Blatten

Vorgeschichte

1170 (undatiert, jedoch nach 15. Mai 1170) gestattet Herzog Friedrich V von Schwaben (* 6. Juli 1164 in Pavia - † 28. November 1170; ab 1167 Herzog von Schwaben) seinen Dienstleuten, entweder ins Prämonstratenserkloster St. Luzi in Chur einzutreten oder ihm Güter zu übertragen. Unter den Zeugen: … Cuno de Rinegge Cuno von Rheineck], Burkardus de Blattun [Burkhard von Blatten], … Diethericus et Hainricus de Iuggun.

Am 24. Oktober 1178 wird 'Plattun mansum' erwähnt (ChS Bd. 3, p. 50, Nr. 935). Mit 'mansum' ist eine Art 'Bleibe', ein 'Ort zum Verweilen' gemeint. Ob sich dieser Ort auf dem Blattenberg oder auf Rheinhöhe befand geht aus dem Text nicht hervor.

Gemäss dieser Urkunde besass die Abtei Schänis den gleichnamigen Flecken mit Gericht (Twing und Bann), mehrere Kirchen mit ihren Höfen und Zehnten, einige Alpen, Schiffrechte und viele teils eigene, teils Lehens- und Zinsgüter (unter anderem: Blatten, Götzis, Rankweil oder Lustennau), deren Besitz sich im Jahr 1178 die Aebtissin Adelheid von Buchberg vom Papst Alexander III. bestätigen, und sich die gleichen Rechte erteilen liess, welche auch Abt Burkard für sein Kloster St. Johann erhalten hatte. Vermutlich war Blatten damals ein Lehensgut.

Am 15. Mai 1229 wird bei einem Tauschgeschäft "Ulrici clerici et notarii Curensis de Blattenn [Ulrich von Blatten]" erwähnt (ChS Bd. 3, p. 171, Nr. 1163). Die Tatsache, dass ein Geistlicher und Notar auf Blatten war, zeigt, dass Blatten bereits damals (auch ohne die Burg) eine wichtige Funktion hatte.

Ebenfalls am 15. Mai 1229 wird in einer Regeste der Landschaft Schanfigg [Conradin von Mohr (1850)] der 'Simon de Blatten cellerarius episcopi' (Kellermeister des Bischofs) als Zeuge genannt.

Diese beiden Erwähnungen deuten darauf hin, dass sich zumindest in der Umgebung der Burg bereits zuvor ein Gut befand (möglicherweise ein Vorläufer der Siedlung Blatten am Fusse des Blattenbergs im Zusammenhang mit dem Fahr).

Burg Blatten

Am 18. August 1229 vermachte der deutsche König Heinrich VII (* 1211 in Sizilien - † evtl. 12. Februar 1242 in Martirano, Kalabrien) den Reichshof Kriessern Abt Konrad von Bussnang († 20. Dezember 1239; von 1226 bis 1239 Abt des Klosters St. Gallen) (ChS Bd. 3, p. 173, Nr. 1166, StiASG FF.3.Z.6, Transkript). Dessen zweiter Nachfolger, Abt Berchtold von Falkenstein († 10. Juni 1272; Abt des Klosters St. Gallen von 1244 bis 1272), liess später die Burg Blatten zur Verteidigung seines Besitzes in Fronarbeit erbauen (siehe unter 1244).

Oberriet, Schloss Blatten (Plan)

Projektion der ursprünglichen Burg auf eine Karte von 'GoogleMaps' aus dem Jahr 2025

Gemäss Paul Peter Immler¹ ist dabei anzunehmen, dass - zur Bewachung der alten Römerstrasse (siehe dazu 'Oberriet zur Römerzeit') - an der Stelle der Burg wohl bereits eine Specula (ein römischer Wachtturm) stand.

¹ Römische Strassenzüge im Kanton St. Gallen in 'Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte 4, 1865.

Die ursprüngliche Burg befand sich westlich in einem Burgareal, welches bergseitig durch einen Graben geschützt und mit einer Ringmauer umgeben war. Der Wohnturm msss im Grundriss 12 m x 12 m und verfügte über 2.5 m dicke Mauern. Er war ursprünglich über einen Hocheingang auf der Nordseite zugänglich. Das heute noch erkennbare Burgtor in der Ringmauer lag auf der Südseite der Anlage, währenddem der heute verschwundene Wohntrakt / Palas den östlichsten Teil des Areals einnahm (an dessen Stelle steht heute ein modernes Gebäude). Südlich des Gebäudes befand sich eine vorgelagerte Zwingermauer, welche auch das Burgtor schützte.

Es wird vermutet, dass die Kapelle St. Fridolin etwa gleichzeitig mit dem Schloss Blatten entstanden sei, mit dem Zweck, den religiösen Bedürfnissen der Schlossbewohner, des Gesindes, sowie der umliegenden Höfe von Blatten zu dienen. Möglicherwise befand sich jedoch bereits ein Vorgängerbau am Fusse des Blattenbergs?

Rudolf von Montfort und sein Vetter Graf Hugo von Werdenberg Rheinek befehdeten sich. Der Abt (in unzählige Kriegswirren verwickelt), welcher zum Schein die Partei des Letzteren ergriff (in Wahrheit jedoch eigene Interessen hatte), liess durch seinen Amtsmann 'Fehr' die Burg Blatten 'ob Montlingen am Rhein', und durch einen anderen Amtsmann 'Held' die Burg Heldsberg und den Turm Stettenberg ob Bernang (Berneck) erbauen.

Gemäss Christian Kuchimeister (* um 1260 in St. Gallen - † nach 1335 in St. Gallen; Chronist) soll Abt Berchthold von Falkenstein († 10. Juni 1272) die Burg Blatten gegen die Grafen von Montfort errichtet haben (Bauzeit 1244 bis 1277)¹: « Do hiess bi den ziten unser her, der apt Blatten die burg buwen, sinen amtmann, der hiess der Verr [Äbtischer Vogt, Ammann Fehr] und lit der Burg on dem Rin gegen Veltkilch, umb des willen das das gotzhus dester bas beschirmt wurd von allen Monfortern. »

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¹ Ildefons von Arx beschreibt dies folgendermassen: « Mit [gutem] Grund erwartete Abt Berchtold, dass ihm nach dem Abzug Rudolfs von Habsburg seine erzürnten Nachbaren, die Grafen von Montfort, einen ähnlichen Gegenbesuch im Rheinthal geben würden. Um selben abzuwenden, befahl er seinen Amtsleuten Fehr und Held, dass jener oben bei dem Hirschensprung [Anm.: diese Ortsangabe hat von Arx vermutlich nicht aus einer Quelle] das Schloss Blatten, dieser unten am Monstein das Schloss Heldsberg erbauen solle, um so ihnen den Einbruch in das Tal unmöglich zu machen; auch liess er, damit im schlimmsten Fall der Feind nicht in die Berge vordringen konnte, bei Bernang den Turm Stettenberg errichten, erwarb in den zwei daben gelegenen Schlössern Husen und Bernang das Besatzungsrecht, und sicherte auf solche Weise das Rheinthal so gut wie möglich [IA1810, Bd. 1. p. 396]. »

Das kleine Burgsäss 'Wichenstein' existierte beim Bau der Burg Blatten wohl bereits. In ChS Bd. 4, p. 75, Nr. 1876 wird nämlich ein "milite" (Ritter) 'Dietrich von Wichinstain' als Verkäufer eines Weinbergs in Bernang (Berneck) an Walter aus Kilicheim, Chorherr von St. Stephan in Konstanz, genannt. In den Urkunden des Hofes Kriessern wird Wichenstein erstmals 1457, jedoch als eine Art von "Zusatz" zu Blatten erwähnt. Wichenstein befand sich denn in späterer Zeit immer in gleichen Händen wie Blatten.

Oberriet, Schloss Blatten (Karten)

Blatten und die Burg Neu-Montfort ("gegenüber" in Götzis) haben grosse Ähnlichkeiten. Neu-Montfort hatte einen fünfstöckigen Wohnturm (bei Blatten waren es sechs Stockwerke). Im Westen war bei Neu-Montfort ein Palas angebaut. Ein solches Gebäude bestand auch bei Blatten (1637 liess Abt Pius Reher im Osten der Burg, etwa an der Stelle der heutigen Festwirtschaft, ein grosses Gebäude errichten, welches einen älteren Bau ersetzte).

Am 19. September 1249 nimmt Papst Innozenz IV das Kloster Bregenz in seinen Schutz und bestätigt ihm u.a. den Besitz von Blatten (ChS Bd. 3, p. 330, Nr. 1430).

Mit der Feste Blatten entwickelte sich der "obere Hof-Teil" nahe beim Schloss. Einfache Häuser und Ställe reihten sich am Weg unterhalb der Feste und dem Dorfbach entlang. Es entstanden die Weiler Blatten und Buck.

Am 21. Juni 1260 schenkte Marschall Walter von Montfort dem Johanniterhaus Feldkirch Güter und Leute, u.a. "… Cuoradus de Blatun cum tribus pueris [Konrad mit drei Kindern] …" (ChS Bd. 3, p. 466, Nr. 1636). Diese Schenkung dürfte jedoch nichts mit der Feste Blatten zu tun haben (diese wurde ja gegen die Montforter errichtet).

Im Streit zweier Gegenäbte¹ hatte sich Ulrich Ramschwag², Dienstmann des Klosters St. Gallen, zu der Partei gehalten, die Graf Rudolf von Habsburg (* 1. Mai 1218 - † 15. Juli 1291 in Speyer) um Hilfe rief. Damit kam er in die Gunst des Habsburgers. Graf Rudolf wurde 1273 zum ersten römisch-deutschen König gewählt.

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¹ Berchtold von Falkenstein war Abt des Klosters St. Gallen (1244–1272), gefolgt von Ulrich von Güttingen, Parteigänger von König Rudolf von Habsburg (ab 1272), wobei es auch einen Gegenabt Heinrich von Wartenberg gab, während Rumo von Ramstein (ab 1274) den nächsten regulären Abt darstellte.
² Im Jahr 1176 erscheint in einer Konstanzer Urkunde zum ersten Mal ein 'Ulrich de Rammiswag'. Er könnte der Erbauer des Stammschlosses Ramschwag im heutigen Häggenschwil sein, welches um 1200 herum entstanden ist und auf alten Karten auch 'Rabenstein' genannt wurde. Ein Deutungsversuch des Names Rams[ch]wag kommt von 'rammis' (Rabe) und 'wâg' (stehendes, tiefes Wasser [der Sitter unterhalb der Burg]).

1274 nahm König Rudolf von Habsburg den Hof Kriessern (samt Leuten und allen Gütern einschliesslich des Forsts) wieder an sich. Er versprach in einem 'Freiheitsbrief' den Hof nie mehr (weder durch Verkauf noch durch Verpfändung oder Belohnung) zu veräussern, sondern alles beim alten Recht zu belassen. Er verlieh jedoch die Vogtei über das Kloster St. Gallen an seinen Günstling Ulrich Ramschwag. Lediglich Blatten verblieb dem Kloster, da diese Burg erst kurz zuvor vom Abt erstellt wurde.

Ulrich Ramschwag nutzte die neuerworbenen Rechte geschickt (um nicht zu sagen 'mit Gewalt'¹) aus und schwang sich zum wirklichen Herrn über das Klostergebiet auf. Er besetzte die äbtische Burg Clanx bei Appenzell, welche er erst wieder freigab, als ihm Abt Rumo von Ramstein 1277 den Hof Waldkirch und die Burg Blatten zu Lehen gegeben hatte (siehe unten).

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¹ Wegen kleinen Verfehlungen liess Ulrich sieben Landsleute unter dem Vorwand, sie wären Diebe, aufhängen. Den Bürgern von St. Gallen befahl er wegen einer nicht auf der Stelle bezahlten Steuer, die er für den Kaiser ausgeschrieben hatte, ab der Bleiche die Leinwandtücher wegzunehmen. Er misshandelte Leute, welche dem Abt gehorchen wollten, und gab diesem das Schloß Klanx, welches ihm Ulrich von Güttingen anvertraut hatte, nicht eher wieder zurück, als bis derselbe ihm das nun in seinem Hofe Kriessern gelegene Schloss Blatten, und die in seine Herrschaft Waldkirch fallenden Gefälle und den Kirchensatz abgetreten hatte.
Kuchimeister sagt über den Unter-Reichsvogt Ulrich von Ramschwag: "er noß daz Gotzhus fürer, den es je genossen ward von keinem Vogt vor im und nach im".

Am 14. Februar 1276 stirbt Abt Ulrich plötzlich und Abt Rumold von Ramstein übernahm das Szepter (Neüe Appenzeller Chronick, oder, Beschreibung des Cantons Appenzell, Ruprecht Weniger, 1740).

Abt Rumold verpfändete den Hof Kriessern am 1. Oktober 1279 an die klösterlichen Ministerialen (namentlich an Heinrich Walter von Ramschwag), an welche das Kloster bereits 1274 die Feste Blatten hatte versetzen müssen. Dennoch scheinen sowohl die Abtei, wie auch die Ramschwager, nur die niedere Gerichtsbarkeit besessen zu haben, nicht aber die volle Landeshoheit (diese hatte vermutlich der Herr der Vogtei Rheintal innegehabt, seit 1347 die Grafen von Werdenberg, 1395 die Österreicher).

Die Ramschwager / Ramswager

Am 8. August 1277 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung (ChS Bd. 4, p. 160, Nr. 1992), als sie ("burch ze Blatton") durch Abt Rumo von Ramstein an Ulrich von Ramschwag ("vnsirs gotteshuses dienistmanne, der vnsirme gotteshuse dike nuzliche het gedienet vnde noch gedienen mach") verliehen wurde.

Der Sohn Ulrichs, Heinrich Walter von Ramschwag, kämpfte auf der Seite von König Rudolf gegen Ottokar II. von Böhmen (1232 in Městec Králové, Böhmen - † 26. August 1278 in Dürnkrut, Niederösterreich) auf dem Marchfeld von Wien. Am 26. August 1278 kam es zur Schlacht von Dürnkrut nordöstlich von Wien. Rudolf nahm im Alter von 60 Jahren selbst am Schlachtgeschehen teil. Er fiel vom Pferd in einen Bach und konnte nur durch den St. Galler Ritter Heinrich Walter von Ramschwag gerettet werden, der ihn auf ein neues Pferd setzte¹.

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¹ « Wil er uns ufhub us dem Bacht, da wir nidergeschlagen lagen; damit er uns des Lebens gehalf, und den Bal, der uns mit Geding uf was gesetzt, den wand er uns. » Kaiser Rudolf in der Urk. 1279, Archiv Wil. Cist. Utzwil.

Zur Belohnung versprach König Rudolf dem Heinrich Walter 500 Mark Silber. Da seine Schatzkammer jedoch leer war, überliess er Heinrich Walter einige seiner Besitzungen als Pfand (so auch den Reichshof Kriessern - trotz Freiheitsbrief von 1274!). Mit dem 1279 durch König Rudolf von Habsburg vergebenen Reichshof Kriessern bildeten die Ramschwager eine Herrschaft (auf Wunsch des Beschenkten sollten auch seine beiden Brüder Anteil an dieser Besitzung haben). Die Verpfändung wurde im Jahre 1300 bestätigt (siehe dort).

Die Herren von Ramschwag lösten aus dem Hof Kriessern jährlich 20 Pfund Pfennige Steuer, den Fall, das Geläss (den Lass = volles Erbrecht des Herrn am Nachlass von Eigenleuten), 120 Fastnachtshühner, ebenso viele Frondienste, den Ertrag vom Fahr, die Malmilch ('so viel Milch, als am Milchprüfungstage gemolken wird' als Abgabe an den Landesherrn) ab dem Kamor und Holz (das Verzeichnis der Gefälle des Schlosses Blatten unter Abt Ulrich VIII ist im Copiabuch XXIII, p. 69 zu finden).

Der neue Besitz sollte den Ramschwagern jedoch nicht nur Freude, sondern auch einigen Verdruss bereiten. Waren sie doch eingekeilt zwischen den Besitzungen des Abtes von St. Gallen und den Grafen von Montfort-Werdenberg, welche das Gebiet zu beiden Seiten des Rheins mit zahlreichen Fehden in Atem hielten.

1283 stellte der Augustinerkonvent in St. Gallen eine Ordnung 'über die Folgen eines Austritts' auf. Dabei wurde - neben der Priorin 'Maechtiltis von Râwil [Ronwil]' - auch die Superiorin 'Guoten von Blattim' (vermutlich 'Blatten') und andere Schwestern erwähnt (ChS Bd. 4, p. 266, Nr. 2113a).

1284 schenkt Ritter Burkhard von Wichenstein der Zustimmung seiner Erben dem Johanniterhaus Feldkirch eine Wiese namens 'ze dem Hage in dem grabin'. Die besagte Wiese wurde von den Brüdern des Johanniterhauses einem 'Schabinger' als Erbpacht gegeben, so dass er und seine Erben nach ihm jedes Jahr eine Stute an die Brüder in Feldkircvh abtreten müssen (ChS Bd. 4, p. 276, Nr. 2128).

Es folgte eine Phase, in welcher einige Güter zwischen Montlingen und Blatten an das Kloster Salem (gegründet 1137/1138) gingen. 1289 verkaufen Dietrich (1262 - † 1296, Soldat von Altstätten) und sein Sohn Walter, genannt "villici" / Meier, dem Kloster st. gallische Lehen ("das guot zum Raine") zwischen Montlingen und Blatten (ChS Bd. 4, p. 340, Nr. 2215). Dieses Gut wird 1291 nochmals erwähnt als Abt Konrad und der Konvent von St. Gallen dem Kloster einen Hof in Montlingen, den es von Dietrich von Altstätten gekauft hat, übertragen (ChS Bd. 4, p. 384, Nr. 2276). 1291 verkaufen Heinrich Walter und Konrad von Ramschwag dem Kloster Besitz ("zem Botzeler / Botzler") in Blatten (ChS Bd. 4, p. 377, Nr. 2269) (Bestätigung 1320 [ChS Bd. 5, p. 375, Nr. 3075]) und 1294 verkaufen Friedrich und Swigger Tumb von Neuburg dem Kloster Güter zu Montlingen und Blatten (ChS Bd. 4, p. 437, Nr. 2351). Sie mussten dem für den dem Kloster übertragenen Reichshof Blatten (!) dem König Ersatz leisten (ChS Bd. 4, p. 438, Nr. 2352). 1307 verzichten Friedrich und Swigger Tumb zugunsten des Klosters auf alle Ansprüche an dessen Besitzungen bei Blatten (ChS Bd. 5, p. 128, Nr. 2676).

1293 und 1294 wird ein 'Ot. de Blattun [Otto von Blatten]' erwähnt (Diener von Heinrich Walter von Ramschwag). Dieser verkaufte seinen ihm (von Heinrich Walter von Ramschwag) verliehenen Besitz in Kobelwald an das Kloster Salem (ChS Bd. 4, p. 415, Nr. 2318, ChS Bd. 4, p. 432, Nr. 2342). Dieser Otto von Blatten tritt auch als Zeuge auf, als die Wittwe von Burkhard Dietrich von Ramschwag auf Besitzungen zu Bregensdorf (Muolen, TG) verzichtete nachdem die Brüder ihres verstorbenen Mannes diese Besitzungen an das Kloster Salem verkauft hatten (Urkunde aus Rheineck vom 25. August 1293).

In ChS Bd. 5, p. 15, Nr. 2513 wird die Verpfändung von 1279 durch König Albrecht im Jahr 1300 bestätigt. Das Schreiben enthielt auch die Fähre Blatten, welche damit wohl die am frühesten erwähnte Fähre im Rheintal ist.

1337 war ein 'Heinrich' Ammann von Blatten (ChS Bd. 6, p. 255, Nr. 3655). Er diente auch als Zeuge als Rudolf und Konrad von Kriessern zugunsten des Klosters Salem auf alle Rechte an Gütern bei Juggen verzichteten.

Kaiser Ludwig führte Krieg mit dem Grafen von Montfort-Feldkirch, und gegen diese hatte sich am 1. Mai 1345 Abt Hermann mit ihm verbunden und versprochen, dem Kaiser die Burgen Bernang / Berneck und Blatten offen zu halten. Jedoch genau dies tat Burkhard von Ramswag nicht.

1345 verpfändet Kaiser Ludwig der Bayer an Abt Hermann von St. Gallen für eine Schuld von 600 Mark Silber mehrere Vogteien. Weitere 600 Mark Silber gibt er ihm für die geleisteten und noch zu leistenden Dienste mit den "vesten Blatten vnd Bernanch [Bernang / Berneck] im Krieg gen Kurwalhen [Chuttätien]" (ChS Bd. 6, p. 469, Nr. 3921).

Der Abt erinnerte den sich gerne als selbständigen Herrscher gebenden Herren von Ramschwag daran, dass Blatten nur ein Lehen des Klosters sei. Um dies zu unterstreichen nötigte er ihn zur feierlichen Verpflichtung, ihm das Haus zu allen Zeiten offenzuhalten. Da jedoch Burkhards gleichnamiger Sohn mit einer Guta von Montfort verheiratet war, hielt der Vater eher zu den Montfortern (kurz darauf erschienen die Ramschwager als Dienstmannen der Grafen von Montfort).

Im selben Jahr 1345 gelobt daher Burkhard von Ramschwag dem Abt Hermann von St. Gallen, ihm die Burg Blatten offenzuhalten: "das ich im die vesti Blattun, du mîn burgsässe ist von dem gotzhus ze sante Gallen, vf sol tun, vnd das ich in vnd alle, die er von sinen wegen dar schikket, vs vnd in lassen sol" (ChS Bd. 6, p. 474, Nr. 3927). Doch bereits im Oktober dieses Jahres entlässt Heinrich von Schwenningen (Ritter und Landvogt in Oberschwaben) Abt Hermann von St. Gallen aus der Pflicht, dem Kaiser mit der Burg Blatten zu dienen, und verspricht ihm Hilfe gegen Burkhard von Ramschwag (ChS Bd. 6, p. 492, Nr. 3954 und ChS Bd. 6, p. 494, Nr. 3956). Ferner verspricht er Abt Hermann bezüglich der Abmachung wegen Burg Blatten und wegen des Streits mit den Grafen von Montfort-Feldkirch kaiserliche Bestätigungen zu verschaffen, und stellt dafür als Bürgen Eberhard von Königsegg, Rudolf von Schwenningen, seinen Bruder, Heinrich den Wolfegger, Bürger von Ravensburg, und Gösswin von Ems (ChS Bd. 6, p. 493, Nr. 3955 und StiASG, Urk. AA3 A3].

Vermutlich aus Groll über den Abt von St. Gallen trat Burkhard von Ramschwag die Burg Blatten für 5 Jahre an den Grafen von Werdenberg ab.

1348 verpflichtete sich Graf Albrecht von Werdenberg, den ihm überlassenen Turm zu Blatten und Einkünfte aus dem Fahr (3½ Pfund Geld) nach 5 Jahren an Ritter Burkhard von Ramschwag zurückzugeben (ChS Bd. 7, p. 33, Nr. 4101). Sie blieben jedoch gemäss 'Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen XIV. Abteilung (p. LXXXIV)' von 1348 bis 1362 in dessen Besitz. In einer weiteren Urkunde vom 29. August 1363 erklären die Brüder Burkhard, Konrad, Heinrich Walter und Eberhard von Ramswag, "dass sie dem Gotteshaus St. Gallen mit der Burg zu Blatten nicht warten und tun konnten, wie billig, weil ihnen die Burg bisher viele Jahre mit Gewalt von Graf Albrecht von Werdenberg vorenthalten war. Nun, da ihnen die Burg mit Gottes Hülfe wieder zugekommen ist und Abt Georg sie ihnen zu rechtem Burgsäss empfohlen hat, schwören sie dem Abte ..." [kurzum: Friede, Freude Eierkuchen!].

In der damaligen Zeit wurde unter dem "Vorhof" wohl die Siedlung Blatten am Fusse des Burghügels verstanden werden.

Im Jahre 1350 schwören die Söhne Burkhards von Ramschwag, die Burg Blatten in ihre Hand zu bringen, dem Abt von St. Gallen mit ihr zu warten und sie nicht zu veräussern (ChS Bd. 7, p. 98, Nr. 4179). Der Text "Allen den, die disen gegenwurtigen brief ansehent, lesent oder horent lesen, kunden wir Burkart, Cunrat, Hainrich Walter || Curtvlrich vnd Eberhart, her Burkartz von Ramswag ritter elichen sun, vnd …" scheint nahezulegen, dass Kurt Ulrich und Eberhart die Söhne von Burkhart waren. Vater Burkart und die Onkel Konrad sowie Heinrich Walter werden nur als Vorgängergeneration der Aussteller des Briefes mit erwähnt.

1361 musste Burkhard von Ramschwag (Sohn des Burkhard von Ramschwag) Abt Georg von St. Gallen den halben Kelnhof und Kirchensatz zu Waldkirch mit weitern Gütern und Eigenleuten auf als Schadenersatz für die entfremdete Burg Blatten geben (ChS Bd. 7, p. 572, Nr. 4769). Die Rechte an der Burg Blatten gab er indes nicht auf (ChS Bd. 7, p. 574, Nr. 4770).

Bereits ein Jahr später mussten Burkhard, Konrad, Heinrich Walter und Eberhard von Ramschwag die Abgaben aus Blatten (einschliesslich der Fähre "die zur Burg gehört"), aus zwei Gütern im Kobelwald ('Chuoni Pregentzers' / Bregenzers und 'Uli Grubers Gut' genannt) und ihrem Hof von Kriessern verpfänden für die vom Vater gegebene Heimsteuer ihrer Schwester Katharina (ChS Bd. 8, p. 16, Nr. 4797).

1363 schwören die Brüder Burkhard, Konrad, Heinrich Walter und Eberhard (Herrn Burkharts sel. Söhne) von Ramschwag dem Abt Georg von St. Gallen, ihm mit der Burg Blatten zu warten (ChS Bd. 8, p. 36, Nr. 4819) und zwei Jahre später verpflichten sie sich, dem Abt stets Kundschaft über die Burg zu halten (ChS Bd. 8, p. 184, Nr. 4998).

Im November 1375 vergleichen sich die Brüder Burkhard, Heinrich Walter und Eberhard von Ramschwag und Burkhards Söhne Ulrich und Burkhard mit Abt Georg von St. Gallen in Streitigkeiten um die Burg Blatten (ChS Bd. 9, p. 145, Nr. 5478). Im Text, scheinen jedoch die erstgenannten Brüder vom selben Burkhart abzustammen: "… tuon wir die nachgeschribenen Burkart, Hainrichwalther vnd Eberhart von Ramswag gebruoder, Volrich vnd Burkart || des selben Burkartz von Ramswag elichen sun kunt …". Dieser Vergleich kostete sie die "zu Leibding" erhaltenen Rechte und Güter zu Romanshorn, Hüttenswil und Gossau als Sicherheit (ChS Bd. 9, p. 148, Nr. 5479).

In dieser Zeit drängten sich Grafen störend in die inneren Verhältnisse des Hofes Kriessern, indem sie Hofleute zu Bürgern der Stadt Rheinegg machten. Am 11. März 1379 vermitteln Konrad Hag, Burgermeister von Konstanz, Konrad Mangold, der Vogt [!], Jakob der Huber, Alt-Bürgermeister, Ulrich Habk, Stadtammann und Johann Swertfürbel, genannt der Glatz, zwischen Eberhard von Ramschwag, Bürger zu Konstanz, seinem Bruder Heinrich Walter, ihren Vettern Ulrich und Burkhard von Ramschwag, Gebrüdern, einerseits und den Grafen Hug, Albrecht dem Aeltern, Heinrich und Albrecht dem Jüngern von Werdenberg, Gebrüdern, anderseits, wegen der Feste Blatten und der Aufnahme eines Teils der zur Feste Blatten gehörigen Ramschwagischen Vogtleute zu Bürgern in Rheinegg durch die Herren von Werdenberg.

Im Jahre 1389 wird erstmals der Rebbau bei Blatten erwähnt. Heinrich Walter und Eberhard von Ramschwag überlassen ihren Vettern Ulrich und Burkhard von Ramschwag die Burghalde vor der Burg Blatten um "vom dem Bilde [Vorhof am Fusse des Blattenbergs?] hin bis zum Gesess [Wohnsitz]" Reben und Weinwachs zu pflanzen (ChS Bd. 10, p. 601, Nr. 6355). Die Bäume in dieser Burghalde waren jedoch von diesem Nutzen ausgenommen.

Wilde Zeiten mit dem energischen Eberhard dem Jüngeren ("Vetternkrieg")

An 17. Juni 1400 teilen "Ysalt Sürgin", die Wittwe Eberhards von Ramschwag und ihr Sohn Eberhard alle ihre Güter und Leute mit Heinrich Walter von Ramschwag (weiterer Sohn). Die Aufstellung ist interessant, da sie detailliert die Güter beschreibt. « Isolde und Eberhard erhalten: den Kirchensatz zu Waldkirch, den Hof zu Waldkirch mit Leuten und Gütern; den Hof zu Kriessern mit Vogtrechten und Gewohnheiten, die Fähre zu Blatten, eine Wiese unter der Burg zu Blatten, genannt 'die lange Wiese', 5 Schilling Constanzer Pfennig ab und aus dem Hof Eichberg, den Weingarten zu Haslach (Hasla) mit Torggel, alle ihre auf den heutigen Tag im Rheinthal sesshaften Leute, ausgenommen die Leute und Güter, die nachstehend dem Heinrich Walter zugeschrieben sind. Heinrich Walter erhält: die Burg zu Blatten halb, von dem Bild bis an den Wohnsitz unten, von da bis an des Sorgen Acker, von da an die Linden, von da unter dem Rain hin bis zum Rhein, von dem Rhein "umhin" wieder bis zu dem Bild, — so haben sie die halbe Burg bisher gemeinsam besessen; der Forst, wie sie und die Vordern ihn von Alters inne gehabt, mit Schmalz, Käsen, Hühnern und Eier-Geld: stosst einerseits an Rütiners Holz, anderseits an das Meiers (Magers) Holz, weiter folgende Leute und Güter: Adelheit Brünig, Kuni Brünig, ihr Sohn, Gret und Adelheit Brünig, Schwestern und ihre Kinder, Gretha Mumer, Jos und Heinz Mumer und des Letztern ehliehe Hausfrau, und Kuntzli, Hansen Sohn, von Rüthi, weiter 203 Pfd. Heller, die ihnen Herr Johann (Johann) von Bussnang, Propst zu St. Gallen, schuldig ist, 600 Pfund Heller von Denen von Münchwilen, die sie ihnen auch gemeinsam schuldig sind, auch die Geldschuld, die ihnen die Stadt Constanz schuldig ist, und 94 Pfd. Heller von Graf Donat von Toggenburg. Beim Ableben Isolts tritt Heinrich Walther zu gleichen Teilen mit Eberhart als Erbe ein für all ihren Nachlass: Haus, Hausrath oder "Hausplunder", was sie sich zum Voraus ausbedungen hat. Endlich übernehmen Isolt und Eberhart allein alle Geldschulden, die sie je gemacht und die noch in Geltung stehe. »

Die Geschlechter Brünig, Mumer, Kuntzli sind in Rüthi und Oberriet nicht mehr vorhanden. Ein 'Jos Mumer von Blatten' (ein Eigenmann Walters) und dessen Frau Elsbeth wurden von den Appenzellern am 10. Februar 1402 nach einer Vereinbarung mit Heinrich Walter von Ramschwag aus der Gefangenschaft entlassen. Die beiden wurden misshandelt ("... denen etwas schmachkeit geschehen und an ihnen begangen sind"). Daraufhin entliess auch Heinrich Walter die vom ihm zur Vergeltung gefangen gesetzten Eidgenossen Rudolf den Nöchler und Heinzli Wernli [JH1878, p. 15].

Zur Wittwe Isolde Sueri: Die Syrgenstein (auch Sirgen von Sirgenstein, Sürgenstein, Syrgen, Sürgen) waren ein adliges Geschlecht aus Schwaben im Freiherrenstand. Sie erbauten das Schloss Syrgenstein bei Wangen. Zu ihrem Besitz gehörte aber auch zeitweise die Burg Altenberg bei Dillingen an der Donau, zu deren Füssen die nach der Familie benannte Gemeinde Syrgenstein liegt. Geschichte (nur zur nicht-kommerziellen Nutzung!).

Ildefons von Arx (in 'Geschichten des Kantons St. Gallen, 3 Bde. 1810-1813, Bd. III, p. 314') berichtet, dass sowohl Heinrich Walter von Ramschwag³, welcher wacker im Appenzellerkrieg⁴ mitmischte, und auch sein Bruder Eberhard der Jüngere³, welcher das ganze Domkapitel befehdete, sich bald mit Geldnöten konfrontiert sahen. D.h. das Erbe, welches sie vom Vater Eberhard im Jahre 1400 erhalten hatten schmolz zusammen, so dass sie Besitzungen veräussern mussten (Anteile an Waldkirch gingen an Friedrich Ryff Welter von Blidegg, etc.). Mit den Gefällen aus Kriessern allein waren sie nicht mehr in der Lage standesgemäss zu leben.

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³ Der obere Teil des Hofes Kriessern (die "Oberhalbigen") mit dem Schloss Blatten stand damals unter Heinrich Walter, währenddem der untere Hofteil von Eberhard (Sohn der Isolde Süri) regiert wurde (siehe dazu 'Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen XIV. Abteilung, p. LXXXIV' und ChS Bd. 12, p. 205, Nr. 7113 vom 17. Juni 1400). Die Grenze des geteilten Hofgebiets verlief von der St. Johannes-Kirche Montlingen zum Dürrenbach.
⁴ Nach den Siegen der Appenzeller über die Truppen des Abtes und der Bodenseestädte bei Vögelinsegg (15. Mai 1403) und am Stoss über die Habsburger (17. Juni 1405) verbündete sich die Stadt St. Gallen mit den Siegern, gefolgt von den Rheintalern und damit den Hofleuten von Kriessern. Es entstand der "Bund ob dem See", dem 1405 bis 1408 die Appenzeller, der Thurgau, das Rheintal und Vorarlberg angehörten. Am 13. Januar 1408 unterlag der Bund ob dem See bei Bregenz dem Ritterheer vom St. Jörgenschild. König Ruprecht (5. Mai 1352 in Amberg - † 18. Mai 1410 auf Burg Landskron in Oppenheim) löste den Bund am 4. April 1408 auf.

Sie verfielen daher auf den Gedanken, das Schloss Blatten in ein Wirtshaus zu verwandeln und in eigener Person den Gästen Wein auszuschenken.

1405 wurde die Burg Wichenstein durch aufständische Appenzeller nach ihrem Sieg in der Schlacht am Stoss zerstört. Es ist unklar, ob die Burg danach wieder aufgebaut wurde.

Gemäss 'Geschichte des Reichshofes Kriessern [WL1979]' auf p. 13 erzählt die Chronik von Eberhard, dass er vor dem herannahenden Zug der Appenzeller 1405 ausser Land geflogen sei und sich erst nach Ende des 'Bundes ob dem See' zurückwagte. Ein (weiterer?) Eberhard (ein Vetter von Heinrich Walter) kehrte in die von den Appenzellern geschädigte Burg Blatten zurück. Von der älteren Linie übernahm dafür Burkhard nun den unteren Hofteil.

Ähnlich erging es ihren Vettern Burkard und Ulrich, die Söhne des Burkards, der im Jahre 1413 Vogt in dem über dem Rhein gelegenen Schloss Neuenburg gewesen war. Auch sie waren gezwungen in Blatten zu wirten, und mussten Vogt Rudolf von Rosenberg Zuckenried⁵ ihr Stammschloss Ramschwag (dieses erhielt er im Prinzip bereits im Jahre 1370 durch Heirat), ihren Anteil am Schloss Blatten, und jenen an der Herrschaft Kriessern (oberer Hofteil) verkaufen. Weil sich aber Eberhard der jüngere über diese Veräusserung beschwerte, hoben im Jahre 1419 fünf zu Schiedsrichtern erwählte Edelleute den Verkauf des Schlosses Blatten aus dem Grunde wieder auf, weil es nicht zuvor ihrem Vetter, der die andere Hälfte davon besass, angeboten wurde.

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⁵ Wie Vogt Rudolf von Rosenberg genau zum Besitz gekommen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Es gibt jedoch einen Pergamentbrief, den Rudolf gleichnamiger Sohn den Hofleuten ob der Kirche ausstellen liess, in welchem zur "Vermeidung künftiger Stöss, Irrungen und Vergessens" die Rechte des Vogtherren erstmals genau bezeichnet und den Hofleuten auf Rudolfs Ableben hin, "das Gott lang erspar", die bisherigen Tagdienste oder Frohnden im Weingarten zu Haslach erlassen wurden. Nach dem Ableben den zweiten Rudolfs von Rosenberg kam sein Anteil am Hofe Kriessern übrigens an die Brüder Ulrich und Konrad Payer (Pfandinhaber der Herrschaft Rheintal) und von diesen nochmals an die Ramschwager zurück (1432).

1415 brach eine Fehde zwischen Eberhard von Ramschwag und Herrn Konrad von Münschwilen (Chorherr zu Konstanz) aus. Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein, des heiligen Römischen Reichs Erztruchsess und Herzog in Bayern musste schlichten. Eberhard musste alle Gefangenen übergeben und zwei getöteten Knechten (Konrad Wenge und Hans Grätwe von Horwe) 20 Gulden für ihr Seelenheil stiften [JH1878, p. 19].

Mehrere Schlichter vermitteln 1419 zwischen den Ramschwag Vettern Burkhard und Eberhard. Burkhard musste Eberhard den Teil der Burg, den er ihm vorenthalten hatte zurückgeben (dummerweise hatte er diesen bereits dem Rudolf Mauer zu Altstätten zum Kauf gegeben - worauf dieser Kauf rückgängig gemacht wurde). Zudem scheint das Schloss in einem unguten Zustand gewesen zu sein ("... dass die Feste Blatten nicht mehr mit Thoren und Fenstern versehen sein, so dass man da hinein schlüpfe ..."). Beide durften keinen Wein mehr ausschenken und mussten sich über die Rechte beim "Wingert" einigen [JH1878, p. 19].

In einer weiteren Urkunde zum selben Thema vom 15. Juli 1419 [JH1878, p. 19] wird der untere Teil des Hofes genauer beschrieben. "Von der Kirche St. Valentin ob Blatten in den Kobelstein und von da die Strass durch Kobelwald gegen Kobelwies und von da in den Rötelbach und diesen Bach ab bis Montlingen zu der Kirche und von da über den Rhein und bei dem Rhein das Land auf und oben wieder über den Rhein nach St. Valentin zu der Kirche."

Unterer Hofteil mit der Burg Blatten um 1419

Die Grenzen des unteren Hofteils um 1419 wurden auf eine Karts von search.ch (Januar 2016) projiziert.

Eberhart von Ramschwag wurde ins 1420 Burgrecht¹ von St. Gallen aufgenommen. Er schwört den St. Gallern (mit einigen Vorbehalten) mit seinem Theil der Feste Blatten auszuhelfen, so oft sie es bedürfen [JH1878, p. 23].

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¹ Dieses Burgrecht kam Eberhart von Ramswag besonders in seinen vielen Streitigkeiten mit denen von Ems sehr gelegen. 1424 liegt er im Streit mit Hans von Ems (es werden dabei "Späne zu Kriessern" [?] erwähnt), 1431 wird er auf Klage seiner Frau, Clara von Ramschwag, geb. von Ems, vom Landrichter im Thurgau mit der Acht belegt (= sozial und rechtlich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen); von 1436 bis zu seinem Lebensende (1447?) liegt er gemeinschaftlich mit seiner Hausfrau im Streit mit Hans Ulrich dem Aeltern, Michel und Märk von Ems wegen Ansprachen an Emsische Güter und Rechte zu Dorenbüren, Ems und Lustenau. Diese Streitigkeiten brachten ihn 1441 wieder in königliche Acht. In allen diesen Händeln standen ihm Burgermeister und Rath von St. Gallen zur Seite. Auch hinterlegte Eberhart beim St. Galler 'Bürgermeister und Rath' seine Briefe, die dann 1451 und 1452 der Wittwe und den Kindern ausgehändigt wurden.

1426 erfolgte die formale Trennung des Hofes Kriessern in eine untere und obere Hälfte des Hofes und die halbe Fähre zu Blatten. Über den unteren Teil verfügte damals Eberhard von Ramschwag, über den oberen Rudolf von Rosenberg. D.h., die Feste Blatten fiel der jüngeren Linie der Ramschwager zu. Siehe dazu auch 'Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen XIV. Abteilung, p. LXXXIV'.

1428 gehörte der Halbteil 'ob der Kirche zu Montlingen' dem Rudolf von Rosenberg von Zuckenriet¹. Er bestätigt den Hofleuten die bisherigen Rechte, entlässt sie jedoch (bis auf seinen Tod hin) von den bisherigen Frondiensten im Weingarten zu Haslach [JH1878, p. 29].

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¹ Rudolf von Rosenberg-Zuckenriet wurde noch vor 1370 durch Heirat auch Besitzer der Herrschaft (Alt-) Ramschwag in Häggenschwil. Nach Wegelin war der gleichnamige Vater des Rudolf von Rosenberg vermählt mit Isalt von Ramschwag und durch diese Heirat in Besitz der Burg Alt-Ramschwag, wie auch den halben Hof Kriessern gekommen. Diese Isalt von Ramschwag kann nicht die Wittwe 'Isalt Sürgin' gewesen sein, welche Eberhard von Ramschwag geheiratet hatte.

Am 15. Februar 1432 beschwert sich Eberhart von Ramswag sich vor Bürgermeister und Rat der Stadt St. Gallen über Konrad Payer, weil er vernommen hatte, dass er und sein Bruder Ulrich Payer von Rudolf von Rosenberg den Hof zu Kriessern und die halbe Fähre zu Blatten zu Lehen übernommen hatten. Eberhard pochte auf sein Vorrecht und bekam Recht [JH1878, p. 31].

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Nach von Arx I. 514 hatte Rudolfs von Rosenberg-Zuckenriet Tochter 'Ursula' den Konrad Payer zum Mann; daher erklärt es sich, wie die obere Hälfte des Hofes Kriessern von Rudolf in die Hände der zwei Brüder Payer kam. Diese hatten damals auch, seit dem Jahre 1425, von Graf Friedrich (VI.) von Toggenburg die Herrschaft Rheinthal für fl. 6000 rhein. im Pfand. Aus ihren Händen wohl kam die obere Hälfte des Hofs Kriessern wieder an die Ramswager (wahrscheinlich nach dem Verkauf der Pfandschaft über das Rheinthal an das Land Appenzell 1460); wenigstens erscheint der Ritter Ulrich von Ramswag zu den Zeiten des Schwabenkriegs wieder im Besitz derselben.

1442 bestätigt Eberhard von Ramschwag vor vielen Zeugen aus dem Hof, dass diejenigen von Mäder ihm und von Rosenberg stets loyal gedient haben (Regest). Der Zweck dieser Zeugenaufnahme waren ohne Zweifel Versuche, 'die von Mäder' der Gerichtsbarkeit des Hofes zu entziehen. Anm.: Die Formulierung 'armiger' (anstelle von 'miles') in dieser Urkunde scheint auszusagen, dass Eberhard von Ramschwag den Rittergürtel nicht erlangt hatte.

Heinrich Walter (Eberhards Sohn) wurde 1449 ins Stadtrecht St. Gallen aufgenommen. Dies kam ihm zugute, als er 1451 (via Ulrich Gruber, Ammann zu Kriessern) einen Hilferuf nach St. Gallen absetzen musste, da er von Sigismund von Oesterreich in Feldkirch mit den Seinen ins Gefängnis abgefürt worden war [JH1878, p. 35].

1458 kamen Burg und Burgsäss Blatten, die untere Hälfte des Hofes Kriessern und Wichenstein an den Konstanzer Patrizier (und Schwager) Jakob Mangold und seine Frau Adelheid von Ramschwag¹ (eine Tochter des zweiten Eberhard von Ramschwag). Als diese beiden heirateten bekam Adelheid 1452 [JH1878, p. 36] von ihren beiden Brüdern Heinrich Walter und Ulrich eine Auskaufssumme oder Heimsteuer von 630 Gulden vertragsmässig zugesagt. Als die Summe nach fünf Jahren noch immer ausstehend war, verhefteten Jakob Mangold und seine Frau am 13. Dezember 1457 vor dem Pfalzgericht St. Gallen für ihre Forderung Burg und Burgsäss Blatten, den Hof Kriessern (untere Hälfte), das Burgsäss Wichenstein, den Weingarten zu Haslach und den Weingarten im Kalkofen (ber Bernang / Berneck). Am 6. März wurde den Gläubigern sämtliche Unterpfande (auch der Hof Kriessern, welcher vom König eigentlich nur verliehen war) auf öffentlicher Versteigerung um die Summe von 300 Gulden zugeschlagen. Nach dem Tode Mangolds "Junker über der Herrschaft Blatten" verkaufte seine Frau die Güter für 1500 rhein. Gulden im Jahre 1486 an Abt Ulrich Rösch von St. Gallen.

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¹ Gemäss Wegelin war Heinrich Walter Eberhards Sohn. Daneben erwähnt er für 1449 die Adelheid und ihren unmündigen (= jüngsten?) Bruder Ulrich. Gemäss Wegelin wäre also Adelheid möglicherweise die Tochter des ersten Eberhard. Siehe Kommentar zu [JH1878, p. 35].

Abt Ulrich Rösch von St. Gallen erwarb 1486 den Hof Oberriet von den Erben Ulrich von Ramschwags (namentlich von Adelheid von Ramschwag). Er gönnte sich den Titel "Herr und Vogt zu Blatten und der ganzen Gemeinde zu Blatten und Kriessern" (was ihm noch fehlte war der Teil 'ob der Kirche zu Montlingen' - die Eidgenossen, welche ab 1490 als Regenten des Rheintals auftraten, vergönnten jedoch ihm und seinem Nachfolger Abt Gotthard jedoch den Erwerb dieses fehlenden Teils). Um die Gefälle einzuziehen und seine Rechte als Herr zu wahren, liess der Abt auf der Burg Blatten bei Oberriet (äbtische) Vögte einsetzen, die bis zum Zeitalter der Helvetik (1798) dort walteten. Siehe 'Lehen' → 'Spezielle Situation Rheintal mit mehreren Herren'. In jener Zeit dürfte der Wohnturm einen ebenerdigen Zugang und grosse Fensteröffnungen im vierten und fünften Stockwerk erhalten haben.

Der Schwabenkrieg (Januar bis September 1499), eine Auseinandersetzung zwischen der Eidgenossenschaft und den Schwaben (Kaiser Maximilian), brachte eine unerwartete Wende. Der aktuelle Inhaber der Vogtei über den oberen Teil, Ulrich von Ramschwag, trat als eifriger Parteigänger Oesterreichs (und damit gegen die Eidgenossen) in den Kampf. Demzufolge wurde der eidgenössische Vogt zu Rheineck von den sieben regierenden Orten angewiesen, alle Rechte des Ramschwagers im oberen Riet, im Kriessner Hof, an sich zu ziehen und sich von Ammann, Gericht und Hofleuten den Treue-Eid schwören zu lassen, wie dies zuvor die im unteren Teil dem Abte getan hatten.

Dieses Vorgehen war dem Abt unangenehm, lag er doch mit den Regenten des Rheintals in Zerwürfnis wegen der hohen Gerichtsbarkeit über Blatten, Wichenstein und Kriessern. Die eidgenössische Verwaltung über Oberriet dauerte jedoch nur ein Vierteljahr, denn beim Friedensschluss zu Basel, 1499, wurde die Vogtei wieder Ulrich von Ramschwag zugesprochen. Dies missfiel den Oberrietern, wollten sie sich doch lieber dem Schutze der Eidgenossen unterstellen als dem in österreichischem Gebiet auf Schloss Gutenberg (Balzers) regierenden Vogt der Ramschwager. Aus diesem Grund versuchte der Vogt seine Oberrieter Besitzung loszuwerden und bot sie den Eidgenossen zum Kaufe an (oder wollte sie zumindest in eidgenössischen Schirm nehmen). Auch der Abt von St. Gallen bot seinen Anteil am Hof samt der Burg Blatten den Eidgenossen zum Kaufe an, um so den Streitigkeiten über das hohe Gericht ein Ende zu setzen.

Die Verhandlungen mit den Ramschwagern verzögerten sich, und mit dem Abt wurde vereinbart, das Gericht wie bis anhin im Hofe abzuhalten, da Kriessern eigentlich nicht zum Landgericht Rheintal gehörte und einen Sonderfall darstellte. Einige Monate später sah sich Ulrich von Ramschwag veranlasst, die Anhänglichkeit seiner Hofleute dadurch zu stärken, dass er "auf fleissige und ernstliche Bitte" ihnen eine erste schriftliche Gerichtsoffnung (Ordnung) übergab. Danach wurden alljährlich auf St. Gallentag von der ganzen Gemeinde drei Biedermänner aus ihrer Mitte dem Vogt zur Hofammannwahl vorgeschlagen. Der Gewählte liess alsdann zwölf Richter durch Mehrheitsbeschluss aus der Gemeinde erküren. An dieses Gericht hatte sich jeder Hofmann und auch Gast (Niedergelassener) zu halten. Die eindrückliche Liste der beträchtlichen Bussen, die für alle möglichen Vergehen festgelegt wurden, gibt einen Begriff von den mittelbaren Einnahmen des Vogtherrn. Die Appellation oder der "Zug" vom Hofgericht ging nach Lindau.

Am 13. Oktober 1511, konnte Ulrich von Ramschwag sich mit Abt Franz von St. Gallen einigen, alle seine Rechte über den Hof um 1000 Gulden an das Kloster abzutreten. Durch diesen Kauf fand sich der ganze ehemalige Besitz der Ramschwager im Rheintal in den Händen des Abtes wieder zusammen, unter eidgenössischer Oberhoheit. Die Bezeichnung 'Freier Reichshof' wurde jedoch beibehalten, verlor jedoch jegliche Bedeutung. Der Obrigkeitswechsel hatte auch eine Änderung der Gerichtsverordnung (Offnung) zur Folge. Unter Mitwirkung der acht eidgenössischen Boten wurde das Grundgesetz dahin abgeändert, dass der Abt die Hälfte der Bussen für schweren Frevel den eidgenössischen Regenten überliess, wofür die Hofleute unter eidgenössischen Schutz und Schirm gestellt wurden. Die Appellation ging künftig an das Pfalzgericht in St. Gallen. Die inneren Angelegenheiten ordneten die Hofleute selbst. Den Rats- und Gerichtsverhandlungen durfte der Vogt beiwohnen und dieselben überwachen.

Ab diesem Moment lebten die Hofleute von Kriessern 300 Jahre lang unter äbtischer und eidengössischer (Doppel-) Herrschaft. Staatlich war der Hof ein fester Bestandteil der Landvogtei Rheintal (Obervogt in Rheineck), bürgerlich waren sie Gotteshausleute des Klosters St. Gallen.

1637 liess Abt Pius Reher (an der Stelle der heutigen Festwirtschaft) ein grosszügiges Gebäude erstellen (welches einen älteren, nicht mehr benutzbaren Palas ersetzte).

Karte des Rheintals von Hans Conrad Gyger (1599-1674), Zürich Oberriet, Schloss Blatten (Karten)

Blatten wurde in der Vergangenheit auf Karten oft an etwas seltsamen Orten platziert. Bild 1 zeigt die älteste Karte des oberen Rheintals von Hans Conrad Gyger (1599-1674) um 1620 [StaAr KPH 3/01]. Bild 5 zeigt ein Wuhr namens 'Blatten-Kopf' nördlich von Montlingen (was plausibel ist, da es vor Montlingen tatsächlich ein 'Blattenwuhr' gab).

Zerstörung der Burg

Im Jahr 1799 tobte im Rheintal der Zweite Koalitionskrieg, in dem französische Truppen gegen eine Koalition aus Österreich, Russland und England kämpften. Österreich erklärte Frankreich im März 1799 den Krieg. Am 6. März versuchte der französische General André Masséna zwischen Bregenz und Maienfeld an mehreren Stellen den Übergang über den Rhein zu erzwingen. Sein Ziel war die Einnahme von Bregenz, Feldkirch und von Chur. Die französischen Truppen wurden aber bei der Verteidigung von Feldkirch (22. bis 23. März) durch die Österreicher und lokale Milizen (Frauen von Feldkirch) zurückgeschlagen (siehe dazu auch 'Die Kämpfe in der Nordostschweiz im Frühjahr 1799 bis zum Rückzuge Massénas in die Stellung von Zürich'). Österreichische Truppen unter Feldmarschalleutnant (FML) Baron Hotze¹ drängten nach anfänglichen Erfolgen (z.B. Rückeroberung Luziensteig) auch in die Schweiz vor und siegten bei Zürich gegen General André Masséna, der sich zurückziehen musste. Französische Truppen drangen im September 1799 auch ins Vorderrheintal vor (Graubünden), was zu heftigen Gefechten führte, aber sie konnten die Österreicher und Russen nicht vollständig zerschlagen. Der Krieg endete für Frankreich letztlich erfolgreich, was Napoleons Aufstieg begünstigte, obwohl die Kämpfe im Rheintal und der Schweiz noch intensiv waren.

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¹ Freiherr Johann Konrad Friedrich von Hotze, geboren als Johann Konrad Hotz Freiherr Johann Konrad Friedrich von Hotze
* 20. April 1739 in Richterswil - † 25. September 1799 bei Schänis. Konrad Hotz entstammte einer Chirurgendynastie.
in Richterswil war ein kaiserlich-königlicher Feldmarschallleutnant (Zweisternegeneral). Zeitlebens diente er in fremden Armeen. Letztlich zerstörte also ein Schweizer die Burg Blatten!

Zwar werden im Zusammenhang mit der Zerstörung der Burg Blatten in der Literatur keine genauen Daten genannt, bei der Initiative im März 1799 dürften jedoch die Franzosen, von ihrem Lager beim Blattenberg aus, versucht haben eine gezimmerte Brücke über den Rhein zu schlagen. Mittels heftigem Geschützfeuer ("Stückkugeln") wehrten die Österreicher diesen Angriff ab. Das Schloss Blatten wurde dabei von den Oesterreichern im Kampf gegen die Franzosen erheblich beschädigt und in Brand geschossen. Die Oberrieter verwendeten die Burg in der Folge als Steinbruch für ihren Kirchenbau (vor allem der Palas, die Wirtschaftsgebäude, die Ringmauern und die St. Fridolinskapelle wurden abgetragen). Die Bedingung dabei war, dass der Turm unbehelligt bleiben soll, weil er den Rheinschiffern als Orientierungspunkt diente.

Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten
Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten

Vom Schloss Blatten gibt es keine Darstellungen, welche vor 1800 datieren. D.h., alle Darstellungen zeigen das zerstörte Schloss. Bild 2 zeigt das Schloss etwa im Jahre 1830. Das Bild ist eine von 12 Ansichten, welche eine 1832 erschienene Lithographie von Zeichner J. [Johann Thomas] Scheiffele / Verleger [Samuel] Kellenberger, Chur mit einer "Ansicht von Altstätten" umgeben. Dasselbe Bild ist in einer Bildertafel von Altstätten mit 6 Anrichten zu sehen (StaAR SG ZMH 02/001a). Bild 3: Ruine Blatten, nach einer Zeichnung von Johann Jacob Bietmann 1845.

Bei der Eröffnung der Pintenwirtschaft 'zum Schäfle' (in Moos) wurde Wein vom Blattenberg aufgetischt.

1882 wurde anstelle des zerfallenen Wohntrakts von 1637 eine Festwirtschaft errichtet. Diese Wirtschaft und weitere vier Häuser weiter unten am Schlossberg brannten 1892 ab (siehe Karl Sartory Erben, Feldkircher Anzeiger vom 31. Mai 1892) und St. Galler Volksblatt, 1. Juni 1892). Siehe Karte.

Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten Oberriet, Schloss Blatten

Bild 1: Feldkircher Zeitung 14. Juni 1884, Bild 2: Feldkircher Zeitung 24. April 1886, Bild 3: Feldkircher Zeitung 7. April 1888, Bild 4: Feldkircher Zeitung 22. Mai 1901

Erste Konservierungsarbeiten am Mauerwerk der Burg wurden 1911 ausgeführt, nachdem der Kanton den Wehrturm übernommen hatte. 1977 folgte eine umfassende Sanierung des Wohnturms und 1985 die Instandstellung des Burgrings / Berings mit den Resten des Burgtors.

Anhang - Die Montforter

Die Udalrichinger verwalteten mehrere Grafschaften rings um den Bodensee mit Zentren in Winterthur, Buchhorn oder Bregenz. Um 920 wurde Bregenz durch Ulrich (VI.) zum namengebenden Sitz gemacht. Als Grafen von Rätien begannen die Grafen von Bregenz mit einem intensiven Landesausbau, der unter Ulrich (X.) († 1097) einen Höhepunkt erreichte: Kirchengründungen, Anlage des Bodenseehafens von Fussach, die Stiftung des Klosters Mehrerau, das mit Mönchen aus Petershausen besetzt wurde. Ulrich (X.), der mit Bertha, der Tochter des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden, verheiratet war, demonstrierte damit sein Eintreten für die Hirsauer Kirchenreform. Um das Erbe des letzten Grafen Rudolf († 1150; Stammvater im Bild unten) entbrannte ein heftiger Streit, da es sein Neffe Graf Rudolf von Pfullendorf ebenso beanspruchte wie sein Schwiegersohn Pfalzgraf Hugo von Tübingen.

Quelle: Historisches Lexikon Liechtenstein.

Stammbaum Montforter

Die älteren Montforter und die Linie von Montfort-Feldkirch.

Rudolf II. von Montfort (erwähnt 1252–99) erhielt bei der Aufteilung des väterlichen Erbes mit der Grafschaft Feldkirch den wertvollsten Teil¹.

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¹ « Die Montforter waren ein sehr mächtiges Haus; sie schwächten sich jedoch selbst durch Familienzwiste, denn schon im Jahre 1260 lieferten sich Graf Rudolf von Montfort und Hug von Werdenberg ein Treffen, in dem Rudolf über seinen Vetter siegte, vierzehn Edelleute desselben zu Gefangenen machte, ihm das Stammhaus Fortifels (Montfort) abnahm, und das Dorf Grabs verbrannte. In Unter-Rhätien hatte sich in dieser Zeit das Geschlecht der Grafen von Montfort nicht nur in zwei Häuser (in das von Montfort und das von Werdenberg) aufgespalten, sondern der werdenbergische Stamm hatte sich weiter in die Familien Werdenberg-Heiligenberg, und Werdenberg-Sargans aufgetrennt. Die Linie von Werdenberg bekam die bei Sargans gelegenen Besitzungen, und die Grafschaft Heiligenberg, die von Montfort aber jene, welche sich am rechten Rheinufer bis zum Bodensee hinab zogen [IA1810, Bd. 1. p. 384]. »

Die Feldkircher Linie behauptete sich über vier Generationen im Besitz dieser Grafschaft, ehe sie mit dem kinderlosen Rudolf V. 1390 ausstarb. Schon 1375 hatte Rudolf Feldkirch samt Burg und Stadt auf sein Ableben hin an Österreich verkauft (übergeben 1379).

Die anfangs antihabsburgische Politik der Montforter wurde von den Söhnen Rudolfs II. aufgegeben. Die Feldkircher Linie setzte nach der verlorenen Schlacht von Göllheim (1298) auf Österreich. Rudolf III., Bischof von Chur und von Konstanz († 1334), wurde ein Wortführer der prohabsburgischen Politik. Sein Bruder Ulrich II. und seine Neffen Rudolf IV. und Hugo VII. schlossen unter aktiver Beteiligung der Stadt Feldkirch 1337 einen ewigen Bund mit den Habsburgern, der den Verkauf an Österreich vorbereitete. Die um 1348 unter Rudolf IV. und Hugo VII. aufgeteilte Grafschaft Feldkirch wurde 1359 wiedervereinigt. Die auf der Grundlage dieser Teilung von Hugo VII. gegründete Linie Montfort-Feldkirch-Tosters erlosch mit dessen Tod 1359. Der 1375 verstorbene Rudolf IV. versuchte, die Dynastie durch Mitbeteiligung seiner geistlichen Söhne Ulrich III. († 1367) und Rudolf V. († 1390) noch zu retten; doch blieben beide kinderlos. Deren Schwester Agnes von Montfort-Feldkirch-Tosters wurde infolge ihrer Ehen mit Hartmann III. (I.) von Werdenberg-Sargans-Vaduz und Wolfhart I. von Brandis Herrin zu Vaduz und Mutter der zweiten Generation der Vaduzer Landesherren. Auch durch ihr starkes Wirken im Bistum Chur und in dessen Domkapitel hatte die Feldkircher Linie erheblichen Einfluss in der Region.

Quelle: Historisches Lexikon Liechtenstein.

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 24. Januar 2026)