Römerzeit

Im Altertum gehörte das St. Galler Rheintal zur Provinz Raetia (ursprünglich Raetia et Vindelicia). Es wurde im Zuge der Alpenfeldzüge unter Kaiser Augustus um 15 v. Chr. von Drusus und Tiberius (Stiefsöhne des Augustus) erobert.

Um 14 v. Chr. setzen sich also die Römer im Rheintal fest. Ortsnamen wie 'Monticulus' zeugen von dieser Zeit. Auf der linken Talseite entstand in der Folge ein Fussweg in beträchtlichem Abstand zum Rhein¹. Später, etwa ab dem 4. Jh., eroberten die Alemannen das Land (welche später von den Franken besiegt wurden).

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¹ Ein Weg am Saxer Berg (Gamadür), südöstlich unterhalb der Saxer Underalp, im oberen Teil des Underschrofens wird Römerweg genannt (siehe Kartenausschnitt).

Römerstrassen

Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde von den Römern die Militärstrasse Mailand-Bregenz angelegt.

Die Peutingersche Tafel ist eine kartografische Darstellung, die das römische Strassennetz (viae publicae) im spätrömischen Reich von den Britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis nach Indien und Zentralasien zeigt. Die Strassenkarte (aufbewahrt in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien) ist nach Konrad Peutinger (1465–1547) benannt und zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Tabula Peutingeriana

Ausschnitt zwischen Segment 3 und 4 (ein Klick führt zur vollständigen Karte).

Die Orte Curia, Magia², Clunia, Brigantio [Brigantium] zeigen die Strecke Chur, ?, Feldkirch / Altenstadt, Brezenz durch vorarlbergisches Gebiet. Die "untere Strasse" nach Arbor Felix (Arbon) wurde unterschiedlich, auch als Strasse durch das linksseitiges Rheintal, interpretiert.

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² Wikipedia: Magia ist der Name einer römerzeitlichen Siedlung (vicus) oder Strassenstation in der Provinz Raetia, die ausschliesslich auf der Tabula Peutingeriana (Segment III/1) erwähnt wird. Ihre Lokalisierung ist umstritten, als mögliche Standorte wurden Balzers, der Burghügel Gutenberg, Mäls und Schaan in Liechtenstein sowie Maienfeld und die St. Luzisteig im Schweizer Kanton Graubünden diskutiert.

Clunia wurde in Altenstadt lokalisiert. Eine archäologische Grabung in Altenstadt (Verlängerung des Feldkreuzweges) wurde durchgeführt. Der überwiegende Teil der römischen Siedlung wurde unter Denkmalschutz gestellt und soll so für zukünftige Forschergenerationen erhalten bleiben. Es wurde dabei auch ein Teil der bis zu zehn Meter (!) breiten legendären Verbindungsstrasse von Mailand über Chur nach Bregenz freigelegt.

Die Militärstrasse Mailand-Bregenz führte auch durch das Gebiet des heutigen Schaan. Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. entstand an dieser Strasse ein kleines Kastell zum Schutz des Rheintals gegen Einfälle der Alemannen. Bis heute haben sich die Fundamente der nördlichen Mauer und des Torturmes erhalten. Der römische Name des Kastells wird in antiken Schriftquellen indes nicht erwähnt.

Das Itinerarium Antonini (eigentlich 'Itinerarium provinciarum Antonini Augusti') ist ein Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstrassen, das auch Ortsnamen römischer Siedlungen angibt. Seine Grundform entstand wahrscheinlich am Beginn des 3. Jahrhunderts, die handschriftlich überlieferte Fassung gegen Ende des Jahrhunderts unter Diokletian. Es existiert als Abschrift Text des Itinerarium Antonini nach einer Ausgabe von 1848.

Zudem, bewahrt die Zentralbibliothek in Zürich zwei Karten (auf einem Blatt) im Gebiet der Schweiz nach Tabula Peutingeriana und Itinerarium Antonini auf:

Karten mit römischen Strassen

Römische Strassen im Gebiet der Schweiz nach Tabula Peutingeriana und Itinerarium Antonini, unbekannter Erscheinungsort, unbekannter Verleger, 19. Jh.

Die Karte rechts zeigt die einigermassen gesicherten Wege auf (rechtsrheinische Strasse durch das Vorarlberg), währenddem die linke Karte auch die Strasse durch das obere St. Gallische Rheintal zeigt. Es ist anzunehmen, dass ein Rheinübergang bei Oberriet / Montlingen und eine Strasse nach Montlingen bestand; eine militärisch relevante Strasse durch den Hirschensprung oder durch sas Riet-Gebiet ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Es scheint eine Strasse in gerader Linie von Montlingen über Eggersriet (Spitze) und Untereggen (Iltenriet) gegeben zu haben. Typische Steinplatten und Überreste von Verteidigungsanlagen sprechen dafür, dass die Römer diesen schon in vorgeschichtlicher Zeit benützen Weg zu einer Strasse ausbauten. Für Archäologen fehlt aber ein klarer Beweis (wie zum Beispiel ein Münzenfund), dass sie die Bauherren waren.

Mit 'intiner-e' steht seit einiger Zeit ein Online-Tool zur Verfügung, welches alle bisher bekannten Strassen des Römischen Reichs als interaktive Karte zeigt. Die Karte zeigt nur die gesicherten Strassen. Die Strasse am linken Rheinufer und die Strasse über Eggersriet fehlt (noch).

Römerstrassen (itiner-e)

Ausschnitt aus 'intiner-e', welcher das Rheintal zeigt.

Burg Blatten: Gemäss Paul Peter Immler¹ ist anzunehmen, dass - zur Bewachung der alten Römerstrasse (selbst wenn sich diese auf der rechten Rheinseite befand) - an der Stelle der Burg wohl bereits eine Specula (ein römischer Wachtturm) stand.

¹ Römische Strassenzüge im Kanton St.Gallen in 'Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte 4, 1865.

Funde

Abri Unterkobel

Der Abri Unterkobel (ein Felsvorsprung, unter dem sich die Siedlungsspuren befinden) wurde im Frühling 2011 vom einheimischen Architekten und Hobby-Archäologen Spallo Kolb entdeckt. Die Abfolge der Schichten ist rund 4.5 m mächtig und reicht von der Römerzeit bis ins Mesolithikum. Von den Archäologen wurden in den Jahren 2011 und 2012 auf der Grabungsstelle über 20'000 Fundstücke freigelegt.

Unter diesen Fundsachen befindet sich auch eine römische Münze des Kaisers Aurelian (270–275 n. Chr.).

Ferner stammt aus einer stark durchmischten Schicht im obersten Bereich unter anderem die Randscherbe eines römischen Krugs aus helltoniger Gebrauchskeramik und eine stark abgerollte Becherwandscherbe (welche wahrscheinlich ehemals mit Glanzton überzogen war). Typologisch kann letztere dem 2. oder 3. Jh. n. Chr. zugeschrieben werden.

Münzen in der Widenmaad

Engelbert Rohner fand etwa 1200 römische Kupfermünzen (um 271 n. Chr.) auf der Widenmaad unweit des Dorfes.

Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts war die Bevölkerung wegen der Alemanneneinfälle immer wieder gezwungen, sich in teilweise befestigte Höhensiedlungen zurückzuziehen (Walenstadt - Berschis-St. Georg, Wartau - Ochsenberg). Möglicherweise wurden wegen dieser Bedrohung die Münzschätze von Oberriet, Balgach und Vättis vergraben.

Bei nochmaligen Grabungen 2005/2006 am ehemaligen Fundort in Oberriet hatte man erkannt, dass der Topf mit den Münzen in einem römischen Siedlungsareal deponiert worden war. Da die Landbesitzer und Pächter das Wiesland in Zukunft wieder pflügen wollen, wurden Ausdehnung und Erhaltung der Fundstelle abgeklärt. Die römischen Oberflächenfunde streuen in einem Areal von ca. 10000 m². Zur Planung von Schutzmassnahmen bzw. Rettungsgrabungen wurden zahlreiche Sondierschnitte angelegt. Die Fundstelle erwies sich jedoch als fast vollständig aufgepflügt. Nur entlang einer Strasse, wo der Pflug stets wenden musste, sind spärliche Kulturschichtreste fleckenhaft erhalten geblieben. Proben von verkohltem Material für C14-Datierung weisen auf das 2. bis 3. Jh. n.Chr.

Feeri

In der Feeri stand eine römische Villa.

Montlingerberg

Der letzten Bauphase auf dem Montlingerberg kann in der Plateaumitte ein Hausgrundriss mit Funden aus dem 1. Jh. n. Chr. zugewiesen werden. Der Name des Dorfes 'Montlingen' stammt denn auch vom lateinischen Wort «monticulus» (= kleiner Berg) ab. Im 1. Jh. n. Chr. wurde der Platz jedoch verlassen. In der Nähe lebten aber weiterhin Menschen.

Am Montlingerberg gibt es einen Römerweg.

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 29. Dezember 2025)