Mühlen und Sägen in Oberriet

Ältere Erwähnungen

Stieg

Im Jahre 1402 teilen die beiden Vettern Jos und Rudolf und die Mayger (Meier) von Altstätten mit ihren Knechten Wälti und Rüdi den Koblern (Gebrüder, Bürger zu Feldkirch) die vier Hofstätten, Mühlen, Bleuel, Mühl- und Bleuelstätten, die sie bisher gemeinsam besessen hatten, und allesamt zwischen den 'Stigen' und dem 'Kobelstein' im Rehag) an dem durch Freienbach fliessenden Bache gelegen sind [JH1878, p. 16].

Die Annahme ist, dass sich diese Mühlen alle zwischen Stieg und Rehag lagen (da sie alle am Bach waren). Die Flurbezeichnung 'Kobelstein' scheint zumindest seit etwa 1400 für ein Gebiet näher beim Hischensprung reserviert zu sein.

Mühlen und Sägen im Freienbach / Hard / Moos

Basis ist die Karte von search.ch (Januar 2026).

Der Begriff 'Bleuelstätte' dürfte sich auf einen Ort beziehen, an welchem die Tätigkeit des Bleuelns ausgeübt wurde. Ein Bleuel (Schlägel) ist ein Werkzeug, das historisch zum Schlagen oder Klopfen verwendet wurde, beispielsweise beim Wäschewaschen (Bleuelbrett), in der Textil- / Flachsverarbeitung oder bei einer Hammerschmiede / Säge / Knochenmühle.

Die genaue Lokalisierung des Kobelsteins ist nicht klar. Zum einen schien in älteren Zeiten die Ortsangabe für weiträumige Wegbeschreibungen zu dienen (und stand dabei für den Hirtzensprung / Hirschensprung, dessen Name jedoch erst ab dem 17. Jh verbürgt ist). Zum anderen weist der Name eher auf eine Anhöhe hin. Da offenbar Wasser von den oberen Stätten zu den unteren geleitet wurde, kommt die lange Distanz zwischen Stieg und Rehag nicht in Frage (und der Hirschensprung schon gar nicht, weil der Freienbach ab Rehag in Richtung Norden fliesst).

Bei der Bezeichnung 'Mühlbach' ist es nicht klar, ob dies ein weiterer Bach war, oder aber der zuvor erwähnte 'Bach der durch Freienbach' fliesst. Da in der Umgebung keine weiteren Bäche mit damit verbundenen Mühlen bekannt sind, ist hier die Annahme, dass es sich um den 'Freienbacher Bach' handelt.

Neuere Erwähnungen (ab Ende des 19. Jh.)

Der Plan unten ist nach bestem Wissen zusammengestellt. Er zeigt die Situation Ende des 19. Jahrunderts. Gestrichelte Umkreisungen zeigen einen mutmasslichen / etwaigen Standort. Zusätzliche Information zu den Mühlen kann in [SZ1999] und in den Tondokumenten von Peter Zünd gefunden werden (StASG W/288), insbesondere StASG W 288/13 'Mühlen in Oberriet Rehag-Moos - Ruedi Loher, Anni Halter' und StASG W 288/14 'Mühlen in Freienbach-Stieg - Ernst Stieger, Felix Kühnis'.

Mühlen und Sägen im Freienbach / Hard / Moos

Quellen: Karte von search.ch (August 2024) und Overlay für Rehag vom Wasserrechts-Kataster StASG KPH 2/15.2.099.

Der Freienbacher Bach hatte, vom Strüssler herkommend, eine relativ kurze "Einzugsstrecke". Dies führte dazu, dass der Bach manchmal zuwenig Wasser führte. Daher beschloss man in den 1920er-Jahren in der Wogalp den Kobelwieserbach abzufangen (das Wasser wurde "quer zum Hang" in den Freienbacher Bach übergeleitet)¹. Im Kobelwies bestand aber zu dieser Zeit auch noch die Sägerei Haltiner, und diese brauchte das Wasser ebenfalls. Daher wurde anfänglich nicht alles Wasser abgeleitet, bis dann Johann Haltiner in den 1930ern von Wasserkraft auf Strom umstellte. Bei Hochwasser muss jedoch der Kobelwieserbach "als Überlauf" noch immer herhalten.

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¹ Felix Kühnis vermutete, dass diese Ableitung bereits früher in einer Form vorhanden war.

Säge im Freienbach

Ursprünglich waren acht Freienbacher an der Säge beteiligt und hatten Rechte an der Mühle ("Fläckegnosseschaft"). Die Säge (Assekuranznummer xxxx) hatte nur Durchlaufwasser.

Gottlieb Kühnis übernahm die Säge im Jahre 1891. Nach einen grossen Streit, welcher vor Gericht endete schmiss Gottlieb die Säge hin. Gottlieb Stieger übernahm dann die Säge nach einigen Jahren von der Genossenschaft. Gottlieb gab dann die Säge dem Schwiegersohn Karl Zäch. 1975 kaufte Felix Kühnis die Säge wieder zurück. Die Säge wurde später von Felix renoviert und kann nun in Freienbach 29 besichtigt werden.

Für Details siehe auch Säge im Freienbach.

Stiegmühle

Die Mühle hatte nur Durchlaufwasser. Ernst Stieger übernahm die Mühle früh von seinem Vater, da dieser eine Staublunge hatte und nicht belastbar war. Mit der Mutter erschloss er dann neue Kundschaft in Montlingen.

Die Mühle wurde in den 1970er-Jahren abgebrochen. Eine Zeit lang stand noch der Mahlstuhl dort, die Mühlesteine blieben länger liegen (ein Paar steht im Moseum Rothus). Es hatte auch einen Walzenstuhl: sie hatten nur zwei Mahlgänge und einen Relligang (um Korn oder Gerste zu rillen); um zu mordernisieren wurden zwei Doppelwalzenstühle eingebaut.

Unterhalb der Stiegmühle wurde ein künstlicher Weiher (Mühleweiher) angelegt, so dass die darunter liegenden Mühlen und Sägen auch bei Wasserknappheit betrieben werden konnten.

Halter'sche Mühle

Die Mühle (ehemalige Assekuranznummer 1496) gehörte ursprünglich den Erben von Johann Egeter, danach übernahm Jakob Halter (er war beim Brand 1890 von der Altstätter Feuerwehr aus auf dem Dach des Hauses und hat dort "Lösig vetruckt" [?]). Da er aus einer Müller-Familie stammte (Weisse Mühle von Altstätten) übernahm er dieses Haus. Im Jahr 1897 brannte die Halter'sche Mühle nieder (man sprach von Brandstiftung). Jakob Halter verkaufte dann anfangs 50er-Jahre die Mühle an einen "fremden" Müller (Baumann).

Dieser erzählte im Hecht, dass sogar der Bund bei ihm mahlen liesse (was jedoch nicht stimmte). Er hatte einen Müllerlehrling (Klaus Jenal von Valendas) - dieser wurde von Baumanns schlecht behandelt. Eines Tages ertönte am morgen um 4 Uhr das Feuerhorn. Beim Baumann brannte es. Brand wurde [von Baumann] gelegt, konnte jedoch gelöscht werden. Die Mühle war jedoch nicht mehr betriebsfähig.

Einen Teil der Mühle verbrachte Jakob Halter dann noch in seinen eigenen Stall, resp. einen Anbau, und mahlte dort sein eigenes Mehl (er wollte nicht bei anderen Müllern mahlen lassen). Der Jakob und Sohn Gall Halter mahlten dann mit Teilen der Mühle weiter (der erste Motor war von Albert Kolb).

Die Überreste der Haltermühle befinden sich im Museum Rotus in der Scheune.

J.A. Mattle Mühle / "Lochmühle"

Josef Anton Mattle war 1890 auf dieser Mühle (Assekuranznummern 1499, 1500 und 1501). Bereits sein Grossvater war 1817 Müller im Rehag.

Rehag Lochmühle

Nach der Lochmühle wurde das Wasser in einem Kännel "über den Bach" zur Ölmühle geleitet, bevor es wieder ins Bett des Freienbacherbachs lief.

Ölmühle

Direkt neben dem Hecht muss es noch eine Ölmühle gehabt haben.

J. Mattle Mühle

Die Mühle war links des Hechtwirt-Stalls. Franz Joseph war Müller, aber möglichrweise war bereits sein Vater Johann Mattle auf der Mühle. Die Mühle hatte einen Aufzug, welcher von Hand bedient werden müsste. Damit konnte der Mais / das Getreide in die Höhe gebracht werden, wo der Einlass für die Mühle war. Korneli Mattle (Enkel von Franz Joseph) hatte die Mühle noch lange betrieben.

Korneli Mattli hatte eine einzige Tochter Rösli, welche in Untereggen einen Räschle heiratete. Das Museum wollte ursprünglich die Mühle retten, aber Räschle hatte kein Interesse. Zudem, die Mühle steht eigentlich auf Rüthener Boden (der Freienbach war die Grenze).

Mattle'sche Mühle

Die Mattle'sche Mühle war 1894 noch immer in Betrieb (Quelle: 'Die Ostschweiz'). In diesem Jahr war der Müller Jakob Züst Pächter des Betriebs. In Karl Zäch's Biographie [KZ1972] auf Seite 20 sprach er um 1905 noch von 'Säger's Karl' als Müller.

Fischermühle

Oberhalb des ehemaligen Restaurants 'Hecht' war die Fischermühle. Später stand die Mühle, ebenfalls in Rehag, unterhalb der Stig-Strasse im Wirtschaftsgebäude als Modell. In den 1970er Jahren kam die Anlage ins Tenn des Ortsmuseums (Rothaus). Es ist dem Autor nicht klar, ob die Fischermühle eine eigene Mühle war, oder ob es sich um eine der anderen erwähnten Mühlen handelte.

Sägerei August / Walrich Mattle

Die Sägerei stand gerade noch auf Oberrieter Boden. Der Südmauer entlang ging die Grenze nach Rüthi. Das Mühlibächli war der Zulauf für die Säge.

Kinder mussten bei Walrich oft Sägemehl für den Stall zuhause holen (als Viehstreue).

Werner (Walrich Junior) prahlte einmal damit, dass er das Mühlibächli wieder öffnen wollte um das Mühlrad zu betreiben. Leider versandete dieses Vorhaben. Heute steht dort nur noch ein einzelnes eisernes Mühlerad.

Walrich Mattle's Mühle Walrich Mattle's Mühle Walrich Mattle's Mühle

Das erste Bild zeigt die ursprüngliche Mühle, die anderen beiden die dabei stehenden Gebäude. Bild 1: Assekuranznummer 1512, Bild 2: Assekuranznummer 38, Bild 3: Assekuranznummer 1510 und 1511.

Gleich unterhalb der Sägerei war der erste von drei betonierten "Semmler" (Wasserbecken, welche Kindern oft als Badi dienten). Der zweite war beim Gruber, bei der Zufahrt zum alten Steinbruch Robert Könis, und der dritte war im Rietliloo.

Rehag Weiher

Neuerer künstlicher Weiher gegenüber der Sägerei (Karte).

Knochen- oder Ölstampfe

Selin Zäch verortete die Stampfe am Kuminationspunkt der Strasse durch den Hischensprung (d.h. beim Eingang in die Schlucht), wo es aber kein fliessendes Wasser gab. Er vermutet, dass die Knochen- oder Ölstampfe anlässlich des Brandes 1890 abging.

Vermuteter Ort Stampfe Oberriet

1920 vs. 1860.

Der Flurname 'Stampf' lässt jedoch vermuten, dass die Stampfe weiter gegen Oberriet verortet werden müsste.

Endersmühle

Die Endersmühle ist abgebrannt. Von der Mühle waren bereits in der ersten Hälfte des 20. Jh. nur noch Ruinen zu sehen.

Mooser Mühle

Die Mühle (Assekuranznummer 1525) ging von Johannes Mattle, über Franz Joseph Mattle / Augustin Mattle (welcher 1893 Konkurs anmeldete) an Karl Mattle und dann letztlich im Jahre 1913 an Heinrich Mattle. Die Mühle "überlebte" den Brand von 1890, ging aber 1925 anlässlich der Verbauung des Rietlebachs ein. Nach der Verbauung verlief der Rietlibach nicht mehr hinter dem Haus (wo das Wasserrad war), sondern vor dem Haus. Heinrich hätte für den Umbau zuviel investieren müssen.

Mooser Mühle Mooser Mühle Mooser Mühle

Im Jahre 2024 lebte Erna Mattle-Rampfel im Haus (bei ihrem Enkel Josef) an der Churerstrase 1.

Der Freienbacher Bach war beim Brand 1890 im Rehag noch offen. Der Hechtwirtin soll einmal der Kinderwagen in den Bach gefallen sein, dabei muss das Kind ertrunken oder andersweitig verstorben sein. Daraufhin hatten die drei Häuser (Hecht, Halter und das darüber - da wo zuerst Frau Schegg und danach Frau Scheich mal war) zusammen und machten Bogen aus Holz, überdeckten den Bach und mauerten ihn aus. Die drei Häuser waren danach für den neuen "Platz" verantwortlich. Der Hechtplatz war bekannt - Beat Kluser ("senior") - hatte dort ab und zu Tanzanlässe. Tanzgelegenheit war in der Garage (Beat streute Seifenflocken, damit die Schritte besser gelangen).

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 7. Januar 2026)