Fischer Heraldry

Bedeutung des Namens 'Fischer'

Der Familienname Fischer ist abgeleitet von der Berufsbezeichnung des Fischers.

Fischer in Tambach, Geiss, Oberkirch, Nottwil, Sursee (Luzern)

Fischer

Die unten stehenden Wappen stammen aus der Wappensammlung des Staatsarchivs Luzern.

Wappen 'Fischer'

Wappen 'Fischer'

Wappen 'Fischer'

Die ältesten Erwähnungen "unserer" Fischers gehen auf Tambach zu Geiss (früher Grosswangen) zurück.

Tambach

Der Hof Tambach zu Geiss - früher Grosswangen (Geschichte) - war ein Edelsitz der Herren von Wolhusen für ihre Edelknechte (Ministerialen). So stiftete ein 'Burkhard von Tambach, ein Diener der Herrschaft' (d.h. der Freiherren von Wolhusen) eine Jahrzeit zu Willisau (dies geschah vor 1184, denn in diesem Jahr war der Hof wieder frei (ohne Lehensvertrag) in Händen der Herrschaft).

Am 30. Januar 1184 schenkten Lütold, Herr von Wolhusen (Geschichte), und sein Bruder Diethelm (gestorben 1190), Probst zu (Bero-) Münster, mit Zustimmung von Arnold I., Freiherr und Vogt zu Rothenburg (1168 bis 1192), und Gepa, seiner Gemahlin (Tochter von Lütold) und Kinder der Kirche in Romoos den Hof Tambach. Zugleich wurde anlässlich der Weihe der Kirche durch Bischof Johann von Konstant bestimmt, dass den Armen jeweils am Karfreitag das Brot von 4 Mütt Kernen (Getreide) zum Seelenheil der Stifter ausgeteilt werde. Der Bodenzins (8 Malter Korn und Haber) wurde dem Pfarrer als Einkommen aufgeschrieben. Er bezog diesen Zins bis 1925, worauf die Abzahlung erfolgte (Fr. 11'925.95). Die Lieferung erfolgte bis 1837 in Getreide nach Romoos, später in Geld ans Waisenamt.

Der Hof Tambach, welcher ein eigenes Hofrecht besass, umfasst jetzt 5 Höfe, nämlich 2 Höfe Tambach, 2 Höfe Schragenhüsli und 1 Hof Neuhus. Diese gehörten früher zur Pfarrei Geiss, später bis 1807 zur Pfarrei Grosswangen, dann erfolgte die Aufteilung: Tambach und Schragenhüsli zur Pfarrei Geiss, Neuhus zur Pfarrei Buttisholz.

Schwanden war ein Widemhof der Pfarrei Wangen (Grosswangen). Das Wort 'Widem' ('Wittum') hängt zusammen mit 'widmen' (im Sinne von 'geben, schenken'). Es handelt sich also um eine Vergebung (z.B. Brautgabe, Vergabe an eine Kirche oder an ein Kloster).

Geschichte der Fischer

Im Jahrzeitbuch von Hasle sind 1240 [?] als erste Fischer in der Region Konrad und Frau Adelheid erwähnt. Da Hasle zur Grosskirche Willisau gehörte, könnte mit diesem Fischer ein Zusammenhang bestehen. Später erfolgte keine Erwähnung mehr von Fischer in Hasle, doch der Name 'Fischergut' bleibt erhalten.

Stamm (erstellt von Hans Fischer in Villmergen)

5. Juli 1296, Roth bei Grosswangen: Judenta, Wittwe des alten Rudolf von Balm, bezeugt, dass Konrad von Ohmstal, Eigenmann der Kirche Zofingen, mit der Leibeigenen Anna Fischer sich ehelich verbunden hat und bestimmt, dass die Kinder aus der Ehe gleichgeteilt werden sollen zwischen der Kirche Zofingen und den Johannitern, denen sie die Frau nach ihrer Verheiratung als Almosen geschenkt habe. Die Ehe wurde mit Kenntnis der Wittwe Judenta geschlossen, der Mutter des Mörders von Albrecht I. (Sohn Rudolfs von Habsburg) in Windisch 1308. Da Roth nicht weit von Tambach entfernt ist, könnte Anna eine Angehörige der Tambach-Fischer sein.

1359, Jahrzeitbuch Sursee: Walter und Mechtild Fischer. Ein Wegkreuz, das darauf hinwies, stand noch 1862 in Bognau, an der Strasse von Mauensee nach Kottwil.

1385 erfolgte die erste Erwähnung der Fischer von Tambach («Heinrich Fischer, Tambach, Menznau, Zimmermann», «Heinrich Fischer, Tambach, Ruswil» und «Peter Fischer, Tambach»). Diese hatten wie auch viele andere Landbewohner kurz vor dem Sempacherkrieg das Schutzbürgerrecht der Stadt Luzern erworben.

1386 fällt das Gebiet am Soppensee de facto an die Stadt Luzern. 1415 geschieht dies auch de jure durch ein Edikt des deutschen Königs Sigismund (König 1410 bis 1437, Kaiser an 1433).

1410 Hans Fischer von Grosswangen, vor dem Steg, ist Bürger der Stadt Luzern. Ebenso wird ein Fischer von Tambach erwähnt.

1426 siegelte Johann Fischer von Sursee, Chorherr zu Beromünster, bei einem Landkauf und bei der Fischweihererrichtung in Tambach.

(Das Wappen rechts stammt aus der Wappensammlung des Staatsarchivs Luzern und zeigt das Wappen von Johann Fischer.)

Fischer Kottwil und Sursee & Oberkirch

1434 und 1440 wird Hans Fischer von Tambach erwähnt.

1447 wurde am Steig, Ettiswil ein 'Heinzmann Fischer' erwähnt. 1452 wurde ein Heinzmann als erster Fischer in Triengen erwähnt.

1470 wird ein 'Hans Fischer' von Tambach erwähnt (Grosshans?).

1493 wird Rudolf Fischer aus Ruswil erwähnt. Er war Söldner beim Feldzug nach St. Gallen und Appenzell (1489: Rorschacher Klosterbruch).

1500 wird ein 'Hans Fischer' in Schwanden erwähnt (Kleinhans?).

1545 wollte Hans (Kleinhans) Fischer den Soppensee kaufen, Ratsherr Jakob Feer erhielt aber den Zuschlag. Nach dessen Tod 1551 übernahm Hans 1553 Tambach und Schwanden (Erblehen).

1557 wird Mathias Fischer - zusammen mit seinem Bruder Hans Caspar - Besitzer von Widmoos.

1570 kauft Mathias Fischer die Widmatt von Jakob Freienbach.

1571 ist Mathias Fischer von Schwanden, Buttisholz Pate bei der Glockenweihe.

1573 wird in Buttisholz eine Jahrzeit gestiftet für Mathias Fischer (1573 gestorben) und für weitere verstorbene Familienmitglieder.

1585 wurde ein Erblehensbrief von Melchior und Josef Fischer, Vettern, von Schwanden ausgestellt (im Staatsarchiv Luzern aufbewahrt). Das Erblehen hält 80 Jucharten.

1621 Schuldbrief über 550 Gulden ausgestellt auf Maria Schmid-Fischer (im Staatsarchiv Luzern aufbewahrt).

1645 fand die Erbteilung des Hofes Tambach statt (zwischen Hans Caspar Fischer und seinem Bruder Adam Fischer).

1650 erhielt Hans Fischer vom Rat in Luzern eine Busse, weil er die Romooser Diebe nannte, die bei der Zinslieferung beim Abladen einen Sack Getreide stahlen. Kläger war der Pfarrer.

1672 hält Tambach 147 Jucharten.

1681 fand eine Grenzbereinigung der Fischer in Tambach, Neuhus und Schwanden statt.

1767 heiratete Josef Fischer Anna Maria Lustenberger und übernahm damit den Hof Geugelhusen. 1796 heiratete Josef Fischer Katharina Burri Lustenberger und übernahm den Hof Finsterwald (Stamm Finsterwald).

1904 hat die jüngste Tochter Hedwig Hans Bieri von Lipperen geheiratet und Geugelhusen übernommen, und die Geschwister mussten Geugelhusen verlassen. Ebenso heiratete 1904 Josef Fischer in Malters und übernahm den Hof Graben. 1912 zündeten spielende Kinder Geugelhusen an und die Familie Bieri zog nach Aecherlig in Grosswangen. 1917 wurde die baufällige Liegenschaft 'Hof Graben' verkauft und ins Dorf Malters in die Altmühle gezogen. 1930 wurde die Liegenschaft Lindenfels in Rothenburg gekauft.

Der Text und die grafische Aufstellung oben stammen weitgehend von Hans Fischer, Lindenfels 9, 6023 Rothenburg.

Jahrzeitbuchfragment zu Hasle

Im vorderen Deckel des ältesten noch vorhandenen Jahrzeitbuchs von Hasle, das aus dem Jahr 1494 stammt, wurde durch einen glücklichen Zufall ein Pergamentblatt entdeckt, das - nach einer sorgfältigen Ablösung - sich als altes (etwa vom Anfang des 12. Jahrhunderts), reich beschriebenes Jahrzeitbuch erwies. Auf zwei Blättern sind 'Fischer' erwähnt:

Maius habet dies XXXI Luna XXX

Oben: ob. [obiit = gestorben] Magister henricus buocher ob. [obiit = gestorben] Ita filia piscatoris [des Fischers Tochter]. Von diesem Fischer erhielt das Fischergut (d.h. alle Liegenschaften vom Dorf bis Bodnig unterhalb der Kantonsstrasse), den Namen.

Unten: Adelheit vxor piscatoris [Adelheid, Frau des Fischers].

Junius habet dies XXX Luna XXVIIII

Oben: petrus de tilun chvoradus biscator [Konrad Fischer]. Davon benannt das Fischergut.

Fischergüetli in Hasle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geiss

Der Name 'Geiss' könnte abgeleitet worden sein vom römischen Wort 'casa', welches soviel wie Haus oder Hütte bedeutet. Besser gefestigt ist die Aussage, dass die Alemannen Geiss besiedelt haben. Diesen Schluss lässt der Hofname Elswil zu, der eindeutig alemannische Wurzeln hat.

Wappen 'Geiss'

Im Mittelalter stand Geiss unter den Herren von Wolhusen. Sie bewohnten die dortigen Burgen, von welchen noch Überresten vorhanden sind. Der Gerichtsstandort der Herren von Wolhusen war in Buholz und ganz der Nähe auf Geisser Boden stand der Galgen, an welchem Verbrecher gehängt worden sind. Dieser Galgen existierte noch im Jahr 1800.

Das Mittelalter kann als eigentliche Blütezeit von Geiss bezeichnet werden. Dank der verkehrsgünstigen Lage, Geiss liegt am Jakobsweg, der im Mittelalter ganze Heerscharen von Pilger angelockt hatte, kam das Dorf zu Einkommen und Ansehen. Es konnte eine prächtige Pfarrkirche gebaut werden, welche dem hl. Jakob dem Älteren geweiht wurde. Das Dorf erhielt das Marktrecht und verfügte sogar über die niedere Gerichtsbarkeit.

Die Herren von Hasenburg schenkten die Gemeinde Menznau (samt Geiss) dem Benediktinerkloster St. Johann in Erlach am Bielersee. Geiss wurde mitsamt seiner Kirche im Jahr 1375 von Söldnern des Ingelram von Coucy niedergebrannt. (Die Soldaten wurden wegen ihrer Helmform Gugler genannt und sollten die Besitzansprüche ihres Herrn durchsetzen.) Menznau kam 1407 durch den Erwerb der Vogtei Willisau an Luzern und wurde bis 1798 Teil der Landvogtei Ruswil.

Siehe auch das Urbar zu Schaffnerei Geiss aus dem Jahre 1657 (in diesem wird Erlach noch erwähnt). Ebenso liegt der Weiler Elswil bei Menznau (2 km nordöstlich von Menznau).

In den Jahren 1650 wurde Geiss wiederholt in die Wirren des Bauernkrieges gerissen. Die Wut der Landbevölkerung gegen die Städter und ihre Zollpolitik, die Geldabwertung und die Erhöhung der Brückenzölle manifestierte sich auch in Geiss und die Bevölkerung gab ihrem Unmut Ausdruck.

Von 1798 bis 1803 gehörte Menznau (und Geiss) zum Distrikt Ruswil, danach bis 1814 zum Amt Entlebuch . Ab 1814 gehörte es zum Amt Sursee und erst seit 1831 zum Amt Willisau.

Mit dem Rückgang des Pilgerstromes versiegte die zusätzlich Einnahmequelle der Landbevölkerung allmählich und das Dorf Geiss wurde mehr und mehr zu einem behäbigen Bauerndorf mit landwirtschaftlich ertragreichem Boden. Dieser Ertrag wurde im Verlauf des zweiten Weltkrieges noch gesteigert, indem das Geisser Moos trocken gelegt wurde. Die Trockenlegung erfolgte durch das Gewinnen des Torfes, welches im Krieg als wertvolles Brennmaterial galt. Mit der Torfgewinnung wurden Drainagen gelegt und heute ist das Geissermoos gänzlich der landwirtschaftlichen Produktion zugeführt.

Ettiswil (und Kottwil)

Eine erste Erwähnung von Ettiswil findet sich unter dem Namen 'Ettiswile' im Jahr 1076, als ein Freiherr von Wolhusen (der später zum Abt 'Seliger' wurde) einen Hof, den Kirchensatz und verschiedene Rechte an sein Kloster Einsiedeln übergibt.

Kottwil und Zuswil sind alemannische Gründungen. Aus der Alemannenzeit hat man die sogenannten Alemannnengräber beim 'Striterain' entdeckt. Kottwil war die Villa oder das Landhaus des Kotto, Zuswil die Villa oder das Landhaus des Zuso (oder Zuzo). Kottwil wird in einer Urkunde ums Jahr 1173 erwähnt und zwar unter der Bezeichung 'Chotwile'.

Wappen 'Ettiswil'

1173 nahm der deutsche Kaiser Friedrich I Barbarossa das Stift Beromünster in seinen Besitztum, namentlich das Gebiet von Chotwile. 1236 nahm Papst Gregor IX das Kloster Engelberg unter seinen Schutz und bestätigte ihm all seine Besitzungen, u.a. auch von Chotwile. Noch im gleichen Jahr erwarben die Gebrüder Grünenberg, Ritter, durch einen Abtausch mit dem Kloster Engelberg das Gebiet von Kottwil.

1423 bis 1557 gehörte Kottwil zur Herrschaft der Vogtei Kasteln und 1629 kam Kottwil zum damaligen Amt Ruswil. Vögte waren damals die Herren Schnyder von Wartensee. Das Twingrecht übte von 1520 bis 1798 die Familie Schnyder aus Sursee aus.

Im Jahr 1571 gibt es in Ettiswil einen grossen Dorfbrand, dem nebst anderen Gebäuden auch das Pfarrhaus vernichtet.

Das älteste Dokument, das sich in der Gemeindekanzlei von Kottwil befindet, geht auf das Jahr 1629 zurück. Es ist dies ein Kaufbrief. Die Gemeinde besass nachweisbar eine der ältesten Schulen der Region.

Die Gemeinde Ettiswil gehört bis 1798 zur Landvogtei Willisau. In der Helvetischen Republik gehörte sie zum Distrikt Willisau, ab 1803 zum neugeschaffenen Amt Willisau. In Ettiswil sammelten sich am 1. März 1845 zwei Abteilungen der Freischaren, um Richtung Luzern zu marschieren.

Im Jahre 1810 heiratete Josef Fischer aus Oberkirch die Katharina Küönzli aus Ettiswil.

Im Jahre 1930 heiratete Hans Fischer aus Nottwil die Maria Kilchmann aus Ettiswil.

Flugaufnahme

Am 1. Januar 2006 hat sich Ettiswil mit der früheren Gemeinde Kottwil zur neuen Gemeinde Ettiswil zusammengeschlossen.

Oberkirch

Die Lenzburger verfügten im 11. Jahrhundert in und um Sursee über verschiedene Besitzungen, auch über eine "obere Kirche" und einen "oberen Hof". Die älteste bisher vorgefundene Urkunde erwähnt Sursee und zugleich Oberkirch und ist datiert vom Jahre 1036.

Die Schreibweisen für Oberkirch lauteten:

  • 1052 Obernkilch
  • 1217 Oberunkilch und Oberenkilchum
  • 1252 Obrenkilchen
  • 1275 Oberkilchain
  • 1278 Obernkilch
  • 1299 Obern Kilchen
  • 1301 Obernkirch
  • 1304 Oberenkilken
  • 1314 Oberkilchun und Oberenchilchen
  • 1371 und 1478 Oberkilch

Die Grundmauern der 1975 abgebrochenen alten Kirche (die vierte auf dem gleichen Platze) deuten nach Struktur und Stärke und der Beschaffenheit des Bodens auf ein vorkarolingisches Gotteshaus. Es dürfte ins 8./9. Jahrhundert zurückgehen.

Wappen 'Oberkirch'

Damals regierte Graf Ulrich V. von Lenzburg, genannt der Reiche. Sein Sohn Heinrich war Probst zu Beromünster. Ulrich vergabte laut dieser Urkunde seine Besitzungen in Sursee (so wurde damals die ganze Gegend genannt) an das Gotteshaus Beromünster, so auch die obere Kirche (ecclesia superior) samt einem dazugehörenden Hofe. Die Vergabung sollte aber nicht dem Stifte eigentümlich, sondern einem jeweiligen Kastvogt zugehörig sein. Er bestimmte zugleich, dass sein Enkel, Graf Arnold IV., nach dem Tode seines Sohnes Heinrich die Kastvogtei erhalten sollte.

Dieser "obern Kirche" hat sicher eine "untere" entsprochen, welche aber wahrscheinlich beim Bau der "obern" nicht mehr existierte, da sie in keiner Urkunde erscheint. Es war ohne Zweifel die im Jahre 1941 ausgegrabene Kirche bei Mariazell am See (Entstehung vermutlich im 5./6. Jahrhundert). Sie war schon vor 1036 beim Steigen des Sees entweder überflutet oder abgebrochen worden. Sie war eine Gau- oder Talkirche, ein Zentrum des christlichen Lebens für die ganze Gegend, für die umliegenden Seegebiete und Höhenzüge. Der Wasserstand des Sees muss während vieler Jahrhunderte ziemlich konstant gewesen sein, bis er aus unbekannten geologischen Ursachen rasch zu steigen begann und die Kirche am unteren Ende des Sees überflutete. Direkte urkundliche Erwähnungen dieses ausgegrabenen Gotteshauses konnten nicht aufgefunden werden. Nur die Volkssage weiss von einer an dieser Stelle versunkenen Kirche zu berichten, deren Glocken Sonntagskinder am Karfreitag hören können. Nach ihrem Verschwinden wurde eine neue Kirche nahe beim Abfluss der Sure etwas südlich auf erhöhtem Gelände erbaut. Sie hat dann die Aufgabe der versunkenen Kirche übernommen und wurde "obere Kirche" geheissen. Diese "obere Kirche" hat der Dorfsiedlung den Namen Oberkirch gegeben.

Ein Teil von Oberkirch war durch die Vergabung des Grafen Ulrich von Lenzburg an den Stift Beromünster gekommen und bildet zusammen mit Ey, Nottwil und Sigerswil das sogenannte Eyamt. Es war bis in die neuere Zeit ein Teil des Michelsamtes oder der Landvogtei Beromünster.

Die Grafen von Lenzburg wurden nach 150jähriger Regierungszeit im Jahre 1173 von den Kyburgern abgelöst, deren Stammburg in der Nähe von Winterthur liegt. Sie waren unter anderem die Gründer des Städtchens Sursee. 1278 kamen Sursee und Umgebung unter die Habsburger, die ihr Schloss im Aargau hatten und zur Königswürde gelangt waren. Sursee erhielt 1299 von König Albrecht I. das Stadtrecht. Es wurde schon 1256 als befestigter Platz (munitia) erwähnt und besass seit 1369 ein Markthaus.

1420 kaufte die Stadt Luzern den Surseern das Michelsamt ab und setzte Vögte (Twingherren) über seine Verwaltungsbezirke ein. Das Michelsamt war um diese Zeit eine der sechs grossen Vogteien des Stadtstaates Luzern. "Rät und Hundert" (Kleiner und Grosser Rat) gab es schon damals, aber Regierungsämter waren nur den Patriziern vorbehalten. Die Twingherrschaft über Oberkirch wurde meistens von Surseer Ratsherren ausgeübt.

Nach dem 30jährigen Krieg (1618 bis 1648) in Deutschland gab es auch in der Schweiz arge Krisenzeiten. Die Bauern mussten hohe Steuern und Zinsen leisten. Die Agrarpreise sanken. Dazu hatte auch eine neue Münzordnung mit schlechtem und falschem Geld aus Italien und Frankreich beigetragen. Das Volk war in soziale Klassen gespalten: Landvolk gegen die Städter (Patrizier). Die Folge war ein schwerer Bürgerkrieg (Bauernkrieg 1653) zwischen den Untertanen auf dem Land und den Herren in den Städten. Der Aufstand begann im Entlebuch, dessen Sonderrechte von der Luzerner Regierung stark beschnitten worden waren, und griff auf das Emmental über.

Nottwil

Die ersten nachweisbaren Bewohner am Sempachersee waren die Kelten. Ueberreste von Holzpfählen, die beim Bau der Eisenbahnlinie um 1850 zu Tage traten, lassen vermuten, dass im Gebiet der heutigen Eisenbahnstation ein Pfahlbauerdorf bestanden haben muss.

Wappen 'Nottwil'

Vom Norden kommend drangen die Helvetier im Land ein und liessen sich im Gebiet des heutigen Mittellandes nieder. Die Gegend von Nottwil gehörte damals zum Gau der Verbigener. Im Jahre 100 v.Chr. zogen sie aber unter der Führung des Feldherrn Orgetorix gegen Gallien. Der römische Feldherr Julius Cäsar bezwang sie und so kam unsere Gegen in römische Herrschaft.

Beinahe 500 Jahre blieb das Gebiet in römischem Besitz, bis zum Beginn der Völkerwanderung. Die Alemannen begannen sich anzusiedeln. Der Ortsname Nottwil stammt vermutlich aus jener Zeit: "Notowile", Hof des Noto. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts unterwarfen die Franken das Reich der Alemannen. Nach dem Zerfall des Frankenreiches kam unser Land unter die römisch-deutschen Kaiser. Die Adeligen und Klöster waren nun die Grundherren. Vom Gebiet der heutigen Gemeinde Nottwil, welche erst viel später ein eigenes Gemeinwesen wurde, gehörte der östliche Teil (Eggerswil) in die Grafschaft von Rothenburg, der südliche Teil (Huprächtigen) in die Grafschaft Wolhusen, der westliche Teil (Ey, Tannenfels) in die Grafschaft Lenzburg.

Nach dem Sieg der drei Waldstätte und Luzerns über die Oesterreicher bei Sempach 1386 stellten sich viele Nottwiler unter den Schutz der Stadt. 1801 wurde Nottwil eine selbständige Gemeinde und kam zum Distrikt Sempach.

Die mittelalterliche Geschichte Nottwils ist eng verbunden mit dem seit dem 13. Jahrhundert bezeugten Adelsgeschlecht der Herren von Tannenfels, die sich zuweilen auch von Sursee nannten. 1348 verkaufte Katharina von Wessenberg, Witwe Burkarts II. von Tannenfels, den Familiensitz an den Deutschen Ritterorden, der Tannenfels zur Komturei erhob. Als beim grossen Burgenbruch im Sempacherkrieg 1386 Tannenfels zerstört wurde, vereinigte der Ritterorden die Komturei Tannenfels mit derjenigen zu Hitzkirch. 1415 kam Nottwil von der österreichischen Herrschaft an Luzern. Tannenfels blieb aber im Besitz des Deutschen Ritterordens. 1668 veräusserte dieser den ehemaligen Adelssitz an den Luzerner Patrizier Eustach von Sonnenberg. Zwanzig Jahre später liess der neue Besitzer, Hans Caspar Mayr von Baldegg, ein neues Schloss errichten. Bis heute ist Tannenfels, das 1912 noch einen Turm erhielt, in Privatbesitz.

Sursee

Der Name Sursee stammt vermutlich vom Flüsschen Sure (Suhre) und dem See (heute Sempachersee), den es nordwärts verlässt und dann durchs Surental zur Aare hinfliesst.

Bereits zur Jungstein- und Bronzezeit waren die Seeufer am Sempachersee mit kleinen Dörfern besiedelt. In der römischen Epoche befand sich westlich der Altstadt ein Vicus, eine römische Kleinstadt mit Markt- und Verwaltungsfunktionen. Im 8. Jahrhundert wurde auf dem höchsten Punkt des Moränenhügels an der Sure eine erste, hölzerne Kirche für eine kleine Dorfgemeinschaft errichtet. Als sich mit der Zeit das Dorf vergrösserte, wurden um 800 und etwa ums Jahr 1000 steinerne Kirchen erbaut.

Wappen 'Sursee'

Auf der Grundlage dieser älteren, dörflichen Siedlung entwickelte sich um Mitte des 13. Jahrhunderts die Kleinstadt Sursee. Durch die Grafen von Kyburg wurde sie mit ersten städtischen Rechten ausgestattet, die im Stadtrechtsbrief von 1299 als bereits bestehende Rechte - wie z.B. das Marktrecht - garantiert und durch weitere Freiheiten ergänzt wurden.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts erweiterten die Herzöge von Österreich diese städtischen Privilegien mit Handels- und Zollrechten. Auch nach der Eroberung durch die Luzerner im Jahre 1415 wusste Sursee seine städtischen Rechte und Freiheiten im luzernischen Untertanenland zu wahren. Die Stadt Sursee entwickelte sich im Spätmittelalter zu einem Gemeinwesen, das seine Bedeutung als Etappen- und Marktort an der alten Gotthardroute, als Verwaltungsort für wichtige Klöster wie durch regsames Handwerk und Gewerbe zum Ausdruck brachte. Die historische Altstadt von Sursee vermittelt noch immer das Bild dieser spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Entwicklung.

Rathaus Rathaus Oberstadt Bahnhof Bahnhof (um 1929) Eisenbahnvorstadt Sure Sure (Rückseite)

Das 19. Jahrhundert war auch in Sursee eine Zeit vielfältiger Umbrüche in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Einheimische Zeitungen entstanden, in Handwerk und Gewerbe versuchte man innovative Neuerungen und nebst vielen kurzlebigen Versuchen entwickelte sich die 1871 gegründete Ofenfabrik Sursee (später AG Ofenfabrik und Therma-Werke) zum grössten Industrieunternehmen, das in seiner Blütezeit um 350 Arbeiter beschäftigte. In jenen Jahrzehnten wurde aus der alten Stadt eine moderne Gemeinde, die sich 1831 in eine Einwohner- und Bürgergemeinde (seit 2000 vereinigt) sowie die Korporationsgemeinde aufteilte.

Rathaus Unteres Tor (Westansicht) Unteres 'Thor' Unteres 'Thor' (Rückseite) Hotel Kreuz (etwa um 1950) Mühlegasse an der Suhre Ansicht im Süden Ansicht im Süden (Rückseite) Murihof, altes Kyburger Schloss

 

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Erstellt durch Daniel Stieger (letzte Nachführung am 13. März 2011)