Der Regierungsrath in St. Gallen und sein Deplazetierungsgesuch in Montlingen im Lichte der Akten

Karl Augustin Falk wurde im Amt abgesetzt (polizeilich abgeführt). Aus der Sicht von J. Alois Oberholzer [AO1910] hört sich das folgendermassen an:

« Im April 1875 entzog diesem für Gott und seine Kirche begeisterten jungen Priester die damalige kulturkämpferische Regierung des Kantons St. Gallen mit den Landammännern Curti, Hungerbühler und Zäch - welch letzterer als Gemeindammann von Oberriet eine Zeit lang sein Pfarrkind war - an der Spitze das hochobrigkeitliche Plazet und drängte ihn mit polizeilicher Gewalt aus seinem Hause, aus der Kirche und aus dem ihm von seinem Bischofangewiesenen Wirkungskreise. Bereits ein halbes Jahr lang waren auf Kosten der Kirchgemeinde Landjäger hier stationiert, um allfällige gottesdienstliche Funktionen des Pfarrers, der bei seinem Nachbar in Koblach ein schützendes Obdach gefunden, zu verhindern. Polizeihauptmann Kobelt war unermüdlich im Spionieren. Jeden Abend wurde zu grösserer Erbauung seiner getreuen Gilde in der Kirche der Rosenkranz gebetet, oft sogar der ganze Psalter. Da nun postierten sich zwei Wächter des Gesetzes, die Mützen auf dem Kopfe, in den ersten Stuhl, um den Chor gegen den staatsgefährlichen Pfarrer zu schützen. In ihrer Langweile wechselten sie mit Stehen und Sitzen und Gähnen. Der dritte Posten war beim Hauptportal aufgepflanzt, um das Anrücken feindlicher Heermassen zu signalisieren. Sie wachten bei Tag und bei Nacht, dass der schreckliche Schwarzrock seine "Falkenburg" nicht durch einen Ueberfall erobere. Die Gemeinde blieb indess ihrem Seelsorger im allgemeinen treu ergeben. Noch im April 1876 petitionierten von zirka 280 Bürgern 233 mit Namensunterschrift, dass er wieder in Montlingen funktionieren dürfe. Weil von den Beteiligten mehrere noch am Leben sind [1909] und man auch die Toten ruhen lassen soll und weil wir nicht nun vernarbte Wunden wieder aufreissen möchten, wollen wir uns hier über diese Wirren, welche der Gemeinde viele böse und traurige Tage brachten, nicht weiter aussprechen. Wer näheren Aufschluss wünscht, den verweisen wir auf das vom Geächteten herausgegebene Schriftchen "Der Regierungsrat von St. Gallen und sein Deplazetierungsversuch in Montlingen im Lichte der Akten." (Appenzell, Verlag von Oskar Broger 1877.) Tatsache ist, dass der Sturm gegen Pfarrer Falk zunächst nicht in der eigenen Gemeinde ausgebrochen; Tatsache ist ferner, dass ihm Unrecht geschehen, indem die ihm gemachten Vorhalte bei objektiver Prüfung sich als unbegründet erwiesen und dass er durch seinen energischen Widerstand dem St. Gallischen Klerus einen grossen Dienst geleistet, indem es die Regierung seit dieser Zeit nicht mehr versuchte, einen ihr missliebigen Pfarrer seines Amtes zu entheben. »

 

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Vorwort

Pfarrer Falk verlangte, dass die Regierung das erlittene Unrecht eingesteht. Er verlangte Einsicht in die Prozess-Akten. Erst nach zwei Jahren gewährte ihm der liberale Regierungsrat Otto Thuli (* 1833 - † 1893) aus Vilters diese Einsicht.

Einleitung

Pfarrer Falk war vom 14. Januar 1869 bis Ende Februar 1875 Pfarrer in Montlingen, als am 30. April ein Deplazetierungsbeschluss vom Regierungsrat gefällt wurde.

Erstes Kapitel

Am 12. Januar 1875 verlangte der Regierungsrat Zäch von Pfarrer Falk Auskunft zu
Vorkommnissen anlässlich der Beerdigung des jung verstorbenen Lehrers Zigerlig, wobei Pfarrer Falk einerseits gesagt habe, dass man weltlichen Gesetzen unter gewissen Umständen nicht unbedingt folgen müsse, und andererseits äusserte er eine etwas verklausulierte Kritik am Lehrerseminar (Mariaberg) in Rorschach. Zeugin war die Ehefrau des Landjägers Kobelt und deren Sohn J., welcher im Lehrerseminar in Rorschach weilte.

Zweites Kapitel

In Herrn Kobelt's Auftrag fand am 6. März 1875 ein Verhör statt. Auf die beiden erwähnten Vorwürfe antwortete Pfarrer Falk, dass es nicht die Aufgabe eines Landjägers sei, seine Reden zu prüfen. Herr Kobelt bringt noch weitere Vorwürfe vor, wie z.B. dass er das öffentliche Singen verbiete.
Pfarrer Falk wendete hier ein, dass es sich um einen Betrunkenen gehandelt habe, welcher gegen halb Zwölf nachts - nach einer "Hölschung" im Kreuz - gesungen habe. Die Pfarrgemeindeversammlung steht am 14. März 1875 mit 227 gegen 2 Stimmen hinter dem Pfarrer.

Drittes Kapitel

Die Klagen wurden etwas "abgerundet", was zu folgendem Text führte: « Mehrfache Zeugenaussagen, darunter solche, die zu den meinungsgenossen des Pfarrers gehören, schildern denselben als überspannten, fanatischen und beschränkten, dabei anmassenden, intoleranten, gewaltthätigen und leidenschaftlichen Mann, der eine "besondere Fertigkeit" habe, Andersgesinnte anzugreifen, zu verfolgen und zu verletzen;
sein Wirken in der Pfarrei sei kein segensreiches, sondern ein friedensstörendes,
er mische sich in Dinge, die ihn nichts angehen, und seine Entfernung aus der Gemeinde würde von vielen gerne gesehen und begrüsst werden. »

Ein weiterer Vorwurf, dass er der kranken Frau Organistin W.Z. nicht "versehen" wollte, stellte sich als falsch heraus. Ebenso, die Behauptung, dass er eine Kirchweih-Tanzbelustigung im Hirschen aufgelöst habe, welche "ohne seine Bewilligung" feierte. Tatsache war, dass er sie bat etwas leiser zu sein, da die Mutter des J. Loher im Sterben lag (sie starb 2 Tage nach dem Kirchweihfest).

Eine Weihnachtspredigt ("die Kraft der göttlichen Gnade") und die Leichenrede für den Lehrer Zigerlig sind angeführt.

Viertes Kapitel

Pfarrer Falk lässt seinen Unmut an mehreren Regierungsräten aus:
Herr Landammann Basil Ferdinand Curti (* 1804 † 1888) wird als Lügner entlarvt wird als er Pfarrer Falk der Schmuggelei bezichtigte, Herr alt-Landammann Zäch (Pfarrer Falk erlaubte die Beerdigung der ersten, reformierten Ehegattin auf dem Friedhof Montlingen, aber als der wieder verheiratete Zäch zwei nicht-katholische Paten für die Kinder wollte, sagte der Pfarrer nein), und Herr Landammann Johann Matthias Hungerbühler (* 2. September 1805 in Wittenbach - † 14. Juli 1884 in St. Gallen) behauptete, dass Pfarrer Falk seine eigene Mutter in einer Armenanstelt unterbrachte (Pfarrer Falk's Mutter starb 1848, als er selbst 9 Jahre alt war; sein Vater verehelichte sich wieder und starb 1863).

Fünftes Kapitel

Vollzug der Deplazetierung.

Auch nach der Deplazetierung wurd Pfarrer Falk noch überwacht, verhört und mehrfach gebüsst.

Schluss

Pfarrer Falk freut es, dass seine Pfarrkinder zu ihm hielten. Jakob Loher (Kronenwirt) wollte ihn 1877 für die Messe seiner verstorbenen 2. Gattin. Dies wurde nicht genehmigt.

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Fragen bitte per e-Mail an mich!

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 8. Juni 2019)