) Fabrik (heute Institut Karl Borromäus). Die Kirche St. Karl Borromäus stand damals noch nicht. Bild 4: Die Handlung 'Zum billigen Warenhaus' wurde auch einfach 'Handlung Kühnis' genannt.

Postkarten im Querformat:

Realschulgebäude, Aufnahme von P. Schneider, 1912. Haus zur Burg - Erbaut 1539 Schloss Blatten Ruine Wichenstein Ruine Wichenstein (Rückseite)


Wappen von EichenwiesEichenwies (Ortsgemeinde)

Frühere Bezeichnung Aichewies.

Die Bezeichnung 'Aichewies' tauchte erstmals um 1419 auf. Bei der Trennung des Hofes Kriessern unter den Ramswager Brüdern (Grenze Montlinger Kirche) wird der obere Teil Kriesserns 'Eichenwies' genannt. Erst gegen Ende des 15. Jh. wird dieses Gebiet als 'Gemeinde am oberen Riet' oder 'zu Blatten' bezeichnet.

1448 wird die Niederlassung Oberriet, wenige hundert Schritt oberhalb Eichenwies, in einem fruchtbaren, geschützten Gebiet am wichtigen Rheinübergang genannt.

1661 war die Grundsteinlegung für die Josefskapelle in Eichenwies, mitten im Dorfkern. Die Stifter waren Jakob Lüchinger und Jakob Wüst (Kirchenpräsident), beide von Eichenwies.

Das ursprüngliche Ziel, einmal eine eigene Pfarrgemeinde zu bilden, wurde jedoch nie erreicht.

In den Jahren 1806-1808 löste sich Oberriet mit den Lüchingerischen Häusern zu Eichenwies von der Mutterkirche los. Der Rest von Eichenwies blieb aber beim alten kirchlichen Verband (Montlingen).

Im Weinmonat 1810 fingen die Renovationsarbeiten der Josefskapelle statt, welche innen und aussen ziemlich schlecht aussah. Zimmermann war Jakob Loher von Montlingen. Kapellpfleger war Leutnant Jakob Wüst (Sohn des Gemeinds- und Quartierhauptamms Jakob Wüst in Eichenwies). Pfarrer Franz Josef Meglinger verstaute im Dezember 1810 einen die Renovation beschreibenden Text im Turmknopf der neu renovierten St. Joseph Kapelle.

1888 wurde die Kapelle erweitert und revoviert.

Bereits 1908 gründeten einige Männer den Kirchenbauverein. Langsam aber stetig wuchs der Fond, so dass bereits 1951 an den Bau einer eigenen Kirche gedacht werden konnte.

Die Josefskapelle musste 1952 der neuen St.-Josefskirche weichen. Architekt Hans Burkard, St. Gallen, arbeitete zuerst ein modernes, sehr gefälliges Projekt mit freistehendem Turm an der Vorderfront aus. Diese Anordnung erwies sich als zu kostspielig. Das zweite Projekt mit dem Turm im Chor wurde 1952 zur Umsetzung freigegeben.

Eichenwies, St. Josephskapelle

Die ärmlichen Verhältnisse zwangen die Eltern, ihre Kinder vorzeitig aus der Schule zu fordern. In der Sitzung vom 9. März 1874 wurden nicht weniger als 10 Kinder vor der erfüllten Schulpflicht entlassen, um im Schwabenlande Arbeit zu suchen, in der Hoffnung, sie werden in Deutschland die noch fehlende Schulzeit nachholen. Siehe Schulgeschichte (Eichenwies Seite 7).

Am 27. September 1840 trennten sich die Schulkreise Montlingen und Eichenwies von Oberriet und bildeten seither eine eigene Schulgenossenschaft.

Das 'Rothus' war ehemaliger Sitz der Gemeindeverwaltung. Seit 1975 ist das Rothus ein Dorfmuseum.

Das Dorf Eichenwies gehört heute zur politischen Gemeinde Oberriet. Im Jahre 1969 wurde ein Führer durch die Gemeinde Eichenwies herausgegeben [AB1969].

Bevölkerungsmässig ist Eichenwies am Ende des 20. Jahrhunderts stark angewachsen und wuchs in der Folge mit der Dorfschaft Oberriet zusammen.

Die Orte von Eichenwies sind unter 'Oberriet' aufgeführt.

Wappen der HolzrhodeHolzrhode (Ortsgemeinde)

Die Holzrhode liegt im Bergteil der Gemeinde. Sie umfasst das Dorf Kobelwald sowie die Weiler Moos, Rehag, Stieg, Freienbach, Stein, Kobelwies, Watt und Hard. Die Ortsgemeinde Holzrhode besteht aus den Sonderrhoden Kienberg, Strüssler (seit 1977), Möösle, Benzen-Hard, Benzen-Kobelwies, Rohn und Möser.

Holzrhode beitzt drei Alpen: die Alp Strüssler (seit 1669), die Wogalp und die Alp Loos (im Kanton AI, seit 1895).

Freienbach (Weiler, Teil der Holzrhode)

Zusammen mit Stein höchstgelegene, ganzjährig bewohnte Siedlung der Gemeinde Oberriet. Ehemaliger Wallfartsort (Jakobsweg) mit der Kapelle 'Mariae Heimsuchung'.

Die Visitation von 1722 nennt einen grösseren Bildstock in Freienbach. Dieser wurde einige Jahre später zu einem kleinen Heiligtum ausgestaltet und zog damit fromme Pilger an.

Freienbach Freienbach

Im Gebiet Freienbach - Chienberg - Neuenalp nutzt die Wasserversorgung Oberriet die Quelle Neuenalp (33'000 m3 pro Jahr), sowies die Quellen Loch, Ulrika, Benjamin und Karola (zusammen 380'000 m3 pro Jahr).

Orte in Freienbach

Benjaminsquelle

Die Benjaminsquelle befindet sich im 'Nord', südlich des Freienbachs. Siehe Karte.

Chessiloch

Das Chessiloch ist ein Waldgebiet auf dem Chienberg. Etwaiger Standort, siehe Karte.

Churzstück

Das Churzstück ist ein Waldgebiet auf dem Chienberg. Etwaiger Standort, siehe Karte.

Kapelle 'Mariae Heimsuchung'

Freienbach wurde bereits 1402 als Wallfahrtsort erwähnt. Eine Blütezeit erlebte der Weiler ab den 1740er-Jahren: Die Leute kamen aus dem ganzen Rheintal, aus Vorarlberg und dem Liechtensteinischen, aus dem Appenzellerland und sogar aus der Innerschweiz, um hier Heilung oder Hilfe zu erflehen. 1744 wurde daher eine bereits bestehende Kapelle wegen des zunehmenden Andrangs vergrössert. Anfang der 1840er-Jahre wurde nach einem Blitzschlag eine neue Kapelle gebaut.

Zwischen 1938 und 1955 hat die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde in der Kapelle 36 Votivtafeln gefunden. Heute ist nur noch etwa die Hälfte davon vorhanden. Nebst jenen, die man in der Kapelle sehen kann, verfügt das Gemeindemuseum Rothus in Oberriet noch über einige, die dort als Leihgabe zu sehen sind.

In 'Unser Rheintal 1982' p. 106-108 ist ein ganzer Artikel den Votivtafeln von Freienbach gewidmet.

Im 'Mirakelbuch' verewigten sich die dankbaren geheilten Personen. So auch um 1746 der Johannes Baumgartner, Müller, von Oberriet, "welcher das Gehör völig verloren, ist ihm durch Verlaub eines Opferlins allhier bei Maria Hilff geholfen worden, und heut zue Tag das guete Gehör hat, wie er selbsten bezeuget hat".

Freienbach Mariae Heimsuchung

Quelle: Bild von E. Wüst (ca. 1970-1980), Druck: Rheinthalische Volkszeitung, Altstätten (Staatsarchiv Signatur ZMA 18/03.10-10).

Die heutige Kapelle wurde 1971 erbaut und ersetzte die alte Wallfahrtskapelle. Das Geläut verwendet die Töne h', d'' e''.

Schulhaus

Das Alter des Schulhauses ist nicht genau bekannt. Es gibt Rechnungen über kleinere Flickarbeiten ab 1829 und Dokumente von 1839, welche gar einen Neubau ins Auge fassten. Die Lehrerwohnung war 1847 unbrauchbar: "... es ist ferner nicht möglich in unserem Schulhaus zu wohnen, denn man bessere dasselbe in Feuerstatt (Ofen und Herd), Böden u. Fenster aus.".

Freienbach altes Schulhaus - Portkarte

Freienbach altes Schulhaus - Kinder

Freienbach altes Schulhaus

Nach der Schulfusion mit Kobelwald im Jahre 1936 diente das Schulzimmer als Lokal für die Föhnwache und zur Unterbringung von Feuerwehrgerätschaften. Im Herbst 1940 interessierten sich zwei ältere Leute aus Rebstein für das Haus und wollten 2500 Franken bieten. Der Schulrat war einverstanden, aber die Bürgerversammlung lehnte ab. Bis 1944 diente das Haus dann als Materiallager, später als Ferienlager für auswärtige Jugendorganisationen. Heute ist es als Wohnhaus in Privatbesitz.

Siehe Karte.

Stationenweg

Statt wie meistenorts in der Dorfkirche einen Trauergottesdienst zu feiern, ist es in der Pfarrei Kobelwald seit geraumer Zeit Brauch, sich am Nachmittag des Karfreitags zum etwa zwei Kilometer langen Kreuzweg nach Freienbach hinauf aufzumachen. Der Auftrag zur Realisierung ging an die in Wil niedergelassene Kirchenausstattungs- und Steinmetzfirma Marmon & Blank. Bereits im Vorherbst des Jahres 1927 standen die vierzehn Postamente (Sockel) am Wegrand (Vorbild war der Weg nach Golgatha). Die Einweihung der 14 Bildstöckli fand am 6. November 1927 statt. Etwaiger Standort, siehe Karte.

Wirtschaft / Haus zur Krone

Das Haus zur Krone ist heute ein Bed’n’Breakfast.

Freienbach - Wirtschaft zur Krone Freienbach - Haus zur Krone

Grubach (Weiler, Teil der Holzrhode)

Strüssler

Strüsslerzüger waren die Dietsche, die Gächter von Kobelwies (aber nicht jene von Freienbach und Stein), die Hutter von Kobelwies (aber nicht jene von Kobelwald), die Kobler vom Hrda (nicht jene von Freienbach und Stein), die Stieger von Kobelwald und Hard, soweit sie nicht Mitglieder vom Kienberg waren.

Hard (Weiler, Teil der Holzrhode)

Westlichster Weiler (an der Grenze zu Eichberg) mit eigener Kapelle. Grosse Teile des Hofes Eichberg waren 1523 (vier Jahre nach Beginn der Reformation) bereits zum neuen Glaube übergetreten.

Orte in Hard

Kapelle St. Gallus

Die Kapelle wurde 1743 mit einem Polygonalchor und einem auf den Chor aufgesetzten Turm erbaut. Die Kapelle enthält drei aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Rokoko-Altäre aus der Heiligkreuzkirche in St. Gallen. Die Kapelle wird von der Pfarrei Kobelwald aus betreut. 1975 renoviert.

Siehe Karte.

Schlössli Hard

Das Schlössli Hard (im Weiler Hard) wurde 1642 von Hans Dietschi erbaut. Diese Jahreszahl ist am Türstutz des Hauseinganges angebracht. Das Haus ist ein zweigeschossiger, kubischer Steinbau (Giebelhaus) mit Eckquaderbemalung. Die Fundamentmauern sind über einen Meter dick. Im Dachgeschoss befand sich ein Rittersaal oder ein Festsaal. Anfangs 1800 wurde im Schlössli gewirtet. Dieser "Wirtschaft zum Schlössli Hard" war jedoch kein Erfolg beschieden. Das Schlössli blieb bis zur Hochzeit von Magdalena Dietschi im Jahre 1801 im Besitz der Dietschi (der Sohn Johannes "Henselis" Kobler wohnte später in diesem Haus). Am Giebel liest man die Jahreszahl 1829, vermutlich das Jahr der letzten Erneuerung des Verputzes. Die Scheune wurde erst 1911 seitlich am Haus angebracht (früher gab es einen kleineren Stall auf der Rückseite des Hauses). Der Bau wurde 1968 bis 1969 unter Leitung des Heimatschutzes und der Denkmalpflege renoviert. Dabei wurden die alten Verzierungen, welche den Rittersaal schmückten, wieder sichtbar gemacht und restauriert.

Holzrhode, Schlössli Hard (Rückseite) um 1920

Holzrhode, Schlössli Hard

Bild 1 stellt die Rückseite des Hauses im Jahre 1920 dar (Quelle: Unser Rheintal 1972, p. 87).

Siehe Karte.

Schulhaus Hub-Hard (alt)

1836 wurde das gemeinsame Schulhaus Hub-Hard gebaut. 1939 wurde klar, dass eine Gesamtschule mit über 80 Kindern gesetzlich nicht konform ist. Am 7. November 1952 konnte die Einweihung des neuen Schulhauses gefeiert werden. Das alte Schulhaus (mit Ausnahme des Schulzimmers) wurde danach für 30 Franken im Monat vermietet. 1964 wurde das alte Schulhaus an Linus Dietschi zum Preise von 18'000 Franken verkauft. Nach einer Erweiterung wird es heute als Wohnhaus benutzt.

Hub-Hard altes Schulhaus von 1836

Hub-Hard altes Schulhaus von 1836 mit schlechtem Wasser

Siehe Karte.

Schulhaus Hub-Hard (neu)

Am 7. November 1952 konnte die Einweihung des neuen Schulhauses gefeiert werden. Zur Schonung des Neubaus schaffte die Schule 38 Paare Finken à 6 Franken an.

Hub-Hard neues Schulhaus von 1952

Siehe Karte.

Kobelwald (Dorf, Ortsgemeinde, Teil der Holzrhode)

Im Jahre 890 wurde 'Kobel' am oberen Ende des königlichen Waldes erwähnt (am anderen Ende wurde 'Thiepoltsoua' erwähnt - offenbar war der Bannwald dort damals bereits gerodet und machte einer feuchten, sumpfigen Wiese Platz). Der Name dürfte deutscher oder romanischer Abstammung sein und bedeutet 'Felshöhle', 'Berg' oder 'Lagerstätte wilder Tiere'. Chobilwalt im 13. Jh.; Kobelwalt 1362.

Von Alters her bildete Kobelwald zusammen mit Freienbach, Rehag, Moss / Moos, Hard und Kobelwies eine ortsbürgerliche Korporation, Holzrode genannt. Kirchlich gehörte Kobelwald zur Pfarrei Montlingen, politisch zum Reichshof Kriessern.

1665 entstand im Kobelwald eine Kapelle (St. Sebastian), in welcher aber bis 1772 keine Messe gefeiert wurde.

Die Kobelwalder errichteten mit denjenigen von Grubach in der alten zu Kobelwald befindlichen Kapelle, der am 1. Juli 1766 von dem Pfarrer Joseph Steiger zu Waldkirch fl. 100 für eine monaltliche Christenlehre vergabt wurden, eine Kaplaneipfründe. Erhebung zu einer Kuratie 1794 (Stiftungsbrief vom 30. November 1794), zu einer selbständigen Pfarrei 1801, der 1808 auch Hard, Watt, Oberkobelwies und Freienbach zugeteilt wurden, 1892 noch die Weiler Hub und Unterkobelwies.

Zwischen 1800 und 1803 bauten die Kobelwalder ihre Kirche in der heutigen Form und Grösse. 1901 wurde das erste mal renoviert, aber bereits 1928 wurden wieder Risse und Mängel im Mauerwerk sichtbar.

Am 2. Juli 1803 wurde Kobelwalt mit Freienbach, Rehag und Moos zu einer politischen Gemeinde erhoben, aber schon im August gleichen Jahres mit der politischen Gemeinde Rüti verschmolzen, 1831 von dieser wieder abgetrennt und der politischen Gemeinde Oberriet zugewiesen.

1901 fand die erste Renovation der Pfarrkirche statt. Doch bereits 1928 machten sich wiederum Risse und Mängel im Mauerwerk bemerkbar.

Der Südtiroler Pio (Pius) Orsingher gründete 1915 (zusammen mit einem Deutschen namens 'Jung', wohnhaft in Wolfhalden) im Rehag ein kleines Schotter- und Pflastersteinwerk. Der Steinbruch Unterkobel oberhalb der Säge von August Mattle wurde geboren. Im Gegensatz zu den bisherigen Kalksteinbrüchen (vor allem für Bau- und Wuhrzwecke und für die Kalkbrennereien der Ziegeleien Zäch und Lüchinger) wurde hier "Basaltgestein" (Ablagerungsgestein, nicht vulkanisch!) mit höherer Druckfestigkeit abgebaut (z.B. für Schotter- und Pflastersteine). Bald kam ein weiterer Teilhaber, A. Hürlemann (wohnhaft in St. Gallen), dazu: Orsingher konnte eine grosse Waltung mit zwei Basaltknorren an die Firma 'Jung und Hürlemann, Pflasterstein- und Schotterwerk, Moos-Oberriet' verkaufen. Die Firma wurde später von der Firma 'Morant und König' aus der Konkursmasse ersteigert.

Am 18. März 1951 begann die zweite Renovation der Pfarrkirche (die Arbeiten übernahm der Architekt Hans Burkard). Die Renovation wurde zum Teil durch den Erlös beim Verkauf des alten Nussbaumes auf dem Kirchplatz gedeckt. Der helmartige Aufbau des Turms wurde durch eine Zwiebel ersetzt, der Kirchhof erhielt eine Umfriedung und der Portalplatz wurde weiter.

Orte in Kobelwald

Felsenhügel

Restaurant in Kobelwald. Das viergeschössige Doppelgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert ist der einzige Altbau in Kobelwald, der keine unpassenden Veränderungen erfahren hat. Die Biedermeiertür in der Wirtsstube ist mit reichen Profilen augestattet.

Wirtsleute: Johann Peter Stieger bis um 1920, Linus Stieger ab etwa 1923, und Martin Stieger. Siehe Karte.

Kobelwald Restaurant Felsenhügel (1920-1930)

Kobelwald Restaurant Felsenhügel (1920-1930)

Kobelwald Restaurant Felsenhügel

Kobelwald Restaurant Felsenhügel

Das erste Bild stammt aus der Zeit zwischen 1920 und 1930. Über der Eingangstür hängt ein Schild mit der Aufschrift 'Telephon'. Die Postkarte ist am 9. August 1940 gelaufen. Erwähnte Personen: E. Trönle [?], J[ohann] Eberle Reallehrer, Linus [Stieger], Elsa Stieger, Marie Dietsche, Fina Haltiner und Dr. [med.?] E. Giezendanner in Oberuzwil. Quelle: Ricardo - analoges Bild im Staatsarchiv ZMA 18/03.10-16.

Pfarrkirche St. Sebastian

Die Pfarrkirche in Kobelwald wurde von 1801 bis 1803 erbaut und ist dem Heiligen Sebastian geweiht. Sie markiert mit dem Dorfplatz zusammen das Zentrum von Kobelwald. Das Kirchengeläut mit seinen vier Glocken weist die Töne e' a' h' cis" auf.

Kobelwald - Pfarrkirche St. Sebastian

Kobelwald - Heiliggrab

Kobelwald - Pfarrkirche St. Sebastian

Kobelwald - Pfarrkirche St. Sebastian

Quelle für Bild 1: Der Wahrheitsfreund, 13. Februar 1852 (Kirchenverwaltungsratspräsident: Joseph Stieger).

Im Jahre 1852 wurde der Kirchturm neu "b'stochen" (?) und gedeckt.

Infolge Platzmangels nach der Kirchenrenovation 1951 blieb das Kobelwälder Heiliggrab (aus dem Atelier der Firma Kraft-Meyer, etwa 1885, siehe Bild 2) unbenutzt. Gemäss der Passions- und Osterliturgie hat das Heiliggrab, die bildliche Darstellung vom Tod und der Auferstehung Christi. Das Heiliggrab wurde traditionsgemäss an vier Tagen – vom Hohen Donnerstag bis und mit Ostersonntag – im Chor der Pfarrkirche St. Sebastian aufgestellt. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verlor das Heiliggrab offiziell seine weitere Verwendung in der Liturgie. Alt Mesmer Ammann verstaute den Kulissenbau auf dem Dachboden der Kirche, "Himmlete" genannt.

Die letzte umfassende Aussen- und Innenrenovation wurde im Jahre 1997/98 durchgeführt.

Schäfle / Schäfli (früher: zum Kranz)

Das Gasthaus in Kobelwald am Dorfplatz (westlich der Kirche) besteht in dieser Form seit 1891. Johann Alois Stieger übernahm das Haus 'zum Kranz' 1891. Die Witwe Josepha Stieger-Gächter benannte das Haus später um. Siehe Karte. Assekuranznummer 1291.

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle

Kobelwald Schäfle (Brand 2019)

Am Montag, den 25. März 2019 um 0:10 Uhr brach im Schäfli ein Brand aus (siehe 6. Bild der Kantonspolizei). Zwei Personen (der 77-jährige Bewohner und Wirt Emil Manser, sowie ein 36-jähriger Helfer) wurden dabei verletzt. Emil Manser fand eine Unterkunft bei Nachbarn (das Schäfli wurde durch den Brand unbewohnbar).

Schulhaus (altes)

Das alte Schulhaus aus dem Jahre 1829 ist heute ein Wohnhaus und steht neben dem Restaurant Felsenhügel. Das Haus umfasste bereits früher eine Lehrerwohnung. Diese wurde jedoch während vielen Jahren nicht als solche benützt (Junglehrer und Verweser hatten keinen Anspruch auf eine Wohnung). Im Oktober 1849 wurde Johann Jakob Stieger als Lehrer von Kobelwald gewählt. Da dieser jedoch in seinem Haus in Grubach wohnte, hatte er keinen Bedarf für die Lehrerwohnung. Erst mit dessen Rücktritt 1871 wurde die Frage nach einer Lehrerwohnung wieder aktuell. Aber auch der 1883 gewählte Lehrer Theodor Bruggmann verzichtete auf die Lehrerwohnung (bei welcher damals noch immer der halbe Fussboden fehlte).

Aus solchen Gründen wurde die Wohnung immer wieder an andere vermietet. Wobei auch hier war nicht jedermann willkommen. Im Jahre 1850 wollte Johannes Stieger ("Schrinnersjakob") die Wohnung mieten. Der Schulrat lehnte dies unter Nennung der folgenden Gründe ab: weil Stieger ein kleines Kund und eine alt betagte Schwiegermutter habe, und weil Stieger verlauten liess, dass er einen Spezereihandel betreiben wolle (und sich dieses in diesem Lokal ganz und gar nicht schicke).

Das alte Schulhaus hatte dann im Herbst 1900, nach Bezug des neuen Schulhauses, ausgedient. Der Schulrat erhielt am 14. Januar 1900 die Erlaubnis, das alte Schulhaus zu versteigern. Es befindet sich seit der Versteigerung (für 2402.10 Franken) an Jungfer Christine Stieger und August Stieger, Hanaslis, in Privatbesitz. Der südliche Garten diente später als (einst lauschige) Gartenwirtschaft zum "Felsenhügel".

Kobelwald altes Schulhaus

Das Bild stammt aus Google Street Map (2018). Siehe Karte.

Schulhaus (neues)

Das neue Schulhaus wurde 1900 (nach 7 jähriger Vorbereitungszeit) eingeweiht. Pfarrer Karl Thüringer - damals Mitglied des Bezirksschulrates - stellte am 26. März 1899 den Antrag das Schulhaus zu bauen.

Kobelwald neues Schulhaus

Kobelwald neues Schulhaus

Für das Grundstück wurde Land von Johann Bösch (Schulrat und Zimmermann), Eduard Kühnis und Johann Kobler (Sohn) erworben.

Das Gebäude wurde am Sonntag, dem 3. Juni 1900 mit einer einfachen, aber würdigen Feier eingeweiht. Präsident der Festkommission war Pfarrer Karl Josef Thüringer. An diesem Tag begannen auch die Sommerferien. Es ist daher anzunehmen, dass die Schüler erst zum Beginn der Winterschule am 4. November 1900 ins neue Schulhaus eingezogen sind.

1936 wurde dem Schulhaus (aufgrund der Verschmelzung der Schulen Freienbach / Kobelwald) ein Anbau angefügt und 1948 ein Sportplatz.

Siehe Karte.

Semelenberg

Flurname. Der Name stammt vom althochdeutschen 'sinwel' / 'sinwellin' / 'sinawellin' = "rund" ab. Alte Schreibweise: 'Sinnwelenberg'. Analog: Simelibärg.

Am Semelenberg waren die Weinreben des Reichshofes zu finden. Dieser Berg war früher ganz mit Reben bepflanzt. Der Reichshof kaufte sich im Jahre 1419 gänzlich vom Weinzehnten los. Der 'Zehntwein' war bis dahin für das Kloster St. Gallen die wertvollste Abgabe (bei der Abgabe im Torggel wurden die sogenannten 'Winbüechlin' nachgetragen). Der Torggelmeister wurde durch die Obrigkeit "ernamset" und vom Landvogt in Rheineck vereidigt.

Taube

Restaurant in Kobelwald. Erbaut etwa um 1730. Im Verlaufe der Zeit wurden eine Post, ein Restaurant und ein Landwirtschaftsbetrieb im Gebäude untergebracht. Anfangs 19. Jh. wohnte Joseph Ammann "zur Daube" in Kobelwald. Es ist nicht bekannt, ob er darauf wirtete.

Wirtsleute: Anna Maria Stieger-Büchel (1835), Johann Jakob Stieger (1860-1896), Luise Stieger (ab 1917), Fidel Stieger (1919-1939), Adolf Stieger (1939-1967), und Egon Stieger (ab 1967).

Kobelwald Restaurant Taube

Kobelwald Restaurant Taube

Siehe Karte.

Wacht

Ehemaliger Rebhang an der Guetstrasse, kurz nach dem Dorfausgang von Kobelwald zum Semelenberg ansteigend. Siehe Karte.

Woogalp / Wogalp

Nach mündlicher Überlieferung wurde die Alp um 1800 gerodet. Zuerst wollte man in der Gegend des Fuchsplatzes roden, aber die Bevölkerung war gegen dieses Vorhaben. Siehe Karte.

Kobelwies (Weiler, Teil der Holzrhode)

Im Jahre 890 wurde 'Kobel' am oberen Ende des königlichen Waldes erwähnt.

Eine Familie Ender (1410 erstmals erwähnt) hatte sich hatte sich ausserhalb der Gerichtsmarken des Hofes Kriessern in Kobelwies niedergelassen. Deren Stammvater war einmal Hofammann von Kriessern und nahm so gewisse Rechte (an Allmend, Wald, etc.) für sich in Anspruch.

Letztlich wurde Kobelwies aus der Altstätter Gerichtshoheit entlassen und der Gemeinde Oberriet zugeführt. Ähnlich erging es mit den Hofstätten der Schabinger / Schobinger under Hub. Aber diese blieben dann letztlich bei Altstätten.

Die Ender von Kobelwies verlangen 1507 nach vorgelegten Briefen, in ihren Wald- und Alprechten geschützt zu werden, denn die Kriessener hatten ein Holz (einen Wald) in Alp und Weid umgewandelt und gereutet = "geschwämmt" und wollten die Ender nur nach bisheriger Anzahl Vieh auf die Alp treiben lassen. Der Pfalzrat stützte die Ender; sie (und ihre Nachkommen) durften auch auf die neue Alp "Schwamm" fahren.

Kobelwies Kristallhöhle

Kobelwies Kristallhöhle 1947

Nach dem Volksmund wurde die Kristallhöhle im Jahre 1682 von einem Jäger entdeckt. In der Literatur wurde sie schon früh erwähnt, erstmals im Jahre 1702 vom Zürcher Gelehrten Johann Jacob Scheuchzer.

Quelle des Texts links: 'Schilderung des Gebirgsvolkes' von Johann Gottfried Ebel, Pet. Phil. Wolfische Buchhandlung, Leipzig (1802) [p. 98]

Quelle zweites Bild: Das Bild stammt von Leo Wehrli (* 25. Februar 1870 in Aarau, † 28. März 1954 in Zürich); es wurde 1947 aufgenommen (heute in der Sammlung der ETH-Bibliothek).

Im Oktober 1982 wurden bei der Kristallhöhle zwei Mädchen (Brigitte Meier † 17 und Karin Gattiker † 15) aus Goldach ermordet aufgefunden (sog. "Kristallhöhlenmord"). Das Verbrechen ist ungeklärt und seit 2012 (30 Jahre nach der Tat) verjährt.

Im Rheintal hat als einziges der alten Bäder das Mineralheilbad in St. Margrethen überlebt. Noch im 19. Jahrhundert existierten solche Bäder - ausser in Kobelwies - auch in Balgach, Marbach, Thal, Eichberg und Altstätten.

Das 12 Grad kalte Wasser des Höhlenbaches wurde schon früh gefasst, so wird 1730 das 'Bad Kobelwies' erwähnt, dass unter der Aufsicht der Obrigkeit stand (in derselben Quelle ist auch von 'Teuchelkösten' die Rede, also von Aufwendungen für die Wasserzuleitungen in Holzrohren). Das Wasser brachte dem Bad Kobelwies einen lebhaften Kurbetrieb.

Bereits Johann Jakob Scheuchzer (* 2. August 1672 in Zürich; † 23. Juni 1733 Zürich) schreibt 1706 von einem «klaren Brunnenwasser, welches unten an dem Berg ausfliesset und denen anwohnenden Rheintaleren zu einem Heil=Bad dienet». Gabriel Rüsch berichtet 1826 in seiner 'Anleitung zum richtigen Gebrauche der Bade= und Trinkcuren' [p. 286/287] vom Bad Kobelwies: «Die Badeanstalt hat ein unbekanntes Alter, besteht aus einem geräumigen, gut gebauten Bauernhause, das in den Sommermonaten für alle Gäste oft zu klein ist, ...», «Die Wirthsleute sind bey ländlichen Sitten gefällig und freundschaftlich. Im Erdgeschoss des Badehauses befinden sich in verschiedenen Abtheilungen acht und vierzig Wannen.», «Wirkungen: Das vorzüglich nur als Bad gebrauchte Wasser wird gegen Gliederschmerzen und Wechselfieber (Malaria), ..., empfohlen».

Blicke in die Eingeweide der Erde (Google Book)

In Kobelwies ist auch der Beruf des 'Badmeisters' verbürgt. 1793 taucht in einem Dokument ein Badmeister namens Jakob Kobler als Rat und Abgesandter der Holzrhode Oberriet auf. Dessen Söhne Joseph Kobler und Johannes Kobler bekleideten diesen Beruf um 1800 herum.

In 'Schilderung des Gebirgsvolkes' von Johann Gottfried Ebel, Pet. Phil. Wolfische Buchhandlung, Leipzig (1802) [p. 98] werden für 1802 im Kobelwieser Bade 40 Badkasten erwähnt. In diese wird erwärmtes Wasser eingelassen. Die kranken Rheintaler baden sich gewöhnlich des Nachts, um den tag hindurch arbeiten zu können.

Der Ausschnitt oben stammt aus dem Buch 'Blicke in die Eingeweide der Erde' von Dr. Christian Wilhelm Ritter aus dem Jahre 1806 (siehe Seite 41). Es ist anzunehmen, dass einer der beiden erwähnten Kobler damals (1801) als Reiseführer in die Kristallhöhle gedient hatte. 1816 betrieb Jakob Kobler das Bad (und daneben noch eine Bäckerei).

Bad Kobelwies (Staatsarchiv SG Signatur: W 238/03.10-11)

Bad Kobelwies (Postkarte)

Bad Kobelwies, Bad und Pension sowie Veranda und Pavillon (Staatsarchiv SG Signatur: W 238/03.10-12)

Bad Kobelwies (Google Streetmap, Oktober 2013)

Am 24. November 1832 beschloss der Grosse Rat den Weiler (Untere) Kobelwies - zusammen mit Lienz und Hub - Altstätten zuzuschlagen (Quelle: St. Galler Zeitung, 28. November 1832). Die Einwohner sind aber bis heute nach Oberriet zugewandt. Der Weiler Hard liegt auf Oberrieter Boden – mit Ausnahme der einstigen Gartenwirtschaft des seit längerem geschlossenen Harder «Hirschens». Die Hueb hingegen gehört zu Altstätten, die Gehöfte und das Gewerbegebiet in der Unteren Kobelwies ebenfalls. Der Weiler am Hangfuss aber, mit Ausnahme eines Hauses und eines Stalls, zu Oberriet.

Am 13. Februar 1837 kamen in Kobelwies bei einem Brand 13 Gebäude zu schaden (Quelle: Der Wahrheitsfreund, 17. Februar 1837).

1876 musste die Werbetrommel gerührt werden, da der damalige Besitzer des Bades das Geschäft etwas vernachlässigt hatte (Quelle: Bade- und Reise-Journal, 24. September 1876).

Um 1890 enthielt das Haus im Erdgeschoss des Bades 20 Wannen, im ersten Stock drei Säle als Speisezimmer und für die Unterhaltung sowie im zweiten Stock vierzehn kleine Gästezimmer mit 20 Betten. Die Verpflegung war 'einfach und billig'; berühmt waren die "Güggel", die Forellen und der Veltliner resp. der Vaduzer (Quelle: Die Ostschweiz, 10. Juli 1890). Das Bild links stammt aus dem Jahre 1901. Das Bad wurde bis 1971/1972 betrieben [KK2004]. Im Parterre des Hauptgebäudes befanden sich vorne eine Kegelbahn und hinter dieser die Bäder. Sowohl die Kegelbahn als auch die Bäder sind heute abgebrochen. Auch das kleine Gebäude mit Turm neben dem Heilbad ist abgebrochen. Im ersten Bild oben ist auch der Pferdestall und das Angestelltenhaus (mit den markanten Bögen) zu sehen.

Heute ist Bad Kobelwies ein Restaurant unter der Führung von Norbert König (2017). Seit Mai 2018 gehört das Bad Kobelwies der Gemeinde Oberriet (sie hatte die Liegenschaft für 250'000 Franken gekauft).

Siehe Karte.

Kobelwies ist auch bekannt für seine streitbaren Frauen (Quelle: Die Ostschweiz, 8. Juni 1895).

Moos (Weiler, Teil der Holzrhode)

Um 1880 gab es mehrere Rebbauern im Moos.

Orte im Moos

Abri Unterkobel

Der Abri Unterkobel (Quelle: Archäologie Schweiz, 2013) ist eine archäologische Fundstelle. Sie wurde im Frühling 2011 vom einheimischen Architekten und Hobby-Archäologen Spallo Kolb (* 13. September 1959 in Appenzell von Widnau) entdeckt und der Kantonsarchäologie St. Gallen gemeldet. Diese grub die Fundstelle seit dem Sommer des gleichen Jahres und im darauf folgenden Jahr teilweise aus. Es handelt sich um einen Felsvorsprung, unter dem sich die Siedlungsspuren befinden. Die Abfolge der Schichten ist rund 4.5 m mächtig und reicht von der Römerzeit bis ins Mesolithikum. Von den Archäologen wurden in den Jahren 2011 und 2012 auf der Grabungsstelle über 20'000 Fundstücke freigelegt. Siehe Karte

Schäfli

Gaststätte im Ortsteil Moos (heute: Buchwaldstrasse 2). Zuerst wurde das Schäfli als Taverne und Pintenwirtschaft geführt. Katharina Stieger war im Jahre 1833 "Schäflewirthin". Ihr Sohn Johann Jakob Wüst übernahm die Wirtschaft später. Karl Zäch und seine Frau Johanna Mattle reichten beim zuständigen Departement in St. Gallen um etwa 1879 das Gesuch um Bewilligung zur Eröffnung einer Pintenwirtschaft ein. Am ersten August-Sonntag spielten bei herrlichem Wetter die 'Bubaseppler-Musik' mit 9 Mann auf. Den ersten Wein, roten und weissen, sollen sie von verschiedenen Rebbauern im Moos, vom Blattenberg und von der Wacht bei Kobelwald gekauft haben.

Moos Schäfli

Moos Schäfli

Moos Schäfli

Das Alte Schäfli hatte den Eingang ganz links (siehe Bild 1). Das Alte Schäfli brannte am 20. September 1890 beim grossen Brand von Rüthi-Moos nieder. Vermutlich übernahm nach dem Tod von Johann Jakob dessen Bruder Johann Bartholomäus Wüst (1912 wurde er 'alt Schäflewirt' genannt). 1913 wohnte Karl Selin Zäch im Schäfli (siehe Bild 2). Im Jahre 2001 übernahm Thomas Zäch das Schäfli vom Vater. Seit 2014 führen Trudy und Anton Gmünder ("Toni vom Montlinger Schwamm") das Restaurant - nachdem es zwei Jahre geschlossen war (sie arbeitete zuvor 15 Jahre lang bei Thomas Zäch). Siehe Karte. Assekuranznummer 1557.

Rehag (Weiler, Teil der Holzrhode)

Mühle- und Sägesiedlung. Im Zentrum stand das Restaurant Hecht.

Der erste Standort der 'Fischer-Mühle' war oberhalb des ehemaligen Restaurants 'Hecht'. Später stand die Mühle, ebenfalls in Rehag, unterhalb der Stig-Strasse im Wirtschaftsgebäude als Modell. In den 1970er Jahren kam die Anlage ins Tenn des Ortsmuseums (Rothaus).

Mühle im Moos

Rehag

Quelle Bild 1: Bleistiftzeichnung [15.3 cm x 19.5 cm] aus dem Jahr 1866 von Johann Jacob Rietmann (* 16. März 1808 in St. Gallen; † 23. August 1868 in St. Gallen), Kantonsbibliothek St.Gallen, VGS o 30/144. Bild 2: Ausschnitt aus einer Postkarte (1923).

Die Mattle'sche Mühle war 1894 noch immer in Betrieb (Quelle: 'Die Ostschweiz'). In Karl Zäch's Biographie [KZ1972] auf Seite 20 sprach er um 1905 noch von 'Säger's Karl' als Müller.

Orte im Rehag

Hecht

Das Restaurant Hecht war ehemals der Standort einer Ferggerei. 1837 starb der alt Statthalter und Gemeinderat Joseph Dietschi im Hecht. Im Jahre 1934 wohnte Karl Kluser im Hecht. Im Jahre 1940, unter B. Kluser-Ritter, war der Hecht eine Viehhandlung. Das Gebäude brannte in den 1960er Jahren ab. Siehe Karte. Assekuranznummern 1503 und 1504.

Rehag um 1924

Rehag, Hecht

Rehag, Hecht

Hirschensprung

Leicht erhöhte Felskluft an der Staatsstrasse (trennt den Blattenberg vom Blosenberg). Früher war der Hirschensprung die natürliche Grenze zwischen dem Rheingau und Rätien (und somit auch alemannisch-rätoromanische Sprachgrenze). Siehe Karte.

Rehag / Rüthi - Hirschensprung

Rehag / Rüthi - Hirschensprung

Seltsame Sitten mussten im Bezirk Hirschensprung / Rüti nach der Reformation geherrscht haben. In 'Schilderung des Gebirgsvolkes' von Johann Gottfried Ebel, Pet. Phil. Wolfische Buchhandlung, Leipzig (1802) [p. 98/99] ist von Tätowierungen der Frauen (am linken Arm) die Rede:

Hirschensprung 1824

Nach dieser Erzählung war dies ein Zeichen des 'mönchischen Geists des unduldsamen Papism, welches jedes Glied der selig machenden Kirche selbst nach dem Tode an einem körperlichen Zeichen erkennen und von den Ketzern unterscheiden wollte'.

Im Jahre 1824 wird zur Erweiterung der Strasse ein Teil der Felsen gesprengt. Man findet versteinerte Knochen von Steinböcken, Bären und anderen Tieren.

Rehag, Hecht

Quelle: 'Beschreibung aller berühmten Bäder in der Schweiz' von Heinrich von Malten, Aarau, 1830

Der Name 'Hirschensprung' steht auch für den Ortsteil 'Koblen'. In 'Der Kanton S. Gallen, oder geographisch-statistisch-naturkundliche Darstellung deiner acht, nun fünfzehn, Bezirke. S. Gallen, 1836.' steht auf Seite 19 zu lesen (Wanderung von Oberriet nach Rüthi): "Koblen, gewöhnlich Hirschensprung genannt, dessen 90 Einwohner in 20 Häusern wohnen und in die Pfarrgemeinde Rüti gehören. Alles nimmt hier Oberländer Natur an; Land, Bauart der Häuser, Sitten, Gebräuche, Sprache und Aeusseres der Bewohner.".

Stein (Weiler, Teil der Holzrhode)

Kienberg

Die Eigentümer der Holzrhoder Kienbergalp waren die Ammann von Kobelwald und vom Moos, die Büchel vom Moos, die Hutter von Kobelwald (aber nicht jede von Kobelwies), die Kühnis von Kobelwald, Freienbach und Stein, die Kobler von Severin vom Stein, die Kluser vom Moos, die Ender vom Moos, die Mattle vom Rehag (aber nicht jene vom Moos), die Stieger von Kobelwald und Freienbach (soweit sie nicht Mitglieder der Rhode Strüssler waren), und letztlich die Zäch von Freienbach und Moos.

Im Jahre 1883 liess Oberriet eine neue Bergstrasse vom Hinterfeld bei Kobelwald auf den Kienberg anlegen (Ausschreibung in 'Die Ostschweiz').

Die Wirtschaft und Pension Kienberg wird heute in 3. Generation durch Ingo und Petra Stieger geführt. Quelle des ersten Bildes aus dem Jahre 1906: Staatsarchiv St. Gallen, W 23803.10-14. Damals besass die Familie Langenegger-Mattle die Wirtschaft und Pension Kienberg. Das zweite Bild stammt von einer Postkarte, welche 1916 gelaufen ist, das dritte Bild von einer, welche 1937 gelaufen ist. Siehe Karte.

Wirtschaft und Pension Kienberg (1906)

Wirtschaft und Pension Kienberg (1916)

Wirtschaft und Pension Kienberg (1937)

Stieg (Weiler, Teil der Holzrhode)

Weiler am Weg, der von Rehag steil nach Freienbach ansteigt. Standort einer ehemaligen Mühle und eines Mühle- und Feuerweihers. Siehe Karte.

Der 'Hof Kriessern' berichtet schon anno 1402 von Mühlen, die zwischen den 'Stigen' und dem 'Kobelstein' (Hirschensprung) im Weiler Rehag an dem durch Freienbach fliessenden Bach gelegen waren. Mit dem Verkauf der Herrschaft Blatten / Oberriet durch die Witwe Jakob Mangolt aus Konstanz anno 1486 gingen auch zahlreiche Güter, Zinsen und Abgaben an den neuen Besitzer Abt Ulrich Rösch von St. Gallen über. So hiess es: «... die Mühlen im Rechhaig (Rehag) sollen zinsen laut den Rödeln». Ueber die äbtische Belohnung hinaus bezogen die Vögte auf Blatten auch die 'Fasnachtshenne', den 'Fall', den 'Zehnten' und den 'Wasserfall' (Wasserzins). «Das neunte Gottshausrecht besteht in dem Wasserfall, dahero ein jede Mühle und Säge dem Gottshaus gewüsses Fall oder Schirmgeld geben muss; item die im Rehag von altem hero 5 d, item die Sägen im Freienbach gibt jährlich 7 kr.»

Stieg in Oberriet

Stieg in Oberriet

Stieg in Oberriet

Quellen Bilder 2 und 3: Unser Rheintal 1979, p. 121. Bild 2: Hinter Bäumen und Gestrüpp drehte sich das im Frühjahr 1978 ausrangierte hölzerne Wasserrad. Bild 3: Das Innere der Säge (7teilige Gattersäge).

Erwähnungen:
1402: [Mühlen] zwschent den Stigen vnd dem Kobelstain [Hirschensprung] im Rehhag an dem bach, der durch Fryenbach flvsset (Quelle: [CS1980] Bd. 12, S. 421, Nr. 7310, Ed.)
1421: den hof, den man nempt Stig (Quelle: [HW1863] Bd. 5, S. 291, Ed.)
1437: Item Frik an den Stigen (Quelle: [HW1863] Bd. 5, S. 845, Ed.)
1486: Schniders sön an Stigen (Quelle: Stiftsarchiv SG, Urkunde AA3 A40, UBSG5 S. 845, VerkBr.)
1657: Jos Kluser uf der stig [hat empfangen] Jtem heuwachs auf dem stighof (Quelle: Stiftsarchiv SG, LA 73, p. 196.)
1660: höüw wachs an der stig (AA ZUb fol. 44v)
1719: auff der stig (Quelle: Stiftsarchiv SG, LA 225, p. 336v) Stiftsarchiv SG, LA 225, p. 336v
1802: stig (seÿ ackher) (Quelle: Stiftsarchiv SG, HA B VII 53, Bd. 1, Kat.)

Orte im Stieg

Jocklisstädeli

Stadel an der Stigstrasse. Standort siehe Karte. Assekuranznummer 1485. Standort: Vermessungspunkt 526.

Mühleweiher

Weiher auf der Stig. Ursprünglich auf der Ostseite der Stigstrasse gelegen (schräg gegenüber der Stigmühle). Heute zugeschüttet. Neuer Standort siehe Karte.

Rehag Weiher

Stiglitta

Flurnamen für den von der Stig zum Rehag abfallenden Hang. Ebenfalls Name eines Hauses. Siehe Karte. Assekuranznummer 1496.

Rehag von der Stiglitta

Rehag in Richtung Stig

Stiglitta Richtung Rehag

Rehag Richtung Stig

Stigmühle

Auf der Westseite der Stigstrasse gelegen. Siehe Karte. Assekuranznummer 1486.

Watt (Weiler, Teil der Holzrhode)

Wappen von KriessernKriessern (Ortsgemeinde)

Frühere Bezeichnung Cressarrun (Griess = Flusskies; im Sinne von 'Siedlung auf dem Flusskies'), Griezarrûn / Criessa (1164). Bezüglich der Herkunft des Namens gab es in der Vergangenheit einige Streitpunkte.

Im Jahre 890 wurde 'Thiepoltesoua' am unteren und 'Kobel' am oberen Ende des königlichen Waldes erwähnt. Zur Zeit als Diepold der Besitzer der Au war, musste der Bannwald (ursprünglich eine Art Urwald, aber stellenweise auch Weide und Sumpfgebiet, und somit nach altgermanischem Recht Königsgut) dort bereits gerodet gewesen sein. Der Reichshof Kriessern umfasste die heutige politische Gemeinde Oberriet, die Ortsgemeinde Diepoldsau und jenseits des Rheins das Dorf Mäder (Vorarlberg).

Erstmals offiziell erwähnt am 18. August 1229 in einer Urkunde, welche bezeugt, dass der deutsche König Heinrich VII dem Fürstabt Konrad von Bussnang im Kloster St. Gallen für geleistete Dienste seinen Hof bei Kriessern ("apud Criessarun") geschenkt hat. 1272 wird dann der Forst 'Kriechseron' erwähnt, der sich über beide Rheinufer erstreckte.

Nach altgermanischem Recht gehörte das Gelände eines Reichshofs dem König. Auf der rechten Rheinseite: Hof Lustenau mit Schmitter, Widnau-Haslach und Au. Auf der linken Seite entstand der Hof Kriessern.

Heinrich Walter von Ramswag kämpfte auf der Seite von König Rudolf gegen Ottokar von Böhmen auf dem Marchfeld bei Wien. Der junge Ritter rettete am 28. August 1278 dem König das Leben. Zur Belohnung versprach der König dem Ramswager 500 Mark Silber, die er jedoch der leeren Schatzkammer wegen nicht bezahlen konnte. Als Pfand dafür überwies er dem Lebensretter etliche seiner Besitzungen, so auch den Königshof Kriessern.

In den Appenzellerkriegen stand der gesamte Adel, so auch die Ramswager, auf seiten des Abtes von St. Gallen. Nach den Siegen der Appenzeller bei Vögelinsegg und am Stoss anno 1405 verbündete sich die Stadt St. Gallen und danach auch die Rheintaler und die Hofleute mit den Siegern. Es entstand der "Bund ob dem See", dem die Appenzeller, der Thurgau, das Rheintal und Vorarlberg angehörten. Der obere Teil des Hofes Kriessem (die Oberhalbigen) mit Schloss Blatten stand unter Heinrich Walter Ramswag, während der untere Hofteil von Eberhard von Ramswag regiert wurde. Die Grenze des geteilten Hofgebietes verlief von der St.-Johannes-Kirche Montlingen zum Dürrenbach.

In die von den Appenzellern geschädigte Burg Blatten kehrte nun Eberhard zurück, ein Vetter von Heinrich Walter, und von der älteren Linie übernahm Burkhard den unteren Hofteil. Bald darauf entbrannte zwischen den beiden Vettern ein Streit über Eigentumsrechte an der Burg und gegenseitige Forderungen wegen Unterhalt, Bewachung und Nutzung des Hofes. Durch Vermittlung befreundeter Edelleute konnte 1419 der Streit beigelegt werden.

Kurze Zeit darnach zog sich Burkhard von Blatten und vom Hofe zurück. Dafür gelangte der Vogt Rudolf von Rosenberg (Berneck) in den Besitz der oberen Hälfte und der halben Fähre zu Blatten. Die Burg Blatten dagegen blieb im Besitze der jüngeren Linie Ramswag. Nach Ableben des zweiten Rosenbergs kam sein Anteil an Kriessern an die Brüder Ulrich und Konrad Payer, Pfandinhaber der Herrschaft Rheintal, und von ihnen noch einmal an die Ramswager zurück.

Der untere Hofteil erlebte unterdessen eine tiefgreifende Veränderung: Eine Tochter des zweiten Eberhard von Ramswag, Adelheid, hatte sich mit dem Konstanzer Patrizier Mangold verheiratet. Ihre beiden Brüder hatten ihr eine Auskaufsumme oder Heimsteuer von 630 Gulden vertraglich zugesichert. Aber im Verlaufe von fünf Jahren war von den Brüdern nichts erhältlich, so verpfändete das Pfalzgericht St. Gallen für ihre Forderung Burg und Burgsäss Blatten, den unteren Hofteil Kriessern, Burgsäss Wichenstein und die Weingärten zu Haslach und Kalkofen (Berneck). Als die Auskaufsumme noch immer nicht bezahlt wurde, gelangten sämtliche Unterpfänder auf öffentliche Versteigerung und wurden Mangold um den Spottbetrag von 300 Gulden zugeschlagen. Mangold liess die Güter beisammen und nannte sich Junker über der Herrschaft Blatten.

Dessen Witwe verkaufte 1486 Schloss und Herrschaft Blatten um 1500 rhein. Gulden an Abt Ulrich Rösch von St. Gallen. Drei Jahre später nahm er als neuer Besitzer zu Montlingen den Treueid seiner Untertanen entgegen und liess sich als "Herr und Vogt zu Blatten und der ganzen Gemeinde zu Blatten und Kriessern" feiern.

Ulrich von Ramswag hegte die Absicht, bei erster Gelegenheit seinen Anteil an Kriessern bestmöglich zu veräussern. Am 13. Oktober 1511 trat er für 1000 Gulden alle seine Rechte über den Hof an Abt Franz von St.Gallen ab. Damit befand sich der ganze ehemalige Besitz der Ramswager im Rheintal wieder in den Händen des Abts von St. Gallen, unter eidgenössischer Oberhoheit.

Bis anfangs 16. Jh. lag die politische Verwaltung der Region bei Kriessern. Danach ging diese Verantwortung an Oberriet über. 1512 hiess es erstmals "Hof Kriesseren am Oberriet", 1513 verkaufte Abt Rösch von St. Gallen seinen rechtsrheinischen Besitz dem österreichischen Kaiser um 260 Pfund guter St. Galler Währung (Mäder machte damals ⅓ des gesamten Hofgebiets aus). 1522 trat die Gemeinde Mäder, bis dahin zum Hofe Kriessern gehörig, aus dem Gerichtsverband des Hofes aus (die Bewohner durften dennoch mit ihrem Vieh, als Ochsen, Stier und den Rossen auf Wunn und Weid in das Isenried und die Diepoldsauer Viehweid fahren. 1755 hiess der Rest "Hof Oberriet". Dieser Hauptortwechsel lag vor allem an der günstigeren Lage Oberriets (kleinere Gefährdung bezüglich Überschwemmungen und Lage an der neuen rheintalischen Verkehrsstrasse am Berghang entlang).

Kirchlich gehörte es zu Montlingen, besass aber schon vor der Reformation eine eigene Kapelle [HBLS-04].

Schon von alters her war Mäder (heute Vorarlberg, Österreich) ein Bestandteil des Reichshofs. Die Güter wurden beidseits des Rheins von allen Hofleuten benutzt. 1513 verkaufte jedoch Abt Rösch von St. Gallen seinen rechtsrheinischen Besitz an den österreichischen Kaiser (um 260 Pfund St. Galler Währung). 1522 trat Mäder dann endgültig aus dem Gerichtsverband des Hofes aus. Dennoch war es weiterhin möglich die Allmenden gegenseitig zu benutzen. Am 28. August 1604 wird in Mäder ein eigener Friedhof eingeweiht *. 1654 löste sich dann die Filialkapelle von Mäder von der Mutterkirche in Montlingen (Auslösungsbetrag: 200 Gulden). 1667 verkauften dann die Hauptgeschlechter Ender, Böckli und Kilga namens der Gemeinde Mäder die Rechte und Gerechtigkeiten an 'Wunn, Weid, Trieb und Tratt' in der (linksufrien) Viehweide zwischen Kriessern und Diepoldsau mit Vorbehalt der Rechte im Isenried um 340 Gulden.

_____________________
*28. August 1604: Alle Leute in der Mäder, die in die Pfarrkirche Montikel pfärrig sind, stellen durch genannte Ausschussleute dem Grafen Kaspar zu Hohenems, der ihnen als Kollator und Lehenherr der Pfarrkirche Montikel erlaubt hat, neben ihrer neu gebauten Kapelle Unserer Lieben Frauen wegen der Weite des Wegs und der Beschwerlichkeiten des Rheins in der Mäder einen Gottesacker zu bauen, einen Revers aus, dass dieses Begräbnis weder ihm als Lehensherr noch dem jeweiligen Pfarrer zu Montikel an allen anderen pfarrlichen Rechten einen Abtrag tun soll. Der Gottesacker und die Kapelle wurden durch Weihbischof Johann Jakob zu Konstanz am Tag der Ausstellung dieses Reverses eingeweiht.

Quelle: Archiv von monasterium.net

Pfarreitrennung um 1733 mit einer entsprechenden Gründung einer eigenen Pfarrei (Bestätigung der Pfarrei am 27. Juni 1733). Die Kriessener versprachen, auch künftig einen Beitrag an die alte Mutterpfarrei Montlingen zu leisten. So liess sich eine Einigung erzielen. Am 13./14. August 1734 wurde denn auch Kriessern zur selbständigen Pfarrei erhoben (d.h. von der Mutterkirche Montlingen getrennt).

Mit der Pfarreitrennung (oder kurz danach) muss in Kriessern eine erste Schule entstanden sein. Siehe Schulgeschichte (Seite 5ff). Um 1760 wurde ein regelmässiger Schulunterricht geboten - allerdings nur während 6 Wochen, jeweils im Winter.

Bau einer neuen Pfarrkirche 1766-1767 [HBLS-04]. Die alte Marienkapelle war als Pfarrkirche bald zu klein, weshalb 1766 der Vorarlberger Baumeister Ferdinand Beer mit dem Bau eines neuen, fast doppelt so grossen Gotteshauses beauftragt wurde. Die Bevölkerung half beim Abbruch der alten Kirche, hob die neuen Fundamente aus und lieferte das Baumaterial auf den Bauplatz. Die neue, barocke Pfarrkirche von Kriessern scheint von hoher baulicher Qualität gewesen zu sein (nur die Empore musste 1841 vergrössert werden, nachdem die Gemeinde die Anschaffung einer neuen Orgel beschlossen hatte). Die offizielle Weihe der barocken Pfarrkirche von Kriessern fand am 24. Juli 1777 durch den Konstanzer Weihbischof Johann Nepomuk August von Hornstein zu Hohenstoffen statt. Er weihte das Gotteshaus zu Ehren Mariä Geburt und des heiligen Abts Gallus (in Honorem B. V. Maria natae, et S. Galli Abbatis). Der Hochaltar war neben der Jungfrau Maria und dem heiligen Gallus auch noch dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht. Das Kirchweihfest setzte der Weihbischof auf den Sonntag vor dem Fest des Erzengels Michael (29. September) an.

Anm.: Bereits am 19. September 1767 wurden als erste - also noch vor der Eröffnungsfeier - Jakob Langenegger und Elisabetha Städler von Peter Anton Vogt in der neuen Kirche getraut.

Die Gemeinde verarmte jedoch zusehends. Im Buch 'Geschichte des Reichshofes Kriessern' ist dazu folgendes zu lesen:

Einblick in die Zustände vor der Franzosenzeit gibt uns das Schreiben vom 2. Tag des Weinmonats 1761, das die Räte Hans Jakob Thurnher, Michel Bongarter und Kirchenpfleger Johannes Ebnöter an den äbtischen Official Pater Iso Walser gerichtet haben "zur Fortpflanzung unserer armen Schuhl, aus Gnaden für das Jahr 1761 gegeben 4 Gulden, aus Gnad und Mildhertzigist auch ferner zu geben". Dem Gesuch liegt ein Schreiben des damaligen Schulmeisters Johannes Huter bei, der u. a. folgendes schreibt: "Und thut sich die gantze gmeind Khriessern um das Gnaden Gelt bedanken. Ich wollt wünschen, es gäb noch etwa einen Stifter und Wohlthater an die Schuhl zu Khriessern. Dan es ist weit herumb kein schlechtere schuhl pfrund als zu Kriesseren. Keiner wolt um die schuhl anhalten wegen der schlechten belohnung … Und was kann ein schuhl meister den schuhl kinder wegen sechs wochen geben, wenn er noch gewartig sein muss, was auf schlechten Boden waxe, wan es nasse sümer gibt, so liegt an etlichen orten das wasser darinen …". Siehe dazu auch Schulgeschichte (Seite 6).

1788 schied Diepoldsau aus dem Reichshof aus.

1789 wechselte der Reichshof Kriessern zum Hof Oberriet und schliesslich zur Gemeinde Oberriet. D.h., 1803 kam Kriessern zur politischen Gemeinde Oberriet; 1833, bei der definitiven Trennung von Ortsgemeinde und politischer Gemeinde, wurde es zu einer besonderen Ortsgemeinde gemacht.

1868 beschloss die Ortsgemeinde einen Rheinbrückenbaufond von 10'000 Franken anzulegen. 1872 gaben der Fährbetrieb und die fehlende Brücke zu Tadel Anlass, als die österreichische Feuerwehr in Kriessern nicht löschen konnte (Quelle: Feldkircher Zeitung 24. April 1872). 1874 wurde der Fährbetrieb gänzlich eingestellt. 1876 Bau der Holzbrücke Kriessern - Mäder. Diese Brücke wurde am 25. Mai 1979 durch eine neue Brücke ersetzt (der Neubau wurde im Oktober 1977 in Angriff gebommen).

1880 machte sich die Handstickerei in Kriessern breit. Eine schöne Heimarbeit bot das Schifflisticken. In jedes Haus kamen die Nachstickmaschinen, oft drei bis vier in einer Stube.

1880 wurde der Militärschützenverein gegründet. 1909 wurde die erste Fahne eingeweiht und 1913 die erste Schiesshütte erstellt (etwa da wo heute die Tankstelle ist). Die Schützen schossen lange Zeit schräg zum Rheindamm hin, welcher ihnen als Kugelfang genügte. 1916 wurde dies dann aber vom Kanton beanstandet (Grund war die Einführung des Karabiners 11 mit der neuen Munition). Nach diesem Augenschein war der Stand bis zum Bau des Kugelfangs gesperrt (2018 wurde die Blei-Sanierung in Angriff genommen). Diese erste Schiesshütte wurde dann 1961 durch eine neue Schiessanlage ersetzt. Diese diente bis im Herbst 2000, als die Gemeinschaftsschiessanlage Blatten in Betrieb genommen wurde.

Am 2. März 1890 konstituierte sich eine Blechmusik. Die ersten musikalischen Aufgaben bestanden in der Verschönerung von Prozessionen und Gottesdiensten. Die erste Uniform im Jahre 1912 bestand aus einer Mütze (erst 1949 erfolgte eine erste Volluniformierung). Siehe Blasmusik 1917.

Wenn der Rhein hoch ging drückte das Wasser vom Rhein und vom Riet her bis zum hohen Dorfzug, so dass man nur mit dem Floss von einem Haus zum anderen gelangen konnte. Die Bodenqualität war entsprechend schlecht. Es gab nur wenige Bauern mit eigenem Vieh (viele übernahmen im Herbst Stellvieh aus dem Laternsertal, dem Montafon und dem Bregenzerwald). 1896 begann man mit dem Aushub des Binnenkanals und des Zapfenbachs.

1896 wurde auch die alte Kirche abgebrochen. Die Gottesdienste feierte man in der Zwischenzeit in der Fabrik unter dem 'Schäfli'. Die alte Kirche wurde zwischen 1896 und 1898 durch einen Neubau im neuromanischen Stil ersetzt und am 8. September 1898 – am Fest Maria Geburt – vom St.Galler Bischof Augustinus Egger geweiht.

Im Jahre 1897 fanden am ersten Jännersonntag am Nachmittag nach der Christenlehre beim Schlittschuhlaufen in den sumpfigen oberen Auen (an der alten Rheinstrasse, im Gebiet des heutigen Zapfenbaches) fünf Mädchen in einer Einbruchstelle den Tod. Von den Rheinüberflutungen blieben Wasserlöcher zurück, welche im Winter mehr oder weniger zufroren. Die Mädchen stellten sich nach dem Alter der Reihe nach auf und gingen als "Kette" aufs Eis: Theresia Ebnöther (* 1882), Victoria Dietschi (* 1882), Katharina Lüchinger (* 1883), Maria Baumgartner (* 1883) und Ida Zigerlig (* 1883). Ein sechstes Kind, Martis Ludovika, konnte man noch an den Haaren herausziehen und retten. Pfarrer Alois Hogg meinte zur Kollekte: « unbeschreibliche Trauer – grossartige Leichenbegleitung von dem Rohbau der neuen Kirche aus – Begräbnisopfer zu Gunsten der neuen Kirche fr. 60.-- ».

Tod beim Schlittschuhlaufen in Kriessern 1897 Tod beim Schlittschuhlaufen in Kriessern 1897

Das Bild links (Quelle: 'Rheintaler, 24. Juli 1987, Silvia Hutter') entstand anfangs 20. Jh. Das Haus im Kirchdorf Kriessern gehörte dem Metzgermeister Keel von Marbach, der im Untergeschoss eine Filiale eingerichtet hatte, welche von seiner Tochter Karolina (Bildmitte mit Hund) geführt wurde (sie brachte das erste Damenvelo ins Dorf). Im Haus wohnte damals auch die junge Familie des Fidel Langenegger, Fuhrmann, mit seiner Frau Ludovika. Ludovika überlebte als einzige jener Mädchengruppe.

Die Wasserversorgung wurde 1903 erstellt.

In den Weihnachtstagen 1908 gab es in der Kirche zum ersten mal elektrisches Licht. Pfarrer Alois Hogg hatte den grössten Teil der Anlage selbst installiert. Ferner wurde die Strassenbeleuchtung erstellt, und damit wurden die beiden Nachtwächter arbeitslos.

Früher wurden Neuigkeiten durch einen offiziellen Gemeinde-Ausrufer, welcher mit lautem Trommelschlag durch das Dorf schritt, bekannt gegeben. Dieser begann seine Botschaft jeweils mit: "Bekanntmachung ...!". Diese Mitteilungen waren dann jeweils auch im Anschlagkasten beim Adler zu lesen, wo auch Verfügungen der Feuerwehr, Luftwache, Wasserwehr und für Frondienste zu lesen waren.

Kriessern hatte bereits zur Zeit der Kantonalpost einen Ablagehalter (Benedikt Hutter). Die Zustellung der Post erfolgte dreimal wöchentlich von Oberriet aus. Seinem 1874 gewählten Nachfolger Wilhelm Kuster (Quelle: 'Unser Rheintal 1977' p. 101) wurde 1906 auch der Briefträgerdienst übertragen (er "amtete" im Adler). 1912 wurde im Adler das erste Postbüro eingerichtet. Eine Pferdepost besorgte nun täglich zweimal die Verbindung mit Altstätten. Bis dahin mussten die Briefträger (Altstätter Bote) die Kriessnerpost zu Fuss übermitteln. Die erste Pferdepost führte der Sternenwirt Albert Sieber, währenddem Heribert Hutter den Postdienst besorgte.

Pferdepost nach Altstätten 1929

Abfahrt der Pferdepost nach Altstätten 1929. Quelle: Unser Rheintal 1980, p. 87.

1924 stieg die Ablage zum Postbüro auf. Heribert Hutter junior übernahm 1933 (gemäss 'Unser Rheintal 1977' als Nachfolger seines Vaters) den Postdienst.

Pferdepost nach Altstätten Autopost nach Altstätten

Quelle: [WL1979] p. 91.

1938 löste Heribert junior des Pferdepostbetrieb (nach Albert Sieber besorgte diesen Adolf Hutter) durch seinen Privatauto-Postdienst ab. 1962 übernahm der Posthalter Franz Köppel die Stelle. Das Posthalterbureau Kriessern wurde am 1. Juni 1964 eröffnet.

Orte in Kriessern

Anger

Flurbezeichnung für ein Gebiet westlich des Lachendorfes, wo die Dorfbewohner die ersten Schollen gruben (siehe Karte). Die langgezogenen Schollenlöcher waren von Gesträuch und Weidenstöcken umstellt, in denen nachts die Frösche quakten und dicke Kröten sich versteckt hielten. Der Torf war zufolge der vielen Rheinüberschwemmungen von grauen Lehmschichten durchzogen, bedeutend mehr als der Torf vom entfernteren Schollenloch oder Grossen Teil ("im Groassetoal").

Hier soll sich auch die 'Angergoass' aufgehalten haben, die ungehorsame Kinder holte und bis zum nächsten Morgen festhielt, bis die Kriessner Frauenglocke «s'Ovi Mareia» (Ave Marialäuten) verkündete. "Wenn Du nicht bald ins Bett gehst, holt Dich sicher d'Angergoass!", drohten Mütter den Kindern, um damit ihrer Drohung Nachdruck zu verschaffen. Daher wurde der Anger stets gemieden. Die 'Angergoass' war ein übernatürliches Wesen, das sich bei einbrechender Dunkelheit aufs Opfer stürzte, sich auf den Rücken setzte und die Klauen so tief einhackte, dass die Spuren für lange Zeit sichtbar waren.

Baggersee / "Baggerloch" / "Baggerli"

Schon um 1870 herum schöpften Fuhrleute mit Ross und "Sandtrucke" im Gebiet des heutigen Baggersees Kies. Das Kies fand Verwendung für die Sicherung der ersten Schutzdämme am Rhein (auch 1909 für die Arbeiten am Diepoldsauer Rheindurchstich). Die entstehende Vertiefung im Gelände füllte sich daraufhin mit Grund- und Rheindruckwasser. So ergab sich ein Weiher mit einer Länge von fast 500 Metern und einer Breite von stellenweise 100 Metern.

Auf den neuentstandenen See wurden im Hochwinter Eisstücke gesägt und damit die Brauereien in Altstätten beliefert.

Im Winter 1921/22 sollte das "Baggerli" wieder zugeschüttet werden. Im Herbst 1922 wurde vom Rheindurchstich her ein Gleis zum See erstellt und Dutzende von Zügen mit Erde und Kies vom alten Rhein her kippten nicht mehr gebrauchtes Material in den See. Eine kleine Gruppe von Baggerseefreunden aus Marbach stellte ein Gesuch um Einstellung der Auffüllarbeiten an die Rheinregulierungs-Kommission. Am 11.Januar 1923 fand im Restaurant 'Oberes Bad' (heute das Ortsmuseum) in Marbach die Gründungsversammlung des 'Vereins zur Erhaltung des Baggersees' statt.

Baggersee Kriessern Baggersee Kriessern Baggersee Kriessern

Der zunehmenden Verunkrautung in den 80er Jahren konnte Einhalt geboten werden, indem der See bis auf eine Tiefe von 8 bis 10 Metern ausgebaggert wurde. Mit der Inbetriebnahme des neuen Gebäude-Komplexes mit Kiosk und Küche, WC-Anlagen und Garderoben im Jahre 1997 konnte die Gesamtsanierung abgeschlossen werden.

Gasthäuser

Adler, Frieden, Kreuz, Krone, Schäfle, Sonne, und Sternen.

Kriessener Gasthäuser (1916) Kriessener Gasthäuser

Das Kreuz stand früher an der Schulstrasse, neben dem Pfarrhaus. Der Frieden war an der Unterdorfstrasse. Wo die Krone stand ist der Autor dieser Seite unbekannt.

Adler

Adler in Kriessern Adler in Kriessern

Im Adler (Kirchdorf) wirtete Ende des 19. Jh. Joseph Hutter. 1912 wurde im Adler das erste Postbüro eröffnet (Bild von 1945, StA SG, ZMB 03/10-03). Im zweiten Weltkrieg diente der Saal als Truppenessraum (Anekdote aus 'Unser Rheintal 1981' p. 152). Der Adler wurde im Jahre 2014 von Othmar Graber vollkommen erneuert. Gaby Graber amtiert als Gastronomie-Chefin und Margot Stolz betreibt in der erneuerten Liegenschaft 'Ein Laden zum Glück'.

Schäfle / Schäfli

Schäfle / Schäfli in Kriessern

Mit dem Aufkommen der Stickereiindustrie entstanden Ende des 19. Jh. die erste Verdienstmöglichkeit in Kriessern. In dieser Zeit erbauten auch der Schäfle- und Sonnenwirt ihre Fabrikli für Stickereimaschinen. Als die alte, baufällige Dorfkirche 1896 erneuert wurde, diente die Schäflefabrik für die Gottesdienste (im Glockenstuhl auf der angrenzenden Wiese versahen dabei drei Glocken den Dienst).

Sonne

Ende des 19. Jh. war die Sonne eine Fabrik für Stickereimaschinen. Candid Fleischle eröffnete später im ehemaligen Sonnen-Sticklokal die heutige Dorfkäserei.

Sternen

Sternen in Kriessern (1923) Sternen in Kriessern (2021) Sternen in Kriessern (2021)

Die erste Ansichtskarte zeigt den Sternen um 1923 an der alten Rheinstrasse. Die beiden anderen Bilder zeigen eine Baustelle im Jahre 2021.

Der Sternenwirt Albert Sieber führte ab 1912 die erste Pferdepost. Nach der Renovation 2013 (mit Neueröffnung am 30. August) übernahmen Christoph Sieber und Angela Schlögl die Geschäftsführung. Ende Dezember 2016 machte der Wirt Urs Mattle den Sternen aufgrund mehrerer Klagen wegen Lärmbelästigung dicht. Die Ortsgemeinde kaufte das Restaurant und fand per April 2017 einen neuen Pächter: Giovanni Magliato. Seit dem 9. September 2018 ist Trudy Gmünder die Pächterin.

Kapelle Maria Heimsuchung

Nicht zu verwechseln mit der heutigen, gleichnamigen Kapelle in Freienbach! Gemäss [WL1979] stand die Kapelle schon bereits vor der Reformation in Kriessern.

Kirche

Kriessern besass nach 1595 eine Kapelle, welche der Mutter Gottes geweiht war. Die Kapelle erhielt erst nach 1640 einen eigenen Tabernakel. Ein Kaplan ("Frühmesser") feierte in der Folge einmal wöchentlich eine Messe in Kriessern. 1721 erfuhr die bescheidene Liebfrauenkapelle einen vergrösserten Neubau mit einem Innenmass von 48 Schuh in der Länge und 18 Schuh in der Breite (14.4 x 5.4 m). 1733 wandten sich die Kriessner dann an den Bischof von Konstanz mit der Bitte, wegen der weiten Entfernung zu Montlingen "das schon habende Kirchlein" zu einer Pfarrkirche zu erheben und "einen eigenen Priester und geistlichen Seelsorger" zu gestatten. Kriessern wurde mit dem Stiftungsbrief vom 14. August 1734 zur eigenen Pfarrei erhoben. Im November desselben Jahres wurde der erste Pfarrer in Kriessern, Johann Melchior Müller von Näfels, mit grosser Begeisterung empfangen. 1766 wurde die Kirche abermals vergrössert und zwar auf die Masse 80 Schuh Länge, 38 Schuh Breite und 28 Schuh Höhe (24 x 11.4 x 8.4 m).

Die offizielle Weihe fand am 24. Juli 1777 durch den Konstanzer Weihbischof Johann Nepomuk August von Hornstein zu Hohenstoffen statt. Er weihte das Gotteshaus zu Ehren Mariä Geburt und des heiligen Abts Gallus (in Honorem B. V. Maria natae, et S. Galli Abbatis). Der Hochaltar war neben der Jungfrau Maria und dem heiligen Gallus auch noch dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht. Das Kirchweihfest setzte der Weihbischof auf den Sonntag vor dem Fest des Erzengels Michael (29. September) an.

1841 wurde mit dem Ankauf einer neuen Orgel auch die Empore vergrössert.

Nachdem 1894 der Friedhof an seinen heutigen Standort verlegt worden war, begann man mit einer Kirchenvergrösserung, die in ihren Ausmassen und gemessen an der langen Bauzeit beinahe einem Neubau im neuromanischen Stil gleichkam. Am 8. September 1898 (am Fest Maria Geburt) erfolgte zusammen mit der Kirchweihfeier die Einweihung des neuen Gotteshauses durch Bischof Augustinus Egger. 1908 wurde das elektrische Licht installiert und 1957 die elektrische Läutanlage in Betrieb genommen.

Kirche Kriessern (1894-1898) Kirche Kriessern (nach der Renovation 1965/66) Kirche Kriessern

Linkes Bild: Kirchen-Gesamtrenovation 1894-1898 [WL1979], Bild ganz rechts, Quelle: sanktgallus.net

Bei der Revision der Kirche anno 1898 standen Kriessern, das bis zur Rheinregulierung ständig gegen die Rheinnot zu kämpfen hatte, nur bescheidene Mittel zur Verfügung. 1965/66 stand daher eine weitere vollständige Renovation an. Bei dieser Renovation wurde die Strassenfront neu gestaltet. Das neue Vorzeichen mit Giebel und Quergebilden gibt dem Gotteshaus nun ein repräsentables Aussehen. Die östlich angebaute Sakristei wurde teils abgebrochen und ebenerdig erweitert sowie durch einen Paramentenraum ergänzt.

1970 wurde die neue Orgel in einem feierlichen Amt eingeweiht. An der ausserordentlichen Kirchbürgerversammlung vom 27. November 1992 wurde ein Kredit über 3.15 Mio. Franken für eine erneute Renovation gesprochen. In der Zeit vom 3. April 1993 bis 26. Juni 1994, dem Tag der feierlichen Altarweihe mit Bischof Otmar Mäder, wurde das Gotteshaus vollständig saniert und den Bedürfnissen der Liturgie anpasst.

Heute trägt die Kirche nur das Patrozinium 'Maria Geburt' (Abt Gallus wird nicht mehr genannt).

Kreuzkapelle

Die Kreuzkapelle "zum verlorenen Gott" wurde 1788 von Johannes Langenegger (Dorfschmied und Kirchenpfleger) im Lachendorf erbaut (anstelle eines alten Bildkreuzes). Unter dem stichbogigen Gewölbe befindet sich dieses spätgotische Wegkreuz, welches aus vorreformatorischer Zeit stammt. Vom Kreuz in dieser Kapelle weiss der Volksmund zu berichten, dass es eines vergangenen Tages mit den hochgehenden Fluten des Rheins angeschwemmt worden sei. Es wurde auf den Rücken von zwei Ochsen gebunden und den Ochsen wurde freien Lauf gelassen. Wo die Ochsen dann zu grasen anfingen wurde ein Bildstöckli mit dem angeschwemmten Kreuz errichtet. Noch heute wird das Kreuz von den alten Leuten "der verlorene Gott" genannt.

Kreuzkapelle Kriessern Kreuzkapelle Kriessern

Quelle: Rheintal-Werdenberg, Kulturführer 1989.

Die Kriessener besuchten die Kapelle jeweils an der Auffahrts- und an der Guttodprozession, um den Segen für die Fluren und um Gottes Beistand für einen guten Tod zu erbitten.

1930 erfuhr die Kapelle eine gründliche Renovation.

Die Kapelle befindet sich an der Kreuzung Gassermadstrasse / Altstätterstrasse.

Wappen von Montlingen Blasonierung
Im Feld von Gold ein schwarzes schreitendes Osterlamm über schwarzem Zweiberg in der Form der Versale M (als Anfangsbuchstabe des Namens 'Montlingen').

Beleg
Erschaffen von Georg Rimensberger. Das Ortswappen wurde 1959 als rechtsgültig erklärt und in einem Wappenbrief (Urkunde) offiziell festgelegt.

Quelle
Unser Rheintal (1967) p. 58/59.
Ortsgemeinde Montlingen

In einer Grenzbeschreibung des Bistums Chur, welche im Frühmittelalter noch bis zum Monstein (bei Au) reichte, wird 633 Montlingen als 'Montigel' oder 'Monticulus' (Berglein) erwähnt. Dieser 'Monticulus' gehört geologisch gesehen zur Säntiskette. Montlingen dürfte eine der ältesten Siedlungen im Rheintal sein (die Besiedelung des Hügels beginnt im Neolithikum und dauert zum Teil bis zur römischen Zeit fort; der Monticulus weist Funde der Bronze-, sowie der 1. und 2. Eisenzeit auf [HBLS-05]).

Bei der Grenzregulierung zwischen Thurgau und Rheingau im Jahre 890 reichte das Bistum Chur noch bis zum Hofe Lustenau mit Au und Widnau. Montlingen gehörte damals noch zur Pfarrei Rankweil )und somit zu Chur).

Im 9. Jahrhundert entstand die erste Pfarrkirche.

Die Bildung einer selbständigen Pfarrei dürfte mit der Zuteilung 1155 von Montlingen als Grenzort zum Bistum Konstanz zusammenhängen. Um 1200 (in romanischer Zeit) folgte ein Neubau der Pfarreikirche. Aus einer päpstlichen Bulle von 1217 geht die Existenz einer Pfarrkirche erstmals klar hervor.

Die Pfarrkirche muss in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts reparaturbedürftig gewesen sein. Die verantwortlichen Leiter veranlassten am 9. Dezember 1470 einen Bettelbrief auszustellen. Die Sammelaktion dauerte bis nach 1500. Sie umfasste alle acht Orte, welche das Rheintal regierten. Es ist unklar, ob damals ein Neubau gemacht wurde oder ob nur das Langschiff gebaut wurde.

1528/29 brechen die Reformationswirren aus. Altstätten, Marbach, Balgach, Berneck, Rheineck, Thal, St. Margrethen und Widnau beschliessen die Annahme der Reformation. Die Pfarrei Montlingen unter Pfarrer Diepold Hutter lehnt den neuen Glauben ab. Im Jahre 1531 fand der Bildersturm in der Pfarrkirche Montlingen statt. Lange Jahre befand sich hinten im Langschiff der Kirche das "Scheggengatter", hinter welchem sich die Träger des Familiennamens 'Schegg' aufhalten mussten, um für die Sünden ihrer abgefallenen und nach Bernegg und anderswohin ausgewanderten Familienmitglieder zu büssen.

1534 brennt das Pfarrhaus ab.

Auch 1618 muss es gebrannt haben. Im Stammbaum Hasler wird erwähnt: "Das erste Pfarrbuch von Montlingen hätte hierüber wohl Aufschluss gegeben, ist aber nicht mehr vorhanden. Herr Pfarrer Stärkle glaubt, es sei bei dem Brande vom Pfarrhof Montlingen im Jahre 1618 verschwunden.".

Bis 1654 gehörten zur Pfarrei Montlingen Mäder, Kriessern, Kobelwald, Oberriet und Eichenwies. Im Jahre 1654 spaltete sich Mäder mit einer Abkurungssumme von 200 fl. ab.

1673 wurde die Kirche in Montlingen gebaut. Zu deren Bau wurden 3778 fl. von Korporationen und Privaten beigesteuert. Bis 1872 befand sich auf dem Giebel der magern Fassade ein Storchennest. Die vielen Sprengschüsse im nahen Steinbruch haben dann die Störche vertrieben.

Anno 1682 stifteten Jakob Mattle und dessen Ehefrau Anna Enis [JH1878, Seite 310ff], Eltern des Konventualen Pater Dionysius Mattle im Kloster St. Gallen, zum Danke dafür, dass durch ihren geistlichen Vetter, Theobaldus oder Diepolt Huotter das Kirchspiel Montlingen im alten Glauben erhalten worden, ein Kapital von 1300 fl. zu einem Stipendium, dessen Zinsen einem Jüngling, zunächst aus der Verwandtschaft, "der fromm und mit gutem Ingenius begabt ist", zum Zwecke des Studiums für "den geistlichen oder weltlichen Stand" zukommen soll. Diese ellenlange Urkunde, bestätiget von Pfarrer Mr. Johannes Geser, Caplan Hieronymus Federer, Hofschreiber Johannes Wüst und Hofammann Jakob Zäch, besagt, es könne dieses Hülfsgeld auch für Erlernung eines ehrbaren Handwerkes verwendet werden. Dieses Mattle'sche Stipendium wird heute noch vom Allgemeinen Hof Oberriet zum gleichen Zwecke verwaltet (im Jahre 1909 betrug der Fonds 5280 Fr. 77 Rp.).

Im Jahre 1733 spaltete sich Kriessern von der Pfarrei Montlingen ab ab. Erster Pfarrer in Kriessern war Joh. Melchior Müller von Näfels, der mit seinen Pfarrkindern des Gehaltes wegen drei Jahre in heftigem Kampfe lag.

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Montlinger als raue und hitzige Gemüter bekannt. Kaplan Lüchinger beschrieb am 30. August 1742 in der durch Fürstabt Cölestin II vorgenommenen "Lokal- und Personalvisitation" als grösstes Laster der Montlinger die "discordia summa" (heillose Zwietracht). Umgekehrt wurde viel (und manchmal auch überbordend) gefeiert.

Neuere Zeit

Die Bürger von Montlingen verteilen sich heute auf folgende alteingesessene Familien: Baumgartner, Benz, Dux, Haltiner, Hasler, Herrsche, Loher, Rohner, Schegg, Wüst, Zäch und Zigerlig.

Wappen 'Oberriet'

Die Ortsgemeinde Montlingen ist heute eine von mehreren Ortsgemeinden innerhalb der Politischen Gemeinde Oberriet. Sie ist, wie die anderen Ortsgemeinden auch, anlässlich der Hofteilung vom 3. August 1793 entstanden.

Die Ortsgemeinde unterhält die beiden Alpen Kienberg und Schwamm.

Wappen 'Montlingen'

Im Jahre 1801 spaltete sich Kobelwald von der Pfarrei Montlingen ab. Kobelwald hatte im 17. Jahrhundert eine Kapelle erbaut zu Ehren des hl. Sebastian, an welche anno 1766 Jos. Steiger, des St. Gallischen Ruralkapitels Deputat und Pfarrherr zu Waldkirch 100 Gulden vergabte, damit für den Zins von 5 fl. von dem Kaplan zu Montlingen alle Monat einmal an einem Sonn- oder Feiertag eine "christliche Lehr für Kleine und Grosse" gehalten werde. Bei allfälliger Anstellung eines eigenen katholischen Geistlichen sollen diesem die Verpflichtung und die 5 Gulden zufallen. Der eigene Geistliche (Kaplan) wurde 1794 angestellt. Kobelwald mit Grubbach - 47 Haushaltungen - wurde eine Kuratie und anno 1801 zur Pfarrei erhoben.

Im Jahre 1806 spaltete sich dann auch Oberriet von der Pfarrei Montlingen ab. Am 21. Mai 1808 wurde Oberriet laut Erlass des bischöflichen Ordinariats zu Konstanz entlassen. Nur die Rhode Eichenwies, damals aus 78 Haushaltungen bestehend, bliebt der Mutterkirche treu. Einzig die beiden Lüchinger'schen Häuser (Rössli und Post) wurden durch einen bischöflichen Entscheid am 28. Januar 1809 zu Oberriet geschlagen. Seither haben Abkömmlinge dieser beiden Familien bis auf den heutigen Tag ein Personalrecht, Pfarrkinder von Oberriet zu sein.

Obwohl bereits zu Zeiten der Helvetik (1798-1802) in Montlingen Schule gehalten wurde (nur im Winter "von Martini bis Ostern"), so wurde erst 1808 eine Gemeindeschule (eine "Schulstube") errichtet.

Seit 1812 bezieht der Pfarrer von der Rhode Montlingen den Genossen- oder Gemeindeteil, den er verpachten oder mit Grundbirnen bepflanzen kann.

Im Jahre 1815 stellte die letzte Rheinmühle ihren Dienst ein. 1836 gestattete die Bürgerversammlung wiederum vier Bürgern, auf dem Streueboden im Lehmen eine Mühle einzurichten.

Am 27. September 1840 trennten sich die Schulkreise Montlingen und Eichenwies von Oberriet und bildeten seither eine eigene Schulgenossenschaft.

Nachdem die Bürgerversammlungen jahrelang die Erstellung eines Armenhauses verworfen hatte, wird im Jahre 1840 ein Antrag genehmigt, welcher das Gemeindehaus zu einem Armenhaus umfunktionieren soll. 1865 genehmigt die Bürgerschaft an den Kauf des Gasthauses Rössli in Oberriet den Betrag von 35'000 Franken. Zusammen mit den Ortsgemeinden Eichenwies und Holzrhode soll das Gasthaus zu einem Armenhaus umfunktioniert werden. Ebenfalls in diesem Jahr schlugen die fünf Ortsgemeinden vor, im Rest. Rössli ("Sartori'sches Haus") in Oberriet ein Waisenhaus für das gesamte Gebiet einzurichten, und für die älteren Leute aus den beteiligten Ortsgemeinden sei in Montlingen ein Armenhaus vorzusehen. Dieses Vorhaben wurde aber nicht realisiert.

Grössere Überschwemmungen gab es in den Jahren 1855, 1868, 1871, 1890 und 1897, wo der Rhein etwa 160 Häuser mehr oder weniger tief unter Wasser setzte. Pfarrer Oberholzer besuchte damals seine Schäfchen mit einem Schiffchen und besuchte die Kranken durchs Fenster. Einige Bauern mussten das Vieh in den oberen Etagen des Hauses einlogieren. Aber auch 1849 gab es Überschwemmungen (Wiener Zeitung, 28. Juni 1849).

1861 wurde die schwimmende Montlinger Rheinmühle als letzte ausser Betrieb genommen und durch eine Neuanlage an Land ersetzt.

Seit 1864 wird im Dorf das Theaterstück 'Wilhelm Tell' aufgeführt. Weitere Aufführungsdaten waren 1874, 1886 und 1894. Ab 1909 (Pfingstmontag) wurde dann eine aufwändigere 4-stündige Inszenierung eingeführt: 50 Spielende mit mehreren Pferden mit Kostümen von Louis Kaiser in Basel. Der Zuschauerraum im Freien zwischen 'Hirschen' und 'Krone' fasste 800 Personen. Beim "Ungewitter und Rasen des Sees" und nach dem Tode des Attinghausen läutete das "silberhell klingende Glöcklein" des nahen neuen Schulhauses. Die letzte Aufführung war im Jahre 1925.

Im Oktober 1872 fand ein Arbeiter in einem Montlinger Steinbruch einen versteinerten Huf eines Wiederkäuers. Dieser dürfte heute im Naturhistorischen Museum in St. Gallen sein.

Die Bürgerschaft beschliesst im Jahre 1874, an den Bau einer Holzbrücke über den Rhein von Montlingen nach Koblach den Betrag von 10'000 Franken zu zahlen. Es besteht die Hoffnung, dieses Geld durch die Erhebung des Brückenzolls wieder einkassieren zu können. Man bestellt ein "Brückenkomitee" aus neun Mitgliedern. Später wird Pfarrer Falk als zehntes Mitglied gewählt. Die 250 Schritte lange Holzbrücke wurde 1876 gebaut. Sie ersetzte die Fähre.

Gedeckte Holzbrücke in Montlingen Gedeckte Holzbrücke in Montlingen

Pfarrer Alois Oberholzer beklagt, dass 1884 die Gemeinde von den vielen Überschwemmungen arm und mutlos war. Das alte Schulhaus hatte runde Butzenscheiben und "altväterische, zersprungene Lehmöfen" und terrassenförmig aufsteigende Sitzbänke.

1888 zählte die Gemeinde (zusammen mit Eichenwies) 1308 Seelen. Fast jede Familie besitzt ein eigenes Haus. Das heisst, am Martini- und Maitag sah man in Montlingen und in Eichenwies keine hinausgeworfenen Mietsleute durch die Strassen ziehen. Pfarrer Oberholzer: "Die Jungfrauen sind als tätige, anstellige Töchter bekannt, weshalb sie immer guten Absatz nach Oberriet und Kriessern und selbst nach Marbach finden".

Am 24. März 1900 wurde der Zapfenbach, welcher drei andere Bäche in sich vereinigte, in den neu erstellten Binnenkanal geleitet.

Montlingen zählte im Jahre 1900 zirka 900 Einwohner. Viehzucht, Ackerbau, Stickerei (insbesondere Kettenstich und Ausschneiden) und Torfstecherei (es wurde damals noch viel mit "Scholla" geheizt) waren die wichtigsten Beschäftigungen der Leute. Montlingen besass damals zwei Wagner, mehrere Schuhmacher, Holzschuster, Drechsler, zwei Hufschmiede und vier Nachtwächter. Gelernte Rasierer und Coiffeure konnten in Montlingen nicht überleben, weil sich jeder Mann selbst bartete und von seiner Frau eingeseift und am Kopf gewaschen wird.

Um 1900 verdiente ein Knecht 1 Franken pro Tag, ein Zimmermann 2.40 und ein Maurer 2.60. Die Bewohner zahlen damals die folgenden Preise: 1 Herrenanzug kostete 15 Franken, ein paar Schuhe 4.50, 500 g Kalbfleisch 60 Rappen, 1 Kilo Brot 60 Rappen, 1 Flasche Bier 20 Rappen, 1 Liter Milch 20 Rappen, und 1 Tageszeitung 5 Rappen.

Früher war es nicht üblich, dass Kinder ihre Eltern "duzten". Eltern und ältere Leute allgemein wurden mit "öar" (ihr) angesprochen.

Am 26. Juli 1903 schliesst sich Montlingen dem neuen Wasserversorgungswerk Oberriet-Eichenwies an. Bis dahin musste das Wasser aus dem Gampbrunnen beim 'Kreuz' gefasst werden. Der Hahnenzins betrug 1909 25 Franken für den ersten Hahnen und für jeden weiteren 5 Franken pro Jahr.

1906 wurde die elektrische Beleuchting im Dorf eingeführt.

1909 zählte die Gemeinde (zusammen mit Eichenwies) rund 1600 Personen (Montlingen 1100 und Eichenwies 500). Jedes Dorf bildete einen eigenen Schulkreis und eine eigene Ortskorporation mit drei Alpen und Genossengütern. Die Alpen segnet der Pfarrer jeden Sommer und erhält für seinen Gang von jeder Alp eine Zolle Butter.

Während Steinbrucharbeiten für die Internationale Rheinregulierung kamen am Montlingerberg mehrfach Funde zum Vorschein. Nach ersten Ausgrabungen in den Jahren nach 1921 durch Dr. Hans Bessler (* 21.7.1895 in St. Gallen, † 27.7.1959 in St. Gallen) folgten in Montlingen 1928 weitere Untersuchungen. 1951 bis 1960 folgten Grabungen duch Dr. h.c. Benedikt Frei (* 12.10.1904, † 3.1.1975 in Mels). Sie zeigen auf, dass der Montlingerberg eine wichtige archäologische Fundstelle im Rheintal ist.

Am 25 Februar 1968 erhält Montlingen sein eigenes Museum (im Keller des älteren der beiden Schulhäuser). Das Museum wurde von Lehrer Martin Hangartner ins Leben gerufen.

Montlingen zählt im Jahre 2000 zirka 1690 Einwohner, was etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung der Politischen Gemeinde Oberriet ausmacht.

Brauchtum und Sprache

Brauchtum:

  • Neujahrssingen
    Bei Tagesanbruch sangen die jungen Burschen und die Kinder zogen von Haus zu Haus um ein gutes Jahr zu wünschen, wofür mehr oder weniger gerne Kupfer oder Nickelmünzen gespendet wurden. Vom Ertrag profitierten der Kindheit-Jesu-Verein (päpstliches Kindermissionswerk, gegründet 1843), Mutters Haushaltsbörse und vielleicht auch noch das Privatkässeli.
  • gis Nöjohrhola
    Um den Neujahrstag herum wurden die Kinder von deren Taufpaten zum Essen eingeladen. Grussformel der Kinder: "I wünschi a guats nöis Johr, daser lang läbid und gsund blibid und wänner stärbid in Himmel kond.". Manche Kinder stellten sich mit dieser Grussformel auch in Gruppen zu 5 bis 10 Personen in Hauseingängen oder auf Treppen auf. Der / die Beglückte verteilte darauf jedem eine Münze (wobei befreundete / verwandte Kinder weisse und die übrigen Kinder Kupfermünzen erhielten).
  • Bläandastööba / Bleandstöba
    Alle zwei bis drei Jahre und je nach Bedürfnis noch öfter, ertönte um die stille neunte Abendstunde vom Berglein herunter eine schauerliche Musik mit Hörner- und Trompetenschall, mit Trommel- und Peitschenknall, mit Pfeifen, Herdengeläut, Kesselklirren und Geheul aus 15 bis 20 Burschenkehlen. Das Blindenstäuben ist ein Erbstück aus der Urahnenzeit und stellt eine Art 'Volksjustiz' dar. Das Fehmgericht (bestehend aus ledigen Burschen) wurde in Bewegung gesetzt, wenn bekannt wurde, dass ein Mann zu Unrecht [!] seine Frau geschlagen hatte. In drei Zwischenpausen ruft auf das Zeichen eines Pistolenschusses eine Stentorstimme:

    Wär Blenda Fleisch wöll kofa
    moass zum ... in ... lofa;
    's Pfund um ane Foaz,
    wär nöd louft, kund zkoaz.


    In den 1940er-Jahren ist es zu immer mehr Reklamationen gekommen, bis im Jahre 1950 der Brauch zum letzten Mal durchgeführt wurde. Damals hat der Gemeinderat den jungen Burschen eine Kiste Bier versprochen, sofern sie aufs Bleandastöba verzichten. Die Befürworter des Brauches jedoch boten zwei Kisten. Nach dem Genuss dreier Kisten Bier wurde der Anlass zum letzten Mal durchgeführt.

    Bläandastööba

    Der Brunnen gegenüber dem Rathaus (Aufnahme aus dem Jahre 2021) schwärmt von diesem alten Brauch.
  • Bruutwägala
    Einige Tage vor der Hochzeit führten die Brautleute die neue Aussteuer heim. Dazu heuerten sie eine Fuhrmann an, welcher die bestellte (und von der Braut bezahlte) Aussteuer beim Händler abholte. Auf dem Sofa, das vorn auf dem Brückenwagen postiert war, sassen dabei die Brautleute und der Fuhrmann. Dahinter türmten sich die übrigen Möbel.
  • Fasnacht
    Das Fasnachtsgeschehen ist im Rheintal auf die sechs Tage vor Aschermittwoch festgelegt. Der Termin der Fasnacht bezieht sich auf die Fastenzeit (und damit auf den kirchlichen Kalender). Aber während die Fastenzeit auf ein jenseitiges Leben hin orientiert ist, stehen in der Fasnacht das Vergnügen, das Essen und Trinken im Mittelpunkt.
  • Eierlesefest
    Das Sinnbild des Eierlesefests ist das Erwachen der Natur (Winterende). "Grüne" und "Dürre" als Dämonen in vielartigen Kostümen gekleidet, kämpfen gegeneinander. Mit Schellen- und Treichellärm wird auf diese spezielle Art die dunkle Jahreszeit vertrieben. Zum Bewegungsspiel treten weiss gekleidete und farbig verzierte Eierwerfer und Eierfänger an. Nach einem Unterbruch von 62 Jahren wurde das Fest 1971 "wiederbelebt".

    Eierlesefest

    V.l.n.r.: Föhramaa, Strohmaa, Törggazäpfler, Schneggahüüsler. Quelle: "Unser Rheintal (1976) p. 124".
  • Karfreitag
    Der Karfreitag war ein besonderer Tag. Vor Sonnenaufgang sollten Finger- und Zehennägel geschnitten werden, um das Jahr hindurch von Zahnweh befreit zu sein. Mittags zwischen 11 und 12 Uhr wurde neuer Essig angefertigt, indem man ein Stück der alten, sauren Essigmutter in eine leere Strohflsche legte, diese mit Most auffüllte und auf den Ofen stellte. Nachmittags erhielt das Vieh ein wenig vom jungen Gras in den drei hächsten Namen (Dreifaltigkeit), um es vor der "Völli" zu bewahren. Der tAg galt vornehmlich den Arbeiten im Haus ("Frühjahrsputzeta"), Stall und "Bommat" (Hofstatt). Eine Stunde am Nachmittag galt der Familiengeschlechter-Anbetungsstunde, und abends versammelte sich die Pfarrgemeinde zur Fasten- und Stationenandacht vor dem heiligen Grab, das im Chor der halbverdunkelten Kirche stand. Wie auch anderswo machten Hexengeschichten die Rude durch das Dorf.
  • Pfingschtamanna
    Pfingstmaa und Pfingstwiib ist ein Brauch, der unverheiratete Burschen und Töchter verspottet. Nachtbuben hängen dabei Strohpuppen an die Lichtmasten vor dem Haus einer ledigen Person. (Alternativ wurde mit frischem Kalk etwas an einen Baumstamm oder ans Tennstor geschmiert.) Bis dann im Laufe des Vormittags die Prozession vohn Marbach herkommend im Dor eintraf, waren die meisten Spuren weggewischt und die Mädchen stellten sich gegenseitug die Frage: "Häscht o an Pfingstamaa ka?".
  • gi Krüza
  • s' Schelfera / Hültscha / da Hülschet
    Das Türggenbrot ist ein kompaktes Brot aus Mais- und Halbweissmehl (teilweise mit Sultaninen beigemischt). Praktisch jede Rheintaler Familie pflanzte auf ihren Feldern oder im hauseigenen Garten Türggen an. Im Spätherbst, wenn die Maiskolben ihre volle Reife erlangten, wurde geerntet und die ganze Familie machte sich daran, die Kolben von den Blättern zu befreien. Dieses Schelfera, Usschella, Uszüha oder Hültscha, wie der Vorgang je nach Dialekt und Region genannt wird, zählte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zu den wichtigsten Ereignissen im Jahreslauf. Artikel im 'Unser Rheintal 1981' p. 156.
  • i Krischtalear goa
  • Weihnachten
    Am Weihnachtsmorgen standen bescheidene Krippenfiguren und Kerzen, vielleicht noch praktische geschenke auf dem Stubentisch. Das eigentliche Fest wurde gemeinsam in der Kirche und Schule gefeiert, wobei die altvertrauten Lieder ertönten. Bei der Christbaumfeier in der Schule (etwa eine Woche nach Weihnachten), an der Pfarrer, Schulrat und Eltern der Kinder teilnahmen, wurden nach ausgiebigem Gesang und Deklamation die geschmückten Christbäume versteigert und den Kindern Stumpen und Brot verabreicht. Der Erlös ging an den Schulpfleger.
  • Sylvester
    Am Sylvesterabend führten die drei Dorfbäcker die üblichen Zopfganten in ihrer Wirtschaft durch. Mit Erganten und Verlosen der Jasskarten wurde der Zopfberg an den Mann gebracht, und am Neujahrsmorgen gab es das einzige mal im Jahr Eierzopf (statt Ribel) zum Essen. Fehlte der Zopf auf dem Tisch, war wohl Vaters Barschaft verspielt (wohl ein Grund weshalb diese Ganten später verboten wurden).

Ferner:

  • Brotfonds
    Die wohlhabenderen Oberrieter äuffneten beim Pfarramt einen 'Brotfonds', aus dessen Zinsen der Pfarrer zur Adventszeit Brot an die ärmsten Kinder verteilen konnte. Eine Bedingung war: sie mussten morgens um 6 Uhr das Rorateamt besuchen und - sodern das Täfelchen "Brot" beim Pfarrstuhl angelehnt war - nach dem Gottesdienst bleiben und fünf Vaterunser für die Seelenruhe der Stifter beten (in ungeheizter Kirche). Nach Gebetsschluss ging es in Einerkolonne durch den Kirchturm, wo der Pfarrer jedem ein währschaftes Stück Brot reichte. Später wurden die Beter vom Pfarrer registriert, und vor Weihnachten konnte er die entsprechenden Brotgutscheine an die Teilnehmer verteilen.
  • Kirchenläuten zum Weihnachtsgottesdienst
    Die Glocken läuteten zuerst eine Stunde vor Gottestdienstbeginn ("Erschti") und danach nochmals eine halbe Stunde vor Gottestdienstbeginn ("Anderi"), so dass man sich rechtzeitig rüsten und auf den Kirchgang begeben konnte.

Es existiert eine Liste mit speziellen Dialektwörtern (Herbert Markovits) aus Montlingen und Umgebung.

Humor:

Rüthi und Oberriet deckten sich früher gegenseitig mit Tratz-Verschen ein. So gangen die von Rüthi:

Meiteli, wenn d' hürote wit,
hürot i's Oberriet.
Chunst an rechte Kropfli über,
denn muess er nit in Chrieg.

Worauf die Oberrieter antworteten:

Meiteli, wenn d' hürote wit,
hürot nid uf Rüthi.
Muest Tag und Nacht im Chummer sto,
es hungre di und 's frür di.

Orte in Montlingen

alte Post

Das war vermutlich einmal die alte Post. Heute gibt es nur noch eine Postagentur an der Dorfstrasse 6 (gleich nebenan).

Siehe Karte.

alte Post Montlingen

Coelestinehus

Bauernhaus (Strickbau) aus dem 16. Jahrhundert. Das Fehlen hoher Grundmauern lässt erkennen, dass zur Bauzeit nur geringe Überschwemmungsgefahr bestand. Enthält eine Sammlung alter Gebrauchsgegenstände.

Coelestinehaus

Quelle: Rheintal-Werdenberg, Kulturführer 1989.

Genauer Standort nicht bekannt.

Herz-Jesu-Kapelle

Die Herz-Jesu-Kapelle steht am Kirchweg beim Schäfli / Schäfle (auf den Grundstück des vormaligen Schusters Christian Mattle). Bis zur Einweihung der St. Josefskirche in Eichenwies im Jahre 1952 kamen jene Gläubigen zu den Sonntagsgottesdiensten in die Pfarrkirche nach Montlingen, meist zu Fuss oder per Fahrrad. Beim "Herz-Jesu-Kappeli" hatten sie ungefähr die halbe Wegstrecke zurückgelegt. Der Name Kirchweg erinnert noch heute an diese Zeit.

Montlingen Herz-Jesu-Kapelle

Pfarrer Oberholzer schreibt in seiner Chronik von 1910: "Hier stand schon seit vielen Jahren ein 'Bildstock', der sein Dasein einem Gelübte zu verdanken hat. Im offenen Bildstock befand sich ein grösserer Kruzifixus mit zwei alten Statuen aus der Pfarrkirche, ohne grosse Ästhetik und mit bescheidenem Wert. Davor war eine Kniebank und brannte des Nachts ein Lichtlein. ... Weil der Bildstock gar so arm und niedrig war und zu nahe an der viel befahrenen Strasse stand, beschloss man, ihn niederzureissen und in unmittelbarer Nähe dem göttlichen Herzen Jesu ein kleines Heiligtum zu bauen." Das Werk war 1908 vollendet. In München kaufte man eine Herz-Jesu-Statue. Dazu besorgte man zwei kleinere Seitenstatuen (Muttergottes von Lourdes und St. Josef). Die Nischchen, in denen sich diese Statuen befinden, sind renovierte Teilstücke der früheren Seitenaltäre der Pfarrkirche.

Die Kapelle wurde 1971 renoviert. Dabei verschwanden die Malereien. Man entfernte auch die drei früher aufgestellen Gipsfiguren. An ihre Stelle kam eine aus Holz geschnitzte Herz-Jesu-Statue.

Hirschen

Nach Johann Anton Benz wirtete Jakob Büchel auf dem Hirschen (zumindest) zwischen 1851 und 1854. Bis 1963 führte Julia Binotto-Stieger den Hirschen mit Umsicht. Zur Zeit wirtet Markus Schegg auf dem Hirschen.

Siehe Karte.

Montlingen Hirschen

Kaplanei

Am 23. Juni 1448 wurde eine Frühmesse gestiftet, was die Anstellung eines Kaplans erforderte, veranlasst durch Konrad Schmid an Rain und Hans Wiler, ab dem Oberriet, Kirchenmeier. Unter den ersten Kaplänen figurierte 1497-1503 Rudolf Schmid von Montlingen (Amsolbent der Universität in Erfurt).

Ein Jurisdiktionsstreit erregte 1756-1764 die Gemüter. Es ging dabei um die Frage, wer das Recht habe, den Kaplan zu wählen (der Bischof von Konstanz oder der Abt von St. Gallen). Die Hofleute von Oberriet drohten sogar, lieber die Kaplanei aufzuheben, als von St. Gallen eine Approbation anzunehmen. Der Streit endete damit, dass Montlingen den Kaplan selbst wählen durfte, dem Fürstabt das Approbationsrecht (Bestätigungsrecht) eingeräumt wurde und sich der Kaplan in St.Gallen vorstellen musste.

1809 wurde die Kaplanei (nach der Abtrennung von Oberriet) aufgehoben. Am 5. September 1900 verkauft Kreuzwirt Kobler das Kaplaneigebäude für 6500 Fr. an Pfarrer Oberholzer. Am 2. Dezember 1900 beschlossen die Kirchgenossen das Gebäude wieder zu erwerben. Am 2. März 1902 wird die alte Kaplanei zum Abbruch verkauft. Pfarramt und Verwaltung erhalten eine Vollmacht für den Bau einer neuen Kaplanei. Pfarrer Oberholzer macht seine Amerikareise zu seinem Oheim in Rochester. Im Frühjahr 1904 war der Bau der neuen Kaplanei beendet. Dank dem Vermächtnis von Marie Lüchinger 'Kaufmanns' konnte 1906 ein zweiter Geistlicher (vorerst als Vikar) angestellt werden (Joseph Alphons Zoller von Tablat). 1908 wird das Vikariat zur Kaplaneipfründe erhoben (nach 100jährigem Unterbruch!). Umfassende Renovationen 1964 und 1982.

Montlingen Kaplanei 1982 Montlingen Kaplanei 2013 Montlingen Kaplanei 2014

Das erste Bild stammt aus 'Unser Rheintal 1983' (p. 87), das zweite von Google Maps (August 2013) und das Dritte aus dem Tagblatt vom 14. Januar 2014 (Artikel von Max Tinner).

Bereits am 2. Juli 1982 hatte die Kirchbürgerschaft im Zusammenhang mit der damaligen Pfarrwahl, dem Antrag des Kirchenverwaltungsrates zugestimmt, dass die bisherige Kaplaneiliegenschaft einer grösseren Renovation unterzogen werden soll (um danach als Pfarrhaus zu dienen). Ende November 2013 hatte die Katholische Kirchgemeinde Montlingen-Eichenwies die Baubewilligung für ihr neues Pfarreiheim bekommen. Im Januar 2014 wurde mit dem Abbruch der Kaplanei begonnen, an deren Stelle der Neubau geplant war.

Kreuz

Montlinger Gasthaus. Anton Benz und später sein Sohn Johannes Benz (1834) waren hier Kreuzwirt. Die Postkarte unten ist 1931 gelaufen. Das Restaurant wurde 1965 / 1966 gründlich renoviert. Seither erstrahlt der obere Teil im bodenständigen Riegelbau. Sandra Oberholzer übernahm das Restaurant im Jahre 2014: aus einer gutbürgerlichen wurde eine frische, regionale Küche. Siehe Karte.

Montlingen Kreuz (1898) Montlingen Kreuz (1931) Montlingen Kreuz Montlingen Kreuz

Das erste Bild (Litho) stammt aus dem Jahr 1898, das zweite aus dem jahr 1931.

Krone

Vermutlich war Joseph Loher Kronenwirt. Die Krone scheint zur Zeit kein wirklich aktives Restaurant mehr zu sein.

Siehe Karte.

Montlingen Krone

Montlinger Schwamm

Ein Brand auf der Alp Schwamm zerstört 1877 die Gebäude. Sie werden wieder aufgerichtet. 1880 beschliesst man die Vergrösserung der Sennhütte (Kosten 450 Franken). 1966/67 (erstes Bild) wird die Alphütte Schwamm zu einer Sommerwirtschaft mit Parkplatz ausgebaut. 1967 übernahmen Edwin und Marie Wüst die Führung des Bergrestaurants. Die legendäre «Schwamm-Marie» (Marie Wüst-Kluser) wirtete dort danach 34 Jahre lang.

Montlinger Schwamm (1967) Montlinger Schwamm (1972) Edwin und Marie Kluser Wüst (Schwamm-Marie) Montlinger Schwamm (2016)

Eigentümerin des Bergrestaurants 'Montlinger Schwamm' ist die Ortsgemeinde Montlingen. Das Restaurant liegt idyllisch auf etwas über 1100 m gelegen (Montlinger Schwamm). 2001 wurde das Restaurant dann ausgebaut. Ab April 2014 boten hier Hanspeter ("Hampe") Schmid und seine Crew (Urs und Maggie) frische lokale Produkte an. Ihm folgte im Mai 2016 Pamela Greber. Sieben Monate später kam erneut das Aus. Im April 2017 folgte Sandra Oberholzer (Wirtin des Restaurants Kreuz). 2020 zeichneten die Geschwister Oberholzer (Sandra und Regula) verantwortlich. Das Kreuz in Montlingen wurde dabei als "Zweitbetrieb" erwähnt.

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer / Baptist

Bereits um 1200 entstand ein grösser Kirchenbau, vermutlich in romanischem Stil. In gotischer Bauart entstand zwischen 1504 und 1506 bereits das dritte Gotteshaus, von dem der Chor mit seinem eleganten Netzgewölbe heute noch erhalten ist. 1673/74 erfolgten weitere bauliche Veränderungen, wobei das neue Langschiff die heute noch bestehende Form erhielt, während der gotische Chor mit dem prächtigen Wandtabernakel in seiner ursprünglichen Gestalt bestehen blieb. Gemäss Dekan Oberholzer wies das neue Gotteshaus fünf Altäre aus und besass eine Länge von 76 und eine Breite von 42 Fuss. Seit 1934 ertönt vom Turm ein neues fünfstimmiges Geläute (A° cis' e' fis' a'). Das Geläute hat ein Gewicht von 7874 kg. Der Turm mit den vier Wimpergen trägt einen schlanken Pyramidenhelm. Dieser wurde in den Jahren 1812, 1869 und 1931 mit Lärchenschindeln neu eingedeckt und bemalt. Der Chor, ursprünglich ebenfalls mit Schindeln eingedeckt, erhielt erst im Jahre 1908 ein Ziegeldach. Auch der Aussenverputz musste immer wieder erneuert werden. Auf Vorschlag des kantonalen Denkmalpflegers liess man allerdings 1958/59 den romanischen Turmunterbau unverputzt. In den Jahren 1997/98 erfolgte die letzte grosse Innen- und Aussenrenovation.

Siehe Karte.

Katholische Kirche Montlingen Katholische Kirche Montlingen Katholische Kirche Montlingen Katholische Kirche Montlingen

Eine Glockensage 'Der grosse Hund', welche auf die Zeit der Hexenverfolgungen zurückgeht und vermutlich der Kirche Montlingen zuzuschreiben ist wurde in 'Unser Rheintal' 1948 abgedruckt: « In alten Dokumenten steht geschrieben, wie einstens eine Hexe vor Gericht stand und vieler Frevel angeklagt war. Da habe sie das Bekenntnis abgelegt, sie hätte am Fähnern ein schreckliches Hagelwetter gemacht und damit das Tal überziehen wollen, da aber habe in Oberriet der grosse Hund zu bellen begonnen, damit sei ihr Vorhaben vereitelt worden. ». Mit 'Der grosse Hund' war die grosse Kirchenglocke gemeint. Nach dem Aberglauben nannten die Hexen nie geweihte Gegenstände mit ihrem eigenen Namen, sondern hatten dafür immer eine Umschreibung gegeben, weil sie nichts Geweihtes aussprechen konnten.

Schäfli

Zur Zeit ist Bernadette Lüchinger-Langenegger die Restaurantführerin am Kirchweg 1.

Katholische Kirche Montlingen

Das Restaurant hat keinen eigenen Internet-Auftritt.

Schwarzengraben

Graben mit schwarzem Moorwasser. Der Schwarze Graben und die nahe Moosmaad erinnern noch an das einstige Flachmoor. Der Schwarze Graben musste 1891 bei der Rheinmelioration gesondert saniert werden (aufgrund der Rheinkorrektur hatte sich das Grundwasser gesenkt und der Graben musste vertieft werden), was die Gründung einer Sonderkommission 'Schwarzengraben' notwendig machte: Präsident J.A. Lüchinger aus Kriessern und Schreiber Kolb.

Schwarzer Graben / Schwarzengraben Montlingen

Das etwas nördlich gelegene "Isenriet" hatte seinen Namen aufgrund seines roten Grundwassers (infolge Ausscheidung von Rost und roten Pflanzenbeständen wie z.B. Pfeifen- und Sauergräser).

St. Anna auf dem Berglein

Eine alte Sage meldet, die Montlinger hätten seinerzeit auf dem Berglein ihre Pfarrkirche bauen wollen, aber der beschwerliche Aufstieg habe sie schliesslich davon abgehalten. Eine an der Kapelle angebrachte Inschrift besagt: "Das Alter dieser Kapelle lässt sich nicht bestimmen." Sicher ist, dass schon vor dem 13. Jahrhundert hier ein der Mutter Anna geweihtes Heiligtum stand. (Eine ehemalige Inschrift nannte als älteste Jahreszahl 1229.) Als älteste Jahrzahl findet man auf einem der zwei Glöckchen der Kapelle die Jahrzahl 1489. Erste Erwähnung findet die Kapelle im Mai 1531: In einem Bericht über den Bildersturm ist zu lesen, dass in der Reformationszeit auch ein St. Anna-Bildnis in der Kapelle auf dem Berg beschädigt worden sei.

"Heilige Anna, bewahre das Dorf und die Gemeinde vor Wassernot".

Früher, so die Überlieferung, wallfahrten insgeheim öfters Frauen im heiratsfähigen Alter zur Kapelle auf dem Bergli. Die Besucherinnen aus nah und fern brachten dort folgendes Anliegen vor: "Heilagi Moattar Anna, geab allna Moatla Manna, mear zeascht, i plangara da meascht!"

St. Anna auf dem Berglein St. Anna auf dem Berglein (Postkarte) St. Anna auf dem Berglein (Quelle: Wikipedia)

Das zweite Bild wurde von H. Gross in St. Gallen-O am 3. Oktober 1939 gemacht. Es ist in 'Unser Rheintal' 1944 auf Seite 43 abgebildet.

Anlässlich von Renovationsarbeiten in den Jahren 1661, 1721, 1891 und 1928 erfuhr die Kapelle jeweils verschiedene Änderungen. Der Zahn der Zeit hatte Ende des 19. Jh. die Kapelle mit ihrer Umgebung in einen argen Gegensatz gebracht (Chronik von Pfr. Oberholzer, 1910). Das Vorzeichen war dem Einsturz nahe, der Boden mit Gras bewachsen, durch Tür und Fenster flog der Wind und drang der Regen. Sie wurde deshalb anno 1891 im alten Stile einer gänzlichen Restauration unterzogen.

Die letzte Renovation wurde im Jahr 1968/69 unter Beizug des Eidgenössischen Denkmalpflegers Dr. Knöpfli durchgeführt. Im Jahr 1999 ersetzte man die Bedachung.

Zollamt

Das alte Zollamt ist der Holzbau (Strickbau) in der Mitte des ersten Bildes (um 1927). Beim Bau der damals noch einspurigen Autostrasse musste es in den Sechzigerjahren weichen. Die Oberrieter Baufirma Kühnis erwarb das Haus und entschied sich für eine Weiterverwendung an neuer Stelle. Heute steht das Haus - saniert und in drei Wohnungen aufgeteilt - an der Zapfenbachstrasse 11 in Montlingen (zweites Bild von Google Streetmap, Juni 2018). Auf der rechten Seite des ersten Bildes sieht man das heutige Zollhaus in der ursprünglichen Architektur (Jugendstil).

Zollamt Montlingen um 1927 Das alte Zollamt an der Zapfenbachstrasse 11 in Montlingen

Quelle: Artikel 'Zollamt 1927' von Herbert Markovits (2014).

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 4. September 2021)