Oberrieter Gewerbe (Gründungen bis etwa 1950)

Im folgenden werden einige Oberrieter Gewerbe aufgeführt, welche vor 1950 gegründet wurden. Die Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und wird inkrementell nachgeführt. Ob eine Frma aufgeführt ist oder nicht hängt rein damit zusammen, ob dem Autor historische Daten vorliegen, welche auf die Gründungzeit zurück gehen.

Bäckerei (Beck) Schegg

Seit 1943 findet man die Familien-Bäckerei Schegg schon an der Buckstrasse 1 in Oberriet. Ruedi Schegg kaufte das Haus, welches damas bereits eine Bäckerei war. Im früheren Stall war damals ein Lebensmittelladen.

Bäckerei (Beck) Schegg

Quelle: Home Page der Bäckerei Schegg (→ Geschichte).

Der Strassenverlauf war im Buck früher noch etwas anders als heute. Das folgende Bild zeigt eine Überlagerung der Karte aus Google Maps und der Karte von der Vermessung im Rheintal von 1911:

Bäckerei (Beck) Schegg

Die Strasse ins Gütli verlief früher noch nördlich der Parzelle 205 (heute Buckstrasse 1). Die heutige Gütlistrasse (südlich des Hauses) war 1911 noch eine Sackgasse. Hinter dem Haus (wo heute der Anbau ist), verlief eine Parallelstrasse zur heutigen Buckstrasse.

Im Kataster von 1905 ist die Parzelle 205 mit dem Haus mit den neuen Katasternummern 2134 und 2135 belegt. Die alten Nummern sind im 80er-Bereich (nicht mehr lesbar, da durchgestrichen).

Fredy Schegg (der Sohn von Ruedi) übermahm die Bäckerei von seinem Vater. Die Beck Schegg AG wurde am 21. Juni 1999 gegründet (aktiv seit 20. Juni 1999).

Der Familienbetrieb Bäckerei Schegg in Oberriet wird heute schon in dritter Generation geführt. Patrick Schegg und seine Frau Barbara haben ihn 2009 vom Vater Fredy offiziell übernommen. Mit der Übernahme erweiterten sie die alte Backstube von damals um einen Neubau mit einem grossem Lager.

Bäckerei (Beck) Schegg Bäckerei (Beck) Schegg

Quelle: Bilder vom 26. Mai 2019.

Zum Geschäft gehört seit 2000 eine Filiale an der Dorfstrasse 6 in Montlingen, welche seit Herbst 2015 auch eine Postagentur ist. Am 1. Dezember 2017 kam durch Übernahme der ehemaligen Bäckerei Lüchinger auch eine Filiale an der an der Altstätterstrasse 2a in Kriessern dazu (Romeo Lüchinger trat altershalber zurück).

Compagnie Pfund & Vallois

Eine Eintragung in den Handelsregisterbüchern (Fol. 2279, No. 217) vom 27. Juli 1897 führt die Firma 'Pfund & Vallois' als Kollektiv-Gesellschaft per 1. Juli 1897 von Bernhard Pfund & Cie (gemäss Seite 1159) auf. Der Zweck war eine 'Kettenstich- & Kunststickerei'. Inhaber waren Bernhard Pfund-Milster (Kaufmann, * 13. Februar 1860 - † 2. März 1952) und Lucien Felix Vallois. Die Gründung wurde am 3. August 1897 im Handelsamtsblatt No. 202, p. 830 publiziert.

Die Kettenstickerei hatte ihre Hauptniederlassung an der Schützengasse No. 5 in St. Gallen, hatte aber in mehreren Orten Filialen.

Die Filiale in Oberriet wurde am 28. Juli 1898 eröffnet (Fol. 2279, No. 338). Die mit dem Zweck eine 'Kettenstickerei & Ferggerei' zu erstellen. Der Bevollmächtigte (Prokura) war Carl Zollikofer (Kaufmann, * 30. August 1866 - † 12. Juni 1942) in Bruggen. Publiziert am 2. August 1898 im Handelsamtsblatt No. 221, p. 925.

Weitere Filialen wurden gegründet in Bruggen am 4. Juli 1900 (Kettenstickerei im Hause No. 82, in der ehemaligen Rittmeyer'schen Fabrik, welche 1854 gegründet wurde), in St. Gallen am 13. Juni 1902 (an der Pestalozzistrasse / Davidstrasse), und in Friedrichshafen. Im Handelsregister nicht gefunden, aber: in Meiningen wurden 1910 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Die 'Rittmeyer'sche Fabrik' bezeichnet die Firma 'B. Rittmeyer und Comp.'.

In der Filiale in Oberriet arbeitete Karl Albert Hasler zwischen 1899 und 1910 (zunächst als Angestellter, später in leitender Stellung).

Compagnis Pfund † Valois

Quelle: La Sentinelle, 18. Februar 1916.

Anfangs 1916 stellte die Firma im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Arbeiten an einigen Stellen im Kanton St. Gallen ein. Aber noch am 18. August wurde ein neuer Zweig eröffnet, der mit der Fabrikation und dem Export von Gardinen & Stickereien befasst war.

Ab 26. März 1920 war Paul Egli von Frauenfeld Inhaber der Firma. Albert Kunz [Krenz?] von Mogelsberg hatte die Prokura. Am 17. Februar 1925 wurde die Filiale 'Engelwiese' geschlossen. Per 31, Dezember 1925 wurde die Firma aufgelöst (publiziert am 7. Januar 1926 im Handelsblatt No. 4, Seite 27.

Jansen & Co. AG

Die Firma Jansen & Co. AG, Stahlröhren und Sauerstoffwerke, war ist ist einer der grossen Arbeitgeber im Rheintal. Im Jahre 1923 schuf Josef Jansen (* 1894 - † 1984) aus einem sehr bescheidenen Unternehmen die Firma «Panzerröhrenfabrik + Sauerstoffwerke Jansen & Co.». Die Firma hatte anfangs 6 Mitarbeiter. Bereits 1946 waren es 120, 1955 220 und 1990 670 Mitarbeiter.

Josef Jansen (1923) Jansen & Co AG Jansen & Co AG

Quelle 1. Bild: Web Seite der Firma Jansen. Josef Jansen ist dabei (im Jahr 1923) vor dem Restaurant Sonne zu sehen. Quelle 2. Bild: Unser Rheintal 1956, Seite 45. Quelle 3. Bild: aufgenommen 2019 vom Bildstöckli her.

Jansen & Co AG

Quelle 1. Bild: Unser Rheintal 1944.

Sparkasse Oberriet

Bankenkonsolidierung

Die Bernecker Bank (1868 gegründet) und die Balgacher Spar- und Leihkasse (1869 gegründet) haben sich im Jahr 2000 in der Alpha Rheintal Bank zusammengeschlossen. Im Jahr 2003 kam die Sparkasse Oberriet (1861 gegründet) dazu. Die Bank von Diepoldsau-Schmitter wurde im Jahr 1992 an die Kantonalbank verkauft und die Rebsteiner Bank wurde zu einem Teil von Raiffeisen. Vorher waren diese fünf Rheintaler Banken Mitglied im Schweizerischen Regionalbankenverband. Die Alpha Rheintal Bank ist nicht Mitglied dieser Organisation, so dass heute allein noch die Biene Bank im Rheintal diesem Verband angehört und innerhalb des Verbandes Mitglied im Clientis-Verbund ist.

Sparkassa Oberriet 1944

Quelle Bild 1: Unser Rheintal 1944.

Das folgende Büchleich wurde anlässlich der 100-Jahr-Feier der Sparkasse Oberriet herausgegeben.

Sparkasse Oberriet 1 Sparkasse Oberriet 2 Sparkasse Oberriet 3 Sparkasse Oberriet 4 Sparkasse Oberriet 5 Sparkasse Oberriet 6 Sparkasse Oberriet 7 Sparkasse Oberriet 8 Sparkasse Oberriet 9

100 JAHRE SPARKASSE OBERRIET

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1861-1961

Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens unseres Institutes freut es uns, den Mitgliedern und Freunden der Sparkasse diese kleine Festschrift überreichen zu dürfen. Die Sparkasse Oberriet hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens vom schwachen Pflänzchen zu einem starken Baum entwickelt. Der knappe geschichtliche Rückblick wird sicher unsere Zeitgenossen wie auch unsere Nachkommen interessieren. Denn 100 Jahre sind nur ein Markstein, aber noch lange kein Ziel. Die Sparkasse wird weiter zum Wohle unseres Dorfes wirken und mit Zuversicht ins zweite Jahrhundert eintreten.

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Vor 100 Jahren war Oberriet noch ein ausgesprochenes Bauerndorf, besser gesagt ein Dorf mit klein-bäuerlichem Einschlag. Gulden und Kreuzer bildeten bis kurz vor der Gründung unserer Sparkasse das Zahlungsmittel. Mit der Fähre überquerte man noch den so oft gefürchteten Rhein. (Erbauung der ersten Holzbrücke in Oberriet 1870). Ob vielleicht auch die Einführung des Frankens (1857) im Zusammenhang stand mit der Gründung einer Dorfkasse ist zwar nirgends schriftlich niedergelegt, könnte aber vermutet werden. Die vergilbten Protokolle sagen uns, welche Kinderschuhe unser Institut getragen, und, das interessiert uns besonders, welchen weitsichtigen Männern wir es verdanken, wenn heute unsere blühende Sparkasse jubilieren darf und froh in die Zukunft schauen kann.

Wir lassen hier die Namen dieser 34 hervorragenden Männer (so nennt sie das Protokoll) folgen:

Verzeichnis der Aktionäre (1861):
Lüchinger Jakob, Oberried
Zäch C. S., Oberst
Sartory Carl
Kolb Jacob, Eichenwies
Thurnherr J. J., Oberried
Stieger Joh. B., Bäk., Oberried
Weder Caspar, Geschirrhändler, Oberried
Mattle Jos., Bäk., Oberried
Graber Aug., Metzger
Kühnis Joh., Jäger, Kobelwald
Zäch J. A., Thierarzt, Oberried
Herrsche Jos., Lehrer
Kobler Jacob, Wegmacher, Oberried
Weder Joh., Maler, Oberried
Stieger J. J. , zur Krone, Oberried
Mattle Caspar, Wirth, Rehag
Weder Joh., Müller, Oberried
Hasler Joh., Krämer, Oberried
Kühnis Joh. Ant., Oberried
Weder Jacob, Weibels, Oberried
Weder Wilh., Weibels, Oberried
Weder Jacob, Weibel, Oberried
Weder Joh. Ant., Weibels, Oberried
Stieger Jos., Lehrer, Oberried
Kühnis Jacob, Bäcker, Oberried
Thurnherr Jak., Schreiner, Oberried
Hasler Carl, Oberried
Lüchinger August, Montlingen
Lüchinger Wilhelm, Montlingen
Stieger Joh., Zimmermann, Oberried
Lüchinger Jos., Montlingen
Rich Christ, Schmied, Oberried
Sartory Carl, Sohn, Oberried
Stieger Jacob, Schuster, Oberried

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Aus alten Protokollen

«Das Jahr 1861 begann unter gemütlichen Aussichten. Die aufgeregt gewesenen Wellen des politischen Lebens hatten sich um vieles gelegt, und wenn auch die stürmende See noch nicht ganz abgeklärt und beruhigt ist, so ist doch Hoffnung vorhanden, dass im Falle der Steuermann, wie der Matrose an seinem Posten steht, und threu seine Pflicht thut, das Schiff, wenn schon auf tobender See, dennoch nicht dem Abgrund zusteuert.» Unter solchen Betrachtungen hatten sich über diesen Winter, auf Einladung des Unterzeichneten einige hervorragende Männer unserer Gemeinde zusammengefunden, und den Beschluss gefasst, für die Gemeinde Oberried eine Sparkasse zu gründen und ins Leben zu rufen. Die Konstituierung in der Gesellschaft fand unter heutigem Tage statt und als Grundlage die hier folgenden Statuten angenommen. Oberried, 11. März 1861 Jakob Lüchinger, Gemeindeammann

Wir lesen im genannten Protokoll weiter: «Um dem Publikum Gelegenheit zu verschaffen, durch Häuslichkeit und Arbeitsamkeit zurückgelegte Baarschaft sicher und zinstragend anzulegen, wird eine Sparkasse errichtet. Zur Sicherung der eingelegten Gelder besteht ein Aktien-Verein: Ein Verein von Bürgern, von denen jeder eine oder mehrere Aktien im Betrage von Fr. 100. übernimmt, unter folgenden Bedingungen: Artikel 1: Jeder Aktionär ist pflichtig, sobald die Anzahl von 20 Aktien zugesichert ist, jeden Monat Fr. 5. pr. Aktie einzuzahlen und solange fortzusetzen, bis der Betrag der Aktie (Fr. 100.) erfüllt ist. Die geleistete Zahlung, wird vom Cassier bescheinigt. Es können bis auf 40 Aktien ausgegeben werden. Art. 4: Die Aktionäre bilden den Verein des Unternehmens, ihnen kommen folgende Obliegenheiten zu: a) die Wahl einer Verwaltungskommission von 3 Mitgliedern. Das erste Mitglied leitet die Geschäfte und ist Cassier. Art. 10: Die in die Sparkassa eingelegten Gelder werden mit vier Prozent verzinst. Das Minimum der Einlage ist Fr. 1.. Art. 17: Der Zinsfuss der Darlehen ist fünf Prozent. Auf diese Statuten hin sind 34 namentlich aufgeführte Aktionäre mit 40 Aktien (mindestens je 1 Aktie) eingetreten und als Verwaltungskommission gewählt worden: a) Lüchinger Jakob, Gemeinde-

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ammann b) Thurherr J. J., Hauptmann c) Stieger Jos., Lehrer. Anno 1865 wurden in die Prüfungskommission gewählt: Zäch, Oberst; Herrsche, Lehrer; Zäch Tierarzt.» Die erste Rechnungsablage auf Ende Dezember 1864 für die Jahre 1861, 1862, 1863 und 1864 erzielt einen Umsatz von 37 887 Fr. 91 Rp. und ein «Reines Vermögen» der 40 Aktien von Fr. 4080.21. Denselben wurde erstmals eine Dividende pro 1863 und 1864 von je Fr. 5. ausbezahlt, der Rechnungsüberschuss als Reservefonds geäufnet und später zum Teil zur Erhöhung des Aktienwertes verwendet, so z. B. unter Datum vom 2. Januar 1875, wo die alten Aktien mit Datum 1. Mai 1863, nom. je Fr. 100. in Aktien nom. je Fr. 200. «ausgetauscht» wurden. In unserer Rückschau noch einige Protokollzitate, die mehr den damaligen «Einkommensstand» zeigen: Aktionärenversammlung vom 1. Februar 1866 beschliesst: Als Gehalt möge dei Cahsier Fr. 30. pro Jahr beziehen. Aktionärenversammlung vom 26. Dezember 1871 beschliesst, der Verwaltung und der Prüfungskommission ein Taggeld von Fr. 2. auszubezahlen. Aktionärenversammlung vom 29. März 1875: «Aus der Mitte der Versammlung wurde die Anregung gemacht, ob es nicht zeitgemäss erscheine, wenn eine feuerfeste, eiserne Geldcahse angeschafft würde. Ueber die Anregung wurde vielseitig die Diskussion benützt und dann aber beschlossen, von der Beschaffung Umgang zu nehmen.» Zur Aktionärenversammlung vom 18. April 1881 möchten wir noch das protokollarische Festhalten vom Ableben eines der Gründer im Wortlaut folgen lassen: «In der heutigen Versammlung haben wir leider unsern bisherigen Vorstand und Verwalter, Herr Gemeindeammann Lüchinger zu vermissen und dies nach dem unerforschlichen Ratschluhse des Herrn, für immer, da eine rasch um sich greifende Krankheit, ihn, den Gründer unserer Anstalt aus unserer Mitte entrihs.» Der Usus, dass das erste Mitglied der Commission auch zugleich als Kassier amtete, wurde auch nach dem Tode des ersten Vorstandes Jakob Lüchinger, Gemeindeammann, beibehalten und dann Th. Lüchinger als Nachfolger gewählt. Die Sparkassa befand sich nach wie vor immer im sogenannten Lüchinger'schen Haus in Eichenwies (1861-1897).

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Als die Aktionärversammlung vom 29. Mai 1884 beschloss, die 40 Stück Aktien von Fr. 200. pro Aktie einzuziehen und an Stelle derselben neue Aktien mit Wert je Fr. 500. auszugeben, scheint es uns, dass diese Erhöhung des Aktienwertes auch einigermasssen auf der «Höhe» stattfinden müsse und sagt uns das Protokoll, dass dieser wohl allen Aktionären willkommene Beschluss am 29. Mai 1884 bei Herrn Vermittler Sartory auf Schloss Blatten gefasst wurde. Ab 1885, so lautet Art. 23 der neu gefassten Statuten, sollen nun 5 Prozent dem Reservefonds zugewiesen werden und das Aktienkapital erhalte 4 Prozent Dividende. Anno 1896 finden wir zum erstenmal im Protokoll die Trennung von Kassieramt und Präsidium und amtet nun als Präsident: J. A. Zäch, Tierarzt. Am 16. August 1898, so heisst es im Protokoll: «Keine Sitzung, dagegen Dislokation des Kassaschrankes in das Bureau des neuen Kassiers (vom Lüchinger'schen Haus zum neugewählten Kassier Wilhelm Kühnis sel., Lehrer, Oberdorf - Oberriet.)» Mit 1903 tritt erstmals Wechsel des Präsidenten ein und wird als Nachfolger von Tierarzt Zäch (erster Präsident und nicht zugleich Kassier) gewählt Gottlieb Zäch, Kantonsrat, zum «Frohsinn», Oberriet, welcher den Vorsitz bis Ende 1920 führte. Auf sein Ableben hin erfolgte dann 1921 die Wahl von K. A. Hasler, zur «Krone», Oberriet, zum Präsidenten, der bereits seit 1903 als Mitglied des Verwaltungsrates tätig war, und nun den Vorsitz bis 1951 inne hatte. Nach einer Reihe wechselvoller Jahre (1880-1890) wurde das Aktienkapital wiederum erhöht, so am 1. Januar 1905 auf Fr. 70 000. (Nr. 1-140), am 31. Dezember 1911 auf Fr. 150 000. (Nr. 141-300), am 1. Juli 1931 auf Fr. 300 000. (Nr. 301-600). Sitzung vom 31. Dezember 1903: Auf die Auskündigung der Kassierstelle sind 10 Anmeldungen eingegangen, worunter Kühnis Wilhelm, Lehrer's zur Zeit in Mailand, und wird letzterer auch gewählt. Gleichzeitig wird beschlossen, es sei das Sparkassabureau in das Haus des Jos. Hasler, in das Lokal der Dr. Nägeli'schen Apotheke zu verlegen. (Bisher befand sich dasselbe wie bereits erwähnt, beim Vater des Neugewählten, alt Lehrer Kühnis sel., Oberdorf). Mit 1903 werden dann auch feste Bureaustunden eingeführt. Wohl ei-

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ne Seltenheit bedeutet die Tatsache, dass der Kassier und Verwalter unserer Dorfkasse seit 63 Jahren mit Kühnis zeichnet und wir hoffen, dass es noch für eine lange Zukunft so bleiben möge. 1898-1903 Wilhelm Kühnis, Vater, a. Lehrer; 1903-1953 Wilhelm Kühnis, Sohn des Genannten, a. Kirchenpräsident; seit 1953 Adolf Kühnis, zur «Eintracht». Die gemieteten Bureauräume der Sparkasse befanden sich von 1903-1951 im Parterre des Hauses Jos. Hasler, Nachfolger Konrad Hasler, Schreiner. Das heutige Gebäude diente zuvor als Pfarrhaus. Es wurde 1952 von der Kirchgemeinde erworben. Dank einer weitsichtigen Umbaulösung, der wohldurchdachten grundrisslichen Gestaltung und einer den modernen Bedürfnissen entsprechenden Ausstattung wird die Sparkasse Oberriet auf weite Sicht den Ansprüchen an ein neuzeitliches Bankinstitut genügen können und sie darf mit Fug und Recht den besteingerichteten im Rheintal beigezählt werden.

Im Jubiläumsjahre 1961 der Sparkasse Oberriet

verwirklicht die Gemeinde ihr neues Bürgerheim im Kostenbetrage von 1,3 Mill. Fr.
Fertigstellung des neuen Wohnblocks der Ortsgemeinde an der Staatsstrasse
Erbauung der neuen Rheinstrasse mit Anschlusswerk für Oberriet als Entlastung des enormen Verkehrs
Der Bau der neuen Rheinbrücke ist fester Plan geworden
Hochkonjunktur in der ganzen Schweiz (beinahe eine halbe Million Fremdarbeiter)
Unsichere Weltlage und ständige Bedrohung
Grosses Missionsjahr aller Schweizerkatholiken zugunsten der Missionen
Kennedy als erster Katholik Präsident der USA

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Industrie und Gewerbe in Oberriet

Obwohl unser Dorf nicht als industriereich bezeichnet werden kann, sind es doch etliche Betriebe, die den Namen Oberriet durch ihre Erzeugnisse in unserem Lande und selbst über die Grenzen bekannt machen. Die Firma Jansen & Co. AG, Stahlröhren- und Sauerstoffwerke, Kunststoffwerk, liefert ihre Stahlröhren in viele Länder, erzeugt Sauerstoff für Spitäler und Sanatorien und technische Zwecke und gliederte ihrem Unternehmen eine Kunststoffabteilung an, die sich besonders mit der Fabrikation von Kunststoffröhren befasst. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich dieser Betrieb zum grössten unserer Gemeinde mit ca. 300 Angestellten und Arbeitern. Die Firma Gebr. Kolb AG beschäftigt in den verschiedenen Abteilungen, elektrische Installationen, Telefon, Freileitungsbau, Maschinenbau und Wicklerei, ebenfalls eine ansehnliche Belegschaft. Der Filialbetrieb in Widnau hat sich stark entwickelt. In den beiden Ziegeleien Lüchinger AG und Schmidheiny J. & Co. AG,die ihre Betriebe ausgebaut und modernisiert haben, verdienen eine grössere Anzahl Angestellte und Arbeiter ihren Lebensunterhalt. Die Firma Bruno Lüchinger, Metalldrückerei, erstellte vor einigen Jahren an der Staatsstrasse ein modernes Fabrikgebäude. Im Steinbruch König werden bedeutende Mengen Schotter, Steinbettsteine etc. hergestellt. Während in den erwähnten Betrieben besonders männliche Arbeitskräfte beschäftigt werden, bieten die Betriebe Alfred Weder AG, Wäschefabrik und Gottlieb Mattle, Rideaux, einer grösseren Anzahl Frauen Beschäftigungsmöglichkeit. Beide Betriebe haben sich gut entwickelt und haben ihren Maschinenpark modernisiert und sie dürfen sich mit ihren Textilprodukten auf dem Markt sehen lassen. Auch die Firma Bopp, Gummibandprodukte, beschäftigt vorwiegend weibliche Arbeitskräfte. Industrie und Gewerbe, besonders aber jene Unternehmungen, die ihren Firmasitz in unserer Gemeinde haben, liefern bedeutende Steuerbetreffnisse ab und helfen mit, die Lasten der Gemeinde zu tragen. Die Leistungen von Industrie und Gewerbe dürfen allgemein anerkannt und verdankt werden. Industrie, Gewerbe, Handel, Verkehr und Landwirtschaft, alle befruchten auch eine Dorfbank. Wir danken allen unsern Kunden

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und Geschäftsfreunden, die an der laufenden erfreulichen Entwicklung unseres Institutes teilhaben und hoffen, dass wir alle im Frieden und in Freiheit weiterarbeiten können, zum Wohle unserer Familien, unseres Dorfes und Vaterlandes.

VERWALTUNGSRAT
Herr Gottlieb Mattle, Fabrikant, Präsident
Herr Ernst Büchel, zum «Frohsinn», Vizepräsident
Herr Johann Kolb, Schulpräsident
Herr Pirmin Lüchinger, Ziegelei
Herr Robert Mattle, Prokurist

KONTROLLSTELLE
Herr Pius Kühnis, Gemeindeammann
Herr Werner Weder, Fabrikant

REVISIONSSTELLE gemäss Bankengesetz Revisions-und Treuhand-Aktiengesellschaft Revisa, St. Gallen

PERSONAL
Herr Adolf Kühnis, Verwalter
Franz Gasser, Lehrling

Quelle: Büchel Buchdruck Oberriet SG (1961).

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Fragen bitte per e-Mail an mich!

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 3. Juli 2020)