Alte Krankheitsbezeichnungen

In alten Quellen werden oft Krankheitsbezeichnungen verwendet, welche heute in dieser Form nicht mehr gebräuchlich sind. Die folgende Liste enthält einige dieser Bezeichnungen und erläuternde Erklärungen dazu.

Die Wirkung der Rezepte (markiert mit einem Rezept- Symbol) ist ohne Gewähr. Der Autor lehnt jegliche Haftung bei unerwünschten Nebeneffekten ab.

Index

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

 


A


abortivum, abortivus

Frühgeburt, resp. Mittel zur Einleitung einer Frühgeburt

abortus

Fehlgeburt

Heute: Schwangerschaftsbeendigung bis einschließlich der 28. Woche

abscessus

lat. für 'Weggang', 'Tod'

Abszess

Eiterbeule

Heute: Eiteransammlung in einer nicht vorgebildeten, sondern durch Gewebseinschmelzung bzw. Infektion entstandenen, allseitig abgeschlossenen Gewebehöhle, die später oft von einer bindegewebigen Abszeßmembran umgeben wird

Abweichen

Durchfall

Abzehrung

siehe 'Auszehrung'

Aeres

Ausschlag

Afterfratt

siehe 'Wolf'

Agonia

Todeskampf

Albschoss

rheumatischer Schmerz, Hexenschuss

Alp

Angstzustand, Dämonen, die Ängste verursachen

Andreas-Krankheit

Arthritis, Gicht

Angina

Halsentzündung, Mandelentzündung

Angst

Beengung, Schmerz

Anmal

Flecken bei ansteckender Krankheit, Pestflecken

Antoni-Rache

Mutterkornbrand (siehe auch 'Kriebelkrankheit' oder 'Antonius-Feuer'), Ruhr, Pestbeule

Antonius-Feuer (sacer morbus)

Mutterkornbrand (siehe auch 'Kriebelkrankheit'), Gesichtsrose, Milzbrandrotlauf

Meyers Konversationslexikon (1888): Name einer epidem. Krankheit, welche im 9.-13. Jahrhundert in ganz Europa, besonders in Frankreich, herrschte und dadurch charakterisiert war, daß sich unter heftigen Schmerzen Brand einzelner Glieder, selbst des Gesichts, der Genitalien und der Brüste, vorzugsweise aber der Hände und Füße, einstellte. Die ergriffenen Teile wurden kalt und schwarz, das Fleisch fiel von den Knochen und verpestete die Luft. Die meisten, welche von dieser Krankheit befallen wurden, gingen daran zu Grunde; nur wenige genasen und boten dann wegen der Verstümmelung ihrer Glieder einen schaudervollen Anblick dar. Es darf als erwiesen betrachtet werden, daß die mittelalterlichen Epidemien des heiligen Feuers nichts andres find als unser Mutterkornbrand (siehe 'Kriebelkrankheit'), daß sie also durch den Genuß von Mutterkorn entstanden sind.

Seit dem 14. Jahrh. wird das Antonius-Feuer nicht mehr erwähnt, die Krankheit selbst kam aber unter andern Namen noch vor. Sie wurde nach dem heiligen Antonius benannt, angeblich weil viele daran Erkrankte in der Kirche zu St.-Didier la Mothe durch Anrufung jenes Heiligen genesen sein wollten (vielleicht durch gesundes, mutterkornfreies Brot, welches ihnen die Mönche reichten). Vgl. Häser, Geschichte der epidemischen Krankheiten (2. Aufl., Jena 1867).
In der Tierheilkunde bezeichnet man mit Antonius-Feuer (fliegendes, heiliges Feuer, Vorder- und Hinterbrand) eine größere Zahl von Tierkrankheiten, besonders Rotlaufseuche der Schweine, Pocken der Schafe, Kopfrose der Wiederkäuer und die Milzbrandaffektionen in der äußeren Haut.

Antrax, Anthrax

Blutgeschwür

Heute: Milzbrand (Zoonose, die durch den Erreger Bacillus anthracis hervorgerufen wird)

Apoplexie

Gehirnblutung, Schlaganfall

Apostema

Eitergeschwür, Abszeß

Ardura

Entzündung

arteticus

gelenkleidend

Arthritis

Gelenkentzündung, Gicht

Aufblähen

Kolik, Anschwellung

Aurogo

Lebererkrankung, Gallenerkrankung, Gelbsucht

Aussatz

Lepra

Meyers Konversationslexikon (1888): Eine der ältesten und ekelerregendsten, vorzeiten weitverbreiteten Volkskrankheiten, herrschte im Altertum in Asien, Afrika und Europa und hatte besonders im Mittelalter auch in Deutschland sehr um sich gegriffen. Jetzt noch ist der Aussatz in Asien, Afrika, Amerika, Ozeanien verbreitet, während er bereits seit Jahrhunderten fast aus allen Teilen Europas verschwunden ist und nur noch in einzelnen Distrikten Rußlands und Skandinaviens, auf Island und der Iberischen Halbinsel, in der Provence und an den italienischen Küsten, in Griechenland und auf den Inseln des Mittelmeers regelmäßig vorkommt, nirgends aber in solcher Verbreitung wie in Norwegen, wo man noch 1862 2119 Aussätzige bei nicht ganz 2 Mill. Einwohnern zählte. In Deutschland kommen Fälle von Aussatz nur sehr vereinzelt vor.

Moses schon kannte die Krankheit sehr genau. In Griechenland und in Italien zu Ciceros Zeiten scheint sie häufig vorgekommen zu sein. Später, im 7. und 8. Jahrh. war sie unter dem deutschen Völkerstamm der Langobarden sehr verbreitet, und in Bremen wurden schon im 9. und in Würzburg im 11. Jahrh. Hospitäler für Lepröse gegründet. Die allgemeinere Verbreitung des Aussatzes in Europa im Mittelalter darf mit Recht den Kreuzzügen zugeschrieben werden. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 13. Jahrh. und verschwand mit dem Schluß des 16. Jahrh. fast ganz aus der Reihe der chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa.

Der Aussatz ist vielfach mit andern Krankheiten der Haut zusammengeworfen worden, namentlich mit der Radesyge in Norwegen, dem Pellagra und dem Scarlievo in Italien, mit syphilitischen, lupösen und skrofulösen Hautkrankheiten sowie mit der eigentlichen Elefantiasis. In neuerer Zeit ist die Kenntnis des Aussatzes durch drei norwegische Ärzte, Daniellsen, Boeck und Armauer Hansen, und ganz vorzugsweise durch die Studien von Virchow gefördert worden. Der Aussatz ist durchaus keine auf die Haut beschränkte Krankheit, obschon an dieser die krankhaften Veränderungen am augenfälligsten sind, sondern betrifft auch die Nerven und andre Gewebe und kommt selbst an den innern Organen des Körpers vor. Der Aussatz ist eine allgemeine Erkrankung des Organismus, wobei bedeutende Veränderungen der Haut am meisten in die Augen fallen. Die mangelhafte Hautpflege in früherer Zeit und in der niedern Volksklaße trug natürlich viel dazu bei, die Hauterkrankung nur noch auffälliger zu machen.

Man unterscheidet zwei Hauptformen des Aussatzes: die knotige und die glatte oder anästhetische Form.

Die knotige Form hat zuweilen einen schnellen, in der Regel aber einen langsamen Verlauf, die mittlere Dauer ist etwa 9 1/2 Jahre. Sie beginnt in einem Vorläuferstadium mit Mattigkeit, Neigung zum Schlaf, Frösteln, Appetitlosigkeit; unter herumziehenden Schmerzen entstehen kleine, rundliche, braunrote Flecke auf der Haut, welche anfangs auf Fingerdruck verschwinden, um nach einiger Zeit wiederzukehren. Nach einigen Jahren werden die Flecke konstant und mehr bräunlich, der Kranke fühlt sich dann wieder etwas besser. Gewöhnlich erscheinen diese Flecke zuerst in der Augenbrauengegend und auf den Handrücken, schwellen dann an und bilden einzeln stehende, rundliche, harte Knoten, welche über die Haut hervorragen. Dabei entstehen meist fieberhafte Erscheinungen mit allgemeiner Abgeschlagenheit. Die Knoten wachsen, breiten sich über Gesicht, Arme und Beine und einen großen Teil des Körpers aus, auf dem sie überall sich finden können mit Ausnahme des behaarten Kopfes, der Fußsohle und der Handfläche. Zuletzt erweichen diese Knoten, brechen auf und bilden, am meisten um die Gelenke herum, Geschwüre, welche eine übelriechende Flüssigkeit absondern, die sich zu einer braunen, dicken Kruste eindickt. Unterdessen sind die meisten Lymphdrüsen angeschwollen, wie am Hals, in der Achselhöhle, in der Leistengegend. Ähnliche Knoten bilden sich auf den Schleimhäuten des Mundes, des Schlundes, in der Nase und im Kehlkopf; die Stimme wird klanglos, rauh, das Atmen behindert. Das Auge wird zuweilen ebenfalls angegriffen und zerstört, die Nase sinkt ein. Im Innern des Körpers leiden die Organe zugleich mit; am Bauchfell, im Magen finden sich erweichte Knoten; die Gekrösdrüsen sind angeschwollen und innerlich oft erweicht; ja, Rippenfell und Herzbeutel können mit Knoten besetzt sein, während die Lungen stets frei bleiben. Endlich sind auch die Nerven und Unterleibsgefäße mit knotiger Masse erfüllt. Zuletzt finden wässerige Ergießungen in die Hirnhöhlen statt, und die Patienten sterben unter Erscheinungen von Bewußtlosigkeit.

Einen stets langsamern Verlauf nimmt die glatte oder anästhetische Form, deren mittlere Dauer auf 18 1/2 Jahre berechnet wird. Es gehen derfelben die gleichen allgemeinen Vorläufer-Erscheinungen voraus, aber anstatt der rotbraunen Flecke schießen in plötzlichen Ausbrüchen große Blasen, besonders an Armen und Beinen, auf. Die Blasen bersten und hinterlaßen oberflächliche Geschwüre und diese runde, weiße, in der Haut etwas vertiefte Narben. Jetzt folgt eine größere oder kleinere Pause, in der der Kranke sich wohl befindet, bis sich an irgend einem Teil des Körpers eine übermäßige schmerzhafte Empfindlichkeit der Haut einstellt, begleitet von Schlaflofigkeit, Unwohlsein und Abmagerung. Diese Schmerzhaftigkeit kann lange Zeit dauern; wenn sie verschwindet, ist aber auch das Gefühl mit erloschen. Diese Gefühllosigkeit dehnt sich aus und wird zuletzt so vollkommen, daß der Kranke sich an den gefühllosen Stellen brennen kann, ohne es zu spüren. Wenn das Gesicht gefühllos wird, können die Lippen und die Augenlider nicht geschlossen werden; die Lider stülpen sich nach außen um, die Hornhaut trübt sich, und es entsteht Blindheit. Ergreift die Gefühllosigkeit die Geschlechtsorgane, so erlischt der Geschlechtstrieb, was bei der knotigen Form nicht beobachtet wird, wenn auch Knoten an diesen Teilen sich bilden. Verbreitet sich die Anästhesie auf die Extremitäten, so vermindert sich auch die Bewegungsfähigkeit, Finger und Zehen stehen krumm und unbeweglich. Endlich entstehen nach einem höhern Grad von Unbeweglichkeit brandige Geschwüre aus der Fußsohle, die Knochen werden brandig, und einzelne Glieder fallen ab. Dabei waltet gewöhnlich sehr heftiges Fieber ob, dem die Leidenden erliegen. Diese letztere Form des Aussatzes hat man als verstümmelnden Aussatz (Lepra articulorum s. mutilans) bezeichnet, weil die Glieder in den Gelenken gleichsam abgesetzt werden. Die Verstümmelung ist die Folge von Entzündungen, welche in den gefühllosen Teilen vor sich gehen. Zuweilen verlieren die Kranken Hände und Füße, Nase und Augen, so daß gewissermaßen nur Kops, Rumpf und rohe Stümpfe von den Extremitäten übrigbleiben.

Ärztliche Beschreibungen des Aussatzes mangeln aus früherer Zeit bis zum 16. Jahrh. fast vollkommen; meist müssen die Mitteilungen darüber den Chronikschreibern und Dichtern entnommen werden. Von hohem Interesse ist ein von Virchow aufgefundenes Bild des ältern Holbein in der Pinakothek zu München, welches die heil. Elisabeth darstellt, wie sie, von der Wartburg heruntersteigend, die Aussätzigen speist und tränkt. Vier Personen tragen hier deutliche Zeichen des Aussatzes an sich. Von alters her hat man an die Ansteckungsfähigkeit des Aussatzes geglaubt und deshalb schon früh die Absonderung der Aussätzigen von Staats wegen angeordnet, welche daher auch vorzugsweise Sondersieche hießen. Diese Annahme der Kontagiosität des Aussatzes veranlaßte deshalb auch schon sehr bald die Einrichtung von Aussatzspitälern (Léproseries, Maladreries, Meselleries, Lazzaretti, Sondersiechenhäusern), meist an abgelegenen Teilen der Städte oder außerhalb derselben vor den Thoren. Im nördlichen Deutschland waren sie fast alle dem heil. Georg geweiht und wurden daher St. Georgs- oder St. Jürgenspitäler genannt. Ihre Zahl war eine sehr bedeutende. Die meisten deutschen Leproserien werden im 13. und 14. Jahrh. zum erstenmal erwähnt, die ältesten fallen in die Zeit der letzten Kreuzzüge, an denen die Deutschen fast gar keinen Anteil nahmen. Außer diesen größern Anstalten gab es noch vereinzelte "Feldhütten" zur Unterbringung einzelner, den Landgemeinden angehöriger Siechen. Ob ein Mensch aussätzig war oder nicht, wurde von vereidigten "Beschauern" entschieden; in Holland besaßen einzelne Kapellen ein Privilegium dafür, das viel Geld eintrug. Wer für aussätzig erklärt wurde, erhielt ein schriftliches Zeugnis und eine besondere Kleidung, gewöhnlich ein schwarzes Gewand mit bestimmten Abzeichen nebst einem Hut mit breitem weißen Bande. Dazu trugen die Leprosen eine hölzerne Klapper, um ihre Annäherung zu erkennen zu geben, und einen Stock, womit sie die Gegenstände, die sie begehrten, berührten. Waffen zu tragen, war ihnen verboten. In Frankreich wurden sie für bürgerlich tot erklärt, durften öffentliche Orte gar nicht besuchen, nicht erben, noch etwas erwerben, so daß die armen Leidenden oft, zur Verzweiflung getrieben, sich gegen die Bewohner der Städte emporten, dafür aber mit den härtesten Strafen, selbst Todesstrafen, belegt wurden. Dagegen war den Aussätzigen gestattet, zu betteln und in der Welt herumzuziehen.

In den Leproserien waren sehr komplizierte Hausordnungen eingeführt, die im ganzen allenthalben viel Übereinstimmendes hatten und nur in einzelnen unwesentlichen Punkten voneinander abwichen. Die Frauen und Männer waren getrennt, bei Strafe des Verlustes ihrer Pfründe sollten die Ausgenommenen keusch leben, jede Gemeinschaft zwischen Sonnenuntergang und -aufgang sollte aufhören, kein Siecher durfte ohne Gefährten aus dem Haus gehen oder gar über Nacht aus dem Haus bleiben, mit einer gesunden oder siechen Frau sprechen etc. Auch sollten sich die Kranken aller lärmenden Vergnügungen enthalten. Die für sie bestimmten Kapellen hatten einen abgesonderten Platz, der nur durch eine kleine Öffnung mit der übrigen Kirche zusammenhing; das Abendmahl wurde denselben am Werkeltag in ihrer "verordneten" Kapelle gereicht. Das Heiraten war den Sondersiechen ganz untersagt, und Pippin schon hatte den Aussatz 757 als Ehescheidungsgrund aufgestellt mit der Erlaubnis zur Wiederverheiratung für den gesunden Teil. Diese letztern Angaben deuten darauf hin, daß man schon vor alters an die Kontagiosität und an die Erblichkeit des Aussatzes glaubte. Während aber letztere nicht bezweifelt werden kann, sieht man gegenwärtig die Krankheit nicht mehr als ansteckend an. Sie wird übrigens häufiger ererbt, als daß sie spontan entsteht. Daniellsen und Boeck nehmen nach Untersuchungen, welche dieselben an 213 Individuen im St. Jürgenhospital zu Bergen angestellt, an, daß die Krankheit bei 185 ererbt und nur bei 28 spontan entstanden sei.

Im Jahre 1882 hat die Untersuchung der Lepraknoten durch Hansen und Neißer stäbchenförmige Bakterien in denselben ergeben, welche mutmaßlich als die nächsten Vermittler des Kontagiums anzusehen sind und dem Aussatz seine Stellung unter den Infektionskrankheiten anweisen. Das Alter, in welchem der Aussatz gewöhnlich zuerst ausbricht, ist das zweite Lebensjahrzehnt; er zeigt sich dann am meisten zwischen 20-30 Jahren. Nach dem 60. Jahr ist die Krankheit von den genannten Forschern niemals beobachtet worden.

Die Behandlung des Aussatzes bezog sich neben den prophylaktischen bereits genannten Maßregeln der Isolierung und Verhinderung der Fortpflanzung und erblichen Übertragung von jeher hauptsächlich auf die Diät, auf Hautpflege durch Bäder, die mit allerlei Zusätzen von aromatischen und andern Stoffen versetzt wurden, auf Einreibungen und Überschläge von erweichenden und zerteilenden Mitteln, auf Verbände der Geschwüre mit balsamischen, reizenden Salben. Innerlich wurden die verschiedensten Mittel gereicht, aber, wie es scheint, mit sehr geringem Erfolg. Der Volksglaube hoffte alles von der Wirkung übernatürlicher Mittel, so namentlich von einem unmittelbaren Eingreifen Gottes, wie zahlreiche Legenden bezeugen, und von dem Blut unschuldiger Kinder: höchste Reinheit sollte höchste Unreinheit heilen. Die bekannteste hierher gehörige Legende ist der "Arme Heinrich" Hartmanns von Aue. Neuere Schriftsteller rühmen als Mittel gegen den Aussatz den Gebrauch von Jodkalium bei guter, kräftiger Nahrung.

Auszehrung

Tuberkulose, Schwindsucht, Darre, Kräfteverfall, Phthisis, Tabes, Consumptlo, Marasmus, Kachexie, Atrophie

Meyers Konversationslexikon (1888): Ganz allgemein ein Schwund, eine Abnahme von Körpersubstanz. Dieser Verlust betrifft entweder die sämtlichen Organe und Gewebe des Körpers gleichmäßig, oder er beschränkt sich auf einzelne Teile, oder er hat anfangs einen beschränkten Sitz und wird später allgemein. Gewöhnlich versteht man unter Auszehrung den Schwund und das Hinsiechen des ganzen Organismus, wie es in der natürlichen Entwickelung dem hohen Greisenalter zukommt und in frühern Lebensperioden durch schwere Ernährungsstörungen mannigfachster Art hervorgebracht werden kann. Am auffallendsten ist zunächst der Schwund des Fettgewebes, wodurch die Körperformen ihre Rundung verlieren, die Haut ihre Straffheit und Glätte einbüßt, das Gesicht Falten erhält; demnächst ist die Blässe der Haut und der Schleimhäute schon für den Laien in die Augen fallend. Später erst stellen sich Verdauungsbeschwerden, oft allgemeine Verstimmung, Trägheit, nächtliche Schweiße, Wassersucht ein, welche mit steter Abnahme der Kräfte in langsamem Verfall schließlich zum völligen Aufhören aller Leistungen absinken können. Die eigentlichen Ursachen, welche einer solchen Auszehrung zu Grunde liegen, sind höchst mannigfacher Natur. Ein großes Kontingent derartiger Fälle stellt unter traurigen sozialen Verhältnissen der Hunger mit all den düsteren Helfershelfern, dem Mangel an Licht, Luft, Reinlichkeit, guter Kleidung, Wärme etc., die mehr Opfer fordern als Krieg und Krankheit selbst. Unter den Krankheiten im engern Sinn stehen im Vordergrund die chronischen, sogen. dyskrasischen Leiden, wie Tuberkulose, Syphilis, Krebskachexie, Skrofulose, sodann das wechselvolle Bild der Lungenschwindsucht, ferner aber Darmleiden, chronische Entzündungen lebenswichtiger Organe und viele Erkrankungen des Nervensystems, Knocheneiterungen (Karies) etc., welche den Schwund der leistungsfähigen Organe teils durch Verschwärung, teils durch Verhärtung und Überwucherung mit neugebildetem Gewebe, teils durch abnorme Ausscheidungen aus dem Blute, teils durch Behinderung der Stoffaufnahme in das Blut zuwege bringen.

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B


Balbina

Kropf

Bangigkeit

Krampfanfälle, Epilepsie

Bangigkeit der Kinder

Krämpfe (meist Darm-Infektion)

Barpel

Kinderpocken

Bauchwassersucht

Aszites

Bäuschel

Schwindsucht

Begabung

Krämpfe

Bereden

Behexen

Berle

Blutgeschwulst

Beuschel

Schwindsucht

Beutelmann

Fieber, Schüttelfrost

Blärr

Hautausschlag, Pocken

Blarre

Geschwulst, Geschwür

Blatter, Blattern

Hautausschlag, Pocken

Blattfluß

Ruhr

Blödigkeit der Augen

Fehlsichtigkeit

Blödigkeit

Schwäche, Krankheit

Meyers Konversationslexikon (1888): Blödigkeit, als Eigenschaft im Umgang mit andern, wirklich oder vermeintlich Höhergestellten, hat mit der gewöhnlichen Schüchternheit den Wunsch, zu gefallen, aber auch den Mangel an Mut, zu dem Ende seine (wahren oder Ungebildeten) Vorzüge geltend zu machen, gemein, dagegen den Glauben, solche zu besitzen, der bis zu innerlichem Hochmut und geheimer Selbstgefälligkeit sich steigern kann, vor dieser voraus. Der Mut, der ihr fehlt, ist daher nur ein physischer, jener, welcher der Schüchternheit abgeht, vielmehr ein moralischer; letztere muß erst Vertrauen zu sich selbst gewinnen, während die Blödigkeit, die dieses innerlich längst besitzt, nur der Zuversicht bedarf, es auch äußerlich ohne Anstoß an den Tag legen zu können.

Das sogenannte Mutantrinken, welches das schon vorhandene Selbstvertrauen wohl zu stärken und zu Handlungen fortzureißen, das mangelnde aber nicht zu erzeugen vermag, kann daher wohl der Blödigkeit, nicht aber der Schüchternheit unter Umständen zu Hilfe kommen.

Blödsichtigkeit

Lichtscheuheit, Schwachsichtigkeit

Blödsinn

Dementia

Meyers Konversationslexikon (1888): Der höchste Grad krankhafter Geistesschwäche, das Darniederliegen aller intellektueller Thätigkeit, wie es teils angeboren beim Kretinismus, teils erworben im Verlauf mannigfacher Geisteskrankheiten, namentlich als Endstadium des paralytischen Irreseins und als Folge des Gehirnschwundes im höhern Greisenalter (seniler Blödsinn) zur Beobachtung kommt.

Blutfluß

Ruhr, Blutdurchfall

Blutgang

Ruhr, Blutdurchfall

Blutlauf

Ruhr, Blutdurchfall

Auch für Cholera und ähnliche schwere Durchfallerkrankungen.

Blutsturz

Bluterbrechen, Blutdurchfall

Böser Hals

siehe 'Bräune'

Böser Blick

böses Auge, lat. Fascinum, daher Fascination, griech. Baskania, ital. Fascino dei malvagiocchi, engl. evil eye

Meyers Konversationslexikon (1888): Nach altem und weitverbreitetem Aberglauben die gewissen Personen innewohnende Zauberkraft, durch Blicke (oder auch durch damit verbundene Worte) andre Personen oder fremdes Eigentum zu behexen und ihnen dadurch zu schaden. Bei den Alten waren die Thebaner wegen ihres "bösen Blicks" berüchtigt, ebenso die Illyrier, Triballer und alle Frauen mit doppeltem Augenstern. Noch jetzt glaubt man in Italien, bei den Albanesen und Neugriechen, in Irland sowie in Rußland, Polen und Rumänien sehr allgemein an den bösen Blick. In Neapel nennt man die mit dem bösen Blick behaftete Person Jettatore (richtiger Gettatore) und die Bezauberung selbst Jettatura, Ausdrücke, die sich auch in andre Sprachen verbreitet haben.

Die Alten kannten mancherlei Mittel (Amulette, Formeln, Handlungen oder Gebärden), um sich vor der Macht des bösen Blicks zu schützen. In Italien trägt man zum gleichen Zweck noch jetzt ein Amulett in Form eines Hörnchens (Abkömmling des antiken Fascinum, das als Symbol des landsegnenden Liber pater zugleich als Gegenzauber galt), oder man macht wenigstens, wenn der böse Blick droht, das Zeichen eines Hörnchens mit den Fingern von sich weg. Überhaupt aber gilt als Abwendungsmittel eine Fratze, die, mit der Hand (sogen. "Feige") oder dem Gesicht gemacht, das drohende Übel verscheucht.

Vgl. Jahn in den Abhandlungen der Königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, 1855. Vgl. Berufen.

Bradem, böser

Atemnot

Brand

brennend schmerzende Erkrankungen, Typhus

Bräune

Diphterie

Brest

Gebrechen, Bruch, Epilepsie

bresthaft

verstümmelt, krank, körperlich oder geistig behindert, altersschwach, gebrechlich

Brustkiste

Atembeschwerden, Asthma

Brustkränke

Lungenkrankheit, Tuberkulose, Auszehrung

Brustkrankheit

Lungenkrankheit, Tuberkulose, Auszehrung

Bürzel

Influenza (Grippe)

Busse

Knochenfraß, Krebs

Top


C


Cachexia

allgemeiner Kräfteverfall, Schwindsucht

Meyers Konversationslexikon (1888): Leberegelkrankheit (Fäule, Verhüten, Anbrüchigkeit, Bleichsucht, Egelseuche, Cachexia ictero-verm1nosa), eine bei den Wiederkäuern, vorzugsweise bei Schafen, vorkommende abzehrende und mit Ansammlung von wässeriger Flüssigkeit in dem Unterhautzellgewebe, zwischen den Muskeln und in den Körperhöhlen verbundene Krankheit, die durch das Vorhandensein von Leberegeln in den Gallengängen der Leber verursacht wird. Nicht selten werden 1oo-6oo Egel in der Leber eines Schafs gefunden. Die einzige Ursache der Krankheit ist die Aufnahme der Leberegelbrut, welche sich aus feuchten Weiden, an Bachrändern etc. sowie in stagnierendem Wasser in Gräben und Pfützen findet. Im Sommer oder Herbst, vorzugsweise morgens und abends, wenn die Weiden vom Tau naß sind, kann in wenigen Stunden so viel Egelbrut aufgenommen werden, daß die Krankheit entsteht. Auch kann diese bei Stallfütterung durch Gras von feuchten Stellen hervorgerufen werden.

Die Egelbrut wandert vom Magen oder Darm aus in die Leber ein. Ist die Einwanderung sehr stark, so kann der Tod sehr schnell erfolgen. Dies ist aber nur höchst selten der Fall, in der Regel erkranken die Schafe erst mehrere Monate nach der Aufnahme der Egelbrut. Die ersten Symptome sind Mattigkeit, Appetitsverminderung und Gelbfärbung der Schleimhäute. Allmählich werden die Schleimhäute und die äußere Haut blaß, namentlich die Bindehaut der Augen, die außerdem infolge wässeriger Infiltration anschwillt und einen fettigen Glanz bekommt. Auch im Zellgewebe unter der äußern Haut sammelt sich bald wässerige Flüssigkeit an, infolgedessen die Schafe anfangs oft wohlbeleibt erscheinen. Später senkt sich die wässerige Flüssigkeit unter der Haut nach den tiefsten Stellen und bildet weiche Geschwülste unter dem Bauch, unter der Brust und unter der Kehle (Kropf); die Körperschwäche nimmt zu, es tritt Abmagerung ein, häufig entsteht auch Durchfall, und der Tod erfolgt durch Entkräftung. Die Dauer der Krankheit ist je nach der Menge der in der Leber vorhandenen Egel, nach der Konstitution der Schafe und nach der Fütterung sehr verschieden. Sind viele Egel in der Leber vorhanden, so verläuft die Krankheit schneller; schwächliche, sehr alte oder sehr junge Tiere erliegen früher als kräftige Schafe; durch knappe oder unzweckmäßige Fütterung wird der tödliche Ausgang der Krankheit beschleunigt. Manche Schafe erliegen schon im Herbst oder im Vorwinter, andre im Nachwinter, wieder andre erst im Frühjahr oder noch später nach der Aufnahme der Egelbrut.

Die im Sommer oder Herbst aufgenommenen Egel gehen zwar naturgemäß im folgenden Frühjahr oder Sommer wieder ab; aber wenn zahlreiche Egel vorhanden waren, ist die Leber meist in dem Grad krankhaft verändert, die Lebersubstanz geschwunden, sind die Gallengänge erweitert und inkrustiert, daß die Verdauungsstörungen fortbestehen und schließlich eine tödliche Abzehrung verursachen. War die Zahl der Egel in der Leber eine geringere und die Krankheit nicht vollständig ausgebildet, so tritt nach dem Abgang der Egel Genesung ein. Um die Ausbildung der Abzehrung und die Wassersucht zu verhindern, müssen die Schafe, sobald sich die ersten Spuren der Krankheit in der Herde zeigen, möglichst kräftig gefüttert werden. Zur Unterstützung der Verdauung und der Blutbildung werden Salzlecksteine und auf je 100 Schafe 50 g Eisenvitriol und 5oo g Wacholderbeeren, mit Haferschrot gemischt, wöchentlich zwei- oder dreimal zum freiwilligen Genuß gegeben. Die Egel sind durch Arzneimittel nicht zu vertreiben. Erreicht die Krankheit bei verhältnismäßig vielen Stücken der Herde schon im Vorwinter einen hohen Grad, so ist möglichst zeitiges Abschlachten der ganzen Herde zu empfehlen. Um die Krankheit zu verhüten, müssen nasse Weidestellen sowie das Tränken aus Gräben oder Pfützen vermieden werden; eventuell sind die Weiden durch Abzugsgräben zu verbessern.

Bei Rindern sind die Erscheinungen und der Verlauf der Krankheit im wesentlichen wie bei Schafen.

cachexicus

schwindsüchtig

Cancer

Krebs

Meyers Konversationslexikon (1888): Krebs (Krebsschade, Krebsgeschwür, griech. Carcinoma, lat. Cancer), ein von Galen in die Medizin eingeführter Name, welcher ursprünglich auf harte Geschwülste der weiblichen Brust angewendet wurde, da diese mit ihren erweiterten, bläulich durchscheinenden Gefäßverzweigungen eine entfernte Ähnlichkeit mit den Füßen eines Flußkrebses darbieten sollten. Später verwischte sich diese ursprüngliche Bedeutung, und es wurden alle möglichen bösen Gewachse als Krebs bezeichnet, selbst solche, bei denen der eigentliche Geschwulstcharakter ganz in den Hintergrund trat und der Krebsschade die Gestalt eines bösartigen, um sich fressenden Geschwürs angenommen hatte. So ist denn noch heute derselbe Name für eine Art der Geschwüre in Gebrauch, welche längst aus dem Gebiet der Krebse ausgelöst und in dem Kapitel der Syphilis als Schanker (Cancer) eingereiht worden sind.

Da die Gewächse bis in den Anfang dieses Jahrhunderts nach rein äußerlichen Modifikationen ihrer Erscheinung benannt wurden, so sind einerseits früher viele Geschwülste als Krebse bezeichnet worden, welche heute anders benannt werden, und zum andern ist die alte Einteilung der Carcinome in Blutschwämme, Markschwämme, Alveolarkrebse, Cancroide, Scirrhusformen etc. nur noch für diejenigen verständlich und anwendbar, welche in diesen Namen eben nur äußerliche Varietäten einer Neubildung erblicken, deren Wesen nicht durch diese Erscheinung, sondern durch den innern Ausbau ihrer Gewebe bestimmt wird. Dieser Bau, welcher im wescntlichen allen echten Krebsgewächsen gemeinsam ist, läßt ähnlich wie der Bau eines drüsigen Organs zwei verschiedene Gewebsbestandteile unterscheiden: 1) das Krebsgerüst (stroma) und 2) den Krebssaft oder die Krebsmilch. Daher gehören die Krebse in die Kategorie der organoiden Neubildungen. Das Gerüst besteht aus neugebildetem Bindegewebe, das auf verschiedenen Stufen der Entwickelung vom Keimgewebe zum festen, harten, schwieligen Gewebe stehen kann, und welches geschlossene Räume, die Krebsalveolen, bildet. Diese Räume enthalten den Krebssaft, welcher aus epithelialen Zellen und dem sogen. Krebsserum zusammengesetzt ist. Weder die Alveolen noch die Zellen bilden für sich das charakteristische Merkmal des Krebses; es gibt keine Kennzeichen an Form, Größe oder chemischer Zusammensetzung, welche etwa nur den Krebszellen zukämen, sondern in der Vereinigung beider Bestandteile (in dem genannten Verhältnis) liegt das entscheidende Kriterium.

Als Grundlage einer Einteilung im modern wissenschaftlichen Sinn dienen nun gleichfalls gewisse Varietäten des Stromas und der Krebszellen. Eine sehr zellenreiche Neubildung mit sehr dünnem, zartem Gerüst, die sehr weich ist, nennt man Medullarkrebs. Eine sehr harte, schwielig derbe Geschwulst, deren Stroma vorwiegend entwickelt, deren zellenerfüllte Räume klein und dürftig sind, nennt man Scirrhus. Die Mitte zwischen beiden bildet das Carcinoma simplex. Den früher ausschließlich als C. alveolare bezeichneten Krebs nennt man Kolloid- oder Gallertkrebs, weil in ihm das Gewebe eine gallertige Umwandlung eingeht. Sind Zellen und Gerüst pigmentiert, wie bei den Krebsen, welche von pigmentierten Geweben (Auge, Hautwarzen) ausgehen, so heißt der Tumor C. melanodes. Enthält der K. Zellen, die ganz den Zellformen seines Mutterbodens analog sind, wie die Carcinome der Haut und einiger Schleimhäute, welche eine epidermoidale Decke haben, so spricht man von Cancroiden (Epithelialkrebsen). Zu diesen gehört das Cancroid am Hodensack, das wegen seines häufigen Vorkommens bei Schornsteinfegern als Schornsteinfegerkrebs bezeichnet worden ist.

Die Cancroide sind im ganzen weniger gefährlich als die andern Formen.

Der Krebs tritt beim Mann am häufigsten in der Unterlippe, beim Weib in der Brustdrüse auf; aber auch an andern Körperteilen ist er bei beiden Geschlechten nicht selten, so in der Gesichtshaut, an den Geschlechtsteilen (beim Weib namentlich an der Gebärmutter), im Magen, Mastdarm, an der Zunge, im Kehlkopf etc. Anfangs bildet der Krebs eine knotige, nicht ganz scharf begrenzte Verhärtung, und auch bei weiterm Wachstum kann er diesen Charakter bewahren; liegt er aber nahe an einer Oberfläche, so verfällt er leicht der Verschwärung; es bildet sich ein Krebsgeschwür, im Sinn der Alten ausgedrückt, wird der C. occultus ein C. apertus. Ein solches Geschwür bietet in der Regel ein sehr unregelmäßiges Aussehen, eine schnell wuchernde, meist stinkende und stark absondernde Oberfläche dar. Eine wesentliche Eigentümlichkeit des Krebses ist die, daß derselbe in entferntern, meist, doch nicht immer, in irgend einem durch Lymph- oder Blutgefäße gebildeten Zusammenhang stehenden Körperteilen, z.B. im Magen und in der Leber, auch in der Lunge, in den Knochen, auftritt als sogen. sekundärer Krebs oder Krebsmetastase.

Die Krebsgeschwulst nimmt zuweilen einen bedeutenden Umfang an, sie kann bis zur Größe eines Mannskopfes und darüber wachsen. Unter den Symptomen, welche der Krebs noch ferner hervorruft, ist der Schmerz besonders hervorzuheben. Dieser ist sehr verschieden: reißend, schießend, brennend, plötzlich austretend und dann wieder nachlassend, und wird meist durch den Druck auf die Umgebung veranlaßt. Während der Entwicklung schwellen die benachbarten Lymphdrüsen an; das anfänglich ungestörte Wohlbefinden schwindet allmählich; der Kranke verliert den Appetit, die Haut wird bleich und bekommt eine eigentümlich erdfahle, strohgelbe Färbung; unter allgemeiner Erschöpfung (Krebskacherie) tritt endlich der Tod ein und dies dann um so schneller, wenn der Krebs ausbricht. Zuweilen entstehen auch heftige Blutungen, welche den Tod herbeiführen.

Die eigentliche Ursache der Entstehung der krebsigen Entartung der normalen Gewebselemente ist noch ganz in Dunkel gehüllt. Nichtsdestoweniger glaubt man beobachtet zu haben, daß es mehrere Gelegenheitsursachen gebe, welche zur Hervorrufung derselben beitragen. Hierzu zählt man ein gewisses Lebensalter, das über die Blüte hinaus ist, wo der Krebs häufiger vorkommt als im jugendlichen, und zwar häufiger der ursprünglich harte Krebs, während bei Kindern, wo ebenfalls Krebsgeschwülste beobachtet worden sind, derselbe als Markschwamm auftritt. Auch das Geschlecht influiert, wenigstens auf die Art des Krebses, indem gewisse weibliche Organe leichter erkranken, die Gebärmutter, die weibliche Brust etc. Auch Erblichkeit des Krebses wird behauptet; was aber die Ansteckung betrifft, so wird diese vollkommen in Abrede gestellt. Daß der Krebs nicht ansteckt, hat die Erfahrung in Tausenden von Fällen gezeigt, wo eine Übertragung von der Frau auf den Mann hätte stattfinden können.

Die Behandlung ist eine allgemeine und örtliche. Die Mittel, welche gegen den Krebs, um ihn von innen heraus zum Stillstand oder zur Heilung zu bringen, angewendet werden, sind zahllos; namentlich ist es das Arsenik, welches großes Vertrauen genießt. Ist Verdacht vorhanden, daß eine Verhärtung krebsiger Natur sei, so kann man Jodbepinselungen versuchen, um eine Zerteilung zu erzielen; bleibt diese aber aus, so ist es immer geraten, die Geschwulst auszuschneiden. Die Ätzmittel sind viel schmerzhafter und unsicherer und zwar aus dem Grund, weil der Krebs niemals von dem gesunden Gewebe scharf abgegrenzt ist, sondern die beginnende krebsige Entartung bereits in die Umgebung unsichtbar und unerkennbar übergegangen zu sein pflegt. Diese in der Umgebung bereits vorhandene Entartung ist auch die Ursache der örtlichen Recidive des Krebses. Soll nicht operiert werden, weil der Kranke eine Operation verweigert oder das Stadium der Entwickelung der Geschwulst schon ein zu weit vorgeschrittenes ist, so beschränkt man sich auf Linderung der Schmerzen, Beseitigung der stinkenden Absonderungen, Bekämpfung der Blutungen und möglichst gute, kräftigende Diät.

Im Volk werden auch die Fleischgewächse (Sarkome) Krebs genannt.

Carcinoma

Krebs

Cardialgia

Magendrücken

Cephalea

Kopfschmerzen

Cepphalea

Kopfschmerz

Certamen

Todeskampf

Chirager

an Handgicht (Chiragra) leidend

chiragricus

an Handgicht (Chiragra) leidend

Cholica passio

Gallenbrechruhr

Choreomania

siehe 'Tanzwut'

Ciballium passio

Krankheit der Verdauungsorgane

clinicus

bettlägrig

coma febrile

Influenza

Consumptio

siehe 'Auszehrung'

Contagio

Seuchen erzeugende Ansteckung, Pest

Top


D


Dampf

Atembeschwerden, Engbrüstigkeit

Darre

Schwindsucht, Austrocknen der 'Säfte' (nach der Humoralpathologie / Viersäftelehre)

Darrsucht

Meyers Konversationslexikon (1888): veralteter Name für schleichende, mit Abmagerung und allgemein em Kräfteverfall verbundene Leiden, z.B. Altersschwäche, Rückenmarksschwindsucht, Pädatrophie (Darrsucht der Kinder), Krebskachexie, Bleivergiftung (chronische Form und Ausgänge) etc.

Darrsucht heißt auch die auffallende Abmagerung, welcher mehrere Arten der Haustiere, namentlich die größern Säugetiere, ausgesetzt sind, und deren Charakter darin besteht, daß, obwohl die Tiere fressen, doch eine immer größere Abmagerung entsteht. Ursache des Übels ist die Erkrankung irgend eines für die Ernährung wichtigen Organs, z.B. der Lunge, der Leber, des Magens, des Darms und namentlich der Lymphdrüsen. Die hauptsächlichsten Symptome sind: Abmagerung, unreine, trockne, welke oder auch steife, harte Haut; trocknes, glanzloses, struppiges Haar; zusammengefallener oder (bei jüngern) aufgetriebener, dicker, aber schlaff herabhängender Bauch, Freßgier oder Gelüste; dann Bleichsucht, Blutarmut, Erschöpfung, Zehrfieber.

Der Erfolg der Behandlung ist zweifelhaft; man bemühe sich daher, die Verdauung und Assimilation zu befördern. Man schone vor allen Dingen die Tiere, gebe ihnen ein gutes, nahrhaftes, aber leichtverdauliches Futter, z.B. Hafer- und Gerstenschrot, gewürzhaftes, gutes Heu oder Grünfutter, Mohrrüben, Disteln, und lasse sie, wenn es die Jahreszeit erlaubt, auf gute, vorzüglich mit gewürzhaften Kräutern bewachsene Weiden gehen. Die Hautthätigkeit ist durch tägliches Putzen anzuregen, bei langem Haar ist das Scheren vorteilhaft. Bei Durchfall sind trocknes Futter und warme Bedeckung des Körpers angezeigt. Bei sauer riechendem Kot setze man etwas Kreide zum Futter oder Natron oder Magnesia zum Getränk.

Auch beim Hausgeflügel zeigt sich bisweilen infolge Mangels an gutem und hinreichendem Futter und Getränk ein ähnliches Leiden, welches sich aber durch gutes Körnerfutter, Grünfutter und frisches Trinkwasser meist rasch beseitigen läßt. Stubenvögel leiden an einer andern Art Darrsucht (Darre). Die Patienten lassen die Flügel hängen, werden traurig und verlieren die Federn oder reißen sich dieselben aus. Zur Beseitigung des Übels ist namentlich öfters wiederholte gründliche Reinigung des Käfigs durch Abbrühen oder Abwaschen mit nachfolgender Ausräucherung mit Schwefel angezeigt. Im Sommer gebe man den Vögeln viel Grünes.

Mit Darrsucht bezeichnet man auch eine Pflanzenkrankheit, die besonders an Bäumen auftritt und in einem sich immer wiederholenden Dürrwerden einzelner Zweige in größerer oder geringerer Häufigkeit besteht. Dieser Erscheinung, welche mit dem infolge von Trockenheit eintretenden Dürrwerden, das stets die ganze Pflanze ergreift, nicht zu verwechseln ist, können jedenfalls sehr verschiedenartige, nicht immer mit Sicherheit anzugebende Ursachen zu Grunde liegen, sowohl ungünstige Beschaffenheit des Mediums, wie giftige Gase, Rauch u. dgl., schädliche Bodenbestandteile als auch innere Veranlassungen; insbesondere hängt in vielen Fällen die Erscheinung mit dem allmählichen Erlöschen der Lebensthätigkeit zusammen, wobei gewöhnlich die vom Boden entferntesten Teile zuerst der Darrsucht anheimfallen. Derartige Bäume nennt man gipfeldürre. Diesem Zustand fällt von oben herab ein Teil des Baums nach dem andern zum Opfer.

Debilitas

Schwäche

Debilitatio

Lähmung

decrepitus

altersschwach, siech

Delocatio

Verrenkung

Dislocatio

Verrenkung

Dissenteria

Durchfall, Ruhr

Dissolutio

Auflösung, Schwäche

dörrende Sucht

Austrocknen der 'Säfte'

Dörrsucht

Schwindsucht

Drüsen

eiternde Geschwüre, Geschwülste, Pestbeulen

Durchlauf

Diarrhoe, Ruhr

Durchschlechten

Diarrhoe, Durchfall, Ruhr

Dürre

Schwindsucht, Abmagerung, Trockenheit der 'Säfte'

Dusel

Schwindel, Pest, Typhus, Grippe

Düsel

Schwindel, Pest, Typhus, Grippe

Dyscrasia

Unwohlsein

Dysenteria

Durchfall, Ruhr

Dyskrasie

Ungleichgewicht der Körpersäfte ("fehlerhafte Mischung" der Körpersäfte, insbesondere des Bluts und der Lymphe), Krankheit im Allgemeinen

Meyers Konversationslexikon (1888): Im gewöhnlichen Leben unter dem Ausdruck 'Schärfe im Blut' bekannt. Mit Vorliebe bezeichnet man als Dyskrasie diejenigen Zustände, bei welchen gewisse fremdartige Stoffe im Blut wirklich vorkommen oder doch in demselben vorausgesetzt werden, die im normalen Blut gar nicht oder doch nur in sehr geringer Menge enthalten sind. Von alten Zeiten her hat in der wissenschaftlichen Medizin wie bei den Laien die Neigung bestanden, gewisse Krankheiten, welche man nicht auf greifbare Ursachen zurückzuführen vermochte, dadurch zu erklären, daß man eine Entmischung der Körpersäfte als Ursache derselben annahm. Allein nur in verhältnismäßig seltenen Fällen gelang es, die vorausgesetzte Dyskrasie auch faktisch nachzuweisen. In der Mehrzahl der Fälle blieb die Dyskrasie durchaus hypothetisch, die Voraussetzung ihrer Existenz war nichts als ein Notbehelf der medizinischen Theorie.

Je weiter die Wissenschaft vorgeschritten und je tiefer man in die Erkenntnis von den Ursachen der Krankheiten eingedrungen ist, um so mehr hat sich das Gebiet der dyskrasischen Krankheiten vermindert. Abgesehen aber von der hypothetischen Natur der meisten dyskrasischen Zustände, kommt hierbei noch ein lange festgehaltener Irrtum ins Spiel, welcher in der Ansicht liegt, daß das Blut gewissermaßen eine selbständige Existenz im Körper führe, und daß die Ernährungsstörungen der den Organismus konstituierenden Gewebe immer von einer ursprünglich vorhandenen fehlerhaften Mischung des Bluts abhängig seien. Dieser Grundirrtum ist besonders von Virchow (in seiner "Cellularpathologie") beseitigt worden, indem derselbe zeigte, daß in der Mehrzahl der Fälle, wo überhaupt eine Dyskrasie nachweisbar ist oder doch mit Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt werden darf, diese Dyskrasie nicht die Ursache der Organerkrankungen ist, sondern daß umgekehrt eine ursprünglich örtliche Erkrankung eines Organs erst sekundär zu einer abnormen Zusammensetzung des Bluts geführt.hat. Mit andern Worten: es stellte sich heraus, daß die meisten Dyskrasien keine primären, sondern daß es sekundäre Zustände sind, daß sie nicht als die Ursachen, sondern umgekehrt als die Folgen gewisser Erkrankungen der Organe und Gewebe des Körpers zu betrachten sind.

Faßt man den Begriff der Dyskrasie so auf, daß man darunter jede Abweichung von der normalen Zusammensetzung des Bluts versteht, so lassen sich folgende Formen der Dyskrasie unterscheiden: 1) Zustände, wo die normalen Bestandteile des Bluts in einem abnormen Mengenverhältnis vorhanden sind (Anämie, Bleichsucht, Leukämie, Hydrämie etc.); 2) Zustände, wo fremdartige Stoffe, welche normalerweise gar nicht oder doch nur in ganz geringen Mengen im Blut vorkommen, in gelöster Form und in relativ beträchtlicher Menge dem Blut beigemischt sind, so die Harnbestandteile (Urämie), der Zucker (Zuckerharnruhr), Gallenbestandteile (Gelbsucht) etc.; 3) Beimengung fremdartiger geformter Bestandteile zum Blut, z.B. von Pigmentkörnern bei Melanämie, von Bakterien bei Milzbrand, Pocken, Rückfalltyphus und andern ansteckenden Krankheiten.

Meistens wird der Begriff der Dyskrasie jedoch nicht in diesem nach moderner Anschauung einzig berechtigten Sinn aufgefaßt, sondern es wird darunter nach altem humoralpathologischen Brauch erstens die angeborne oder erworbene, in ihren Ursachen unbekannte Neigung gewisser Individuen zu gewissen Krankheiten (Tuberkulose, Skrofulose) und zweitens das durch das Bestehen von Krebs, Tuberkulose, Syphilis bedingte allgemeineschlechte Ernährungsverhältnis des gesamten Organismus verstanden.

Top


E


Eiß

Abszeß, Geschwür, Karbunkel

Eklampsie

Krankheit des Nervensystems

Meyers Konversationslexikon (1888): Krankheit des Nervensystems, welche sich durch Krampfanfälle äußert, die mit Bewußtlosigkeit verbunden sind. Man unterscheidet zwei Formen, nämlich die Eklampsie der Kinder und die Eklampsie der Schwangern und Gebärenden. Die Eklampsie der Kinder (Eclampsia infantum) ist eine recht häufige Krankheit und beruht auf mannigfachen Ursachen. Eine gewisse Disposition dazu muß in der Regel angenommen werden, und eine Vererbung von den Eltern ist nicht abzuleugnen, indem eine Neigung zu Krämpfen bei der Mutter oder zur Epilepsie beim Vater in dieser Form auf das Kind überzugehen scheint. Vorzugsweise sollen Knaben der Krankheit unterworfen sein. Am häufigsten wird sie im Säuglingsalter, namentlich während des Zahndurchbruchs, selten im spätern Kindesalter beobachtet. Krankheiten des Gehirns, der Ausbruch von Scharlach, Masern etc., Störungen der Verdauung, anämische Zustände etc. können Eklampsie hervorrufen. Auch Wurmreiz hat man als Ursache der Eklampsie beobachtet. Zuweilen gehen dem Ausbruch der Krankheit Vorboten voraus. Die Kinder sind unruhig, mürrisch, ihr Schlaf ist unterbrochen; sie träumen viel, schreien plötzlich auf und knirschen mit den Zähnen; der Atem ist ungleich, das Gesicht wird verzerrt. Oft aber bricht der eklamptische Anfall ganz plötzlich aus. Je nach dem Alter des Kindes sind die Zeichen der Bewußtlosigkeit mehr oder weniger erkennbar; der Blick ist stier, die Augen werden umhergerollt, das Gesicht ist verzerrt und nimmt einen lächelnden oder schmerzlichen Ausdruck an; die Mundwinkel zucken, die Zähne knirschen, und der Körper ist vollkommen unempfindlich. Gleichzeitig treten krampfhafte Zuckungen oder starrkrampfähnliche Zustände im ganzen Körper auf.

Elend

Epilepsie, körperliche Not, schwere Krankheit

Elephanten-Krankheit

lepröse Hautveränderung, besonders der Füße

Emanatio

Ausfluß

Emissio

Pest

empicus

lungenkrank

Engerling

juckende Hautkrankheit

englische Krankheit

Rachitis

Erbsgrind

ansteckende schörfige Flechte, Fisteln

Erstörung der Glieder

Gliederkrampf, Lähmung

Eructatio

Auswurf, Aufstoßen

Eructuatio

Auswurf, Aufstoßen

Ettich

Abmagerung infolge von Säfteverlust, Schwindsucht, Asthma

Excrementum

Auswurf

Excretio

Ausscheidung

Exitus

Tod

Exulant

(Glaubens-)Flüchtling

Top


F


Falbel

Epilepsie

Fallsucht

Epilepsie

Fallübel

Epilepsie

Fäule

Krebs, Faulsein des Körpers (Geruch)

Faulfieber

Typhus

Oeconomische Encyclopädie von Johann Georg Krünitz (1773 bis 1858): ... Wenn sich eine Menge verdorbener, unreiner und faulender Materie in den Magen, Gedärmen und Eingeweiden des Unterleibes gesammelt hat, oder schon in das Blut übergegangen ist, so entsteht daraus ein faules, faulendes oder Faulfieber, L. Febris putrida, Fr. Fièvre putride. Hat die Galle, welche durch den Mißbrauch fetter Speisen, heißen Sommer, oder andere Ursachen scharf geworden, hieran Antheil, so bekommen sie den Nahmen der Gallenfieber, L. Febris biliosa. Den erstern ist der gemeine Mann mehr, als die Vornehmen, unterworfen, da doch letztere von den Gallenfiebern desto weniger verschont bleiben. Diese Fieber fangen nicht geschwinde an, sondern man kann viele Tage niedergeschlagen und matt seyn, den Kopf hängen, über Rücken=, Knie=, Kopfschmerzen, unruhigen Schlaf und faulen Geschmack im Munde, klagen, ehe der Schauer mit dem darauf folgenden Fieber sich einstellt. Bey diesen Fiebern sind die Kopfschmerzen gemeiniglich sehr heftig; der Kranke hat beständig Ekel, und bisweilen kommt es zum Erbrechen; er hat Durst, unangenehmes Aufstoßen, Bitterkeit im Munde, und wenig Abgang des Urins. Die Hitze dauert einige Stunden. Gegen Morgen nimmt es etwas ab; doch ist auch der Kranke bey der Nachlaßung des Fiebers sehr niedergeschlagen, und spüret keine Erleichterung. Die Zunge ist unrein, und bekommt oft eine dicke Rinde; das Zahnfleisch wird schmutzig; der Athem hat einen übeln Geruch. Die Farbe und Menge des Urins ist sehr veränderlich. Einige Kranke sind verstopft; andere haben östern, aber doch geringen Stuhlgang. Die Haut ist zuweilen ganz trocken; manchmahl findet sich eine merkliche Ausdünstung, jedoch ohne die mindeste Nachlaßung des Fiebers, ein. Der Fieberanfall kommt alle Tage wieder, aber ohne eine Ordnung der Zeit zu halten. Außer dem Hauptanfalle, den man bey allen Krankheiten bemerkt, haben Einige noch mehrere kleine Fieberanfälle innerhalb 24 Stunden; doch sind die letzten 4 Morgenstunden fast immer ohne merkliche Veränderung.

Ist ein so genanntes faules Fieber allein, so gibt man, einige Morgen nach einander, wenn das Fieber am gelindesten ist, ein Brechmittel, welches entweder aus 6 Gran Brechweinstein, oder aus 6 Quent Rulands Brechwasser besteht, und trinkt viel dünnen Thee nach. Nachher nimmt man des Tages dreymahl einen mäßigen Eßlöffel voll Weinsteinrahm (Cremor tartari). Da aber dieses Mittel laxiert, so richtet man dessen Quantität allemahl nach der stärkern oder gelindern Oeffnung ein, indem der Kranke täglich offenen Leib haben muß. Sind die Eröffnungen gallicht, so bekommt der Kranke Linderung, und das Fieber wird dadurch vermindert. Oft vereinigt sich mit diesem schlimmen Fieber eine Entzündung eines inwendigen Theiles. Dieses macht nicht nur die Krankheit gefährlicher, sondern verbiethet auch alle Brechmittel.

Eine Aderlaß, welche bey diesem Fieber nicht anders, als bey dem höchsten Grade der Vollblütigkeit, erlaubt ist, wird im letztern Fall nothwendig erfordert.

Man schließt, daß dieses Fieber mit einer Entzündung begleitet sey, wenn der Kranke von einem hitzigen Temperament ist, festes Fleisch hat, viel Fleisch und gewürzte Speisen gegessen, viel Wein oder Brandwein getrunken, viel gewacht, und viele Bewegung gehabt hat. Kurz, wenn er in erhitzenden Dingen viele Ausschweifungen gemacht, und nun zugleich auch zwischen den Anfällen des Fiebers einen sehr harten und geschwinden Puls hat.

Den ganzen Tag hindurch, läßt man den Kranken, so viel er kann, von folgender Ptisane trinken. Man nimmt eine gute Handvoll rein gewaschene Gerste, und läßt sie in 1 Quart Wasser bis zum Aufplatzen kochen. Hierzu thut man 2 Löffelvoll Weinstein=Rahm, 4 Löffelvoll scharfen Weinessig, und nach Belieben ein Stück Zuckercand. Verstatten es die Umstände, so kann man durch ein Spitzglas voll Rhein=Wein diese Ptisane noch angenehmer und wirksamer machen.

Bleibt der Magen oder die Herzgrube noch immer hart und gespannt, so kann man zu der ordentlichen Portion Weinsteinrahm, 1/2 Quent Rhabarberpulver setzen, und damit sowohl, als der Ptisane, so lange fortfahren, bis man merkt, daß gewisse Stunden des Tages von Fieber frey sind, und der Kranke selbst sagt, daß er eine Art von Erleichterung merke. ...

Wikipedia: Faulfieber, Fleckfieber oder auch Läusefieber ist eine Infektion mit Mikroorganismen der Gattung Rickettsien (Rickettsia prowazekii), die durch Läuse, Milben, Zecken oder Flöhe übertragen wird.

Früher wurde das Fleckfieber auch als Typhus levissimus, Typhus ambulatorius, Hunger- oder Kriegstyphus bezeichnet (obwohl nicht mit Typhus verwandt), da es sich unter schlechten hygienischen Bedingungen in Kriegszeiten mitunter epidemieartig ausbreitete. Dass es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt, entdeckte William Jenner in London 1847.

Für Napoleons und Hitlers Armeen wurde das Fleckfieber während der Russlandfeldzüge zu einem ernsthaften Problem. Die Winterkälte zwang die Soldaten, ihre Kleidung nahezu permanent zu tragen, ohne sie wechseln oder säubern zu können. Ausserdem nutzten sie Kleidungsstücke Gefallener, um sich notdürftig warm zu halten. Für die mit Fleckfieber infizierten Kleiderläuse war es daher ein Leichtes, sich zu vermehren und auszubreiten. Von den ursprünglich (mit der Reserve) über 600.000 Mann des napoleonischen Heeres, das 1812 auszog, Russland zu erobern, waren ein Jahr später bis auf lediglich 3.000 Mann alle tot. Die weitaus meisten waren jedoch nicht durch Folgen von Kampfhandlungen gestorben, sondern an Fleckfieber, Kälte und Hunger.

fauliges Fieber

Wassersucht

febricare

fiebern

febricitare

fiebern

Febris

Fieber

Feuer

(Haut-) Entzündung, hohes Fieber, Pocken, Scharlach

Fieber, hitziges

Typhus

Fieber, zehrendes

Schwindsucht

flebotomare

zur Ader lassen

flebotomia

Aderlaß

Flecken, böse

Pestflecken, Aussatz

Flecken, rote

Masern, Röteln

Fleckfieber

Typhus

Fleisch, faules

Wunden, Krebs

Fluß

Sekretion, Kattarh, Ekzem, Rheumatismus, Gicht

Flußfieber

Influenza, Katarrh

Fluvius

Sekretion, Kattarh, Ekzem, Rheumatismus, Gicht

foetidus

stinkend

Fomentationes

Blähungen

Fomjentationes

Blähungen

fornicatio

verbotener ausserehelicher Geschlechtsverkehr, Ehebruch

Frais

Anfall, Epilepsie, Krämpfe

Fraisen

Schrecken, (Schlag-) Anfall, Epilepsie, Krämpfe, Tobsucht

Franzosen

Syphillis

französiche Krankheit

Syphillis

Freisch

Schrecken, (Schlag-) Anfall, Krämpfe, Tobsucht

Freischlein

Schlaganfall

Frieselfieber, Frieseln

Masern

Genereller auch für jede Art von Fieber mit Ausschlag ("Friesel"). Dabei unterschied man den weissen vom roten Friesel.

Top


G


Galle, schwarze

Melancholie als Krankheit des Herbstes

Gallenfieber

Typhus

Gallfluß

Knochenkrebs, Knochenfraß

Galoppierende Schwindsucht

siehe 'Lungenschwindsucht'

gallische Krankheit

Syphillis

Gallsucht

Gelbsucht

Gefreisch

Krampf, Epilepsie

Gerinn

Blasenstein oder Nierenstein

German Disease

Syphillis (in Anlehung an die französische Krankheit

Geschoß

Kreuzschmerz, Lendenschmerz, Hexenschuß

Geschwulst

Warzen, Kropf, Hühneraugen, Überbein, Tumor, allgemein für "unübliche Anschwellung"

Aberglaube: Eine Geschwulst bildet sich unter dämonischen Einflüssen (an derjenigen Seite, an welcher die Gespenster gelaufen sind).

Geschwür

eitrige Wunde

gibberosus

bucklig, verwachsen

gibbosus

bucklig, verwachsen

Gicht

Lähmungen, Podagra, Rheuma

Gichter

Krämpfe, Pestanfall

Glandines

Geschwulste der Lymphe

Glaucoma

grüner Star

Glaukoma

grüner Star

Gliederkälte

Gelenkrheumatismas

Gliederschwamm

Gelenkschmerzen

Gliederschwund

Krebs

Gliedersucht

Gelenkrheumatismas

Der Ausdruck 'fliegende Gliedersucht' bedeutete um 1900 'schmerzhafte Symptome in den Gelenken' (meist handelte es sich dabei um Gicht oder Rheuma.

Gliederverstopfung

Schlaganfall, Lähmung der Gliedmaßen

RezeptGoldwurzen

Mit 'Goldwurzen' bezeichnet Verzasca 1668 in seiner Kräuterkunde die Schöllwurz (lat. 'chelidonium majus', 'lilium album' und 'martagum') und die Familie der 'Agleyen' (lat. 'aquileja').

Kräuterkunde Verzasca (1668): Die Wartzen und Krähenaugen die tags etlich mal mit frischen Goldkrautsaft angestrichen vertreibet sie in kurtzer Zeit.

Kräuterkunde Verzasca (1668): Das Kraut auff die Brüst der Weiber gelegt, soll ihnen die überflüssige monatliche Reinigung stellen.

Kräuterkunde Verzasca (1668): Das distillierte Goldwurzkraut-Wasser ist ein köstliches Mittel, den Krebs und die Fistel zu heylen, alle Morgen und abend vier oder fünff Loth getrunken, und die Schäden darmit gewaschen: ist auch fast dienlich, die verstopffte Leber und miltz zu eröffnen, die Geelsucht durch den Harn auszuführen, die faulen Fieber und andere Kranckheiten zu vertreiben.

Sammlung von Christian Abbühl von Wilderswil (1843): Wer Goldwurzen an einem Donstag vor der Sonnen Aufgang grabt und einem [Wyber] Volk das oft uneins wird oder sonst nicht miteinander Haushalten wollen davon zu trinken giebt so werden sie wieder im Frieden leben und so eins das andre unwüssend damit anrührt so muss eins das andre Hold haben und seines Willens leben.

gravida

Schwangere

Gravitas mentis

Schwermut

Gravitas

Schwangerschaft, Schwäche

grimme Mutter

Kolik

grüner Star

Glaukom

Top


H


Haemorrhia

Blutfluß

Haemorrhoia

Blutfluß

Halsbräune

Diphterie, Krupp

Halsgichter

Diphtherie, Krupp

Halskrankheit

Diphtherie, Krupp

Härte

Anschwellung, Geschwulst, Rachitis

Hauptfluß

Nasenkatarrh, Stirnhöhlenvereiterung

Hauptkrankheit

allgemeine Seuche, Gehirnerkrankung, Gehirnentzündung

Hauptnagel

Kopfschmerz

Hauptschuss

Sonnenstich, Rheumatismus, Neuralgie

Hautwolf

siehe 'Wolf'

Hebetado

Stumpfheit, Schwachsinn

Hebetudo

Stumpfheit, Schwachsinn

Heilfeuer

Muttermal

heiliges Feuer

siehe 'Antoniusfeuer'

Heisch

Entzündung, Geschwulst

Hemicrania

Migräne

Hernia

Leistenbruch

Herznot

Herzkrampf, Herzleiden

Hictericus

Gelbsucht bei Kindern

Hinfallendes

Epilepsie, Fallsucht

Hirnfluß

Nasenkatarrh, neuralgischer Kopfschmerz

Hitze, böse

hohes Fieber

Höchsten, am (innerlichen)

Epilepsie, Krämpfe

höllisches Feuer

siehe 'Antoniusfeuer'

Hüftweh

Ischias

Hünsch

Pestfieber, Beulenpest

Husten, blauer

Keuchhusten

Hydropicus

Wassersucht

Hydrops

Ödembildung, Wassersucht

Top


I


Icterus

Gelbsucht (bei Kindern)

Imago mortis

Scheintod

imprägnieren

schwängern

Infirmatis

Schwäche, Krankheit, Seuche

Inflammatio

Röte, Entzündung, Hautrötung

Inflatio

Blähung, Ohrensausen

Influenza

alle Arten von Infektionen; später Grippe

Inokulation

(Pocken-) Impfung

insanus

wahnsinnig, geisteskrank

insatanatus

vom Teufel besessen

instivus

angeboren

Top


J


Jahr, übles

Karbunkel, Augenkrebs

Jammer

Epilepsie, Weinen der Säuglinge, besonders bei Magen-Darm-Infektionen

Jobst-Krankheit

Aussatz, Skorbut

Juck

Krätze, Kratzen bei Hautkrankheiten

Top



K


Kaat

eiterndes, faulendes Geschwür, Kot, Eiter, Krebsgeschwür

Kachexie

siehe 'Auszehrung'

Kalte

Schüttelfrost, Wechselfieber

Kaltweh

Schüttelfrost, Wechselfieber

Kancer

Geschwür, Krebs

Kartanie

Vier-Tage-Wechselfieber

Kaule

Geschwulst, Knoten am Hals

Kehlfluß

Kehlkopf-Katarrh, Influenza

Keist

Engbrüstigkeit, (Speichel-)Sekrete

Kelch

Kropf

Kinderblattern

Pocken, Masern

Kinderflecken

Pocken, Masern

Kister

(Speichel-)Sekrete

Klamm

Krampf in den Gliedmaßen, Luftröhrenkrampf, Krupp

Klemme

Krämpfe bei Kindern

Kneif

Juckreiz, Kolik

Knollsucht

Aussatz

Knüttel

Beulen, Geschwüre, Kog(e), Pest

Koge

Pest

Kohl

Karbunkel, Pestbeule

Kohle

Karbunkel, Pestbeule

Kontagion

ansteckende Seuche, Pest

Kontraktur

Krampf, Paralysis, Lähmung

Koolke

Leibschmerzen, Kolik

Koortsen

Fiebererkrankung

Kopfwüstigkeit

Influenza, Grippe

Korn

Drüsenschwellung, Granulationsgeschwulst

Korsen

Fiebererkrankung

Kot

Karbunkel, Krebs

Kothe

Karbunkel, Krebs

Kotz

Husten(-auswurf), Erbrechen, Eiterbeule

Krämpfe

Gehirnkrankheit, Nervenkrankheit

Kränke

allgemeine Erkrankung, Epilepsie

Krankheit, englische

Rachitis

Krankheit, fallende

Epilepsie

Krankheit, flechtende

Ruhr

Krankheit, französische

Syphilis

Krankheit, hitzige

Fiebererkrankung, Typhus

Krankheit, schlechte

Krebs

Krankheit, spanische

Syphillis

Krankheit, ungarische

Wechselfieber, Typhus, Ruhr

Krätze

lat. Scables, vonscabere, "kratzen"

Meyers Konversationslexikon (1888): Hautkrankheit, welche von der Einwanderung einer ganz kleinen Milbengattung, Sarcoptes scabiel L., herrührt. Schon von den Arabern (Ben-Sohr) wird eines Tierchens bei der Krätze als Syrones erwähnt; aus dem 12. Jahrh. (zuerst bei Sancta Hildegardis) und später liegen Zeugnisse über diesen Syrones oder Seuren vor und über die Kunst, denselben aus der Haut zu entfernen, "seuren graben". Trotzdem galt noch bis in unser Jahrhundert die Krätze als eine Krankheit des Bluts und der Säfte, bei welcher der Milbe nur die Rolle einer Trägerin des Krankheitsgifts zugeschrieben ward, oder bei der sich gar die Milben aus den verdorbenen Säften bilden sollten. Erst in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts wurden die Männchen und Weibchen beobachtet und abgebildet und die Krankheit lediglich als eine Reizwirkung derselben wissenschaftlich dargestellt.

Lieblingssitz sind die Hautflächen zwischen den Fingern, am Hand-, Ellbogen- und Kniegelenk, am Hodensack. Mit Hilfe einer guten Lupe erkennt man in der Haut die sogen. Milbengänge, welche davon herrühren, daß die Milben und namentlich die erwachsenen weiblichen Tierchen sich unter die Oberhaut eingraben und unter derselben fortkriechen, um hier ihre Eier abzulegen und ihre Nahrung zu suchen. Diese Gänge erscheinen in geraden Linien von verschiedener Länge, von 1 mm bis zu mehreren Zentimetern, und verlaufen meist gerade, zuweilen auch geschlängelt etc. Deutlich erkennt man an ihnen den Eingang und das Ende derselben, an dem die Milbe sich als ein kleines Pünktchen unterscheiden läßt. Außerdem finden sich stets Spuren des stattgehabten Kratzens, Rötung, Quaddeln oder nässende Wunden, welche das heftige Jucken noch vermehren.

Die Übertragung geschieht teils unmittelbar von Mensch zu Mensch, oder durch Kleidungsstücke, welche die Milben enthalten, oder auch durch Tiere, von denen z.B. Pferde, Schafe, Katzen, Kaninchen, Kamele und Elefanten mit Raude- oder Krätzmilben behaftet gefunden werden.

Man heilt die Krätze durch Mittel, welche die Milbe zu töten im stande sind, früher namentlich durch Einreibungen mit grüner Seife, welche aber die Haut ungemein angreift, jetzt mit bestem Erfolg und ohne üble Nachwirkungen mit Perubalsam. Der Kranke erhält ein warmes Bad und reibt dann morgens, mittags und abends, im ganzen vier- bis sechsmal, den ganzen Körper, mit Ausnahme des Kopfes, mit Perubalsam ein, wozu ihm jedesmal 36 Tropfen gegeben werden. Das Jucken verfchwindet sehr schnell, und es wird keine Reizung der Haut hervorgerufen. Statt des Perubalsams verwendet man auch Styrax, mit Olivenöl vermischt, zur Einreibung. Eine sorgfältige Reinigung der Kleider, der Bettüberzüge, der Wäsche etc., teils durch Waschen, teils durch längere Einwirkung einer trocknen Wärme von mindestens 70-90° R., ist jedenfalls, besonders in Privathäusern, sehr geraten.

Kriebelkrankheit

Ergotismus, Kornstaupe, Krampfsucht, ziehende Seuche, Mutterkornvergiftung

Meyers Konversationslexikon (1888): Kriebelkrankheit (Ergotismus, Kornstaupe, Krampfsucht, ziehende Seuche), ein infolge von längerm Genuß des Mutterkorns entstandenes Leiden. Da das Mutterkorn sich am häufigsten in feuchten, sumpfigen Gegenden und in feuchten, an Mißwachs reichen Jahren zeigt, so wird die Krankheit auch meist in kleinen Lokalepidemien beobachtet und zwar gleich nach der Ernte, namentlich in Frankreich in der Sologne, in der Picardie etc., in Rußland, Norddeutschland, in der Lombardei etc. Sie tritt hauptsächlich in zwei Formen auf: als brandige und als konvulsive. Erstere hat man mehr in Frankreich, letztere mehr in Deutschland und Rußland beobachtet. Bei der brandigen Form (Ergotismus gangraenosus, Mutterkornbrand, Brandseuche) zeigt das erste Stadium, das etwa 2-7 Tage dauert, Ergriffensein bald mehr des Gehirns: Schwindel, Unruhe; bald mehr des Rückens: Schmerzen im Rücken, in den Gliedern, Ameisenkriechen, Zittern, Zuckungen , bald mehr des Darmkanals: Erbrechen, Diarrhöe. Die Haut ist dabei trocken, der Puls klein und schnell. Im zweiten Stadium zeigen sich die Vorläufer des Brandes, die Kranken haben ein Gefühl von Taubsein, von. Schmerzen in den betreffenden Gliedern, Zehen, Fingern, Nase; diese schwellen an, zeigen mitunter eine eigentümliche Röte, sind aber dabei kühl. Im dritten Stadium tritt der Brand ein. Die brandigen Teile stoßen sich ab, wobei die Schmerzen nachlassen. Das begleitende Fieber ist ein typhusähnliches, dem der Kranke erliegt. Es kann jedoch auch Genesung erfolgen, wenn der Brand beschränkt bleibt oder sich begrenzt. Die Dauer dieser beiden Stadien ist 4-6 Wochen. Bei der Behandlung ist vor allem notwendig, den Kranken der fernern giftigen Einwirkung zu entziehen. Brechmittel und Abführmittel sollen das Genoßene entleeren, außerdem muß für kräftige Kost und reine Luft gesorgt werden. Gegen die Schmerzen reicht man beruhigende Mittel. Oft müssen die brandigen Glieder abgenommen werden (vgl. Antoniusfeuer). Die zweite Form, die konvulsive, die eigentliche K. (Ergotismus couvulsivus), läßt drei Grade der Vergiftung unterscheiden. Beim leichtesten Grad leiden die Kranken an Taubheit, Eingeschlafensein der Finger und anderer Körperteile, Ameisenkriechen, Zuckungen, Erbrechen und Durchfall. Dabei vermögen sie ihrer Beschäftigung noch nachzugehen. Wird der schädlichen Einwirkung beizeiten vorgebeugt, so kann der Zustand, namentlich wenn Ausleerungen erfolgen, günstig verlaufen. Im andern Fall steigern sich die Vergistungserscheinungen. Es entsteht Druck in der Herzgrube, die Zuckungen nehmen zu; Beklemmungen, Schwindel, Durst, oft auch Heißhunger, besonders nach sauren Speisen, Erbrechen, höchst stinkende Stuhlgänge, Ziehen und Reißen im Rücken, schmerzhafte, krampfhafte Zusammenziehungen stellen sich ein. Die letztern Erscheinungen währen oft einige Stunden, bis Schlaf erfolgt. Nach dem Erwachen sind die Kranken gestärkt, aber bald treten neue Anfälle auf. Die Krämpfe steigern sich, nehmen den Charakter des Streckkrampfes (Tetanus) an und werden oft tödlich. Gleichzeitig tritt Gesichtsschwäche, Doppeltsehen auf.

Kretinismus

Meyers Konversationslexikon (1888): Gesicht ohne Ausdruck, und das ganze Gesicht hat schon von Jugend auf ein greisenhaftes Aussehen. Die Zähne sind fast immer lückenhaft, unregelmäßig eingepflanzt und kariös; ihre Entwickelung verspätet sich in den meisten Fällen. Der Hals ist kurz und dick und trägt einen bald mehr, bald weniger entwickelten Kropf. Im allgemeinen charakterisiert sich der Körperbau der Kretins durch den Mangel der Symmetrie und Proportionalität der verschiedeneu Körperteile und durch das gänzliche Fehlen von Harmonie in seinen Formen (nach einem Bild in Virchows Kretine "Gesammelten Abhandlungen"). Die Funktionen dieses abnormen Organismus gehen stumpf und träge von statten. Die Bewegungen sind langsam und unsicher; die Arme hängen schlaff herab; der Gang ist schleppend und wackelnd, zuweilen ganz unmöglich. Die Sinnesorgane sind stumpf, ihre Wahrnehmungen, wenn überhaupt welche vorhanden sind, unvollkommen. Die geschlechtliche Entwickelung verspätet sich meist sehr bedeutend. Vollkommene Kretins haben keinen Geschlechtstrieb und sind nicht zeugungsfähig; Halbkretins und Kretinöse dagegen zeigen nicht selten eine starke geschlechtliche Erregung und sind auch zeugungsfähig. Geistige Fähigkeiten mangeln den vollständigen Kretins gänzlich. Es geht ihnen selbst der Instinkt der Selbsterhaltung ab; man muß sie wie kleine Kinder füttern (wobei sie unterschiedslos verschlucken, was man ihnen gibt) und reinlich halten. (Vgl. hierüber Idiotie.)

Nach den Untersuchungen Virchows ist die Schädelform der Kretins im wesentlichen bedingt durch eine vorzeitige Verknöcherung der die einzelnen Teile des Schädelgrundbeins trennenden Knorpel und durch die so entstandene Verkürzung der Schädelbasis. Die neuern Untersuchungen von Klebs ergeben nun, daß diese vorzeitige Verwachsung der Knochen der Schädelbasis nur eine Teilerscheinung eines über das ganze Skelett verbreiteten pathologischen Vorganges ist, welcher darin besteht, daß die Wucherung der Knorpelelemente, welche normalerweise der Verknöcherung vorausgeht, nicht stattfindet. Demgemäß ist der Kretin als eine eigentümliche Ernährungsstörung des wachsenden Organismus aufzufassen, welche sich charakterisiert durch ein vorzeitiges Aufhören der Knochenbildung und durch eine dieser allgemeinen Hemmung des Längenwachstums der Knochen gegenüberstehende übermäßige Entwickelung der Weichteile, namentlich der äußern Haut, der Schleimhäute des Mundes, des Rachens und der Zunge, vielleicht auch des Gehirns. Der Kretin im weitern Sinn, als Endemie betrachtet, macht sich nicht bloß bei den im engern Sinn kretinistisch gestalteten Individuen bemerklich, sondern die ganze Bevölkerung an den befallenen Orten zeigt sich von der Krankheitsursache betroffen. Außer den eigentlichen Kretins, Halbkretins und Kretinösen findet sich eine Menge kropsiger, schwachköpfiger, verkümmerter und schlecht proportionierter Individuen, Taubstummer, Stotterer und Stammler, Schwerhöriger, Schielender; es geht ein allgemeiner Zug körperlicher Degeneration und geistiger Verdumpsung durch die ganze eingeborne Bevölkerung, und auch die für gesund und klug geltenden Individuen sind durchschnittlich unschön, beschränkt und träge. Besonders hervorzuheben ist das Verhältnis des Kretins zum Kropf. Der Kretin kommt nie vor, ohne daß auch der Krops endemisch ist, so daß man den letztern als den geringern Grad der Einwirkung derselben Ursache ansehen kann, welche den erstern erzeugt. Abgesehen davon, daß die meisten Kretins sehr bedeutende Kröpfe haben, bringen Eltern mit Kröpfen häufiger und vollkommnere Kretins zur Welt als solche ohne Kröpfe. Gesunde erwachsene Personen, welche in Kretingegenden einwandern, werden von Kröpfen befallen; ja, selbst die Tiere (Pferde, Hunde) leiden in solchen Gegenden am Kropf. Nach Morel ist der in den befallenen Gegenden endemische Kropf nur das äußerliche Merkmal einer schweren Erkrankung des ganzen Organismus (Kropfkachexie), und diese Erkrankung hat bei der Deszendenz der davon betroffenen Personen den Kretin zur Folge. Sollte diese Auffassung, welche den anderweitigen Ansichten Morels über die fortschreitende Degeneration bei Nerven- und Geisteskrankheiten entspricht, auch nicht stichhaltig sein, so ist jedenfalls die innige Verbindung zwischen dem endemisch vorkommenden Kropf und dem Kretin sicher konstatiert ("Le goitre est le père du crétinisme", Fabre).

Was nun die Verbreitung des Kropfes und des Kretin betrifft, so finden sich derartige Krankheitsherde in allen Erdteilen, hauptsächlich innerhalb der großen Gebirgsstöcke und ihrer Ausläufer. In Europa sind besonders heimgesucht die Schweiz (Wallis, Graubünden, Uri, Waadt etc.), Frankreich (Savoven, Pyrenäen und die Gebirge der Auvergne), Österreich (Salzburg, Böhmen, Steiermark, Tirol, Kärnten und Oberösterreich), weniger Deutschland (Unter- und Mittelfranken, manche Gegenden Württembergs und Badens, einige Orte des Rheinthals bei Straßburg und auf der Insel Niederwörth, auch Thüringen). Überall sind es nicht die eigentlichen Hochgebirge, wo sich die Endemien eingenistet haben, ebensowenig die frei liegenden Abdachungen, sondern meist im mittlern Teil der Gebirge gelegene tiefe, enge und mehr oder weniger abgeschlossene Thäler. Auch die Flußläufe scheinen Einfluß zu haben. Nach Klebs ist für Böhmen die Dichtigkeit der Kretinbevölkerung am größten in den Quellgebieten der Wilden Adler und der Elbe, dann der Eger und der Wottawa; sie nimmt ab in den untern Flußläufen und wieder zu beim Zusammenstießen derselben, namentlich da, wo die Strömungsgeschwindigkeit infolge des senkrechten Einfallens der Nebenströme in den Hauptstrom abnimmt. Die Zahl der vorhandenen Kretins und ihr Verhältnis zur übrigen Bevölkerung ist in den verschiedenen befallenen Gegenden sehr beträchtlichen Schwankungen unterworfen. In Savoyen zählte man 22 pro Mille, im Departement Oberalpen 16 pro Mille. In Salzburg sollen auf 10,000 Einw. im Durchschnitt 38.9, in Oberösterreich 18.3, in Steiermark 16.9 Kretins kommen. In Böhmen wurden 1873 amtlich 998 Kretins (1:5116) gezählt. Nach Rehm konstatierte man 1856 in 28 Ortschaften der Kreise Schmalkalden und Brotterode (Thüringen) 181 Kretins, d.h. 1 auf 127 Einw. Übrigens ist zu bemerken, daß fast überall eine Abnahme des Kretins zu beobachten ist. Dies ist ebensowohl in der Schweiz als im Rheinthal, in Franken und in Thüringen festgestellt worden; im Harz, wo es früher Kretins gab, sind solche jetzt nicht mehr vorhanden. Dagegen sollen sie in dem französischen Departement Oberalpen zugenommen haben.

Die Ursachen des Kretins sind noch unbekannt, es wird angeschuldigt ein hoher Feuchtigkeitsgehalt der Luft, Stagnation und mangelnde Ventilation derselben, nicht ausreichende Besonnung, Unreinlichkeit der Wohnungen, soziales Elend, Fehlen der industriellen Thätigkeit, Abgeschlossenheit und selbstgewählte Isolierung einer wenig intelligenten, in Vorurteilen und alten, oft schädlichen Gewohnheiten befangenen Bevölkerung, Heiraten unter Blutsverwandten und die Vererbung; alle diese und andre gesundheitswidrige Einflüsse bereiten den Boden vor, auf welchem jenes unbekannte, aber wesentliche Agens den endemischen Kropf und Kretins zur Entwickelung bringt. Eine eigentliche Behandlung des ausgebildeten Kretins ist nicht möglich, auch sind Kretins einer geistigen Entwickelung nicht fähig, dagegen müssen die hygieinischen Verhältnisse nach Möglichkeit gebessert werden. Hebung des Wohistandes, Beseitigung von Vorurteilen und alten Gewohnheiten, Vermeidung der Verwandtschaftsehen; Verbesserung der Wohnungen durch Vergrößerung der Fenster, durch Erhöhung des Fußbodens, durch Anlage von Schornsteinen, durch Kalkputz der Wände, durch Abtrennung von Schlafzimmern; Verbesserung der Luft in den Ortschaften durch Entfernung von stagnierendem Wasser, durch Reinigung der Wege und Straßen; Beschaffung guten Trinkwassers durch Zisternen oder durch Zuleitung aus unverdächtigen Quellen; Regelung der Flußläufe, Trockenlegung von Sümpfen und Austrocknung des Bodens überhaupt, Abholzung von Wäldern: dies sind die Mittel, durch welche man dem Kretin entgegenzutreten im stande sein wird. Speziell für Kretins bestimmte Anstalten gibt es seit dem Eingehen der Guggenbühlschen auf dem Abendberg wohl nicht mehr; die Unglücklichen sind teils in den allgemeinen Siechenhäusern, teils in Idioten- oder Irrenanstalten unterzubringen. Vgl. außer den ältern Schriften von I. F. Ackermann ("Über die Kretiuen, eine besondere Menschenart in den Alpen", Gotha1790), Fodéré (Berl. 1796), Iphofen (Dresd. 1817), Demme (Bern 1840), Stahl (Bonn 1846 u. 1851): Virchow, Entwickelung des Schädelgrundes (Berl. 1857); derselbe, Gesammelte Abhandlungen (2. Aufl., das. 1862); Parchappe, Études sur le goitre et le crétlnisme (Par. 1874); Baillarger, Enquete sur le goitre et le crétinisme (das. 1873); Klebs, Beobachtungen und Versuche über Kretins (im "Archiv für experimentelle Pathologie", Bd. 2, 1874); derselbe, Studium über die Verbreitung des Kretins in Österreich. (Prag 1877); Knapp, Untersuchungen über Kretins in einigen Teilen Steiermarks (Graz 1878); Linzbauer, Kretins und Idiotie in Österreich-Ungarn (Wien 1882).

Krebs

Geschwür, Tumor

Allgemein für jede Art von "wuchernde" Krankheit (z.B. auch eine vernachlässigte Wunde oder Nekrose).

Krim'sche Krankheit

siehe 'Aussatz'

Krips

Grippe, Influenza

Krupp

Krampfhusten

Top


L


Landlauf

(Ruhr-) Epidemie

Leid

Krankheit, Epilepsie

Lepra (Arabum)

siehe 'Aussatz'

Lethargus

Schlafsucht

Letze

Versehrung, Verletzung und deren Folgen

Leuke

siehe 'Aussatz'

liber

ledig

Lues

Seuche, ansteckende Krankheit, Pest

Lunge, erfrorene

Lungenkatarrh

Lungen, kalte

(chronischer) Lungenkatarrh

Lungenschwindsucht

Phthisis (siehe auch dort), Tuberculosis pulmonum

Meyers Konversationslexikon (1888): Der gemeinschaftliche Name für verschiedene Krankheitsprozesse, bei welchen infolge tief greifender Veränderungen oder Zerstörungen das zum Atmen bestimmte Lungengewebe zu dieser Funktion unfähig wird und wegen der dadurch bedingten mangelhaftten Blutauffrischung eine allgemeine Konsumtion des Körpers eintritt, welche früher oder später den Tod nach sich zieht. Von allen tödlichen Krankheiten unsers Klimas ist die Lungenschwindsucht bei weitem die häufigste, nahezu zwei Siebentel aller Menschen fallen ihr zum Opfer. Der Lungenschwund wird in einer Reihe von Fällen durch langdauernde Entzündung der Bronchien und des interstitiellen Gewebes um dieselben hervorgerufen, wobei reichliche Neubildung von Bindegewebe zur Verhärtung (schieferige Induration) und Verödung der Luftbläschen führt (Lungenentzündung). Diese Form der Lungenschwindsucht kommt bei sonst kräftigen Personen vor und ist eine der Staubeinatmungskrankheiten, welchen viele Gewerbe ausgesetzt sind. Diese Prozesse ziehen sich über Jahre hin, verlaufen ohne Fieber, die Kräfte nehmen sehr langsam ab, eine Ansteckung findet nicht statt, der Auswurf ist wie beim chronischen Bronchialkatarrh beschaffen.

Die Lungenschwindsucht im engern Sinn (tuberkulöse Lungenschwindsucht) wird bedingt durch die von R. Koch 1882 entdeckten Tuberkelbacillen. Sehr selten werden Kinder mit Tuberkulose behaftet geboren. Weit häufiger wird die Disposition zur Lungenschwindsucht angeboren oder von den Eltern her vererbt. Diese Disposition (skrofulöse oder tuberkulöse Konstitution) beruht auf einer kümmerlichen Anlage des Herzens und des Arteriensystems, großer Neigung zu Katarrhen und Lymphdrüsenschwellungen, welche entweder schon bei den Kindern in den ersten Lebensjahren besteht, oder sich von der Zeit der Geschlechtsreife ab bis etwa zum 25.-30. Jahr hin ausbildet. Äußerlich erkennbar ist der "schwindsüchtige Habitus" an dem langen, flachen, wenig gewölbten Brustkorb, langen, dünnen Hals, Magerkeit des Gesichts, oft mit eigentümlich zur allgemeinen Blässe kontrastierender Rötung der Wangen (hektische Röte), dünner, blasser Haut bei häufig lang aufgeschossenem Knochenbau. Auch ohne erbliche Belastung kann dieser Habitus sich im Kindes- und Jünglingsalter bei schnell wachsenden Personen unter dem Einsluß schlechter feuchter Wohnungen, mangelhafter Ernährung, schwerer Kinderkrankheiten und ähnlicher zum frühen Siechtum führender Schädlichkeiten, Exzesse mannigfacher Art etc. herausbilden. Eine nicht geringe Anzahl unter den jugendlichen Kämpfern von 1870 ist aus den Schlachtfeldern glücklich heimgekehrt, hat aber durch die harten Strapazen diese Disposition, den Keim zur späteren Lungenschwindsucht mit heimgebracht. Wenn solche schwere Ernährungsstörungen auf der Grundlage einer Vererbung oder erworben vorhanden sind, so bietet ein Organismus, welcher davon heimgesucht ist, einen sehr empfänglichen Boden für die Entwickelung von Tuberkelbacillen. Diese letztern müssen von außen her, sei es durch die eingeatmete Luft oder durch Speisen oder die zum Essen gebrauchten Teller, Löffel etc., in die Lungen oder den Magen hinein gelangen, um alsdann zu wuchern, dadurch Entzündungen und endlich immer weiter um sich greifende Zerstörungen der Gewebe herbeizuführen. Daraus ist ersichtlich, daß Personen, welche an Lungenschwindsucht leiden, welche also in ihren Lungen Brutstätten von Tuberkelbacillen mit sich herumtragen, durch das Aushusten derselben, durch Berührung ihrer Lippen und auf mannigfache andre Weise die Lungenschwindsucht auf andre, disponierte Personen übertragen können. So kommt es, daß Kinder schwindsüchtiger Eltern, welche gesund geboren worden sind, durch dieangeborne schwächliche Anlage (skrofulöse Diathese) disponiert, von den Eltern angesteckt, sehr oft schon in den ersten Lebensjahren, häufig aber erst nach dem 15. Jahr, wirklich von der Lungenschwindsucht befallen werden.

Was hier von der Lungenschwindsucht gesagt ist, gilt von der Tuberkulose überhaupt, da sich bei disponierten Personen Tuberkelbacillen nicht nur in den Lungen, sondern sehr häufig im Darm, in den Gelenken, den Gehirnhäuten, den Harn- und Geschlechtswegen ansiedeln und tuberkulöse Schwindsucht dieser Organe bedingen können; die Lungenschwindsucht ist alsdann nur Teilerscheinung einer weitverbreiteten oder, wie man gewöhnlich sagt, allgemeinen Tuberkulose. In der Lunge selbst treten drei pathologisch-anatomisch wohl charakterisierte, doch mannigfache Übergänge ineinander zeigende Formen der chronischen Entzündung auf, welche alle in den Lungenspitzen beginnen und sich Schritt sür Schritt nach abwärts ausbreiten.

Die Unterschiede dieser Formen basieren auf dem verschiedenen Sitz der Entzündungs-Produkte im Zwischengewebe, im Lumen der Luftwege und der Lungenbläschen. Im Zwischengewebe wirken die Tuberkelbacillen als Entzündungsreiz und bringen teils echte Tuberkeln, teils chronische Verdickungen einfacher Art, wie bei den Gewerbekrank-Reiten, hervor. Gewöhnlich geht auch hier eine lange dauernde katarrhalische Entzündung der Bronchialschleimhaut, zuweilen mit tuberkulösen Geschwüren verbunden, vorauf (Bronchltis tuberculosa), bevor die Entzündung im Zwischengewebe (Perlbronchitls fibrosa) zur Ausbildung kommt. Im Lumen der Luftwege sammelt sich Sekret an, welches eingedickt wird (verkäst, tuberkulisiert) und oft ganze Zweige der Bronchien erweitert und verstopft (Bronchiektasie). Durch spätere Kalkablagerung in solchen Käsepfropfen entstehen die sogen. Lungensteine. Innerhalb der Lungenbläschen bedingen die Bacillen eine Anfüllung derselben mit einem zelligen, zum Teil faserstoffigen Exsudat, welches bald eintrocknet und eine tote weiße Masse bildet (käsige Hepatisation). Sowohl die eigentlichen hirsekorngroßen Knötchen (Miliartuberkeln) im Zwischengewebe und dem Lungenparenchym selbst, als die Sekretmasse in den Bronchien, als endlich die derben luftleeren, käsig hepatisierten Stellen haben nun die Eigentümlichkeit, daß das tote (nekrobiotische) Gewebe weich wird, sich verflüssigt und alsdann, sobald eine Bronchialwand durchbrochen ist, ausgehustet werden kann. So entsteht die Verschwärung (Ulceration), die Bildung von Höhlen (Kavernen), d.h. der eigentliche Schwund.

Je schneller die Verkäsung und Höhlenbildung um sich greift, um so mehr nähert sich das Krankheitsbild dem der galoppierenden Lungenschwindsucht; je mehr die katarrhalischen Prozesse in den Bronchien, die Bronchiektasien und Peribronchitis im Vordergrund stehen, um so schleichender verläuft die L. Durch das Zusammen-brechen der verkästen Gewebe werden sehr oft kleine und größere Schlagadern der Lunge zerrissen, deren Wand ebenfalls von den Bacillen durchsetzt war, und es erfolgt dann Bluthusten (Hämoptoe), der sich bis zur tödlichen Pneumorrhagie steigern kann. Wenn sich die Verkäsung und nachträgliche Einschmel-zung nahe der Lungenobersläche vollzieht, bevor eine Brustfellentzündung die Lunge am Brustkorb festlötet, so kann Durchbruch in die Brusthöhle, Eintritt von Luft in dieselbe (Pneumothorax) und unter plötz-licher Atemnot der Tod erfolgen. Anderseits ist es durchaus nicht selten, daß tuberkulöse Bronchitis, Bronchiektasien und selbst kleinere ul.ceröse Höhlen so ausheilen, daß die Lungen dauernd ihre Dienste leisten, und daß auch das Allgemeinbefinden völlig zur Norm zurückkehrt. Der Verlauf der Lungenschwindsucht ist überaus verschieden, je nachdem die langsamern Prozesse oder die Verschwärung überwiegen. Meist beginnt die schleichende Lungenschwindsucht mit lästigen Katarrhen des Kehlkopfes und der Bronchien, zuweilen leitet erst ein Bluthusten die Aufmerksamkeit auf das vorhandene Leiden. Die zuerst betroffenen Lungenspitzen sinken ein, Fieber fehlt entweder ganz, oder beginnt mit leichten abendlichen Temperatursteigerungen, und nur die zunehmende Abmagerung deutet auf die Schwere der Krankheit. Bei guter Ernährung kann der Verlauf viele Jahre lang währen.

Die akute Lungenschwindsucht beginnt mit Husten, meist ohne Auswurf, zuweilen mit Bluthusten. Alsdann stellt sich reichlicher eiteriger oder mit Gewebsbröckchen untermischter Auswurf ein, inwelchem man mit dem Mikroskop außer den schon frühzeitig vorhandenen Tuberkelbacillen auch die Trümmer des verkästen Lungengewebes, namentlich elastische Fasern, nachweisen kann. Fieber und nächtliche Schweiße führen bald eine Abmagerung herbei, zumal wenn Magenkatarrh, Durchfälle und ähnliche Störungen, welche bei gleichzeitiger Tuberkulose des Darms ganz regelmäßig sich einstellen, die Lungenschwindsucht begleiten. In solchen Fällen erfolgt der Tod unter allgemeiner Erschöpfung, Amyloidentartung der Milz, Nieren und Leber oft schon nach 1-2 Jahren; die schlimmsten Fälle der galoppierenden Lungenschwindsucht (P. florlda), bei denen große Gewebsmassen käsig zerfallen und allsgehustet werden, enden schon nach 6-8 Wochen tödlich.

Die Behandlung ist bei den langsam verlaufenden Fällen, bei denen wenig oder kein Fieber vorhanden, der Kräftezustand ein guter, die Verdauung ungestört ist, oft von vollständigem, noch öfter von einem zwar nicht absoluten, aber immerhin doch recht befriedigenden Heilerfolg gekrönt. Direkte Mittel, welche die Bacillen töten, gibt es bis jetzt noch nicht: auch hat die chirurgische Behandlung der Lungenschwindsucht bisher keine nachahmenswerten Erfolge gezeitigt, so daß es vor allem auf richtige Lebensweise und allgemeine Stärkung der Konstitution ankommt. Der Schwindsuchtskandidat muß daher eine trockne, sonnige, wohlgelüftete Wohnung beziehen, am besten sich fleißig im Freien auf dem Land, besonders auch in Nadelholzwäldern oder in bergigen, aber geschützten und nicht rauhen Gegenden, bewegen. Während der kältern und stürmischen Monate ist es am besten, den Kranken bei gleichmäßiger Temperatur (16 Grad) im Zimmer zu halten; dann hat man aber durch fleißige Lüften, Vermeidung von Staub, Rauch und Tabaksqualm, durch Ausstellen grüner Pflanzen und durch Verdampfenlassen von Wasser auf dem Ofen für eine gesunde und reine Luft zu sorgen.

Für wohlhabende, noch kräftige Kranke sind Winteraufenthalte in Davos, für schwächere ein mildes südliches Klima, welches der Arzt für jeden einzelnen Fall zu wählen hat, empfehlenswert. Die Atmungswerkzeuge sind in vorsichtiger Weise zu kräftigen, besonders dadurch, daß man den Kranken anhält, möglichst oft recht tief und ruhig einzuatmen. Luftröhrenkatarrhe sind auf jede Weise zu vermeiden und, wenn sie sich einstellen, so schnell wie möglich zu beseitigen. Hierzu ist es erforderlich, daß der Patient bei kalter und rauher Witterung einen Respirator (von Jeffrey) trage, der nur gleichmäßig warme Luft in die Lunge eindringen läßt. Auch ist das Tragen eines Flanellhemdes auf dem bloßen Leib, das Warmhalten der Füße durch wollene Strümpfe, Korksohlen etc. sehr zu empfehlen. Die Diät des Kranken muß darauf gerichtet sein, ihn bei Kräften zu erhalten. Er trinke daher fleißig frisch gemolkene warme Kuhmilch, nähre sich mit weichen Eiern, Fleischbrühen, gut gekochtem oder gebratenem Fleisch, gutem bayrischen Bier etc. Exzesse aller Art im Essen, Trinken, Schwärmen sind zu verbieten, und der bei solchen Kranken ohnedies sehr rege Geschlechtstrieb ist streng in Schranken zu halten; Ruhe des Gemüts ist zur Fristung solcher Kranken wesentlich erforderlich. Ist die Krankheit einmal bis zu einem gewissen Grad fortgeschritten, so läßt sich nichts Wesentliches dagegen thun; die Ausgabe des Arztes ist es dann nur, dem Kranken auf symptomatischen Weg seine Beschwerden zu erleichtern. Gewöhnlich klagt der Schwindsüchtige am meisten über den Husten, der ihn besonders nachts belästigt. Er ist durch schwache, allmählich zu steigernde Morphiumdosen am besten zu bekämpfen.

Lupus

siehe 'Wolf'

Top


M


Magen, hitziger

Magenkatarrh

Magen, kalter

Magenkatarrh

Mager

zehrende Flechtenkrankheit, Konstitutionsschwäche, Hautgeschwüre

Malatzie

Lepra, Krebs

Maledey

Lepra, Krebs

malesanus

geisteskrank, wahnsinnig

Maltzey

Lepra, Krebs

mancus

gelähmt

Mania

Wut, Wahnsinn

Marasmus (senilis)

Altersschwäche; siehe auch 'Auszehrung'

Markolf

Scrofulosis, Kebsdrüse

Mase

Wund- oder Krankheitsnarbe, Pestzeichen

Maselsucht

Hautkrankheit, Lepra, auch für Syphilis

Maser

Hautknötchen, Hautausschlag, Masern

Melancholie

Trübsinn, Schwermut, Geisteskrankheit, Depressionen

Meuchel

verheimlichte Krankheit

Milz, verstopfte

Leberverhärtung, Melancholie

Milzsucht

Humoralpathologie: schwarze Galle; oft auch für Melancholie

minuare

zur Ader lassen

Miselsucht

Hautkrankheit, Lepra

siehe 'Aussatz'

Misere

Erbrechen

Miserere

Magen-Darm-Infektion, unheilbares Leiden

Möckele

bald sterben

Mondsucht

Somnambulismus

Morbus regius

Aussatz, Lepra

Morphea

Lepra (von der Nase ausgehend)

siehe 'Aussatz'

Mortalitas sacra

Pest

Morve

Lepra (von der Nase ausgehend)

Mückele

Eiterbeule, Geschwür

Mügele

Eiterbeule, Geschwür

Mutter, grimme

Kolik, Nachtschaden, Alpdruck

Mutterfrais

Konvulsionen, Kindbettfieber

Top


N


Nachtschaden

Alpdruck, Alptraum

Nascendiae

Geburtswehen

Nervenfieber

Typhus

Oeconomische Encyclopädie von Johann Georg Krünitz (1773 bis 1858): Nervenfieber, eine Krankheit, die sich unter verschiedenen Gestalten zeigt, daher auch einige andere Krankheiten nicht selten mit eben diesem Nahmen belegt werden. Das eigentliche Nervenfieber ist ein Fieber aus Schwäche, welches zu allen Jahreszeiten unter dem Einflusse schwächender Ursachen erscheinen kann, bald epidemisch herrscht, bald einzelne Menschen befällt, und nach Maßgabe des Subjektes und der einwirkenden Schädlichkeiten unter verschiedenen Gestalten und Graden verläuft.

Da es von schwächenden Ursachen erzeugt ist, welche auf alle Organe wirken: so bemerken wir dabey Störung in den Verrichtungen aller Organe, und zwar bald größere, bald geringere; bald beobachten wir das Leiden der Verdauungsorgane durch die Zeichen der sogenannten gastrischen, schleimigen, gallichten Unreinigkeiten, bald Reißen und Ziehen durch alle Glieder; bald Eingenommenheit, Dummheit des Kopfes, bald Stiche, Drücken auf der Brust etc. Man kann aber wegen dieser zufälligen Erscheinungen nicht annehmen, der Charakter des Fiebers sey geändert, und die Nervenfieber in katharrhalische, rheumatische, gastrische, schleimige, gallichte etc. eintheilen; weil man sie sonst auch in nervöse Kopffieber, Brustfieber, Laxierfieber etc. eintheilen müßte. Der Grund, warum in der einen Epidemie mehr der Kopf, in der andern die Brust etc. leidet, liegt in den Zeitumständen und in der Einwirkung der schwächenden Schädlichkeiten im Verhältnisse zu dem leidenden Subjekte. Letztere wirken oft auf einzelne Theile zuerst und stärker, als auf die übrigen Organe, und bringen in jenen nothwendiger Weise ein größeres Leiden hervor, als in den übrigen, obgleich der ganze Organismus in seinen Verrichtungen gestört ist. So werden z. B. schlechte Nahrungsmittel vorzüglich die Verdauungsorgane afficiren, und eine feuchte, regenhafte Witterung vor allem den Kopf und die äußere Oberfläche des Körpers. ...

Zuweilen kommen auch wahre Petechien zum Vorschein. Ebenfalls sieht man häufig Mundschwämme entstehen, welche zuweilen eine scharfe Jauche enthalten, die, wenn sie in den Magen und die Gedärme fließt, den fürchterlichsten Bauchfluß erregt, der gar bald tödtlich ist. Ueberhaupt verrathen die Schwämmchen den gefahrvollsten Zustand, wenn sie zusammenfließend und von brauner oder schwarzer Farbe die Zunge und den Mund wie eine Speckschwarte überziehen, dagegen sie zuweilen, wenn sie einzeln stehen, weiß oder röthlich sind, bey andern guten Zeichen nicht bös sind, so wie die rothen Petechien.

Außerdem gesellt sich zu diesem Fieber auch zuweilen eine Bräune, ist zuweilen mit gallichten Umständen vermischt, sogar mit Zeichen eines entzündlichen Zustandes. Zuweilen wird es mit einer leichten Entzündung des Gehirns verbunden. In diesem Fall sind die Kopfschmerzen heftiger, die Schlafpulsadern schlagen stärker, die Augen sind roth, empfindlich, die Kranken wachen beständig, oder schlafen mit offenen Augen. Mit einem Faulfieber hat es die nächste Verwandschaft. Daher das faule Nervenfieber, welches Mertens beschrieben hat. Es war die Folge einer Faulfieberepidemie, dessen Kräfte gleichsam nun schwächer wurden. Ein ähnliches Fieber hat der philos. Arzt 3 St. S. 22 beobachtet und beschrieben. ...

So groß nun aber die Reihe der entferntern Ursachen dieser Fieber ist, so schwer hält es dennoch zuweilen, den Ursprung derselben von irgend einer jener Ursachen herzuschreiben.

Die näheren Ursachen dieses Fiebers sind sehr schwer auf eine bestimmte Weise anzugeben, und es herrscht darin nichts beständiges und gewisses. Bald scheint das Blut oder die Lymphe an einer besondern Zähigkeit, Schärfe und Vappidität zu leiden, wie die Ausschläge um den Mund, der Friesel, die Mundschwämme beweisen: bald äußern sich Zeichen einer zur Fäulniß geneigten, bald einer sauren, bald einer andern nicht zu bestimmenden Verderbniß der Säfte; bald findet man kein deutliches Kennzeichen einer besondern Schärfe in irgend einer Feuchtigkeit des Körpers; bald sind die ersten Wege sehr schwach, und mit schleimichten Unreinigkeiten beladen, wie das Brechen, der Bauchfluß, und mehrere andre Umstände verrathen, und der Sitz der Krankheit scheint hauptsächlich im Unterleibe zu seyn; bald hat man Entzündungen, Vereiterungen und Geschwüre, Wasseranhäufungen im Kopf, eine mürbe Beschaffenheit des Gehirns, Blutergießungen, aufgetriebene Blutgefäße in dem Gehirn gefunden; auch hat man eine Verstopfung der drüsigen Theile des Gehirns angenommen; andere haben gar eine Zähigkeit und Vappidität des Nervenfluidums angeklagt, oder sonst eine kränkliche Beschaffenheit der Nerven selbst für die Ursache gehalten; welches beynahe alles aber eben so gut Wirkungen und zufällig, als Ursachen der Krankheit, gewesen seyn können; zum Theil sind es Hypothesen, die unerwiesene Dinge zum Grunde setzen, also Hypothesen auf Hypothesen gebaut. ...

Nesselwurm

Bandwurm

Noli me tangere

(rühr' mich nicht an), Geschwür, "verborgener" Krebs

Nosch

Gicht, Rheumatismus, Delirium

Nösch

Gicht, Rheumatismus, Delirium

Not, kleine

Harndrang

Not, schwere

Durchfall, Epilepsie

Notdurft

ursprünglich: "das zum menschlichen Leben und Überleben Allernotwendigste"; später: Bedürfnis eine Defäkation einzuleiten

Top


O


Ölschenkel

Ödembildung an den Beinen, Geschwüre

orbus

blind

Orexis

Erbrechen

Orke

Heiserkeit

Top


P


Palo

Pest, Seuche

Papula

Hautknoten, Ekzeme, Blatter, Pestbeule

Paralysis

Lähmung, Gicht, Krampf, Schlaganfall

paralyticus

gelähmt

Parentialfieber

Typhus

Paucken

große Geschwulst

Percussura

Wundmal, Ausschlag

Pestblattern

Pestbeulen

Petetchen

Flecktyphus, Pestfieber

Petrae vesicae

Blasensteine

Pfies

Geschwulst

Pfneche

Atembeschwerden, Asthma

Pfnusel

Katarrh, Schnupfen

phlebotomare

zur Ader lassen

Phrenesia

Wahnsinn

Phtisis

Abmagerung, Schwindsucht

Pipf

Influenza

Pips (nürnbergischer)

Influenza

Plage

chronische Krankheit, Epidemie, Wechselfieber, Pest, Syphillis

Plärre

Hautausschlag, Pocken

Plemen

Wunde

Plerre

Hautausschlag, Pocken

Pleurisie

Lungenentzündung

Pleurotides

Rheuma, Seitenstechen

Plörsie

Ruhr

podager

lahm

Podagra

(Fuß)Gicht, Lahmheit

Porpeln

Pocken, Masern, Röteln

praecox partus

Frühgeburt

Prest

Gebrechen, Bruch, Epilepsie

puerpera

Wöchnerin

Puerperium

Entbindung, Kindbett

Punctio laterum

Seitenstechen

Pus

Eiter, Fäulnis

Pusseln

Bläschen, Pocken

Pustella

Bläschen, Pocken

Pustula

Bläschen, Pocken

Top


Q


Quartanfieber

Wechselfieber, Malaria

Quirins-Marter

Krebs, Pest

Quirinus-Marter

Pest

Top


R


Räcke

Gliedersteife

Rahe

Gliedersteife

Rähe

Gliedersteife

Raude

Hautkrankheit, Aussatz

Räude

juckende Hautkrankheit

Räudigkeit, böse

juckende Hautkrankheit

Rheuma

Schnupfen, Katarrh

Riesel

Scharlach, Masern, Röteln

Ritt

Schüttelfrost

Rittung

Gliederreißen

Rose

Hautrötung, Entzündung, Pestbeule

Röt

Rote Ruhr

Rotewehe

Blutfluß mit Kolik, (blutige) Ruhr

Rotlauf

Erysipel, Gürtelrose, Neurodermitis, Akne und andere Hautausschläge

Rotsucht

Masern. Im elsässischen Wörterbuch (Lutterbach im Kreis Mülhausen) wird auch die Bedeutung Röteln genannt. Zum Teil auch als Sammelbegriff für verschiedene Kinderkrankheiten mit roten Hautausschlägen bezeichnet, z.B. Röteln, Scharlach, Masern, Pocken, Blattern.

Rugitus

Magen-Darm-Beschwerden

Ruhr

lat. Dysenteria

Meyers Konversationslexikon (1888): Schwere, endemisch oder epidemisch herrschende Krankheit, welche sich anatomisch als diphtheritische Entzündung der Dickdarmschleimhaut charakterisiert. Andre durch Sublimatgebrauch entstandene Entzündungen des Dickdarms können zwar in ihren Symptomen, besonders in Bezug auf die häufigen mit Stuhlzwang verbundenen, auch wohl blutigen Durchfälle, der echten Ruhr mehr oder weniger ähneln und werden dann als unechte Ruhr bezeichnet; sie unterscheiden sich aber von der eigentlichen Ruhr durch den Mangel einer nachweisbaren Ansteckung.

Die Ruhr steckt zwar nicht von Person zu Person an; dagegen ist es möglich, daß durch Darmentleerungen der Ruhrkranken und durch damit in Berührung gekommene Gegenstände die Krankheit übertragen werden kann.

Die Ruhr kommt besonders häufig an Orten vor, wo Wechselfieber für gewöhnlich heimisch sind, und auch endemisch an andern Orten, wie z.B. in gewissen Gegenden Frankreichs, welche im Feldzug 1870/71 wiederholt schlimme Krankheitsherde bildeten, während die sonst unter ganz gleichen Verhältnissen in benachbarten Orten lagernden Truppen von Ruhr verschont blieben und erst ergriffen wurden, wenn sie die Quartiere des Seuchebezirks bezogen. Außerdem begünstigt die Anhäufung vieler Menschen auf verhältnismäßig engem Raum, wenn zugleich ungünstige Ernährungs- und Witterungsverhältnisse, namentlich andauernde Feuchtigkeit mit unvermeidlichen Durchnässungen, hinzukommen, das Entstehen verheerender Ruhrepidemien. Man hat auch große Strapazen, den Genuß unreifen Obstes etc. als Ursachen der Ruhr aufgeführt; doch scheint hierdurch nur die Disposition zur Erkrankung geschaffen und eventuell gesteigert zu werden.

Dem Ausbruch der Krankheit gehen zuweilen mehrere Tage vorher Unregelmäßigkeiten in der Verdauung, Appetitlosigkeit, leichte Kolikschmerzen und Neigung zu Durchfall voraus. In den meisten Fällen beginnt die Ruhr mit einem Durchfall unter mäßigem Leibschmerz und fast ohne Stuhlzwang. Je häufiger aber die Durchfälle aufeinander folgen, um so heftiger und anhaltender werden die kolikartigen Schmerzen, welche einige Zeit vor der Ausleerung beginnen und kurz vor dem Eintritt derselben eine quälende Höhe erreichen. Die Entleerungen selbst sind von einem überaus peinigenden und schmerzhaften Drängen auf den Mastdarm begleitet, wozu sich häufig Harnzwang gesellt. Es werden dabei immer nur geringe Mengen nicht kotiger, sondern schleimiger, hellgrau gefärbter Massen (weiße Ruhr) oder schleimig-blutiger Massen (rote Ruhr), zuweilen auch reines Blut entleert. Unmittelbar nach der Entleerung fühlt sich der Kranke erleichtert und hat nur Schmerz bei Druck auf den Leib; bald aber beginnt der Leibschmerz von neuem, es tritt wieder Stuhlzwang und eine Entleerung ein. Dies wiederholt sich in 24 Stunden wohl 20-30 mal. Im Verlauf der Krankheit gesellen sich allemal Fiebererscheinungen hinzu. Selbst bei den leichtesten Graden der Ruhr werden die Kranken durch den beträchtlichen Säfteverlust, durch die Schmerzen und die Schlaflosigkeit sehr angegriffen; sie bekommen ein bleiches Ansehen, der anfangs volle Puls wird klein, die Stimmung sehr niedergeschlagen, die Mattigkeit sehr groß; die Kranken erholen sich äußerst langsam. Bei den höhern Graden der Ruhr, wo alle Symptome vom Unterleib her heftiger werden, ist der Puls sehr frequent und wird bald klein. Das Allgemeinbefinden ist schwer gestört, es ist starkes Fieber, völlige Appetitlosigkeit, trockne Zunge, höchste Entkräftung und mutlose Stimmung, oft auch Benommenheit der Sinne und leichtes Delirium vorhanden.

Tritt hierbei der Tod an Entkräftung ein, so findet sich die Schleimhaut des Dickdarms in großer Ausdehnung durch flache diphtheritische Geschwüre zerstört, zuweilen brandig abgestorben und verschorft. Die Milz ist geschwollen, Nieren und Leber zeigen jene sogen. varenchymatöse Trübung, die eine stete Begleiterin aller akuten ansteckenden Krankheiten ist. Geht die Krankheit in die chronische Form über, so hört das Fieber auf, es wechseln Durchfälle mit Verstopfung ab; zuweilen wird aber auch noch eine eiterige Flüssigkeit entleert, weil die Verschwärung der Darmschleimhaut fortschreitet. Die Kranken magern im höchsten Grad ab und gehen dabei nach monatelangem Siechtum, häufig unter Hinzutritt allgemeiner Wassersucht, zu Grunde. Heilen endlich die auf der Darmschleimhaut entstandenen Substanzverluste, so leidet der Patient für den Rest seines Lebens an habitueller Verstopfung und den mannigfachen lästigen Folgen derselben.

In den heißen Ländern gesellen sich zur Ruhr häufig Leberabscesse, denen die Kranken erliegen. Die einzelnen Ruhrepidemien sind nach ihrer Schwere verschieden; in manchen Fällen erfordern sie nur wenige Opfer, in andern, namentlich bei lange kampierenden Heeren und belagerten Städten, erreichen sie die Mortalität der schwersten Typhusepidemien, ja überschreiten dieselbe. Es ist wichtiger, die Ruhr zu verhüten, als sie zu behandeln, wenn sie einmal ausgebrochen ist. Die von Ruhrkranken benutzten Gegenstände, namentlich Betten und Wäsche, dürfen unter keiner Bedingung von andern Personen gebraucht werden. Die Entleerungen von Ruhrkranken müssen in besondere Gruben geschüttet und mit einer Lösung von Eisenvitriol versetzt werden. Alle Schädlichkeiten, welche die Disposition für die Ruhr steigern, müssen sorgfältig vermieden und die geringsten Darmkatarrhe auf das genaueste überwacht werden. Die Diät muß eine besonders geregelte sein. Ist die Ruhr aber einmal ausgebrochen, und tritt sie dabei in milder Form auf, so ist zunächst der Darm durch einen Löffel Rizinusöl oder etwas Tamarindendekokt von Zeit zu Zeit von seinen Kotmassen zu befreien.

Der Kranke muß unbedingt das Bett hüten, darf nichts Festes genießen, sondern muß sich von Suppen nähren. Ist der Patient kräftig und vollsaftig, so ist eine schleimige Wassersuppe das Beste; ist er aber schwächlich, so muß von vornherein für Erhaltung der Kräfte durch konzentrierte Fleischsuppen, Wein etc. gesorgt werden. Die Applikation von warmen Umschlägen oder unter Umständen von Blutegeln auf den Leid und an den After leistet gegen die Schmerzen gute Dienste. Klystiere von Stärkemehl mit Opium sind oft zu wiederholen. Wenn diese Behandlung nicht ausreicht, sowie bei schwereren Fällen der Ruhr, in welchen örtliche Blutentziehungen fast immer nötig werden, wird die innere Anwendung von Kalomel mit Opium oder von essigsaurem Blei mit Opium sehr empfohlen. Bei den höchsten Graden der Ruhr bleibt in der Regel jede Behandlung erfolglos; man muß sich dann darauf beschränken, durch Chinin, Wein, Kampfer, Moschus den Kräfteverfall aufzuhalten. Gegen die chronische Ruhr sind, wenn der Stuhlzwang ausgehört hat, adstringierende Klystiere (mit Tannin, salpetersaurem Silber etc.) oder auch dieselben adstringierenden Mittel innerlich anzuwenden.

Ruptura

Verletzung, Zerreißung

Top


S


Sanies

Eiter(ung)

Satthals

Struma (Vergrösserung der Schilddrüse), Kropf

Saucium

Wunde

Scabea

Aussatz, Krätze

Scabies

Krätze

Scarlatum

Scharlach

Schabe

Hautkrankheit, Krätze, Wurmkrankheit

Schapp

Hautkrankheit, Krätze

Scharbock

Skorbut

Scharre

Krätze

Scharte

Verstümmelung, Narben

Schäuerchen

kurzfristige Erkrankung

Schaumlöffelgeschwür

Karbunkel

Schelde

Ausschlag

Schelm im Leibe

verborgenes Übel

Scheuerchen

Zahnkrämpfe, Epilepsie

Schlacht

Ausschlag

Schlafkrankheit

Grippe, Influenza

Schlag, minderer

vorübergehende (Zungen-)Lähmung

Schlagfluss

Stocken der Säfte, Schlaganfall, Gehirnblutung

Schleimfieber

gastrisches Fieber, Typhus

Schlier

eiterndes Geschwür

Schütt

Fieber, Schüttelfrost

Schüttellähmung

Parkinson-Krankheit

Schwamm

(Krebs-) Geschwulst

Schwären machen

Exulceration (Aufbrechen eines Geschwürs)

Schwarze Galle, Schwarzgalligkeit

Melancholie, Schwermut, Trübsinn

Begriff aus der Humoralpathologie / Viersäftelehre.

Schwarzer Tod

Pest

Schweine

Abmagerung

Schweiss (englischer)

(Sudor anglicus), Fieber mit starker Schweißbildung, Tuberkulose

Schweisssucht

Schweißfieber, Fieber mit starker Schweißbildung, Tuberkulose

Schwinde

Abmagerung, Auszehrung, Schwindsucht, Muskelschwund

Schwinden aller Glieder

Abmagerung, Auszehrung, Schwindsucht, Muskelschwund

Schwindsucht

Schwinden der Säfte, Tuberkulose, Kräfteverfall, Krebs

Schwulst

Anschwellung, meist Krebs, siehe auch Geschwulst

Scirrhus

Anschwellung, meist Krebs

Scotania

Schwindel, Ohnmacht

Scotonia

Schwindel, Ohnmacht

Sechs Wochen

Kindbett(fieber)

Secundae

Nachgeburt

Secundinae

Nachgeburt

Segen

Hautmale, Hautgeschwüre als Pestzeichen, Pestbeule

Sehr excessus

bewußtlos

Sehr

Entzündungen, schmerzende Krankheit

senectus

Greisenalter

Senium

Altersschwäche

sensibus excessus

bewußtlos

Seuche (ziehende)

Epidemie, Gliederschmerzen

Sirey

parasitäre Hautkrankheit, Krätze, Flechte, Lepra

Sitzkrankheit

Venenleiden der Beine

Skrofeln

Scrophulae, eigentlich "Schweinchen"

Meyers Konversationslexikon (1888): ursprünglich Drüsenanschwellungen des Halses, die durch starke Verdickung des Halses den Übergang zum Kopf verwischen und undeutlicher machen, so daß eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Aussehen eines Schweinehalses entsteht.

Die Drüsenschwellungen beruhen auf chronisch entzündlicher Zellenwucherung, bilden aber niemals das Grundleiden, sondern sind die Folge irgend welcher Hautausschläge (Rachen-, Kehlkopfs-, Luftröhren-, Lungenkatarrhe), welche auch bei sonst gesunden Personen vorkommen, aber nur bei gewissen schlecht entwickelten, blutarmen, jungen Individuen derartige schwere Drüsenentzündungen verursachen. Diese krankhafte Anlage, die Neigung zu heftigen chronischen Lymphdrüsenschwellungen bei verhältnismäßig geringfügigen Ursachen, nennt man nun Skrofelkrankheit (Skrofulose); Kinder, welche mit dieser Disposition behaftet sind, bezeichnet man als skrofulös. Da Kinder von solcher schwachen, reizbaren skrofulösen Konstitution nicht selten später an Tuberkulose erkranken, so sind Skrofulose und Tuberkulose oft miteinander identifiziert worden; die Skrofulose ist indes eine bloße Krankheitsanlage, die durch zweckmäßige Behandlung beseitigt werden kann, die Tuberkulose hingegen ein ausgebildeter Krankheitsprozeß.

Auf welcher anatomisch erkennbaren Mangelhaftigkeit die skrofulöse Anlage beruht, ist noch unbekannt; häufig beobachtet man Kleinheit des Herzens, dünne, enge Blutgefäße, Blutmangel. Die Skrofeln sind vielleicht ebenso häufig ein angebornes als ein erst nach der Geburt erworbenes Leiden. Die angeborne Skrofulose finden wir namentlich bei Kindern skrofulöser, tuberkulöser und syphilitischer Eltern. Indes kommen Skrofeln noch oft genug bei Kindern vor, bei deren Eltern keins der angeführten Momente zutrifft. Die erworbene Skrofulose entwickelt sich besonders in den ersten Lebensjahren bei unzweckmäßiger Ernährung, bei künstlich aufgefütterten Kindern, bei Mangel an zweckmäßiger Körperbewegung und bei Entbehrung der frischen Luft.

Die skrofulöse Kachexie verrät sich in vielen Fällen durch den eigentümlichen skrofulösen Habitus. Derselbe ist charakterisiert durch Blutmangel, womit sich bei abnorm trägem Stoffwechsel eine Anhäufung von schlaffem Fettgewebe an gewissen Körperteilen verbindet; in andern Fällen dagegen, in welchen Haut, Muskeln und Unterhautfettgewebe eine mangelhafte Entwickelung zeigen, ist der Stoffwechsel wahrscheinlich abnorm beschleunigt. Hiernach unterscheidet man eine torpide und erethische Form. Der Habitus bei torpider Skrofulose ist charakterisiert durch den ungewöhnlich großen Kopf, die groben Gesichtszüge, die aufgeschwollene Nase und Oberlippe, durch die breiten Kinnbacken, den abgetriebenen Bauch, die Drüsenanschwellungen am Hals, das schlaffe, schwammige Fleisch. Der Habitus bei erethischer Skrofulose steht in auffallend weißer, dünner, sich leicht rötender äußerer Haut, in hoher Röte der Lippen und Wangen, in blauer Färbung der sonst milchweißen Augapfelhaut (Sklera), was dem Auge ein eigentümlich schmachtendes Ansehen gibt, und in der Weichheit der Muskeln. Auf dem Boden der skrofulösen Krankheitsdisposition entwickeln sich am häufigsten Hautausschläge im Gesicht und auf dem behaarten Teil des Kopfes; sie gehen meist mit Bläschen und Schorfbildung einher. Erst im spätern Verlauf können auch wohl zerstörende Hauterkrankungen eintreten. Entzündungen der Schleimhäute kommen vorzugsweise an den Lippen, der Nase, der Augenlidbindehaut vor und ziehen gewöhnlich die benachbarte äußere Haut in Mitleidenschaft. Entwickelt sich auf skrofulöser Grundlage eine Entzündung der Knochen oder Gelenke, so verläuft diese meist als tuberkulöse Zerstörung (Karies, Tumor albus). Auch die auf skrofulöser Grundlage entstehenden Lymphdrüsen- und Darmkrankheiten gehören der echten Tuberkulose an. Sobald Verkäsung eingetreten ist, sind die Tuberkelbacillen nachweisbar.

Die Behandlung der Skrofeln bezweckt Hebung des allgemeinen Ernährungszustandes durch kräftige Fleischnahrung, frische Luft, Aufenthalt in trocknen Wohnräumen, Leberthran und Solbäder. Sobald sich tuberkulöse Erkrankungen zeigen, erfordern diese außerdem besondere Berücksichtigung, Entfernung der Drüsen etc.

Skrofulose

siehe 'Skrofeln'

Soda

Abszeß, (Pest-) Geschwür, Typhus, Kopfweh infolge einer Infektionskrankheit

Sonnenschuß

Sonnenstich, Kopfschmerz

spanische Krankheit

Syphillis (in Anlehung an die französische Krankheit

spanische Grippe

weltweite Pandemie, welche zwischen 1918 und 1920 durch einen Abkömmling des Influenzavirus (Subtyp A/H1N1) verursacht wurde

Spasmus

Krampf

Speer

Hexenschuß, Muskelkrämpfe

Squinantia

Bräune, Halsentzündung

St.-Andreas-Krankheit

siehe 'Andreas-Krankheit'

St.-Antoni-Rache

siehe 'Antoni-Rache'

St.-Antonius-Feuer

siehe 'Antonius-Feuer'

St.-Jobst-Krankheit

siehe 'Jobst-Krankheit'

St.-Markoen

Scrofulosis, Kebsdrüse

St.-Quirins-Marter

siehe 'Quirins-Marter'

Staupe (böse)

Epilepsie, eitrige Hautkrankheit mit Fieber

Staupe

eitrige Hautkrankheit, Schüttelfrost, Plage als göttliche Strafe

Steckfluss

Bronchitis, Asthma

Sterbensläufe

(Pest-) Epidemie

Stickfluss

Bronchitis, Asthma, Brustwassersucht

Stickfraisen

Hustenkrämpfe, krampfhafter Stickhusten

Stigma

Brandmal, Wundmal

Stilopus

Geschwulst im Gesicht

Stranguria

Harnzwang

Strumm

Drüsengeschwulst, Kropf

Stuch

Grippe, Influenza, Rheumatismus

Sucht

Epidemie mit Fieber, Pest, Ruhr

Sucht, fallende

Epilepsie

Sudor anglicus

Schweißfieber, Fieber mit starker Schweißbildung, Tuberkulose

Sudor letalis

Todesschweiß

Suffosio

grauer Star

Surdamen

Taubheit

Synclus

anhaltendes Fieber

Syncopa

Ohnmacht

Synoc(h)lus

anhaltendes Fieber

Top


T


Tabes dorsalis

Rückenmarksschwindsucht

Tabes

Auszehrung, Schwindsucht

Tabitudo

Auszehrung, Schwindsucht

Tabum

Eiter, Verwesung

Tannwätschel

Influenza

Tanzwut

Der Ausdruck Tanzwut (Epilepsia saltatoria), auch Tanzkrankheit oder Choreomania genannt, bezeichnet eine Erscheinung im 14. und 15. Jahrhundert. Die Tanzwut wurde als eine epidemische Volkskrankheit des Mittelalters bezeichnet. Menschen tanzten, bis ihnen Schaum aus dem Mund quoll und andere Wunden auftraten. Die Ursachen für dieses Phänomen sind noch nicht geklärt. Man vermutet, dass die halluzinogene Wirkung pflanzlicher Drogen, wie der Engelstrompete oder Vergiftungserscheinungen des Mutterkorns im Getreide die Ursache gewesen sein könnten. Ursprünglich war die Tanzwut als Veitstanz bekannt, welcher heute jedoch die erbliche Krankheit Chorea Huntington bezeichnet.

Terror leti

Todesahnung

Tod, schwarzer

Pest

Tolk

Wundgeschwür

Torment

Magen-Darm-Infektion, Ruhr, Magenkrämpfe, jede zum Tod führende Kinderkrankheit

Tortio

Leibschmerzen

Totenübel

Lepra, Krebs, Syphilis

toxicus

vergiftet, giftig

Tribulatio

Beschwerden, Drangsal

Trumsel

Schwindel, Schläfrigkeit

Truncatio

Verstümmelung

Tumor

Geschwulst

Top


U


Ulceratio

Geschwür, Auswuchs

Ulcus

(Magen-) Geschwür

Unflat

Exkremente, fiebriges Delirium, Pest, Tobsucht

Unglück

Epilepsie, schwere Krankheit, chronische Krankheit

Unleratio

(Magen-)Geschwür

Urschlächten

Pocken, Pockennarben, Masern, Röteln

Top


V


Valentinskrankheit

Veitstanz, Epilepsie

varicosus

mit Krampfadern behaftet

Variola

Pocken, Blattern

Venae sectio

Aderlaß

Veitstanz

siehe 'Tanzwut'

Die Bezeichnung 'Veitstanz' bezieht sich auf den Heiligen Veit, da dieser in bei Anfällen um Hilfe gebeten wurde. Heute bezeichnet der Veitstanz die erbliche Krankheit Chorea Huntington.

Vergicht

Rheumatismus, Arthritis, Epilepsie

verschwären

Exulceration (Aufbrechen eines Geschwürs)

Verschwärung

Exulceration (Aufbrechen eines Geschwürs)

Verzehrung

abnehmen, abmagern, Auszehrung

Vesania

Wahnsinn

Vesicae petrae

Blasensteine

Veternus

Lethargie, Schlafsucht

Vipex

Strieme, Schwiele

Viscera

Eingeweide

Top



W


Wassergalle

Auswüchse am Auge, Ausschlag, Blasen

Wassersucht

Hydrops, Ödem, Anasarka

Meyers Konversationslexikon (1888): im allgemeinen jede krankhafte Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit an irgend welcher Stelle des Körpers. Befindet sich das Wasser in den Gewebsmaschen, so nennt man den Zustand Hydrops anasarca oder Ödem; ist es frei in die natürlichen Höhlen des Körpers ergossen, so bezeichnet man die Wassersucht je nach dem Orte der Ansammlung als Bauchwassersucht (Hydrops ascites), Brustwassersucht (Hydrothorax), Gehirnwassersucht (Hydrocephalus), Kniegelenkwassersucht (Hydrops genu), Hodenwassersucht (Hydrocele) etc. Die Sackwassersucht (H. saccatus, cysticus) ist eine abnorme Wasseransammlung in pathologisch neugebildeten Säcken und Höhlen und kommt am häufigsten im Bauchfell und in den Ovarien vor. Eine Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit in sonst offenen Höhlen des Körpers, deren Ausführungsgänge verschlossen sind, wird falsche W. genannt; es gehören dahin: die W. der Gallenblase, der Gebärmutter, der Muttertrompete, des Wurmfortsatzes, des Thränensackes, der Nieren, des Harnleiters, der Schleimbeutel und einzelner Follikel, wodurch Wasserblasen, Balggeschwülste etc. entstehen. Die Quelle aller hydropischen Flüssigkeiten ist einzig und allein das Blut. Ihre Zusammensetzung ist der des Blutserums entsprechend, mit mehr oder weniger großen Abweichungen rücksichtlich des Verhältnisses der einzelnen Bestandteile zu einander. Sie sind entweder klar und farblos, wie Wasser, oder gelblich, grünlich gefärbt, trübe und flockig; entweder dünnflüssig, wie Wasser, oder dicker, klebrig und schleimig. Sie reagieren gewöhnlich alkalisch, selten neutral, noch seltener sauer. Wahre Wassersucht entsteht nur durch abnorme Ausschwitzung von Blutwasser aus den Venen, welchem Vorgang ein veränderter Zustand der Gefäßwandungen, entweder mit Zunahme des Blutdrucks oder mit veränderter Beschaffenheit des Bluts (Hydrämie, Urämie, Leukämie) verbunden, zu Grunde liegt. Je nachdem diese Ursachen die Gesamtmasse des Bluts oder nur einzelne Körpertile betreffen, unterscheidet man allgemeine Wassersucht von der Wassersucht einzelner Höhlen oder einzelner Gewebe (Anasarka).

1) Die Krankheiten, welche allgemeine Wassersucht bedingen, sind zunächst mancherlei schwere chronische Ernährungsstörungen, bei welchen ein dauernder Eiweißverlust ohne genügenden Wiederersatz stattfindet. Dahin gehören Lungenschwindsucht, langwierige Eiterungen, Skorbut, erschöpfende Blutverluste u.a. In zweiter Reihe stehen Überhäufung des Bluts mit Harnstoff oder andern Substanzen bei chronischer Nierenentzündung, ferner Klappenfehler des Herzens, welche eine dauernde Erhöhung des Blutdrucks im Gefäßsystem, Stauungen im venösen und kapillaren Kreislauf hervorrufen und so beim Nachlassen der Herzkraft die allgemeinsten hydropischen Ergüsse in Höhlen und in die Gewebe zur Folge haben.

2) Örtliche Wassersucht wird entweder durch chronische Entzündung und Ausschwitzung wässeriger Flüssigkeit bedingt, z.B. die Gehirnwassersucht, der Wasserbruch, die Kniegelenkwassersucht etc., oder sie entsteht infolge örtlicher Kreislaufshindernisse, z.B. durch Druck einer Geschwulst, eines Exsudats aus einen Venenstamm, durch Erschwerung des Pfortaderkreislaufs bei Leberkrankheiten (Cirrhose), durch Thrombenbildung in einem Gefäß, wobei dann die Wassersucht stets die jenem verschlossenen Gefäß angehörende Gewebsprovinz allein befällt. Zuweilen kommt Wassersucht mehrerer Organe oder des ganzen Körpers angeboren vor, wo entweder chronische Leiden der Eltern, namentlich häufig Syphilis, den Grund abgeben, oder wo fötale Entzündungen des Mutterkuchens oder der Eihäute Erschwerungen des Blutumlaufs auch ohne allgemeine Krankheiten der Mutter bedingt haben. Vielerlei Mißbildungen beruhen auf solcher embryonalen Hydropsie, z.B. der Wasserkopf, der Wirbelspalt, Blasenspalt, angeborne Luftröhrenerweiterung u.a.m. Die Erscheinungen der Wassersucht beginnen bei den allgemeinen Störungen, z.B. den Herzfehlern, an den entferntesten Punkten der Peripherie, wo im normalen Zustand die Zirkulation schon die meisten Hindernisse zu überwinden hat, und es erfolgt daher zuerst Anschwellung der Knöchel und Füße, der Augenlider, dann allmählich Erguß in die freie Höhle des Brustraums, des Herzbeutels, des Bauchraums, in die ganze Körperhaut. Die Wassersucht ist stets nur ein Krankheitssymptom, aber meist von der größten Wichtigkeit, wenn sie örtlich, wie z.B. beim Wasserbruch, für das betreffende Organ, wenn sie allgemein, für den Gesamtorganismus. Eine höhere Entwickelung der Wassersucht wird wohl selten wieder unschädlich gemacht; im höchsten Grade der W. wird das Bestehen des Organismus aufgehoben durch den Mangel an Zufuhr eines für die Ernährung seiner Organe tauglichen Bluts. Die Kennzeichen der Wassersucht an der äußern Haut sind: Geschwulst von weicher, teigiger Beschaffenheit, von nicht erhöhter Temperatur, gewöhnlich ohne Schmerz, entweder blaß oder unbedeutend geröte, glänzed. Die Haut ist meist trocken, die Epidermis schelfert sich ab. Wassererguß im Bauchraum charakterisiert sich durch Aufgetriebensein des Bauchs, Hervortreten des Nabels; Wassererguß im Brustraum kann nur durch genaue physikalische Untersuchung der Brust erkannt werden. Die Behandlung hat ins Auge zu fassen: die Bekämpfung des der hydropischen Ausscheidung zu Grunde liegenden Moments und die Wegschaffung und Unschädlichmachung des hydropischen Exsudats. Bei Wassersucht aus hydrämischer Blutbeschaffenheit kommt es vor allem darauf an, die Mischung des Bluts zu verbessern, namentlich durch Entfernung der blutentmischenden Ursachen, z.B. in der Säuferdyskrasie, dem Skorbut, bei schlechter Lebensweise. Leichtverdauliche, nahrhafte Speisen und Getränke, bittere und aromatisch-bittere Mittel, welche den Appetit und die Verdauung befördern, das Eisen in seinen verschiedenen Präparaten sind hier angezeigt. Die organischen Veränderungen der einzelnen Organe, wodurch Wassersucht bedingt wird, sind der Heilung durch Kunsthilfe meist nicht zugänglich, so insbesondere die organischen Herzkrankheiten, die Leberentartungen, die Lungenkrankheiten etc. Die Wegschaffung des hydropischen Exsudats sucht man je nach den vorhandenen primären Erkrankungen zu erreichen entweder durch gesteigerte Thätigkeit der Nieren (harntreibende Mittel) oder vermehrte Thätigkeit des Darms (künstlich durch Drastika erzeugte Diarrhöen), oder durch vermehrte Ausdünstung der Haut, Steigerung der Schweißsekretion (heiße Bäder, nasse Einwickelungen, schweißtreibende Mittel). Wenn durch eine sehr bedeutende Wasseransammlung große Lebensgefahr, z.B. Erstickung, befürchtet wird, so entleert man das Wasser künstlich durch die Paracentesis, namentlich bei der Bauchwassersucht; die Hilfe ist aber fast nie von langer Dauer, weil die wassererzeugende Ursache fortdauert. Bei bedeutender Spannung der Haut in der Hautwassersucht entleert man Wasser durch Schröpfköpfe oder Einschnitte; doch hat man hier die leicht sich dazu gesellende Entzündung zu fürchten, welche selbst in Brand übergehen kann.

RezeptWegwart

Sammlung von Christian Abbühl von Wilderswil (1843): Wegwart ist Kraut wie solches die tägliche Erfahrung bezeuget dass sein Blumen mit der Sonnen auf und zu wie solches die tägliche Erfahrung bezeuget. Wann Wegwart an einem Sontag zwischen 11 u. 12 Uhr gegraben wird und wird mit Silber abgestossen so ist es die beste Kraft für Wunden so man finden mag wann man alle Morgen einer Erbsgrosses davon isset und ein Theil davon bey ihm trägt. So ist er sicher 24 Stund vor der Wundung und ist Schutz frey und ist auch gut für den Nachtschatten anzuhenken manchem Ross und Vieh fäll oder Flecken in einem Aug und wann man an einem Sontag vor Sonnenaufgang anfängt so heilet es alle Gebrästen und Schmerzen der Augen ist auch gut für die Gelbsucht im 1. Tag davon im Wein getrunken.

Wehtag

Schmerzen an bestimmten Tagen, Epilepsie

Weisse Sucht

Syphilis

Wesen, böses

Krämpfe, Epilepsie, Veitstanz

Wolf

Krebs, Knochenfrass, Hautentzündung, Wundrötung, Intertrigo (intertriginöses Ekzem, Entzündung der Haut z.B. bei Harninkontinenz, starkem Schwitzen oder durch Reibung), Feigwarzen (Viruserkrankung), Narbenflechte

RezeptWund- und Närfensalb

Sammlung von Christian Abbühl von Wilderswil (1843): Nimm Anken der im Neu gemacht ist und Wachs und Weisstanne Guttharz [Harz von Verwachsungen am Stamm von Weisstannen] oder Harz das in den Stöcken zwischen der Rinden im Herd gewachsen ist oder von dem guten Wurmharz [inneres Baumharz] und Regenwurmgeist und Ameissengeist und weiss Aksteinöhl und weissen Weinrauch. Den Anken und Harz und das Wachs und die Öhler darein geschüt und gerührt bis es dick ist und wohl einmachen sonst wird es bald schlechter werden.

Würgengel

(Pest-) Seuche

Wurm

allgemeiner Begriff für 'Krankheit'

Wurmfieber

Darmkatarrh, Darmentzündungen (Enteritis), Typhus

Top


X


Top


Y


Top


Z


Zehrmilbe

auf Würmer zurückgeführte Hautkrankheit

Ziegenpeter

Mumps

Zipperlein

Fussgicht

Zips

Grippe, Influenza

Zornkrankheit

Mandelabszeß mit Eiter, Wutanfall, Tobsucht

Zwang

Diarrhoe, Durchfall

Top

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Bei Unstimmigkeiten bitte e-Mail an mich!

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 30. Oktober 2016)